Miscellaneen (Journal von und für Franken, Band 1, 3)

Textdaten
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Autor: Diverse
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Titel: Miscellaneen
Untertitel:
aus: Journal von und für Franken, Band 1, S. 331-350
Herausgeber: Johann Caspar Bundschuh, Johann Christian Siebenkees
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1790
Verlag: Raw
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Erscheinungsort: Nürnberg
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Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: UB Bielefeld, Commons
Kurzbeschreibung:
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XII.
Miscellaneen.


1.
Aus dem Briefe eines Reisenden.
Heute schreibe ich Ihnen aus einem Ort, von dem Ihre Kenntniß so dürftig, als die meinige seyn wird. Es ist dieß die freye Reichsstadt Rotenburg an der Tauber. – Sie lag nicht in dem Plan meiner Reise, und nur durch einen Zufall, den ich zu verwünschen nun eben nicht Ursache habe, kam ich hieher. Als Reichsstadt fand ich sie allen ihren Schwestern ähnlich, und auch von dieser muß ichs gestehen, daß ich bey allen Mängeln, die sich überhaupt in dieser Classe von Staaten finden, und von denen ich glaube, daß sie mehr ausserwesentlich sind, dennoch ihr Schicksal für beneidenswehrt halte; denn, der Regel nach, findet der richtigere und billigere Beobachter nirgends, als in Reichsstädten, die natürliche Freyheit weniger gekränkt. Ich setze voraus, daß Sie mich nicht mißverstehen. Ich rede nicht von jener zügellosen Freyheit – von jenem anarchischen Unsinn, der unsre| Nachbarn, die neuen Franken, so sehr herabgesetzt hat; nein, von einer Freyheit, bey der bürgerliche Verhältnisse, Ordnung im Staat, äussere Sicherheit und ungekränktes Eigenthum eines jeden Einzelnen bestehen; von dem ruhigen Genuß des Rests der natürlichen Freyheit, welche man beym Eintritt in gesellschaftliche Verbindungen, ihre Form sey monarchisch, aristokratisch, oder demokratisch, nothwendig aufopfern muß. Ich glaube, behaupten zu können, daß die Grundlage der Verfassung dieser Teutschen Republiken als Muster angenommen werden darf: und entspricht die Besorg[niß] dieser Freystaaten nicht immer der stren[ge]n Erwartung, so müssen wir denken, so lange Obrigkeiten Menschen sind, kann man keine Vollkommenheit erwarten. Genug von einer Materie, von der so sehr viel sich sagen läßt, und bey deren Behandlung man sich äusserst sorgfältig hüten muß, um nicht von einem Extrem aufs andere überzugehen. – Mein Aufenthalt ist zu beschränkt, als daß ich es wagen könnte, über diese alte Fränkische Stadt – den ehemaligen Sitz der in der Fränkischen Geschichte so sehr bekannten Grafen[1] von Rotenburg –| nach deren ganzen Umfang etwas Befriedigendes zu sagen. Nachrichten, topographischen und statistischen Inhalts verspare ich auf meine Rückreise, bey welcher ich mich länger in Rotenburg zu verweilen gedenke. Gegenwärtig nur so viel, daß aller, mit scheinender Gelehrsamkeit aufgeputzten Gründe ungeachtet, die Sie im Knipschild wider die demokratische Regierungsform dieser ansehnlichen Reichsstadt finden, dennoch sich behaupten läßt, daß sie weniger aristokratisch als demokratisch sey. Die Gründe, mit denen ich meine allerdings gewagte Behauptung unterstützen kann, künftig! – Bis mein Reisewagen wieder hergestellt ist, will ich sie von der Gegend nächst der Stadt, so weit ich sie kenne, unterhalten.
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Ich kam von Anspach nach Rotenburg, und, so wie ich das fürstliche Territorium verließ, drängten sich mahlerische Aussichten mir auf. Gleich hinter Steinach am Wald fängt das geschlossene Rotenburgische Gebiet an. Sie sehen nun noch nichts als auf beiden Seiten des Straßendamms ein ziemlich lichtes Gehölze, aber, kaum gehen Sie eine Viertelsmeile, so öffnet sich eine unerwartete Aussicht. Dicht unter Ihnen – (Sie| stehen an einem Precipice[WS 1]) – zeigt sich ein Theil der Stadtmarkung, und eine unübersehbare Reihe von möglichst cultivirten Fruchtfeldern. Das Gemische von prangenden Wiesen und fruchtschwangern Ackerfeld überrascht Ihr Aug, das lange genug mit Bedauren die Nürnberger, Fürther, und zum Theil Anspacher magern Sandgegenden sehen mußte. In der Mitte Ihres Horizonts zeigt sich Rotenburg, und weiter hin erblicken Sie das, stückweis beholzte, in gedrängten Krümmungen sich schlängelnde Tauberthal von der Oberfläche. Sind Sie nun an der Stadt, und drehen Sich gegen Morgen, so ist zwar Ihr Horizont durch eine Bergkette beschränkt, aber eben dieses verschafft Ihnen neues Vergnügen. Nun gehen Sie durch die Stadt, in gerader Richtung nach der Abendseite, d. i. vom Galgenthor vors Bürgerthor, und Sie werden mir ganz beystimmen, daß nichts angenehmer überraschend, als der Taubergrund von der Mittag- Abend und Mitternacht-Seite gedacht werden kann. Diese äusserst angenehme Gegend durchwanderte ich heute, und, wenn Sie Ihre Bekanntschaft mit der Reizbarkeit meines Gefühls zurückrufen wollen, so werden Sie finden, daß mir Gegenstände selten so sehr, als andern auffallend

