Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen II. Section/H15

Heft 14 des Meissner Kreises Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen von Gustav Adolf Poenicke (Hrsg.)
Heft 15 der Section Meissner Kreis
Heft 16 des Meissner Kreises
Die Beschreibungen sind auch als Einzeltexte verfügbar unter:
  1. Schönfeld
  2. Reichstädt
  3. Zuschendorf
  4. Hermsdorf
  5. Schönfeld


[113]
Schönfeld
bei Pillnitz. (Zur Berichtigung).


Durch ein Versehen des Zeichners ist im vorigen Monat Februar im 14ten Hefte des Meissner Kreises und im 69sten der fortlaufenden Nummer die Abbildung von Schönfeld bei Pillnitz statt der Abbildung des Schönfeld bei Grossenhain erschienen, wogegen der dabei befindliche Text sich auf Schönfeld bei Grossenhain bezieht, obschon solcher wegen der durch die Schuld des Zeichners verspäteten nöthigen Notizen nicht ausreichend, nicht erschöpfend genug geliefert werden konnte. Deshalb ist auch bei der jetzt mitfolgenden Abbildung von Schönfeld bei Grossenhain noch ein Mal besonderer Text beigegeben. Hier nur noch nachträglich zu der frühern Abbildung von Schönfeld bei Pillnitz die nähere Beschreibung:

Schönfeld bei Pillnitz liegt 1¼ Meile östlich von Dresden und ¾ Stunden von Pillnitz, längs einem aus Nordosten kommenden Wässerchen in westlicher Richtung ziemlich lang hinab gebaut. Dieses Wasser ist die Hauptquelle zu jenem, welches den sehenswerthen Keppgrund bildet. Bei der in Südwesten stehenden Windmühle findet man überaus schöne Aussichten.

Schönfeld ist eigentlich ein Flecken mit Marktplatz und hat jährlich zwei Jahrmärkte, eine Apotheke, zwei Gasthöfe, einige Mühlen, starken Obstbau und Spinnerei.

Schönfeld hat jetzt ein eignes Gerichtsamt, gehört zum Bezirksgericht Dresden, zur Amtshauptmannschaft Dresden und zum Regierungsbezirk Dresden.

Schönfeld hat 78 bewohnte Gebäude mit 115 Familienhaushaltungen und 488 Einwohnern.

Das vier Etagen hohe Schloss bildet nur einen tiefen und 13 Fenster breiten Flügel mit vielen Ziergiebeln und einem niedrigen, achteckigen, oben aber runden, offenbar sehr alten Thurme. Das Schloss selbst ist von einem Walle und Wassergraben rings umgeben und ist durch ein Brückchen und einige Stufen mit der Kirche, welche sehr weit gesehen wird, verbunden.

Ueber der Thüre des Schlosses steht als Zeit der Erbauung 1573. Es ist dies aber vermuthlich das Jahr, wo eine Erweiterung und Renovation vorgenommen wurde. Denn ein Schloss stand hier schon viel früher, doch scheint es mehr als Vorwerk zum Rittergute Helfenberg gehört zu haben. Die Nachrichten gehen blos bis zum funfzehnten Jahrhundert zurück, wenn man nicht alten Geschichtsschreibern folgen darf, welche im zwölften und dreizehnten Jahrhundert das Geschlecht derer von Sahla hierher versetzen. Im Jahre 1400 gehörte es dem reichen Ziegler’schen Geschlecht sammt Helfenberg und dem Vorwerke Pretzschwitz. Diese Familie besass es noch 1457. Im Jahre 1463 kommt ein Czaslav von Schönfeld hier vor und 1482 war das Gut ins Amt Pirna bezirkt. Dann kam es an die Familie von Graupe, welche es bis 1520 noch besassen. Im Jahre 1544 war es als besonderes Gut in den Händen Georgs von Carlowitz, der es in letzteren Jahren gegen Kriebstein an den Landesherrn, Herzog Moritz, abtrat. Diesem kaufte es erst der berühmte Baumeister, Hans von Dehn-Rothfelser und dessen Söhne, die sich blos Helfenberg vorbehielten, kaufte Schönfeld dann der in der Religionsgeschichte bekannt gewordene unglückliche Dr. Cracau ab. Denn dass er auch dieses Schönfeld neben Schönfeld bei Leipzig besessen, ergiebt sich aus seinem über dem Schlossthore befindlichen Wappen. Dieser Dr. Cracau bewirthete einst hier seine Freunde Dr. Stössel und Dr. Peucer, eine Bewirthung, die nachher von Wichtigkeit wurde. Im Jahre 1574 zog man ihn gefänglich ein und er starb im März 1575 im Kerker der Leipziger Pleissenburg an den Folgen erlittener Tortur. Sein Körper wurde dann in Schönfeld bei Leipzig beigesetzt und seine Erben veräusserten das Rittergut mit der andern Besitzung im Jahre 1585 an den kurfürstlichen Kammermeister Georg Schilling. Nach dieser Zeit kam das Gut an die von Loss, und durch Verheirathung ging es im Jahre 1644 an die Familie von Friesen und zwar an den Geheimen Rath Heinrich von Friesen auf Rötha und Jessen über, dessen Nachkommen es über hundert Jahre besessen haben. Dann kam das Gut an die Erben der Familien von Callenberg, Lüttichau und Solms, von welchen es im Jahre 1787 der Kurfürst von Sachsen aus seiner Schatulle an sich kaufte und mit demselben zugleich die Rittergüter Graupe, Jessen und Pretschwitz vereinte. Die Direction über dasselbe führte bis zu seinem Tode der Minister Marcolini: Denn zum Besten der Staatsuntergebenen und der Güter wurde es nicht verpachtet, sondern auf landesherrliche Rechnung bewirthschaftet. Zum Schatullengute gehörte 1) Schönfeld, Zaschendorf, Ritzendorf, Malschendorf; 2) Graupe und Neugraupe; 3) Vorder-Jessen, Hinter-Jessen mit der Diez- und Grundmühle, Wünschendorf, Bennewitz [114] und Borkwitz; 4) Pretzschwitz und ein Theil von Ullersdorf; 5) verschiedene Weinberge und ein Gut im Dorfe Seeligstadt.

Mit dem Jahre 1831 hörte Schönfeld bekanntlich auf Schatullengut zu sein.

Die Kirche des Orts, wie schon oben erwähnt worden, liegt sehr hoch, der Gottesacker aber ist entfernt von der Kirche. In der herrschaftlichen Gruft liegen ein Fräulein von Asseburg, eine Gräfin Roszinska, das Herz von einem Grafen von Reuss, mehre Glieder von der Familie der Grafen Friesen begraben, unter ihnen eine Gräfin Agnes Elisabeth von Friesen, von der man gesagt hat, sie sei scheintodt gewesen.

