ADB:Oelhafen von und zu Schöllenbach

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Artikel „Oelhafen v. Schöllenbach, Sixtus“ von Johann August Ritter von Eisenhart in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 24 (1887), S. 292–301, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Oelhafen_von_und_zu_Sch%C3%B6llenbach&oldid=- (Version vom 15. August 2020, 02:54 Uhr UTC)
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Oelhafen: Sixtus Oe. (Oelhaven) v. Schöllenbach. Die Oelhafen’s sind ein altes, süddeutsches Patriciergeschlecht, dessen erste Spuren uns nach Zürich führen, woselbst in den Bürgerrollen der Jahre 1340, 1365 und 1366 Oelhafen als „Regimentsräthe“ vorgetragen sind. Um 1370 begegnen wir der Familie im Patriciate der kräftig aufblühenden Reichsstadt Nördlingen; von dort verbreitete sich der Stamm nach Nürnberg, Leipzig und Breslau. In Nördlingen ist auch Sixtus Oe. geboren, der adelige Ahnherr des Hauses, dessen ruhmreiche Geschichte mit der seines Geschlechtes aufs engste verknüpft ist. Kaiser Friedrich III. ertheilte ihm und seinen Brüdern mit Diplom vom 9. Juli 1489 unter Verleihung eines sprechenden Wappens (Oelkrug und Löwen) in erblicher Weise die turnier- und stiftsmäßigen Adelsfreiheiten. Gelegentlich der Vermählung unseres Oelhafen’s mit Anna Pfinzing (1501) wurde mit Diplom d. dto. Nürnberg, den 24. April 1501 das Wappen der Oe. mit dem der alten Geuschnide gemehrt und ersterer verzog sich nach Nürnberg, wo von nun an ein angesehener Zweig der Familie lebte, welcher mit den vornehmsten Geschlechtern versippt, alsbald den wirklich rathsfähigen gleich betrachtet wurde. Später, auf dem Reichstage zu Worms, am 18. April 1521, bestätigte Karl V. außer den Schirm- und Wappenbriefen alle Privilegien und Freiheiten, womit die Oelhafen bisher begabt und begnadigt worden. Mehrere Jahre früher (1512) hatte die Familie unter gedachtem Oe. von den Rechen v. Rechberg Ober- und Unter-Schöllenbach erworben, wonach sich von nun an jedes Familienglied „v. Schöllenbach“ nannte; 1709 erkauften sie unter Christoph Elias das im Sulzbachischen gelegene Rittergut Eismannsberg, wozu von 1736–1782 die zu genanntem Fürstenthume gehörigen Ritter- und Landsassengüter Ruprechtstein und [293] Neukirchen kamen, nachdem das Geschlecht seit 1729 zu Nürnberg in die Reihe der patricischen und „wirklich rathsfähigen“ aufgenommen worden war. – Die Familie blüht heute noch und wurde nach Mediatisirung der alten Reichsstadt in die Matrikel der Krone Baiern aufgenommen. – Im Laufe einer mehr als 400jährigen Familiengeschichte begegnen wir mehreren Männern, welche, sei es als Schriftsteller oder Prokanzler von Altorf, sich um die Wissenschaft verdient machten, sei es als städtische Beamten und diplomatische Agenten ihrer Vaterstadt und dem Reiche wesentliche Dienste leisteten. So verdient gleich der vorgenannte Sixtus (I.) Oe. vermöge der langjährigen und einflußreichen Stellung, welche er unter drei Regenten in der kaiserlichen Kanzlei einnahm, als Staatsmann nähere Beachtung. Um 1466 zu Nördlingen als der jüngere Sohn des Patriciers Georg Oe. geboren, soll Sixtus in seiner Kindheit nur mit Ziegenmilch ernährt worden sein, bis in sein 20. Jahr kein Fleisch genossen und an einem störenden Sprachfehler gelitten haben, von dem ihn nur heiße Gebete zu St. Onuphrius befreit hätten. Etwa im 12. Jahre wurde er nach Nürnberg geschickt zu dem Gerichtsschreiber Michael Cramer, welcher ihn mit sich auf den Reichstag nahm. Durch diesen und seinen älteren Bruder Leonhard, kaiserlichen Secretär und Pfalzgrafen, kam er schon frühzeitig in die Kanzlei des Kurfürsten von Mainz, Grafen Berthold von Henneberg, der zugleich Reichskanzler war, und durch diesen sehr bald an das kaiserliche Hoflager, wo er durch Fleiß und einnehmendes Wesen rasch die Geneigtheit des Hofes gewann; denn bereits am 9. Juli 1489 verlieh Kaiser Friedrich III. in einer von Portenau in Friaul datirten Urkunde dem Dreiundzwanzigjährigen für sich, seine Brüder und Nachkommen die üblichen Adelsfreiheiten, wobei er mit der vertraulichen Bezeichnung eines „ständigen Haus- und Tisch-Genossen“ (domesticus et continuus commensalis) aufgeführt wird. Auch Friedrichs Sohn und Nachfolger, Kaiser Maximilian, gab