RE:Mithridates 16

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band XV,2 (1932), Sp. [1932 2206]–[1932 2207]
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16) M. VII. (II.) nach Rostowzew 153, VIII. (III.) nach Minns 595ff., König des bosporanischen Reiches. Nach Cass. Dio LX 8, 2 verlieh Kaiser Claudius 41 n. Chr. das bosporanische Reich dem M., der nach Rostowzew Sohn des Aspurgos und der Dynamis, Enkelin des großen Mithradates, Tochter des Pharnakes, war, während v. Rohden o. Bd. II S. 1739f. ihn für einen Enkel der Dynamis, Aspurgos für einen Sohn des Asandros und der Dynamis hält. Beide Vermutungen sind nicht beweisbar, doch scheiterte meines Erachtens Rostowzews Annahme daran, daß Dynamis für Aspurgos, der um 20 n. Chr. geherrscht hat, viel zu alt gewesen wäre. Vgl. noch Dessau Gesch. d. röm. Kaiserzeit II 1, 149, 1. Sicher war M. ein Sohn des Aspurgos und Bruder des Kotys: Tac. ann. XII 18. Latyschew Inscr. ant. orae sept. [2207] Pont. Eux. II 32. 37. I² 38. Brit. Mus. Catal. Pontus–Bosporus 52f. Nach Cass. Dio LX 8, 2 verlieh Claudius also diesem M. den Bosporos und entschädigte dessen König Polemon in Kilikien. Nun weist aber Minns 595ff. darauf hin, daß wir eine Münze von M. aus dem J. 39/40 (und eine zweite 41/42) besitzen, so daß er vor der Versetzung Polemons König gewesen sein muß. Dessau II 1, 149, 2 übersetzte ἐχαρίσατο bei Cass. Dio mit ‚bestätigte‘, wobei aber dunkel bliebe, weshalb Polemon entschädigt wurde. Dessau vermutete, daß M. von Caligula nur für abgesetzt erklärt worden war. Auf einer Inschrift Latyschew II 400 = Minns nr. 43 ist der Königsname beseitigt; Minns möchte gegen Latyschew (und jetzt Dessau) hier M. einsetzen. Da M. Kupfermünzen mit Kopf und Namen sowie solche mit Kopf und Namen der Gepaipyris (nach Rostowzew Stiefmutter des M. und Mutter des Kotys) schlagen ließ, vermutet Minns, daß er sich gegen Rom aufgelehnt habe. Mit Latyschew II S. XLIII möchte auch Minns die bei Petr. Patr. frg. 3 (FHG IV 184) von dem Iberer M. erzählte Geschichte auf unsern M. beziehen (vgl. auch Kahrstedt o. Bd. XI S. 1554 Nr. 10). Wenn diese Vermutung zutrifft, und sie hat sehr viel Wahrscheinlichkeit für sich, dann hat M. das Mißtrauen der Römer durch die Entsendung seines Bruders Kotys beschwichtigen wollen; dieser aber erreichte es, daß er an Stelle seines Bruders das Königtum erhielt und von römischen Truppen eingesetzt wurde. M. entfloh zu den benachbarten Stämmen und suchte mit ihrer Hilfe sein Reich zurückzuerobern. Aber die römische Garnison, die von Didius Gallius zum Schutze des Kotys unter Iulius Aquila am Bosporos zurückgelassen war, verstand einen Stamm für sich zu gewinnen und nach längeren Kämpfen, die sie bis an den Tanaïs führten, schließlich M. durch Verrat in ihre Hände zu bekommen. M. wurde nach Rom gebracht und hier dem Volke gezeigt, wobei er eine trotzige Miene zur Schau trug: Tac. ann. XII 15–21. Er hat dann noch etwa 20 Jahre in Rom gelebt, 68 n. Chr. wurde er auf Befehl Galbas hingerichtet, da er sich über die Glatze des Kaisers lustig gemacht und mit dem Praetorianerpraefecten Nymphidius konspiriert hatte: Plut. Galba 13. 15. – Über seine Münzen vgl. Minns 595f. 601ff.