Die Kirche des Dorfes stand im Papstthum unter dem Radeberger Sedes des Archidiakonats Nisici im Bisthum Meissen; jetzt gehört es zur Ephorie Radeberg.

Die Parochie ist sehr stark und besteht aus folgenden 22 eingepfarrten Ortschaften: Bühlau, Bühlauer Grund, Cunnersdorf, Eichbusch, Gross-Graupe, Helfenberg, Helfenberger Grund, Jessener Hof, Klein-Graupe, Krieschendorf, Malschendorf, Neu-Bühlau, Neu-Graupe, Nieder-Rochwitz, Ober-Rochwitz, Porschberg, Quohren, Reitzendorf, Rockau, Rockauer Grund, Schullwitz und Zaschendorf. Die ganze Kirchfahrt kann leicht an 2000 Seelen in sich fassen.

Schönfeld hat berühmte Schäferei auf dem vier Stunden davon entlegenen Eichbusch und starke Brauerei.

Bei Schönfeld gräbt man grosse, oft zum Behuf des Verbauens erst noch zu zersprengende Stücken eines trefflichen Granits.

Das zu Schönfeld gehörige Pretzschwitz liegt anmuthig an der Wesenitz und Pirnaischen Grenze, in der Elbaue, und hat ein grosses Vorwerk, einen Gasthof, eine schöne Mühle, treibt Stromgewerbe und die Wesenitz dient als Hafen. Die ganzen Schönfelder Orte sind aber noch bekannt und berühmt durch ihren starken Kirschenbau.

M. G.     




Reichstädt.


Reichstädt liegt ½ bis 1 Stunde von Dippoldiswalde, 4½ bis 5 Stunden von Dresden in einem Thale, welches der bei Hennersdorf entspringende sogenannte Berreuther Bach bildet, und am Oberdorfe bei seiner grossen Breite und hohen Lage etwas kahl erscheint, von des Dorfes Mitte aber sich immer reizender gestaltet, bis es zwischen Reichstädt und Berreuth eines der lieblichsten in der Gegend wird.

In diesem Thale dehnt sich Reichstädt fast eine Stunde lang fort, anfangs in nordwestlicher dann in nördlicher Richtung, aus grosser Höhe herab. Deshalb hat auch das Oberdorf ein bei weitem rauheres Klima als das Unterdorf und kommt beinahe darinnen mit Hennersdorf überein.

Reichstädt gehörte in früheren Zeiten zu dem Amte Dippoldiswalde und die Einwohner grösstentheils zum hiesigen altschriftsässigen Rittergute. Seit der neuen Gerichtsordnung gehört der ganze Ort unter das Gerichtsamt Dippoldiswalde, zum Bezirksgericht Dresden, zur Amtshauptmannschaft Dresden, zum Regierungsbezirk Dresden.

Reichstädt hat jetzt 147 bewohnte Gebäude mit 246 Familienhaushaltungen und 1173 Bewohnern.

Reichstädt selbst ist nach der Stadt Dippoldiswalde der wichtichste Ort im Gerichtsamte. Den Namen führt es mit Recht, denn es gehört zu den wohlhabendsten hiesiger Gegend und ist durchgängig schön gebaut.

In Reichstädt selbst ist noch ein Erbgericht, ausserdem sind hier noch sechs Mühlen mit neun Mahlgängen und einigen Sägen zu finden, welche ausser dem Holzhandel auch einigen Breterhandel nach Dresden bewirken.

Der Hauptnahrungszweig besteht in Ackerbau und Viehzucht, besonders findet man im Oberdorf starken und guten Flachsbau, seit 1829 treibt man hier auch Eisenbau.

Ein Schloss war schon sehr früh erbaut. Im dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert existirte auf demselben ein Geschlecht von Reichenstadt, von welcher Familie es zum Gute Dippoldiswalde gekommen zu sein scheint.

Denn im Jahre 1503–1505 verkaufte Georg der Bärtige Dippoldiswalde sammt Reichstädt an seinen Rath und Amtmann auf’m Schellenberge, Siegmund von Maltitz, dessen Familie es bis zum Jahre 1560 behauptete, wo es Churfürst August von Letzterer acquirirte.

Churfürst Johann Georg I. schenkte es nebst Berreuth 1640 seinem Hofmarschall und Amtshauptmann Heinrich von Taube, durch dessen Nachkommen es an die Familie von Nostiz kam. Im Jahre 1697 starb allhier der Oberst Caspar Christoph von Nostiz aus dem Ullersdorfer Stamm. Sein dritter Sohn Gottlob von Nostiz, Anhalt-Cöthenscher Geheimer Rath erhielt Reichstädt und starb 1742. Von ihm kam es an seinen Schwager, den Capitain Caspar Albrecht von Schönberg auf Maxen und Wittchensdorf und bei dessen Tode 1763 an den zweiten Sohn den Kammerherrn, Johannitter-Ritter und General-Postmeister Adam Rudolph, welcher die Neu-Purschensteiner Linie bildete.

In dieser Familie erbte es als Majorat nach einer Anordnung des Letzteren fort. Der jetzige Besitzer ist Herr Utz von Schönberg auf Purschenstein, welcher nicht in Reichstädt, sondern auf Purschenstein wohnt. [115] Nach einem alten Privilegium wird der jedesmalige Besitzer von Reichstädt nicht belehnt, weshalb er auch nicht zum Landtage eingeladen wurde.

Der Besitzer von Reichstädt ist auch Collator über die Kirche, welche im Niederdorfe steht. Ausser dieser Niederkirche steht noch eine kleine Wallfahrtskapelle auf der sogenannten kahlen Höhe, westlich vom obern Ende des Ortes, deshalb auch die Kahlhöherkirche genannt, welche den vierzehn Nothhelfern gewidmet war.

Dieselbe existirte schon 1320, wo Nicolaus von Henkendorf als Geistlicher bei derselben angestellt war. Dieser musste einem Befehle des Papstes zu Folge dem Abte von Ossegk Hülfe leisten, als Letzterer von einigen vornehmen Schuldnern belagert und hart bedrängt wurde.

An den Namenstagen der Nothhelfer geschahn starke Wallfahrten hierher und die Kirchengäste mussten dann starke Geldsummen einlegen.

Denn nach einer alten Urkunde gingen in und ausser der Kirche zwei Kirchenväter, welche nicht mit Maass oder Becken in den Händen, sondern mit grossen Säetüchern umhangen, die Gaben an Flachs u. s. w. einsammelten.