ihm Beweise hoher Gunst; so verlieh ihm dieser am 9. December 1496 zu Worms neben der comitiva sacri Lateranensis palatii das erbliche Privilegium mit rothem Wachs zu siegeln, und am 18. Januar 1507 in Innsbruck die weitere Freiheit, die Testamente ohne Beobachtung der gesetzlichen Solennitäten abzufassen. Oe. war unter Friedrich III., Maximilian I., auch noch unter Karl V. in der kaiserlichen Kanzlei Taxator und Secretär, zuletzt Hofrath, bezog aus derselben 1498 300 fl. Diensteinkommen und wurde in wichtigen Reichsangelegenheiten sehr häufig verwendet – auf Reichstagen wie zu Gesandtschaften; so machte er den Feldzug in Flandern mit und wurde u. a. nach Ungarn, nach Worms und Regensburg zu verschiedenen Reichsfürsten abgeordnet. 1498 bot ihm der Nürnberger Rath das Amt eines „Losungs-(Steuer-)Schreibers an unter Zusicherung einer Einnahme von mindestens 200 fl.; die Verhandlungen zerschlugen sich jedoch. Am Freitag nach St. Alexientag desselben Jahres wurden Oe. und seine Erben von Kaiser Maximilian zu Freiburg i. Br. mit jährlich 50 fl. in Gold „von dem Umgeld zu Dünkelsbühl zu empfangen“ begabt, und am 27. Juli 1500 verschrieb derselbe Kaiser Maximilian zu Augsburg Sixtus Oe. „umb seiner annemen, getreuen, fleißigen verdienens Willen und aus anderen, redlichen und beweglichen gutten Ursachen“ die Nürnberger Reichs-Steuer zu 200 fl. als jährliches Einkommen. Als im folgenden Jahre (im Februar 1501) zu Nürnberg das „Reichsregiment“ zum ersten Male zusammentrat, eine unter Maximilian I. und Karl V. bestandene Reichseinrichtung, kraft welcher ein Ausschuß von 20 erwählten Reichsständen in Abwesenheit des Kaisers und Reichstages alle wichtigen Reichsangelegenheiten zu erledigen hatte (Häberlin, Repertorium des teutschen Staatsrechtes, Thl. IV, S. 520–525 und Joachim, verm. Anmerk. Thl. II, S. 254–349), wurde Oe. zum Secretär dieses Regimentes erwählt. Im nämlichen Monate und Jahre – am 16. Februar 1501 – schritt Oe. zur Hochzeit [294] mit Anna, des Seitzen Pfinzing zu Nürnberg ehelichen Tochter (einer Schwester des bekannten Melchior Pfinzing), welche Hochzeit mit seltenem Prunke begangen wurde. – Oe. hat selbst das glänzende Fest in seinem Buche „Bleibende Händel“ beschrieben. (Abgedruckt im Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 1877, Bd. 24 Nr. 8 S. 242 u. ff.) Hiernach zogen mit dem Brautpaare in stattlichem Zuge zu St. Sebald „die Churfürsten und Fürsten, Berchtold zu meintz, Herman zu Cöln, Ernust zu Magdenburg, Ertzbischoffen; Friedrich Herzog zu Sachsen und Churfürst, und Ericus, Herzog zu Braunschweig, Graf Georg von Henneberg, Adolff Graf zu Nassau; auch sonst viel treffentlicher Grafen, Herrn, Ritter und Knecht; Und die Regenten und Reth des Reichsregimentes etc. – – – jeder nach Ordnung des Reichs, wie Ine des Reichs Marschall, einer von Pappenheim geordnet hatte. – – Die Hochzeit hielt mein gnedigster Herr von meintz in Seiner Gnaden ohn aller meiner Kosten aus. – – – Nach ennde des Mahls furt mein genedigster Herr von Meintz die Braut selbst persönlich zu morgens und nachts auff das Rathaus zu dem Tantz, und gungen die anderen Fürsten und Herrn mit den übrigen Frauen und Junckfrauen auch mit.“ Die „Tischseß in des Herrn v. Meintz herberg und hofhaltung“ bestand aus acht Haupt- und einigen Nebentischen mit je 8 Gedecken in bunter Reihe. – „Der anndre Hochzeittag wurde in des Swehers (Schwiegervaters) haus gehalten – – und nach enndung des frumals von meinen genedigen herrn und annderen guten Freunden geschenkht, wie folgt.“ Nun stehen in langer Reihe die Namen der Fürsten und Ritter, Herrn und Bürger, Doctoren und Reichsstädte, welche insgesammt wetteiferten, dem gewichtigen, vielvermögenden Staatsmanne durch kostbare Gefäße und andere Kleinodien sich verpflichtet zu machen. Der Werth dieser Hochzeitsgaben wurde auf 6000 kaiserliche Reichsthaler geschätzt. – Im Wesentlichen übereinstimmend und theilweise ergänzend erzählt Heinrich Deichsler in seiner Chronik (Städtechronik X, 629) die Sache. Oelhafen’s Ehe war von nur kurzer Dauer; Anna segnete bereits am 25. März 1506 das Zeitliche. Zwei Jahre später, am 16. Februar (dem Jahrestage seiner ersten Trauung), schritt der Wittwer zur zweiten Ehe mit Barbara Rieter v. Kornburg. 