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Abgrund
| sind; daß also, wenn ich hier mit einer gewissen Wärme erzähle, der Gegenstand meiner Beschreibung wenigstens doppelt bemerkungswehrt seyn muß. Ich habe das Zeugniß mehrerer Reisenden für mich. Sie finden keine Schauer erregende Schweizergegenden – aber, ein Thal, welches die Seele im heitern Gleichgewicht erhält, und ungleich sanfter, als schroffe Gebirgsgegenden, bewegt. Und nun meinen Fund in diesem Thal!
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Ich ging eben an einer alten, bußwürdigen, in der Geschichte des Mönchswesens aber bemerkungswehrten Kirche – (sie heißt die Coboldzelle) – vorbey, als mir ein, dem Anschein nach, tölpischer Mensch begegnete. Es fehlte wenig, ich hätte ihn unbemerkt vorbeygehen lassen, aber immer würde michs reuen, wenn dieß geschehen wäre. Er ging, mit dem Reisbley in der einen, und einer Mappe in der andern Hand verschiednemahle um dieß Gebäude – blieb stehen, schien mit seinen Augen abzumessen, und trug dann in die Mappe etwas ein. Das gar nicht empfehlenswehrte Äussere dieses Menschen, und das, was ich ihn vornehmen sahe, schuf die sonderbarste Empfindung in meine Seele, welche sich endlich in Neugierde auflöste. Ich schlich| mich leise zu ihm hin, sah über seine Schultern in die Mappe – und erblickte – was ich anfangs kaum zu vermuthen wagte, einen beynahe vollendeten Prospect dieser Taubergegend. Nun konnte ich meiner gewachsnen Neugierde nicht mehr widerstehen. Ich redete ihn an, und erhielt von ihm folgende Nachricht: „er heiße Johann Philipp Kuch, sey gegenwärtig 26 Jahre alt, und wohne nächst der alten Kirche, in einem Hause, welches gemeinhin das Schlößlein genannt werde, und ihn selbst nenne man in Rotenburg den Schlößleinsjungen. Schon in seiner frühen Jugend habe er unwiderstehliche Neigung zur Mahlerey gefühlt, und sein Lieblingsgeschäfft sey es gewesen, wenn er Gelegenheit gefunden habe, Bäume, Pferde, Esel, Kühe zu zeichnen. Nach und nach habe sich diese Anlage entwickelt, und mehrere Männer von Ansehen hätten ihn ihrer Aufmerksamkeit gewürdigt, und ihn durch Mittheilung guter Kupferstiche und Gemählde aufgemuntert; auch habe dieß so vortheilhaft auf seinen wenig bemittelten Vater gewirkt, daß dieser sich entschlossen, ihn nach Herrieden zu einem Mahler zu schicken, wo er jedoch nur ein halbes Jahr sich aufgehalten, inzwischen aber doch einige Vortheile sich erworben| habe.“ – Dieß erzählte er mir mit so ungekünstelter Treuherzigkeit und naiver Bescheidenheit, daß ich mich ganz für ihn eingenommen fühlte. Ich bat ihn, mich in seines Vaters Haus zu führen, und hier erwartete mich die überraschendste Scene. In einem Zimmer, das von einer Bauernstube gar nicht verschieden war, sah ich eine Menge von getuschten Zeichnungen, von Wasser- und Öhlgemählden, und einige sehr gut gerathene Stücke von, mit Silber belegten und radirten, und auf der Rückseite gefirnißten Glasgemählden, und dieß alles zeigten mir Vater und Sohn, ohne auf die entfernteste Art einigen Künstlerstolz zu verrathen. Wenn ich nach dem, was ich gesehen, und bey meiner Zurückkunft in die Stadt von zuverlässigen Leuten gehört habe, urtheilen darf, so glaube ich, behaupten zu können, daß dieser junge Künstler, der es durch sich selbst so weit gebracht hat, in der Folge, und wenn er thätig unterstützt würde, als Landschaftsmahler sich sehr vortheilhaft auszeichnen, und die Aufmerksamkeit des artistischen Publicums rege machen wird. Er hat das Mauer- und Steinhauer-Handwerk erlernt, beschäfftigt sich aber mehr mit Mahlerey, besonders mit Tapetenmahlen, und diese gerathen ihm immer,| sowohl auf Leinwand, als auf Holz und Mauerwerk recht gut. Könnte ich ihn doch recht wirksam empfehlen! – Möchten doch die Vorsteher einer Mahler-Akademie sich für seine artistische Ausbildung verwenden, oder ein edeldenkender Mahler ihn zu sich nehmen! – Da sein Vater keine Kosten auf ihn verwenden kann, so muß er wie eine halb entfaltete Rose hinwelken, und seine Fähigkeiten bleiben unentwickelt und unbenutzt.