Das Gebet, welches die Gläubigen in dieser Kirche zu den vierzehn Nothhelfern verrichteten lautete folgender Massen:

„Allmächtiger, ewiger Gott, der du deine auserwählten Heiligen Georgium, Blasium, Erasmum, Pantaleonem, Vitum, Christophorum, Dionysium, Cyriacum, Achatium, Eustachium, Aegidium, Catharinam, Margaretham und Barbaram mit besonderen Freiheiten reichlich begabet und gezieret hast, dass alle, so in ihren Nöthen deren Hülfe andächtig begehren, nach deinem Versprechen eine heilsame Wirkung ihrer Bitten erfahren, verzeihe uns, mildester Herr, unsre Sünde, erledige uns durch ihre heiligen Verdienste von allerhand Widerwärtigkeiten und erhöre gnädiglich unsre Bitte durch Jesum Christum. Amen.“

Im Jahre 1533, wo unter Lorenz Heymann, dem ersten lutherischen Prediger Reichstädts, der Ort zum Protestantismus überging, wurde die Zufahrt zu den vierzehn Nothhelfern abgeschafft, die Glocken herunter und in die niedere Kirche gebracht und darinnen gepredigt.

Der spätere evangelische Prediger, Georg Winkelmann, hat die obere Kirche wieder erneuern lassen und darinnen gepredigt. Im Jahre 1681 wurde dieselbe neu erbaut und im Jahre 1700 von der damaligen Gerichtsherrschaft der verw. Luitgard von Nostiz geb. von Bünau dafür gesorgt, dass in diese Oberkirche neue Stühle, Kanzel, Emporkirchen kamen und solche eine neue Decke und neues Dach erhielt.

Späterhin schenkte Abraham von Schönberg der Kirche einen Altar und 1792 liess Rudolph von Schönberg, Generalpostmeister u. s. w., solche mit einem neuen Dache und Thurme versehen.

Jetzt wird in dieser Kirche jährlich noch zwei Mal gepredigt, nämlich am Himmelfahrtstage und am Sonntage Michaelis.

Rücksichtlich der Bilder der vierzehn Nothhelfer giebt es noch eine doppelte Sage. Nach der einen sollen diese Bilder der vierzehn Nothhelfer von Silber, im siebenjährigen Kriege von den Soldaten mitgenommen; nach der andern sollen diese Bilder aus Holz geschnitzt, versilbert und vergoldet, welche auf dem Boden der obern Kirche aufbewahrt wurden, von Böhmischen Leuten entwendet worden sein.

Der oben erwähnte Generalpostmeister Rudolph von Schönberg legte im Jahre 1765 das Schloss neu an und liess solches in damaligem Style mit grossem Aufwande für den Herzog Carl von Sachsen-Curland herrichten. Prinz Carl hat auch wirklich das Schloss eine Zeit lang im Sommer bewohnt, starb aber dann bald auf einer Reise von Curland nach Sachsen.

Das Schloss selbst liegt seitwärts von der Kirche auf einem Hügel und besteht aus mehreren kleinen, drei Etagen hohen Flügeln, die einen kurzen Hof einschliessen. Dasselbe ist kostbar meublirt, gross und geräumig und hält zwei Thürme. Es ist eines der grössten Herrenhäuser Sachsens. Die dabei befindlichen Gärten und Parkanlagen, wenn auch noch in einem alten Style, gehören zu den grössesten und sehenswerthesten, so auch die alten Alleen.

Die Wirthschaft ist bedeutend und beruht auf den schönen Gebäuden am Schlosse, der Schäferei, der Brauerei, Ziegel- und Kalkbrennerei und einem Vorwerke, dem sogenannten Lehngute zu Hennersdorf, welcher Ort aber nie in irgend einer Beziehung zum Reichstädter Rittergute stand.

Der in Reichstädt befindliche Gasthof liegt unmittelbar an der Strasse nach Freiberg. Die Dorfmarkung grenzt östlich mit Dippoldiswalde und Ullersdorf, südlich mit Ober-Carsdorf, Ratisdorf[VL 1] und Hennersdorf, westlich mit mit den königl. Waldungen an der Weisseritz und mit Bärnwalde, nördlich mit der Paulsdorfer Haide und mit Berreuth, dem Lustorte für das nahe Dippoldiswalde. Die Einwohnerzahl ist in den letzten Jahren immer mehr und mehr angewachsen und wird noch mehr zunehmen.

Sie besitzt eine ausgezeichnet grosse Feldflur, welche ihren Inhabern reichliche Nahrung, reichlichen Unterhalt verschafft.

Bemerkenswerth ist noch, das aus Reichstädt die bekannte Familie Blochmann stammt, deren Vater als Pfarrer im Jahre 1798 hier starb.

M. G.     



[116]
Zuschendorf.


In den frühern Urkunden auch Zschuschendorf und Tzschuschendorf genannt, liegt ¾ Stunde südwestlich von Pirna an der Gebirgsstrasse nach Liebstadt und Altenberg, in dem Seidewitzthale und am südlichen Hange eines Berges, welcher in den Urkunden der Peterfactenberg genannt wird, wahrscheinlich daher, weil sich hier viele Versteinerungen in Mergelschiefer vorfinden.

Die Umgebungen von Zuschendorf sind angenehm freundlich und anmuthig. Von den Höhen hat man die schönsten Aussichten auf Pirna und die Felsen der sächsischen Schweiz. Die Thäler der Baare und Seidewitz gewähren liebliche Spatziergänge. Unter anderen gelangt man auch zur sogenannten wüsten Kirche, einer Felsenparthie in dem Seidewitzthale zwischen Zuschendorf und Nenntmannsdorf. Der Sage nach soll in grauer Vorzeit ein Einsiedler hier gelebt haben, welcher die durch das Seidewitzthal über Liebstadt nach Böhmen ziehenden Wallfahrenden beherbergte.

Zuschendorf ist sehr alten Ursprungs und ein Schloss mag schon im 11ten Jahrhundert hier erbaut gewesen sein. Doch fehlen die Nachrichten darüber, so wie die sicheren Angaben, ob es zur Dohnaschen Herrschaft gehörte, oder ein selbstständiger Rittersitz von Anbeginn gewesen ist. Der Erbauer war nicht zu ermitteln, so wie auch die ursprünglich hier existirenden Geschlechter nicht mit Bestimmtheit angegeben werden können. Die Familie von Carlowitz scheint in den früheren Jahrhunderten hier ihren Stammsitz gehabt zu haben. Im 14ten und zu Anfang des 15ten Jahrhunderts lebte hier ein von Carlowitz, welcher der Sage nach von 2 Frauen 29 Kinder hatte. Der König von Böhmen soll ihm deshalb versprochen haben, ihm, wenn er das 30ste Kind bekommen sollte, ein Gut zu schenken. Herrn von Carlowitz wurde auch wirklich das 30ste Kind geboren, aber es war ein todtgebornes. Nichtsdestoweniger hielt der König von Böhmen sein Versprechen.