1502 überantwortete Oe. im Auftrage des Kurfürsten und Erbkanzlers Berchthold dem Kaiser Maximilian in feierlicher Weise das Reichssiegel. 1507 wohnte er als kaiserlicher Secretär dem Reichstage zu Worms bei. – Wie von Kaisern, so empfing unser Staatsmann auch von Reichsfürsten und Ständen mehrfache Auszeichnung. Kurfürst Joachim I. zu Brandenburg und dessen Bruder Albrecht nahmen ihn nebst seinen beiden Frauen laut Urkunden von 1505 und 1508 in den „Schwanenorden, die Gesellschaft Unserer Lieben Frauen auf dem Marienberge bei Brandenburg“ auf, eine Auszeichnung, womit in der Regel nur hochadelige Geschlechter begnadigt wurden (s. Stillfried, auch Hänle, Der Schwanenorden); und Herzog Georg zu Sachsen erwies ihm und den Seinen neben der Hofrathsbestallung für die beim Kaiser erwirkte Bewilligung der drei großen Leipziger Messen werthvolle Gunstbezeugungen. Etwas später nahm ihn Kaiser Maximilian, der ihm besonders gnädig war, „mit wolbedachtem Mutte, guten Rath und rechten Wissen“ zu seinem Hofrath auf, und ertheilte ihm hierüber d. dto. Nürnberg den 5. Februar 1512 Brief und Siegel. Als im gleichen Jahre Oe. ein Sohn geboren wurde, übernahm der Kaiser selbst die Pathenstelle und ließ sich durch Grafen Hoyer v. Mansfeld vertreten. Oe. schreibt in einem Briefe (ohne Orts- und Zeitangabe) über seine Amtsthätigkeit an Adam v. Wolfstein: „Ich bin seit 25 Jahren ohne Unterlaß bei hochlöblichster Gedächtniß Kaiser Friedrich und Maximilian zu Hof gewesen als Secretarius, und so viel Brief gemacht und unterzeichnet, daß ich die Zahl und Inhalt nit zu nennen weis. – – – Bin auch seithero an jetzo Kaiser Carls Hof durch seine Majestät [295] gefordert, gebraucht und mehr zum Secretarius an Sr. Maj. Regiment jüngst zu Nürnberg gehalten, fürgenommen und auch gebraucht, bis ich selbst um Ledigung des alles gebetten und auch erworben.“ Wann Oe. seine Aemter niederlegte und sich vom öffentlichen Leben zurückzog. läßt sich mit vollster Bestimmtheit nicht angeben, zumal dessen werthvolle Aufzeichnungen, welche er unter dem Titel „Bleibende Händel“ zu machen pflegte, leider verloren scheinen. Nach dem Oelhafen’schen „Familienbuch“ hat Oe., „dieweil er auch des Hoflebens müde, Lust und Neigung getragen wie seine Voreltern die übrigen Tage seines Lebens in Reichsstädten zuzubringen. Und derweilen ihm die Regierung, Bürgerschaft und Weisen zu Nürnberg gefallen, auch davor, als er noch zu Hoff gewest, gute Gunst etc. von Einem wohllöbl. Rath zu Nürnberg geschehen, so hat er sich nach Anrufung Gottes allda häuslich zu setzen endlich entschlossen, und darauf sich verheirathet“ (Februar 1501). Der Eintritt in ein städtisches Amt erfolgte viel später, da er erst 1519 zu einem „Genannten des größeren Rathes“ erwählt wurde. Hiernach hätte der officielle Rücktritt schon 1501 stattgefunden, doch wurde Oe. noch lange nachher von Maximilian und Karl V. in Reichsangelegenheiten verwendet; ja laut Nürnberger Rechnungsdocumenten (Nr. 24 Bl. 145) war er noch im J. 1521 königlicher Secretär und zugleich „in der römischen cantzley bey vnserm herrn von Mayntz des reichs ertzkantzler“ thätig. Oelhafen’s Lebensgang bis 1512 ist bereits oben geschildert; aus dessen späteren Lebenstagen ist noch zu erwähnen, daß er im Spätsommer und Herbst des Jahres 1520 „zu Rotenburg“ lag, wohin er sich mit mehreren Befreundeten des großen Sterbens halber aus Nürnberg geflüchtet hatte. 1521 finden wir ihn vom Kaiser berufen auf dem Reichstage zu Worms, wo er in dessen Namen die Lehenträger des Klosters Pillenreuth feierlich belehnte. Dort traf er auch mit Luther zusammen. Ueber das ungeheure Aufsehen, welches dessen Erscheinung in Worms machte, schreibt Oe. an seinen Schwager, den Propst Bönner in Nürnberg am 18. April 1521: „– – Sobald er (Luther) in die Herberg, daselbst Ich In zu sehen gewarttet, nur eingieng Reckhet Er in mein u. anderer Gegenwertigkeit die Hand auf, und mit frölichem Angesicht schrie er: Ich bin Hindurch, Ich bin Hindurch etc. Ich was heint auf dem weg zuzuhören, da Er sein red gethan, ward ein solich übergroß gedreng, das Ich nit beleiben mocht; Item wo er über die Gassen gat stan wol allweg vol Menschen Ine zu sehen und ein groß wesen u. sagen von Ime etc.