2.
Von des Herrn Rath Beckers Noth- und Hülfsbüchlein ist in diesem Jahr eine neue verbesserte Auflage, mit hochfürstl. Bamberg. und Wirzburgischer höchster Genehmigung und Freyheit, unter der Aufschrift: Gotha und Wirzburg, veranstaltet worden, in welcher verschiedene Geistliche katholischer Religion, die Stellen, welche dem katholischen Landmann fremd oder anstößig scheinen könnten, abgeändert haben. Der Fürstbischoff von Bamberg und Wirzburg hat von der aus mehrern tausend Exemplaren bestehenden Auflage 2500 Exemplare unter die Landleute verschenkt, und Herrn Becker dafür ein Donceur an Geld und Frankenwein übermachen lassen. Das Privilegium über| diese Auflage ist ohne alle Canzleygebühren ausgefertigt, und der Verkauf anderer Nachdrücke in den hochfürstl. Landen verboten worden.


3.

Das Eichstädtische Domcapitel hat bey der gegenwärtigen Sedisvacanz die Hofbibliothek zu jedermanns Gebrauch eröffnen lassen. Man findet Vor- und Nachmittags ein geräumiges und geheiztes Zimmer. Dem Mangel an neuern Schriften hat Herr Graf Schenk von Castell dadurch zum Theil abgeholfen, daß er seine ganze aus mehr als 2000 Stück der neuesten und besten Bücher bestehende Bibliothek dazu großmüthig hergab.


4.

Der Eichstädtische Herr geheime Rath Boller ist zum Kurmainzischen geheimen Rath ernannt worden.


5.
Herr D. Wilhelm Gottlieb Tafinger, Professor der Rechte zu Erlangen, hat einen Ruf als Rechtslehrer in seine Vaterstadt Tübingen erhalten und angenommen. An dessen Stelle hat Herr Professer Haselberg| in Helmstädt einen Ruf nach Erlangen erhalten.


6.

Herr M. Oertel, Conrector an der Friedrich-Alexanders Schule zu Neustadt an Aisch, ist auf die Pfarre Stübach ohnweit jener Stadt befördert worden.


7.

Der nach Reinsbronn in Franken als Kastenamtmann bestimmt gewesene Hr. Kammercommissionsrath Fischer ist von seinem Fürsten auf das Kasten- und Justizamt Geräbronn versetzt worden.


8.

Herr Hofrath und Professor Glück zu Erlangen hat wegen eines ausgeschlagenen Rufs nach Rostock eine Zulage von 200. fl erhalten.


9.

Der Herr geheime Assistenzrath Lösch zu Anspach ist zum Präsidenten des dasigen fürstlichen Consistoriums und Hofgerichts ernannt worden.


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10.

Herr Utz, Director des burggräflichen Rathscollegiums zu Anspach, ist von seinem Fürsten aus eigener Bewegung zum wirklichen Consistorial- und Hofgerichtsrath ernannt worden.


11.

Der bisherige herzogl. Braunschweigische Minister und Kammerpräsident, Herr Carl August von Hardenberg, ist als wirklicher Minister und geheimer Rath, mit dem Ehrenwort Excellenz, auch Sitz und Stimme im Ministerio, in Fürstlich-Brandenburg-Onolzbachische Dienste getreten.


12.

Der bey dem königl. Preußischen General- Oberfinanz- Kriegs- und Domänen-Directorio zu Berlin als expedirender Secretär gestandene Kriegsrath Herr Rudolf Friedrich Culemann, ist zum geheimen Cabinets-Secretär, mit dem Rang eines wirklichen Hof- und Regierungsraths, zu Anspach ernannt worden.