Zu Anfang des 16ten Jahrhunderts besass Zuschendorf Hans von Carlowitz. Zu dieser Zeit gehörten auch 2 Majoratsgüter in Dresden als Zubehör zu Zuschendorf. Hans von Carlowitz ist auch der Erbauer des Anbaues oder Einbaues am Schlosse, während die Entstehung des älteren Theils weit über diese Zeit hinaus fällt. Der alte nach Morgen gelegene Flügel ist nämlich früher, wie man jetzt noch deutlich erkennen kann, ganz abgeschlossen gewesen und hat mit einem, mit 3 Reihen Schiessscharten versehenen niedrigen Thurme durch eine mit zur Brustwehr dienenden Mauer in Verbindung gestanden. Auf diese Mauer, zwischem dem alten Flügel und diesem Thurm, ist nun mit Benutzung desselben, der neue Flügel, wenn man nach der daselbst befindlichen Jahreszahl schliessen darf, im Jahre 1553 so eingebaut worden, dass der Thurm mit diesem unter ein Dach gekommen und nur aus der Construction der Mauern noch zu erkennen ist. In späterer Zeit, wo die 6½ Fuss starke Mauer zur Anlage eines Gartensalons durchbrochen wurde, verschwanden auch die bis dahin nur von aussen überklebten Schiessscharten aus dieser Mauer.

Nach Hans von Carlowitz Tode folgten ihm im Besitz von Zuschendorf seine Söhne: Joachim, Wolf und Gotthardt von Carlowitz, deren erstere Zuschendorf, letzterer das auf dem Lindig gelegene Schloss bewohnten, wo der ältere Sitz gewesen zu sein scheint. Denn an der Stelle, wo des Heusler Müller Haus sich befindet, hat in früheren Zeiten ein festes Schloss gestanden, dessen Schlossgräben noch jetzt deutlich sichtbar sind. Dann besassen Zuschendorf Joachim von Carlowitz Söhne: Rudolph und August von Carlowitz. In deren Besitzzeit fällt der 30jährige Krieg, wo Zuschendorf fürchterlich verwüstet, zum Theil sogar eingerissen wurde. Namentlich wurde das feste Schloss mit Vorwerk auf dem Lindig mit zerstört. Die Gebrüder von Carlowitz gaben sich alle Mühe, diese Calamität zu überwinden. Sie verkauften viele Felder auf dem Lindig an Bauern in Krebs und Sedlitz, so wie an Bürger in Pirna mit Vorbehalt einzelner Rechte. Dessenungeachtet konnten sie Zuschendorf nicht behaupten und es brach 1660 Concurs aus, wo Zuschendorf von August von Carlowitz sub hasta erstanden wurde. Dieser war ein guter Wirth. Er löste von den auf dem Lindig bereits verkauften, in der Nähe des zerstörten Schlosses gelegenen Feldern wieder ein, welche von den damaligen Besitzern ihre Namen behalten haben, wie z. B. das Conrectorfeld, das Gartenfeld. Aus jener Zeit rührt vermuthlich auch die am Schlosse eingemauerte Denktafel her mit der Ueberschrift:

Nach diesem Gut hat Mancher getracht;
Gott es am rechten Erben gebracht Anno 1665.

Im Jahre 1670 vererbte August von Carlowitz Zuschendorf an seine Söhne: Adolph, Anshelm und Wolf Heinrich.

Durch einen Vergleich der beiden Brüder ging später das Gut an den Oberstwachtmeister Adolph Anshelm allein über. – Ein churfürstliches Rescript d. d. Wien den 16. Juli 1695 erklärte Zuschendorf als ein freies Erbgut und am 17. Juli desselben Jahres kaufte es der Generallieutenant und Ober-Commandant von Dresden Bruno Christoph von Birkholz, welcher Zehista und Liebstadt besass. Beim Kaufe war die merkwürdige Bestimmung gestellt worden, dass der auf dem Lindig vergrabene Schatz vom Kaufe ausgeschlossen sein sollte. Diese Bedingung wurde durch eine spätere Erhöhung des Kaufgeldes wieder aufgehoben, aber Niemand weiss, ob je dieser vermeintliche Schatz gehoben worden ist.

Im Besitz folgte von Birkholzens Sohn, der sächs. Kammerherr Johann Georg von Birkholz, welcher es 1706 an Magdalena Sibylla Gräfin von Teuben, verw. Freyfrau von Miltitz verkaufte, die zugleich Besitzerin des Gutes Krebs war.

Frau von Miltitz verkaufte Zuschendorf, so wie auch Krebs, an ihren Schwiegersohn, den Erbschenken des Erzherzogthums Steuermark und Kammerherrn [117] Adolph, Wilhelm, Grafen von Stubenberg, Letzterer aber wieder im Jahre 1715 an den Landjägermeister Georg Heinrich von Carlowitz, Excellenz und Erbritter des röm. Reichs, welcher am 29. Juni feierlich gehuldigt wurde – seine Gemahlin war eine geborne von Einsiedel, und sie besassen mit Zuschendorf noch Ober-Rabenstein und Podelwitz. Am 25sten Februar 1730 verkaufte er Zuschendorf an den Churfürstl. Secretarius Johann George Stöckel, welcher es wieder an den Rittmeister, nachherigen Kreis-Commissarius, Heinrich von Bünau abtrat. Dieser legte im Jahre 1740 vermöge Vertrags mit den betheiligten Grundstücksbesitzern eine Wasserleitung aus den Seidewitzer Wiesen bis auf das Rittergut an, da vorher und bis zu dieser Zeit nur ein Brunnen daselbst vorhanden war. Heinrich von Bünau war mit der Tochter Henriette Hedwig des Rudolph von Bünau auf Weesenstein vermählt und unterhielt einen förmlichen Hofstaat. In diese Zeit fällt auch die in Zuschendorf errichtete Expedition des Meissner Kreis-Commissariats.