“ Luther’s Lehren scheinen „Oelhafen’s Beifall gefunden zu haben, doch mahnten die Beziehungen zum kaiserlichen Hofe und namentlich die päpstliche Bannbulle den klugen Staatsmann zu vorsichtiger Haltung, weshalb er seinem vorgenannten Schwager unterm 25. September 1520 aus Rottenburg schreibt: „– – wagt auch also bei mir, dannoch sorglich sein, sich der Bebstlichen heiligkeit gebot so treffenlich außgegangen Widerwertigk zu erzeigen, will auch E. E. bis gesehen, was aus den Dingen wirdet, mit ferner Senden gedachts Luthers Puchlin (an den Adel teutscher Nation) nit bemuet haben (!) Und wer min beschwerlich leyd, solt Er ketzer gefunden sein etc.“ – Oe. starb im hohen Alter, am 22. Juni 1539, zu Nürnberg und ist auf dem St. Johanniskirchhofe begraben; nicht zu Leipzig, wie man aus einem in der dortigen Thomaskirche angebrachten Denkmale schließen möchte, worauf auch das Geburtsjahr irriger Weise in das Jahr 1455 gesetzt ist. Dürer hat 1513 sein Porträt in Oel gemalt und J. A. Böner dasselbe (in 8°) in Kupfer gestochen. – Oe. war ein Mann von mittlerer Größe, er trug ein glatt rasirtes Gesicht und schlicht herabfallende Haare; seine offene, heitere Miene verrieth Wohlwollen und Leutseligkeit. Mit seinen beiden Frauen hatte er 16 Kinder, von welchen Johann, ein Sohn aus zweiter Ehe, besonders namhaft zu machen ist. Am 16. März 1520 geboren, kam er schon im 14. Jahre auf die hohe Schule nach [296] Wittenberg, war dort Luther’s Haus- und Melanchthon’s Tischgenosse und erfuhr von beiden Männern manche Freundlichkeit und Unterweisung. Zwei Jahre später widmete er sich zu Tübingen der Rechtswissenschaft, unternahm sodann große Reisen, wurde 1548 Stadt- und Bannrichter Nürnbergs und segnete als solcher am 14. April 1580 das Zeitliche. Er hielt zu Wittenberg eine Rede: „De Sigismundo Imperatore“, welche in Melancht. sel. declamatt. Tom. II, 499 (Argent. 1546, 8°) und deutsch in Frankfurt a. M. 1563 herauskam. – Seine aus der Ehe mit Sybilla Paumgärtner hervorgegangene einzige Tochter Justine wurde am 18. October 1584 die zweite Gattin des berühmten Juristen Hubert v. Giffen aus Brügge (Gyphanius), damals Professor der Rechte zu Altdorf (s. A. D. B. IX, 182). Die Ehe war indeß wegen schmutzigen Geizes des Gatten eine sehr freudenleere, Justine starb am 4. Februar 1612 zu Ingolstadt, während Giphanius kurz vorher einem Rufe nach Prag gefolgt war. – Unter den Kindern zweiter Ehe, welche Johann Oe. mit Susanna Harsdörffer einging, war Johann Christoph (s. d.) ein „sehr vornehmer“ Jurist und gewandter Staatsmann.

Litteratur: a) Familie Oelhafen: Kneschke, Adels-Lexik. Bd. 6 S. 572 u. die zahlreich dort Aufgeführten. – Oelhafen’sches Familienbuch, das leider f. die neuere Zeit etwas defect. – b) Sixt.: Will’s Nürnb. Gel.-Lexik. Bd. 3 S. 57, Bd. 7 S. 50. – Will’s Münzbelustigung Thl. III S. 177. – Leipz. hist. Lex. Thl. III. – Die Chroniken der fränkischen Städte Bd. 5 S. 630 Note 1–3. – c) Hans: Will’s Lexikon Bd. 3 S. 59, Bd. 7 S. 52. – d) Justine: Will’s Lexikon Bd. 3 S. 59 u. 60. – Stintzing, Gesch. d. Rechtswissenschaft Bd. 1 S. 406 u. 408.

Johann Christoph Oe. v. Schöllenbach, kaiserl. Pfalzgraf, der Reichsstadt Nürnberg und anderer Reichsstädte Rechtsconsulent, geb. zu Nürnberg am 23. Octbr. 1574, † dortselbst am 12. Mai 1631. Ein Sohn aus Johann Oelhafen’s (s. o.) zweiter Eye mit Susanne Harsdörffer, also ein Enkel Sixts, kam Oe. 1586 auf das Gymnasium zu Altorf, wo er durch lateinische und griechische Festreden trotz seiner Jugend den ersten Preis gewann. Nach fünfjährigem Gymnasialaufenthalte bezog er zu Michaelis 1591 behufs Erlernung der Rechtswissenschaft die unter Grg. Obrecht und Gothofredus in hoher Blüthe befindliche Universität Straßburg, jedoch wegen kriegerischer Unruhen nach wenigen Monaten – am 24. Januar 1592 – Marburg, wo er unter Hieronymus Treutler disputirte. Im folgenden Jahre ging er zu seiner juristischen Fortbildung ins Ausland; zuerst nach Leyden, dort hörte er Julius de Bayma, besuchte flüchtig die friesische Hochschule Franeker, auch Löwen, und ging im Mai 1594 mit einer Deputation nach dem Haag, um für Leyden bei den Generalstaaten einige akademische Freiheiten zu erwirken. Von dort machte er einen Ausflug nach England und traf am 25. August 1595 über die spanischen Niederlande in