Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
korrigiert  
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Band V,2 (1905), Sp. 1879–1880
Dynamis in der Wikipedia
Dynamis in Wikidata
Linkvorlage für WP   
* {{RE|V,2|1879|1880|Dynamis|[[REAutor]]|RE:Dynamis}}        

Dynamis, eine Königin des bosporanischen Pontus in der Zeit des Augustus. Sie war die Tochter des Pharnakes und Enkelin des Mithradates Eupator (Dio LIV 24, 4. Latyschev Inscript. ant. orae sept. Ponti Euxini II 356); doch ist es fraglich, ob sie die ungenannte Tochter des Pharnakes ist, die ihr Vater dem Dictator Caesar im J. 707 = 47 anbot, um Frieden zu schliessen, was Caesar ablehnte, Appian. bell. civ. II 91. Sie heiratete den schon bejahrten Asander, den Mörder ihres Vaters, dessen Nachfolger im bosporanischen Reich er wurde, Dio a. a. O. So erscheint D. als Königin und Asanders Gattin auf einer Inschrift aus Panticapaeum, Latyschev II 25; vgl. IV 200. Als sich gegen Asander ein Abenteurer, namens Scribonius, erhob, der sich für einen Enkel des Mithradates ausgab und vielen Anhang fand, tötete sich Asander (Lucian. macrob. 17), und nunmehr führte Scribonius zur Stütze seiner Legitimität D. als Gattin heim. Aber auch er konnte sich nicht lange in der Herrschaft behaupten, da im Auftrag des Augustus (M. Vispanius) Agrippa zur Bekämpfung des Betrügers den König Polemon (I.) Eusebes von Pontus schickte. Als dieser heranrückte, töteten die Bosporaner Scribonius; zwar nahmen sie dann auch gegen Polemon Stellung, aber nach kurzem Kampfe (Polemon belagerte unter anderm auch Tanais, Strab. XI 493. 495) hatte er das Land unterworfen, so dass Agrippa, der bei Sinope eine Flotte zusammengezogen hatte (vgl. Joseph. ant. Iud. XVI 21–23. Oros. VI 21, 28), nicht mehr zu seiner Unterstützung kommen musste. Polemon wurde nun als König eingesetzt und vereinigte so beide pontischen Reiche in seiner Hand (Strab. a. a. O. u. ö.; vgl. Eutrop. VII 9 = Euseb. Hieron. a. Abr. 2003 [Arm. 2002]); dann vermählte auch er sich auf Veranlassung des Augustus mit D., 740 = 14, Dio LIV 24. 4–6 zu diesem Jahre. Die Dedicationsinschrift aus Phanagoria, CIG II 2122 u. add. p. 1006 = Latyschev II 354, und die aus Panticapaeum, Latyschev IV 201, wo D. (Δυν.....und Δ....μις) als Königin den Augustus als ihren σωτὴρ καὶ εὐεργέτης rühmt, dürften zum Dank dafür gesetzt sein und aus demselben Anlass die Dedication an Livia (als εὐεργέτις bezeichnet) gleichfalls zu Phanagoria errichtet sein, Latyschev IV 420. Jedenfalls nach dieser Zeit ist die Inschrift Latyschev II 356 gesetzt, weil hier Phanagoria schon Agrippa {zum Teil ergänzt) genannt wird, was erst nach der Einsetzung Polemons geschah. Dass die Zeitangabe bei Dio auf die Ehe mit Polemon zu beziehen ist, nicht auf die früheren Ereignisse, zeigt eine Goldmünze der Königin D. mit ihrem Bildnis und der Jahreszahl ΑΠΣ = 281 (der bosporanischen Aera, das ist 737/8 = 17/16), Ann. d. Inst. 1841, 320–326 (= Köhne Description du musée Kotchoubey II p. 156); vgl. v. Sallet Beiträge zur Gesch. u. Numism. der Könige des kimmerischen Bosporus 15f. (gegen dessen Zuweisung anderer Münzen mit dem vermeintlichen Monogramm der D., 63–66, Mommsen Ephem. epigr. I p. 272). Es ist dies wahrscheinlich die Zeit nach dem Tode Asanders und vor der Ehe mit Scribonius (v. Sallet 16ff.). Sehr bald nach 710 = 14 muss sie gestorben sein; denn Polemon, der spätestens bis 748 = 6 lebte, heiratete nach D.s Tode noch Pythodoris, Ephem. epigr. I p. 270. [1880] S.-Ber. Akad. Berl. 1874, 16. Strab. XII 555f. (Mommsen Ephem. epigr. I p. 272. II p. 259 setzt die Ehe mit Pythodoris 742 = 12, den Tod Polemons 746 = 8).

Auf D.s Wesen wirft die Geschichte ihrer dreimaligen Ehe ein seltsames Licht; erst heiratet sie den Mörder ihres Vaters, dann noch zweimal, und zwar jedesmal den, der soeben ihren früheren Gatten in den Tod getrieben hat. Ihr Bildnis auf der erwähnten Münze weist derbe, unschöne Züge, echt barbarischen Typus auf. Vgl. über sie Dessau Prosopogr. imp. Rom. 30f., 182. Gardthausen Augustus u. seine Zeit I 842–844.