Nach dem im Jahre 1758 erfolgten Ableben des Heinrich von Bünau mit Hinterlassung vieler unmündiger Kinder konnte das Gut nicht für das Erbe erhalten werden und wurde im Jahre 1760 an den Churfürstl. Mühleninspector Johann Christian Böhme verkauft. Böhme wurde aber erst im Jahre 1775 damit belehnt, nachdem bis dahin Dr. Bauer seinen Namen zum Besitz geliehen hatte. Nach dem Tode des Inspector Böhme kam Zuschendorf an seine Wittwe Johanna Rebecke und deren Sohn, Dr. Johann Christian Böhme, welcher durch Vergleich 1798 es allein im Besitz nahm. Im Jahre 1821 starb Dr. Böhme und durch testamentarische Bestimmung folgte im Besitze von Zuschendorf Herr Senator D. Wilhelm Anton Heinrich Dittmar. Letzterer starb am 9. Juli 1826 auf einer zum Vergnügen unternommenen Reise zu Ludwigsburg erst 36 Jahr alt. Zuschendorf erbte seine Mutter, die verw. Cammer-Commissionsräthin Dittmar und nach deren in dem folgenden Jahre erfolgten Tode seine Schwester Johanna Sophie, Wittwe des Bürgermeister Dr. Schulz in Dresden, welche es im Jahre 1832 an ihren Sohn, Dr. Karl Heinrich Schulz, dem schon seit dem Jahre 1827 die Bewirthschaftung übertragen war, verkaufte. Von diesem erbte das Gut dessen Herrn Bruder und Schwester und der jetzige Pachter ist der Sohn des Herrn Dr. Hedenus aus Dresden, der Ehemann der Anna Schulz.

In den letzten Jahren erhielt das Rittergut durch Erweiterung des Hofes und Neubau sämmtlicher Scheunen und der Schäferei ein ganz anderes Ansehen: Feldwege wurden angelegt und der Lindigberg durch eine Brücke mit Zuschendorf verbunden.

Die Kirche, welche sehr wenig Vermögen besitzt, hat einen verhältnissmässigen Thurm, ist klein, doch hell und nett. Der Ortsgeistliche ist der jedesmalige Diaconus von Dohna.

Früher gehörte Zuschendorf zur Dohnaischen Kirche. Der im Jahre 1512 in Zuschendorf verstorbene Ewald von Carlowitz liegt in Dohna begraben und erhielt von seinem Sohn, Nicolaus von Carlowitz, Bischoff zu Meissen ein Epitaphium. Der 1578 verstorbene Hans von Carlowitz liegt ebenfalls in Dohna begraben. Dieser Hans von Carlowitz trug 1559 beim Consistorium darauf an, dass ihm ein Geistlicher von Dohna alle Sonntage und in den Fasten auch Donnerstags eine Frühpredigt in seiner Behausung halten solle und versprach eine Kirche zu bauen für sich und sein Hofgesinde, bestimmte ein Capital von 300 Fl. für die Geistlichen, welche die Zinsen davon heute noch erhalten. Unter der Kirche befindet sich eine von Carlowitzische Familien-Gruft, in welche 4 Kinder von Hans von Carlowitz ruhen. Diese Gruft ist 1680 erweitert, neu hergestellt und durch Elisabeth von Carlowitz geb. von Liebenau eingeweiht, welche unter dem Fenster des Thurmes, nach dem Wasser zu beigesetzt worden. Im Jahre 1709 erhielt auch die Kirchengemeinde einen besondern Begräbnissplatz, wohin jetzt auch seit dem Jahre 1733 die Eingepfarrten ihre Leichen begraben.

In derselben ruht auch der Mühleninspector Böhme vor dem Altare, so wie seine Tochter Johanna Rebecke Freyfrau von Wiedemann.

Noch eine herrschaftliche Gruft befindet sich neben dem Gottesacker, welche von Dr. Böhme erbaut worden ist, welcher hier ruht und von seinem Nachfolger eine Gedächtnisstafel erhalten hat.

Dem Andenken Dr. Dittmar ist in der Kirche eine Gedächtnisstafel errichtet. Es ist dieses Denkmal von seiner Gattin und die letzte Arbeit des Bildhauer Kühne in Dresden, der bald darauf starb. Auch auf der Wiese bei der Mühle in Zuschendorf befindet sich ein Denkstein, welchen die Schwester dem Bruder setzen lies.

Vom Jahre 1812 an ist Zuschendorf oft von grossen Unglücksfällen heimgesucht worden.

Am 15. Juli 1812 verwüstete ein Hagel sämmtliche Feldfrüchte, so dass an eine Erndte nicht zu denken war: der fruchtbare Boden war, wie schon ein Mal im Jahre 1778 von den Höhen in die Thäler gespült worden. Im folgenden Jahre wüthete das Kriegsgetümmel schrecklich in Zuschendorf. Sämmtliches Vieh ohne Ausnahme und das Wirthschaftsgeräthe wurden von den Kriegsvölkern geraubt. Die Feldfrüchte blieben ungeerndet auf den Feldern, wo Lager aufgeschlagen waren, zu welchen die Thüren und Böden und Fenster der Häuser von den Soldaten verwendet wurden; auf dem Lindig wurden Kühe und Schaafe heerdenweise geschlachtet. Franzosen, Russen, Oestreicher wechselten in Besitz und was die einen zubereitet hatten, verzehrten oft die andern. Die zu Zuschendorf gehörende Köttwitzmühle wurde von den Soldaten, weil der Müller Eschke den Dieb nicht nachweisen konnte, welcher von einem Packwagen eine Kette gestohlen hatte, niedergebrannt. Die Rittergutsgebäude standen von allen Bewohnern leer. Erst Dr. Dittmar machte die herrschaftlichen Gebäude wieder bewohnbar und unternahm vieles zur Wiederherstellung und Verschönerung, namentlich legte er den Grund zur Obstpflanzung am Lindig, welche jetzt über 5000 Obst- und Kirschbäume enthält und baute noch im Jahre 1821 ein neues Meiereigebäude. In demselben Jahre gewann Zuschendorf, durch welches bisher ein kaum 5 Fuss breiter, zum Theil tief in Felsen eingegleisster, zum Theil grundloser Weg geführt hatte, durch Erbauung der jetzt durch dasselbe führenden, zum Theil sogar gepflasterten Kunststrasse und einer Brücke über die Seidewitz. Dieser Bau wurde auf Kosten des Staats mit einem Beitrag des Besitzers des Gutes ausgeführt. Letzterer verschönerte den Bau durch Erweiterung der Durchfahrt zwischen dem Schlosse und der Kirche, indem der Kirchgang früher, auf einen Pfeiler [118] ruhend, den Weg sehr verengte, und die Gemeinde setzte im Jahre 1823 die, den Einsturz drohende Schule auf ihre Kosten und mit Hülfe einer ihr bewilligten Collecte neu auf und Dr. Dittmar lies auch noch die Kirche ausbessern.

Zum Kirchen- und Schulbezirke gehören ausser dem Rittergute und Dorfe Zuschendorf mit Lindig, noch das Lindigvorwerk, dem Major Serre von Maxen gehörig, so wie ein bei Zuschendorf gelegenes Haus von Zehista.