Nürnberg ein. Doch schon nach wenigen Wochen – (Anfangs November) – finden wir ihn zu Venedig, Padua, Bologna, wo er zuerst das Ehrenamt eines consiliarius Daciae, dann eines Senior consiliarius, endlich das eines Praeses nationis Germanicae bekleidete. Hierauf bereiste er mit seinem Bruder Paul Süditalien, die Schweiz, Elsaß, Lothringen, verweilte längere Zeit in Paris und Orleans, stand dort als Senior et orator nationis Germanicae an der Spitze der angesehenen deutschen Burse, und wußte durch seinen Einfluß die Aufnahme der Engländer und Schotten in die deutsche Nation durchzusetzen, und erwarb zu Anjou auf Einladung der dortigen Rechtsfacultät die juristische Licentiatenwürde. – Nun gings über die Pyrenäen; als er am 11. Octbr. 1593 zu Saragossa ankam, feierte man eben König Philipps II. prachtvolle Exequien; auch die übrigen Hauptstädte der Halbinsel wurden von unserem Gelehrten besichtigt. [297] Auf der Heimreise hatte er zu Montpellier am 15. Mai 1599 bei einem Aderlaß das Unglück, daß die Medianader durchstochen wurde. Lange schwebte der Arme in Todesgefahr, auch die Abnahme des Armes drohte; doch wurde er nach sechswöchentlicher schmerzhafter und kostspieliger Cur glücklich geheilt und langte am 20. August 1599 nach siebenjähriger Abwesenheit wieder in seiner Vaterstadt an. Sofort zum reichsstädtischen Consulenten (consiliarius) ernannt, ging er behufs Erlernung des Curialstiles, zunächst an das kaiserliche Reichskammergericht Speyer, im November 1600 zur Erwerbung des Doctorhutes nach Basel, worauf er im Anfange des folgenden Jahres sein neues Amt nebst dem Assessorate am Stadt- und Ehegerichte antrat. Oe. hatte sich auf seinen Reisen viele Erfahrungen gesammelt, manch’ werthvolle Beziehung angeknüpft; einem angesehenen Geschlechte entstammend, mehrerer Sprachen und der Rechte kundig, war er in besonderer Weise zu politischen Sendungen geeignet, und hat auch von 1602 bis 1631 mehr als fünfzig Commissorien ausgeführt, sei es, daß er vom Kaiser, sei es, daß er von seiner Vaterstadt oder anderen Reichsständen, an Fürstenhöfe, Reichstage oder Specialversammlungen abgeordnet wurde. So wohnte er u. a. November und December 1619 mit Andreas Imhof als städtischer Vertreter den Verhandlungen bei, welche mit dem sogenannten Winterkönig Friedrich in dessen Anwesenheit zu Nürnberg abgehalten wurden. Am 29. Juni 1623 übergab er bei der feierlichen Verkündung der Altorfer Universitätsprivilegien Namens der Reichsstadt unter Abhaltung einer längeren Rede dem Prokanzler die Universitätsinsignien: das kaiserliche Privilegium, das vergoldete Scepter nebst den Universitätssiegeln und Matrikeln (diese Verkündigung der Universitätsprivilegien Altorfs ist in einem besonderen Werke beschrieben: „Actus publicationis privil. doctor. univ. Altorf-Norimb. etc. etc. celebratus“ Alt. 1624. 4°, woselbst auch die erwähnte Rede Oelhafen’s zum Abdruck gelangte). 1626 wurde er zum Prokanzler von Altorf ernannt und krönte als solcher am 1. Juni 1629 vom Nürnberger Magistrate hierzu abgeordnet den Altorfer Professor Daniel Schwenter, damals Facultätsdecan, zum Poeten dreier morgenländischer Sprachen, der hebräischen, chaldäischen und syrischen (τριςανατολικογλωτοποιητην). Die oben erwähnte Vertretung benachbarter Fürsten und Stände führte zu Oelhafen’s ständiger Bestallung von dieser Seite. Demgemäß war er nicht nur honorirter Consulent seiner Vaterstadt, sondern auch von Markbrandenburg, Kursachsen (nach dem Familienbuche der Herzöge von Sachsen-Coburg, Eisenach und Weimar), des Deutschmeisterordens, der Grafen von Mansfeld, Castell, Wertheimb, Ortenburg und Schwarzenberg; ferner der Freiherren von Pappenheimb, Limburg, Wolfstein, Seinsheimb, Wilmersdorff etc., endlich der fränkischen Ritterschaft und der vereinten fränkischen Reichsstädte: Rothenburg, Windsheim, Schweinfurt und Weißenburg. Von diesen bezog er an Besoldungen 2800 fl.; sein gesammtes Jahreseinkommen überstieg aber die Summe von 6500 fl. Auch vom Kaiserhofe wurden Oelhafen’s Leistungen gewürdigt; Kaiser Mathias verlieh ihm die comitivam palatinam, und Kaiser Ferdinand II. ernannte ihn um „der angenemb, nutz- und ersprießlichen Dienste aus selbst eigner Bewegniß“ zu seinem Hofrath. Die mit gedachten Sendungen untrennbar verbundene unstete Lebensweise untergrub allmählich die an sich rüstige Gesundheit Oelhafen’s. Auf dem Reichstage zu Regensburg überfiel ihn im April 1631 eine schwere Krankheit, der er am 12. Mai des selben Jahres zu Nürnberg erlag. Am 28. Juni hielt der Neffe Tobias Oe. zu Altorf die lateinische Gedächtnißrede, in welcher des Verstorbenen Leistungen gebührend gewürdigt wurden (Or. fun. Altorphii hab. a Tob. Ö. [1631. 4°]). Von der auserlesenen Büchersammlung kamen 1040 Bände theils erbschafts- theils kaufsweise in die Altorfer Universitätsbibliothek. Oe. war zweimal verheirathet, [298] die erste Ehe schloß er am 25. Mai 1601 mit Anna Maria, des Lazarus Harsdörffer, des Innern Raths zu Nürnberg Tochter, welche ihm 13 Kinder gebar. Nach dem Ableben seiner ersten Ehewirthin (13. Febr. 1619) hielt er im folgenden Jahre – am 21. Febr. 1620 eine „gar ansehnliche“ Hochzeit mit Frau Katharina, Paul Pfinzings Tochter, „dazumal Sebastian wie auch zuvor Jacobs beider Imhoff nachgelassene Wittib“, auf welcher Hochzeit „unterschiedlicher chur- und fürstlicher auch anderer Stände Delegati sich eingefunden und die Hochzeitsgeschenke sich gegen 200 Mark Silber beloffen“. W. P. Kilian hat das Brustbild dieses Gelehrten in Kupfer gestochen. Letzterer war ein Mann von mittlerer Größe, mit ernsten, jedoch angenehmen Zügen, welche auf Klarheit, Festigkeit und zielbewußtes Streben schließen ließen. Da Oe. vorwiegend Geschäftsmann war, griff er nur ausnahmsweise zur Feder, und besitzen wir von ihm blos ein paar Schriften, welche den Charakter von Gelegenheitsschriften an sich tragen. So die Doctordissertation: „Miscellanea juris controv. civilis, canonici et feudalis“ (Basil. 1600. 4°), die obenerwähnte deutsche Altorfer Rede (1624); dann „De origine et jure Patriciorum, libri tres“, welchem Tractate Jo. Ja. Draco den „Discursus hist. polit. juridicus de Sensu Q. M. Scaevolae“ etc. etc. anreihte, den Oe. 1626 zu Altorf hielt. –

Will a. a. O. Bd. 3, S. 61–63. – S. J. Apinus, Vitae cancellar. acad. Altorfinae 10–19 (woselbst auch des Gelehrten Porträt).

Tobias Oe. von Schöllenbach, der Reichsstadt Nürnberg und einiger Reichsstände Consulent, Prokanzler von Altorf, einer der gelehrtesten seines Geschlechtes, geb. zu Nürnberg am 23. August 1601, † daselbst 27. Octbr. 1666. Sein Vater war Elias Oe., Nürnbergischer Losungsrath (Finanzbeamter), die Mutter Hedwig, eine geb. Löffelholz von Colberg. Der vorgenannte Johann Christoph war sein Onkel, und findet sich in dem Lebensgange des Onkels und Neffen eine auffällige Aehnlichkeit. Vorzüglich begabt kam Oe. mit seinem älteren Bruder Elias schon im 15. Lebensjahre (1615) auf das Lyceum von Altorf, wo er sich vor seinen Mitschülern hervorthat. 1620 zog er nach Tübingen, um Rümelin und Besold zu hören; von Straßburg, wo er gleichfalls (1621) studirte, wandte er sich nach Basel und hielt dort vor seinem Abschiede 1623 sine praeside eine Disputation: De principiis juris. – Nun trat er gleich seinen Vorfahren eine große wissenschaftliche Reise an, welche sich auf die wichtigsten französischen Provinzen, Nordengland, Holland und Flandern, dann nach kurzem Aufenthalte in Nürnberg (vom Februar bis Ende Mai 1625) auf Tirol und Italien erstreckte. Im Januar 1626 traf der Langgereiste wieder in seiner Geburtsstadt ein, ging jedoch sofort nach Altorf, wo er nach seiner Inauguraldissertation „De appellationibus“ im Februar „sub qualitate et titulo“ eines consiliarii Norici zum Doctor beider Rechte promovirt wurde. Nach kurzem Aufenthalte am Reichskammergerichte zu Speyer heirathete er am 26. April desselben Jahres Anna Sabina, des Patriciers Georg Christoph Volkamer Tochter, trat hierauf die ihm bereits versprochene Consulenten- und Assessorstelle am Nürnberger Stadtgerichte an und wurde im folgenden Jahre „Genannter des größeren Raths“. Während einer vierzigjährigen Dienstzeit wurde Oe. „zugleich zu geheimen Sachen und Consultationen, Deputationen und Commissionen, sonderlich zum Empfang frembder Fürsten, Herren und Gesandten herfürgezogen, und zu unterschiedlichen Legationen und Reisen verwendet“; „unter selbigen sind die vornehmsten gewesen, welche er Ao. 1634 zu dem angestellten Conföderationstag nach Franckfurth und von da nach Prag; 1636 Namens