Zuschendorf gehört jetzt zum Gerichtsamt Pirna, zum Bezirksgericht Pirna, zur Amtshauptmannschaft Pirna, zum Regierungsbezirk Dresden und zählt 28 bewohnte Gebäude mit 47 Familienhaushaltungen und 189 Einwohnern.

(M. G.)     




Hermsdorf
bei Döbeln.


Hermsdorf liegt ⅝ Stunde südsüdöstlich von Döbeln, 3½ Stunden ostsüdöstlich von Leissnig, 1⅛ Stunden nordwestlich von Rosswein, 1¾ Stunden ostnordöstlich von Waldheim an und über dem rechten Muldenufer, der Ebersbacher Höhe gegenüber, mit Sörmitz, Oberranschütz, Mahlitzsch, Kobelsdorf und Zweynig grenzend.

Hermsdorf gehört jetzt zum Gerichtsamte Döbeln, zum Bezirksgericht Oschatz, zur Amtshauptmannschaft Döbeln, zum Regierungsbezirk Leipzig.

Hermsdorf hat 21 bewohnte Gebäude mit 40 Familienhaushaltungen und 170 Bewohnern. Die früheren Rittergutsuntergebenen betrugen an die 360 mit Einschluss der combinirten Güter Mahlitzsch und Nausslitz und des Vorwerkes Kobelsdorf, welches früher ebenfalls ein besonderes Rittergut gewesen ist und der Marschall von Bieberstein’schen Familie gehört hat, sowie auch die Dörfer Zweinig und das ⅛ Stunde von Döbeln entfernt gelegene Zschackwitz, in den Urkunden auch Zschäbitz genannt, zu Hermsdorf gehörten.

Hermsdorf ist ein sehr alter Ort und eine Burg stand hier schon im elften Jahrhundert. Es gehörte im zwölften und dreizehnten Jahrhundert zum Amte Döbeln, dem ein besondrer Voigt vorstand, später wurde Döbeln ein Sedes von Meissen, wozu nebst funfzehn anderen Orten auch Hermsdorf gezählt wurde. Dieser ganze Complex fiel später an das Naumburger Capitel, dessen Bischoff Ulrich von Rodenfels 1409 Friedrich den Streitbaren damit belehnte. Letztrer überliess Hermsdorf und Mahlitzsch den Meissner Marschällen, weshalb auch nach diesen beiden Orten Linien der Meissner Erbmarschälle benannt wurden.

Nach Malitzsch versetzt man auch den 1230 vorkommenden Berthold von Malenz.

Im Jahre 1564 kam das Gut an die Marschall von Biebersteinische Familie und Niclas Marschall von Bieberstein war der erste Besitzer. Von dem Marschall von Bieberstein’schen Geschlechte acquirirte es 1612 Hiob von Kötteritz, durch welchen es an die von Brandenstein gekommen zu sein scheint. Die letzte Besitzerin, Frau Friederike von Brandenstein, verw. Oberst von Gablenz, starb hier am 27. Mai 1790, von welcher das Gut an die Familie von Reinhold, der auch Zettlitz bei Borna gehörte, überging. Der Hofrath von Reinhold überliess das Gut seinen beiden Söhnen dem Kriegsgerichtsrathe Jacob Christian von Reinhold und dem Legationsrath Jacob Karl von Reinhold. Letztrer vermachte die Güter der einzigen Tochter seines Bruders, der Frau Julia Kammerherrin von Metzrad und nach dem Tode ihres Gemahls, des Herrn Kammerherr Johann Ferdinand von Metzrad, übergab dieselbe es ihrem einzigen Sohne, dem jetzigen Herrn Kammerherrn Rudolph von Metzrad, der Hermsdorf mit Mahlitzsch und Nausslitz und dem Vorwerk Kobelsdorf, sowie Zettlitz bei Borna auch jetzt noch besitzt.

Herr Kriegsgerichtsrath Jacob Christian von Reinhold starb am 9. März 1820 und ruht, seinem Wunsche gemäss, im Lustgarten zu Hermsdorf.

Auf dem Berge, an den Hermsdorf sich anlehnt, liegt das vom Rittergute abgebaute Oertchen Neuhäusel, von wo aus man die schönsten Aussichten auf das Muldenthal geniesst. Die Mulde selbst fliesst nordwestwärts und nimmt im Gutssprengel ¼ Stunde von hier unterwärts den ranschützer, oberwärts den Kobelsdorfer Bach auf.

Die Lage selbst von Hermsdorf ist reizend und gehört durch die Verbindung der Güter Mahlitzsch und Nausslitz zu den wichtigeren Gütern Sachsens. Die starke Schäferei vom Gute ist in Kobelsdorf. Die ganze Umgegend von Hermsdorf ist anmuthig und fruchtbar. Das Obst, welches hier gebaut wird, gehört zu den edleren Obstarten.

Hermsdorf ist für Döbeln ein grosser Belustigungsort. Hierher werden die meisten Spaziergänge unternommen, und besonders auf dem hinter dem Gute auf dem Gebirgsabhange an der Mulde hinführenden sogenannten Schlangenwege, wo die Aussicht in das Muldenthal herrlich genannt werden muss. Von da aus geht dann der Weg weiter nach dem beliebten Mahlitzsch.

Hermsdorf ist aber auch von Kriegsdrangsalen nicht befreit geblieben. Im Jahre 1430 und 1450 hausten schrecklich hier die Hussiten unter Georg Podiebrad. Auch im Bruderkriege wurden die Einwohner von Hermsdorf in Angst und Schrecken gesetzt, und im dreissigjährigen Kriege erlitten die Einwohner grosse Plünderung und Brandschatzung. Im Jahre 1762 wurde sogar in der Nähe von Hermsdorf bei Döbeln eine Schlacht geschlagen. Prinz Heinrich von Preussen schlug die Oesterreicher unter dem Befehle des General Serbelloni, die dabei 28 Geschütze verloren und gegen 8000 Tode, Verwundete und Gefangene zählten. Diese Schlacht ist deshalb merkwürdig, weil diese Niederlage der Oesterreicher den Hubertusburger Frieden vom 15. Juli 1763 zur Folge hatte.

Hermsdorf ist mit Malitzsch, Kobelsdorf, Zschackewitz und Zweinig nach Döbeln eingepfarrt, wogegen das Gut Nausslitz in die Kirche nach Mochau gehört, eine der ältesten Ortschaften des Meissner Kreises.

Eingeschult ist Hermsdorf mit Kobelsdorf und Zweinig nach Oberranschütz, wo einst die Pest so fürchterlich grassirte, dass bis jetzt noch [119] von jener Zeit der Gebrauch stattfindet, bei Begräbnissen auf bestimmten Punkten mit dem Leichenzuge mehrmals stille zu halten und zu beten. Zschackewitz hat ein eigenes neues Schulhaus, wohin auch Sörmitz seine Kinder schickt.