Sachsen-Coburg zu dem fränkischen Reichstag, hierauf nach Culmbach, Bamberg, Coburg und München; Ao. 1640 und 1641 zu dem Reichstag nach Regensburg, sodann nachher Würzburg zu dem neuerwählten Erzbischof von Mainz, [299] Ao. 1644 zu den Generalfriedenstractaten nachher Münster und Oßnabrück; Ao. 1652 zu den comitiis zu Regensburg; Ao. 1655 zu dem darauf in Frankfurth angesetzten; nachmalen Ao. 1659 und 1660 nachher Regensburg transferirten Reichsdeputationsconvent; item Ao. 1660 zu den zu Amberg zwischen Churfürstl. Durchl. zu Baiern und Nürnberg wegen unter sich gehabter Streitigkeiten geschlossenen Tractaten über sich genommen und verrichtet. Neben diesen hat er auch hochangelegene Gesandtschaften an der Römisch. Kayserl. Majestät Churfürsten und Stände des Reichs, ingleichen zu Kreyß- und Münzprobationstägen abgelegt, daß deren auf die 36 specificirt werden könnten. Hierüber hat er sich jederzeit unerschrocken, getreu, sorgfältig und unverdrossen erwiesen, und ist von etlichen Fürsten und Ständten des Reichs in Rathsbestallung von Hauß aus nach und nach genommen worden.“ 1652 wurde Tobias Assessor am reichsstädtischen Appellhofe, kaiserlicher Pfalzgraf und Prokanzler der Universität Altorf. Als solcher hielt er bei Promotionen und ähnlichen festlichen Gelegenheiten öfters Reden, von denen fünf unter dem Titel: „Templum pacis in R. G. Imperio, quinque oratt. inaug. in acad. Alt. habitis extructum“ Francof. 1657 und 1665 die Presse verließen. Außerdem besitzen wir von ihm „Oratio paneg. in memor. Duc. Jo. Chr. Ölh. ICti habita Alt. a Tob. Ölh.“ (Alt. 1631. 4°), „Oratio in obitum G. Volcameri, Duumviri primarii hab. a Tob. Oelh.“ (Alt. 1632. 4°), „De moneta s. orationes VIII de statu hodierno rei monet. in Imp. R. G. corruptissimo et perniciosissimo“ (Norib. 1665), subjuncta in fine oratio, speculum veri ac boni Icti consiliarii et Politici“, ferner: „Repraesentatio Reip. Rom. Germ.“ (1657. 4°), eine Sammlung von 15 Schriften über die damaligen Streitigkeiten zwischen Baiern und Kurpfalz. – Endlich einige Dissertationen: „De donationibus“ (Alt. 1620. 4°); „De magistratibus“ (Tub. 1621. 4°); „De principiis juris“ (1623, in Vol. 7 Dispp. Basiliensium [4°. 4 Bogen]). Oe. hatte an seiner ausgedehnten, auserlesenen Büchersammlung große Freude und hat sie u. A. Birken zu „nützlicher Erweiterung des Fugger’schen Ehrenspiegels des Erzhauses Oesterreich zur Verfügung gestellt“, wie letzterer (S. 1132) dankbar berichtet. Ueberblickt man Oelhafen’s langjährige und vielseitige Wirksamkeit, so kann man ihm das Zeugniß eines um seine Vaterstadt und manche Reichsstände hochverdienten Mannes nicht versagen. Mit Recht haben daher Rector Ernst Cregel und Christ. Andr. Harsdörffer in ihren zu Altorf und Nürnberg gehaltenen Gedächtnißreden (Merita Tob. Ölh. suprema laudatione celebrata ab E. Cregel etc. etc., Altorf 1667, 4° und Paneg. quo Tob. Ölh. memoriam honoravit Christ. Andr. Harsdörffer, Norib. 1667. 4°) die Leistungen des Verstorbenen in ein volles glänzendes Licht gesetzt.

Dessen zweiter Sohn Georg Tobias Oe. (geb. am 12. Juni 1632 zu Nürnberg, † am 17. Febr. 1685 zu Regensburg) war gleich dem Vater ein sehr wackerer Rechtsgelehrter und brauchbarer politischer Agent. In Altorf juristisch gebildet, bereiste er von 1655 bis August 1658 Holland (Gröningen, Utrecht), England (London), Frankreich (Paris, Normandie, Orleans), Schweiz (Genf) und Süddeutschland (Frankfurt, wo eben Kaiser Leopold gekrönt wurde). In Altorf nach Vertheidigung der Inauguraldissertation „De jure vestigalium“ (December 1659) Doct. utr. juris geworden, begleitete er seinen Vater Tobias 1660 nach Amberg und Regensburg, wurde bereits städtischer Consulent und Assessor, 1676 und 1678 nach Wien, 1680 zum Reichstag nach Regensburg, 1684 an das kaiserlich Hoflager nach Linz, an den Reichshofrath nach Wels und dann wieder nach Regensburg gesandt, wo er im 53. Jahre sein thätiges Leben beschloß. – Eine litterarische Thätigkeit hat er nicht entwickelt.

Vom Vater Tobias besitzen wir aus dessen vorgerücktem Lebensalter ein gutes, von W. F. Kilian in Kupfer gestochenes Kniestück.

[300] Will a. a. O. Bd. 3, S. 684–67. – Apinus l. c. S. 63–69, woselbst auch Kilians Stich in kl. 4°. – Oelhafen’sches Familienbuch.