Mahlitzsch dagegen ist nach Nieder-Striegis eingepfarrt, wohin noch sechs andere Ortschaften Grunau, die Grunauer Mühle, Hosenlauft, Litdorf und Ulrichsberg gehören.

Uebrigens ist bei Mahlitzsch noch des auf einer Felsenwand dicht an der Mulde gelegenen alten Gemäuers, die alte Kämpe genannt, zu gedenken. Doch ist die Geschichte dieser alten Kämpe so spurlos verschwunden, dass sich nicht einmal eine Sage davon erhalten hat.

M. G.     




Schönfeld
im Amtsbezirke Grossenhain


war bis 1769 in den Händen der Familie von der Sala. Von da ging es durch Vermählung der Besitzerin Erdmuthe von der Sala mit Friedrich von Erdmannsdorf auf Strauch in die Erdmannsdorf’sche Familie über, in deren Händen es noch heute ist.

Die Nachrichten über die von der Sala reichen bis zum ersten Kreuzzuge, in welchem ein Sala (vermutlich Christoph Adam) sich auszeichnete, die Sporen verdiente und als Wappen eine Mohrenkönigin im goldnen Felde erhielt. Doch ist nicht nachzuweisen, ob es derselbe Besitzer von Schönfeld gewesen ist. Die erste ganz sichere Nachricht datirt von 1019 wo Heinrich von der Sala Sieger blieb beim „sechsten Turnihr so von Kaiser Konratho dem Anderen zu Trier abgehalten worden“. Nachgewiesen ist ferner, dass Ernst von der Sala Theil nahm am „neundem Turnihr, so vom Herzogh Leupolten von Sachsen in der Hauptstatt Göttingen gehalten worden“. Auch später taucht fast bei jedem wichtigeren Erreignisse, welches die Meissner Lande berührte auch ein Sala aus dem Hause Schönfeld auf; namentlich finden sich auf den Leichensteinen und Denkmälern, sowie auf den im Erbbegräbniss stehenden zinnernen und eichnen Särgen Nachrichten vor, dass der Eine oder Andere „ein Fähnlein im Felde geführt“, oder „sich von seinem Durchlauchtigen Churfürsten vor einen Oberstwachtmeister gebrauchen liess“, oder dass er als „ehrenfester und mannhaft erwiesener Feldhauptmann“ aufgeführt wird. Die letzten Besitzer waren Gustav Adolph von der Sala, Christoph Abraham v. d. S., Adam Siegesmund v. d. S. und Christoph Gottfried v. d. Sala, sodann Erdmuthe von Erdmannsdorf geb. von der Sala, welche 1817 ihre beiden Güter, Schönfeld nebst Zubehör und Zschorna ihrem jüngsten Sohne dem Oberforstmeister Heinrich Ludwig von Erdmannsdorf verkaufte, welcher wiederum 1842 Schönfeld seinem zweiten Sohne Heinrich Otto von Erdmannsdorf übergab.

Schönfeld besteht aus den zwei Rittergütern: Schönfeld alten Theils mit Lötzschen, Thiendorf und Damhayn, und Schönfeld neuen Theils mit Liega, Wellixanda und Schönborn.

In früherer Zeit sind diese beiden Güter nur selten in einer Hand gewesen, meistenteils wurden sie von zwei, zeitweise von drei, einmal in ältester Zeit von vier Brüdern besessen. Das jetzt nur noch als Vorwerk benutzte Lötzschen enthält noch ein Herrenhaus und ist mitunter bewohnt worden, am längsten von Karl Abraham v. d. Sala, der „sich vor einen Oberstwachtmeister gebrauchen liess“. Der Pertinenzort Liega hat jetzt nur Vorwerksgebäude und Oberförsterwohnung, soll aber früher auch ein Schloss gehabt haben, welches im 30jährigen Kriege zerstört und nicht wieder aufgebaut worden sein soll. Schönfeld selbst enthält noch heute zwei Schlösser das alttheilische mit zwei Thürmen und Zwischenbau (wie es auf der Zeichnung zu sehen) und das neutheilische, welches ganz einfach und ohne besonderen Styl erbaut, aber sehr geräumig ist und zwei grosse Säle enthält, von denen der Parterrsaal jetzt zu Pferdeställen, Wagenremisen und Kutscherwohnungen ausgebaut worden ist. Das alttheilische Schloss ist wie die Zeichnung lehrt, im byzantinischen Style erbaut. Der grössere Thurm ist jedenfalls der älteste Theil. Früher sind beide Schlösser fest gewesen, ein breiter Wallgraben umgab das Ganze. Auf der östlichen und südlichen Seite ist dieser Graben in einen Teich, auf der nördlichen und westlichen in Gärten umgewandelt. Früher haben noch drei Thürme wie der, auf dem Bilde ersichtliche grössere die Ecken des Hofes befestigt. Die letzten beiden Thürme sind erst im Jahre 1814 abgetragen worden, waren aber so fest, dass die Mauern nur mittelst Pulversprengens auseinander zu bringen waren. –

Das alttheilische Schloss sammt Thurm ist ganz merkwürdig im Innern gebaut. Fast jede Zwischenmauer ist hohl und enthält ein kleines schmales Treppchen, deren im Hauptgebäude 3, im Thurme aber 5 vorhanden waren. Der Thurm enthält drei Etagen – Keller untereinander. Die unterste derselben ist aber seit Ausfüllung des Wallgrabens voll Wasser, weshalb die Eingänge zu derselben vermauert worden. Aus der ersten Etage über der Erde bis in diese unterste Kelleretage (das früher Burgverliess[WS 1]) führt ein Treppchen von ¾ Ellen Breite in der Mauer.

Im Hauptgebäude des alttheilischen Schlosses befindet sich der ehemalige Ritter- jetzt Billard-Saal, welcher eine herrlich geschnitzte Holz-Zackendecke und kostbar gearbeitete alte Nussbaummeubles enthält. –

Mancherlei Sagen sind über Schönfeld in Umlauf. Zu deren Entstehung hat wahrscheinlich die eigenthümliche Bauart Veranlassung gegeben. Merkwürdig aber ist es, dass einige dieser Sagen in neuerer und neuester Zeit eine Art von Erklärung gefunden haben.

Zunächst ist hier der allgemein verbreiteten Sage zu gedenken, dass in dem grossen Thurme des alttheilischen Schlosses zu gewissen Zeiten des Nachts Kindergeschrei zu vernehmen sei, und dass dann allemal eine schwarz verschleierte Dame wandle. Dieses „Spukes“ wegen habe auch das gesammte alttheilische Schloss von 1712 bis 1817 leer gestanden und nur im neutheilschen Hause hätten die Besitzer während dieser Zeit gewohnt.