Karl Christoph Oe. von und zu Schöllenbach auf Eismannsberg, Ruprechtstein und Neukirchen; Nürnbergischer Pfleger und forstwissenschaftlicher Schriftsteller (geb. am 16. Febr. 1709 zu Nürnberg, † daselbst am 20. Juni 1785), der älteste der drei von Christoph Elias mit Anna Maria Gwandschneider erzeugten Söhne. Der Vater Christoph Elias (geb. am 28. Mai 1675, † am 20. Septbr. 1736), ein auf Universitäten und gelehrten Reisen vorzüglich gebildeter Jurist, Licentiat, Consulent und seit 1707 Assessor am Stadt- und Ehegerichte Nürnberg, vergrößerte durch den 1709 vollzogenen Kauf der Hofmark Eismannsberg bei Altorf den Oelhafen’schen Fideicommißbesitz; war 1712 und 13 als Nürnbergischer Abgeordneter bei Abfassung und Ausfertigung des Kammerrevisionsrecesses zu Wetzlar betheiligt, und erwirkte, daß Kaiser Karl VI. mit Diplom d. d. Wien den 5. April 1729 ihn und seine ehelichen Leibeserben „zu adelig-ratsfähigen Geschlechtern und Patriciern der Reichsstadt Nürnberg ernannte, würdigte und fähig erklärte“. – (Der Sohn) Karl Christoph machte von 1724–32 seine Studien zu Altorf, sodann in diesem und dem folgenden Jahre mit seinem jüngsten Bruder Jacob Christoph die übliche Reise durch die Schweiz, Frankreich, England und die Niederlande, wurde im Januar 1737 Pfleger der Nürnbergischen Aemter Velden und Hausseck; am 15. März 1748 von Grävenberg, endlich den 11. Mai 1764 Oberamtmann und Oberrichter des Sebaldiwaldes bei Nürnberg. Er errichtete mancherlei ökonomische Anstalten, namentlich hat man ihm großartige Pflanzungen von Obst- und Nutzholzbäumen und fremdartigen Gewächsen zu danken, wodurch er die Obstcultur und Forstzucht in Franken hob. Sein Hauptverdienst liegt indessen in seinen schriftlichen Arbeiten. Er schrieb ein großes Werk: „Abbildung der wilden Bäume etc., welche nicht nur mit Farben nach der Natur vorgestellt, sondern auch etc. kurz und gründlich beschrieben sind“, 3 Thle mit 33, 34 und 14 illum. Kpftfln. Nürnberg 1767–88. gr. 4° (führt auch den Titel „Abbildung aller in Franken wild gewachsenen Bäume, Stauden etc. etc.“). Vor diesem hatte er die namhaftesten Werke des Akademikers Henry Louis Du Hamel du Monceau übersetzt, welcher (1700–82) zu den vorzüglichsten forst- und landwirthschaftlichen Schriftstellern Frankreichs im vorigen Jahrhundert gerechnet wird (s. über diesen Nouv. biogr. génér. XV, 185 u. f., auch hist. Acad. scient. 1782. p. 131–155). Die erste dieser Uebertragungen war die „Abhandlung von Bäumen etc. etc. welche in Frankreich in freier Luft erzogen werden, mit vielen Anmerkungen“ (2 Thle. mit Kpfrn. Nürnberg 1762. 63. gr. 4°). Dann erschien „Von der Holzsaat, Pflanz und Wart der Bäume“ etc. mit 16 Kpf. (Nürnberg 1663. gr. 4°) (Des Semis et Plantations des arbres, Paris 1760. 4°). 1754 und 1765 übersetzte er Du Moncel’s Hauptwerk De la Physique des Arbres (Paris 1758) unter dem Titel: „Naturgeschichte der Bäume“, 2 Thle. mit 28 und 22 Kpfrn. (Nürnb. 4°), das Werk zählt zu den frühesten, welche sich in eingehender Weise mit Bau, Natur und Physiologie der Pflanzen beschäftigen. – Sodann folgte „De l’Exploitation des Bois etc. Von Fällung der Wälder und gehöriger Anwendung des gefällten Holzes etc. etc.“, 2 Thle. mit 36 Kpftfln. (Nürnberg 1766. 67. gr. 4°), endlich „Abhandlung von Obstbäumen“ (Nürnb. 1771. 4°). Von Reaumur’s physikalisch-ökonomische Geschichte der Bienen etc. etc. hatte O. mit Anmerkungen vermehrt unter Angabe der Anfangsbuchstaben seines Namens C. C. Oe. v. S. schon 1759 aus dem Französischen übersetzt (Frankf. und Leipzig 4°). –

Karl Christophs zweiter Bruder Georg Christoph (um 1710 geb.) zählt zu den wenigen Oelhafen, die unter die Fahnen traten. Erst Obristwachtmeister [301] im Zehischen Infanterieregiment des fränkischen Kreises, wurde er 1755 Oberst des v. Varellischen Infanterieregimentes, 1765 durch den fränkischen Kreis Generakfeldmarschalllieutenant, auch Oberst über ein Fußregiment, und starb unvermählt auf seinem Gute Eismannsberg am 23. Juli 1779. Die Gedächtnißrede hielt Chr. Heinr. Seidel (Nürnb. 1780. Fol.).

Der dritte und jüngste Bruder Jacob Christoph (geb. 1712 zu Nürnberg, † am 20. Octbr. 1749) war gleich vielen seiner Ahnherren Assessor am reichsstädtischen Untergerichte, außerdem kurpfälz. Truchseß und Hofrath. Seine 1731 vertheidigte Disputation „De praestationibus gallinaris, sive Hühnerzins“ wurde 1743 zu Altorf wieder aufgelegt und von Jenichen theilweise in dessen Thesaurus juris feudalis (T. II, 89) aufgenommen. Des letzteren Sohn Georg Christoph d. J. (geb. am 22. Januar 1748 zu Nürnberg) fertigte unter Anleitung Pütter’s in Göttingen eine 141/2 Bogen starke Streit- und Promotionsschrift „De jurisdictione in feuda Imperii“ (Pars prior. Gott. 1767 4°, der zweite Theil, 9 Bogen, ist handschriftlich vorhanden), wurde im nämlichen Jahre auf seine Abhandlung vom „alten Fürstenrechte“ als außerordentliches Mitglied des königl. historischen Institutes zu Göttingen aufgenommen, und bezog nach längerer Dienstzeit (August 1791) sein Gut Eismannsberg, woselbst er mit Tod abging.

Will, Nürnb. Gel.-Gesch. Bd. 3, S. 69. Dieselbe fortgesetzt von Nopitsch S. 54–57. 57–59.