[120] Im Jahre 1817 übernahm Oberforstmeister von Erdmannsdorf das Gut und wollte, da seine Mutter im neutheilschen Hause wohnen blieb, das alttheilsche wieder bewohnbar machen lassen. Wiederholt wurde er damals einerseits vor dem Spuke gewarnt, andererseits aber von einem alten Gärtner dringend ersucht „einen Schatz zu heben“, der in einer der kleinen Treppchen verborgen liege und wegen dessen wahrscheinlich nur die Sage mit dem Spuke verbreitet worden. Nach langem ungläubigen Lächeln entschloss sich Herr von Erdmannsdorf endlich dem Drängen des alten treuen Dieners, dessen Vater und Grossvater schon der Familie gedient hatten, nachzugeben und untersuchte durch Klopfen mit einem Hammer die gesammten Seitenwände sämmtlicher verborgenen Treppen. Auf einer derselben deutete der hohle Klang beim Pochen auf eine hohl gemauerte Stelle. Es wurde an dieser Stelle eingebrochen und auch sehr bald ein kleines Gewölbe entdeckt von ca. 1 Elle breit und hoch. Auf dem Boden dieses kleinen Gewölbes fand man – ein Kindergerippe, welches mit Eisen an ein Bret geschmiedet war.

Obschon nun seitdem das alttheilsche Schloss wieder bewohnt wird, niemals eine schwarz verschleierte Frau gesehen, noch anderes Kindergeschrei gehört worden, als das der zahlreichen Kinder der Besitzer, so lässt sich dennoch die Bevölkerung der Umgegend nicht abstreiten, dass dieser Spuk existirt habe, behauptet vielmehr, er habe erst aufgehört, seitdem die Gebeine dieses Kindes aus dem steinernen Grabe erlöst und in die Erde vergraben, dadurch aber auch dessen vormals nachtwandelnde Mutter beschwichtigt worden sei.

Eine andere, sehr verbreitete und sehr alte Sage lässt das Stück von zwei feindlichen Brüdern auch in Schönfeld spielen. Dieselben sollen stets in grossem Unfrieden, zeitweise auch in offener Fehde mit einander gelebt und um gar nichts mehr von einander hören und sehen zu müssen eine haushohe Mauer zwischen beiden Schlössern aufgeführt, auch zwei besondere Zugbrücken über den Wallgraben angelegt haben. Bis hierher ist die Sage richtig und wahr, denn erst im Jahre 1854 u. 1856 sind hochbejahrte Leute gestorben, welche sowohl die Mauer als die Pfeiler der Zugbrücken gesehen und beim Abtragen derselben mit geholfen haben. Die Sage behauptet aber nun noch weiter, dass ein Mönch, der Beichtvater des älteren Bruders, der Ohrenbläser und Unfriedenstifter gewesen sei. Der jüngere Bruder oder dessen Leute hätten denselben erschlagen und darauf sei dessen Leichnam von den Leuten des älteren Bruders des Nachts dicht bei der grossen Scheidemauer unmittelbar unter den Fenstern des Todschlägers vergraben worden; da nun der gemordete Mönch des Nachts umgegangen sei, so habe der jüngere Bruder zunächst diese Fenster zumauern lassen und später das neutheilsche Schloss ganz verlassen müssen, und sich das Herrenhaus auf seinem Beigute Lötzschen erbaut und bewohnt, um nicht länger in der Nähe des Spukes leben zu müssen. Ein eigenes Zusammentreffen ist es, dass im Jahre 1842, also nachdem die Sage bereits Jahrhunderte lang in aller Munde gewesen, an der bezeichneten Stelle beim Graben einer Schleusse ein Menschengerippe gefunden wurde, dessen Schädel durch zwei Hiebe gespalten war. Wahrscheinlich ist während der Kriege einmal ein Mensch dort getödet und begraben worden, und die Fama hat diesen Umstand zur Erfindung einer Sage benutzt. Die Fenster am nördlichen Giebel des neutheilschen Herrenhauses sind allerdings noch heutigen Tages zugemauert. –

Eine andere ganz allgemein verbreitete Sage lässt aus dem ehemaligen Burgverliesse des grossen Thurms einen unterirdischen Gang gehen bis in das 1 Stunde entfernt liegende Schloss Linz, was früher Kloster gewesen; eine andere Sage lässt diesen Gang bis in das eben so weit gelegene Liega führen, wo früher ebenfalls ein von den Sala’s bewohntes Schloss gestanden haben soll. – Doch liegt auch nicht das Geringste vor, was die Existenz eines solchen Ganges weder in der einen noch in der andern Richtung bestätigen könnte. Nach Liega zu ist dies fast sogar unmöglich, weil dorthin ein solcher Gang unter zwei Teichen hinweg oder auf sehr grossen Umwegen gehen müsste. –

In neuester Zeit hat sich die nächste Umgebung des Schlosses sehr wesentlich verändert. Die sehr zahlreichen Wirthschaftsgebäude lagen in vier Höfen zerstreut, von denen zwei zum alten und zwei zum neuen Theil gehörten. Dieselben waren ganz unregelmässig, nach dem jeweiligen Bedürfnisse gebaut und sehr baufällig geworden. Die schlechtesten und wenigst zweckmässig gelegenen sind daher niedergerissen und dafür ein einziger grosser Hof mit schönen massiven, meist gewölbten Gebäuden im Style des Schlosses erbaut worden. Der Bauaufwand soll gegen 40 bis 50000 Thaler betragen haben.

An Areal gehört zu Schönfeld 270 Acker Wiesen und Gärten
585 Felder, die in den letzten Jahren sämmtlich drainirt worden sind,
303 Teiche,
1331 Waldungen,
37 Huthungen etc.
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2526 Acker in Summa.

Die Waldungen enthalten noch die schönsten alten Fichten- und Kiefernbestände, wie sie heut zu Tage in Privatforsten selten mehr gefunden werden.

Zu den Forsten von Schönfeld gehört auch die sogenannte Kiehnhaide, welche in diesen Blättern irrthümlich dem Rittergute Zschorna zugeschrieben worden; ein Irrthum, der wahrscheinlich dadurch entstanden, dass dieselbe an die Zschornaer Forsten grenzt, und früher geraume Zeit hindurch Schönfeld und Zschorna in einer Hand gewesen und erst wieder unter verschiedene Besitzer kamen, als im Jahre 1842 die drei Brüder von Erdmannsdorf die drei an einander grenzenden Güter Zschorna, Schönfeld mit Pertinenzien und Linz von ihrem Vater übernahmen.




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Anmerkungen der Vorlage

  1. handschriftliche Korrektur: Satisdorf

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Brugverliess
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