13.
An die Stelle des aus den Anspach-Bayreutischen Diensten getretenen dirigirenden| geheimen Ministers, Freyherrn von Seckendorf zu Bayreut, ist der geheime Minister und Regierungspräsident Carl Friedrich Christoph Freyherr von der Kettenburg ebendaselbst zum Curator der Universität Erlang ernannt worden.

Der geheime Minister und Landshauptmann zu Hof, Philipp Ludwig Freyherr von Weitershausen, Verfasser verschiedener ökonomischer und statistischer Schriften, ist von seinem Fürsten zum Gouverneur des Fürstenthums Bayreut ernannt worden.

Die übrigen Mitglieder des Bayreutischen Ministeriums oder der geheimen Landesregierung sind genwärtig:

| Herr Geheimerath, Kammerpräsident und Landschafts-Director, Hanns Georg Hartwig von Flotow.

Herr Geheime Landes-Regierungsrath und Consistorial-Präsident, Immanuel Christoph Benedict Schnell.

Herr Geheime Rath und Amtshauptmann zu Culmbach, Christoph Friedrich Wilhelm von Knebel.

| [WS 1]Herr Consistorialrath und Schloßprediger Kapp zu Bayreut ist zum Curatel-Assistenzrath der Universität Erlang im theologischen Fach ernannt, und ihm zugleich die Besorgung der im philologischen und historischen Fache der philosophischen Facultät vorkommenden Sachen übertragen worden. Die übrigen Fächer der philosophischen Facultät sind dem Herrn geheimen Regierungsrath und Universitäts-Curatel-Assistenzrath Wagner zugetheilt worden. |
14.

Am 21 Novemb. 1789 starb zu Schopdach bey Wassertrüdingen Herr M. Johann Wolfgang Brenk, ehemahliger Hessencasselischer Legations-Secretär, im 86sten Jahre seines Alters. Einer seiner Freunde, Hr. Prof. Will zu Altdorf, hat sein höchstmerkwürdiges Leben in einer eigenen Schrift beschrieben, welche so eben die Presse verlassen hat. [WS 2]


15.
Am 7ten May starb zu Neustadt an der Aisch ein verdienter Schulmann, Herr M. Georg Christoph Oertel, Director und Inspector der Friedrich-Alexanders-Schule daselbst. Er war den 24 Decemb. 1715 geboren. Von seinem Leben und seinen Schriften| s. Andr. Meyers Nachrichten von den Schriftstellern in den Fürstenthümern Anspach und Bayreut. S. 250. Zu den dort angezeigten Schriften sind noch folgende Programmen gekommen:
Recensio Imaginum Serenissimorum Principum munificentissimorum instauratorum ac nutritorum Scholae Neapolitanae. In Versen 1782.
De Theophania Messiae. 1783.
Memoria M. Ioh. Henr. Grieshammeri, Conrect. 1784.
Von dem dermahligen Zustand der Schule zu Neustadt. 1785.
De sacrificiis vet. Testamenti Christi typis 1786.
De vita et fatis Io. Geo. Henr. Federi. 1789.


16.

Am 10 Julius starb zu Meiningen Hr. Johann Georg Pfranger, zweyter Hofprediger und Consistorialassessor, ein Mann, der seinem Stande und der Menschheit Ehre machte; noch nicht völlig 45 Jahre alt. Er war ein beliebter Canzelredner und guter Dichter. Sein Mönch vom Libanon ist zweymahl aufgelegt und einmahl nachgedruckt worden.


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17.

In der Nacht vom 17 auf den 18ten Sept. verlor Anspach einen wegen seiner grossen Gelehrsamkeit und ausgebreiteten Kenntnisse, auch ausser seinem Vaterlande, auf einer sehr vortheilhaften Seite bekannten Lehrer und Prediger, an Herrn Johann Zacharias Leonhard Junkheim, der heil. Schrift Doctor, Sr. Hochfürstl. Durchl. zu Brandenburg-Onolzbach und Bayreut Generalsuperintendent des Fürstenthums unterhalb Gebirgs, Kirchen- und Consistorialrath, Oberhof- und Stiftsprediger, Hochfürstl. Beichtvater, Assistenzrath bey der Curatel der Hochfürstl. Friederich-Alexanders Universität zu Erlangen, Mitglied des neu errichteten Schulinstituts und der Anspachischen Wittwen- und Waisenhaus-Oberinspection u. s. w. Er starb im 61. Jahre seines Alters, an einem asthmate pituitoso.

Sein Leben, nebst seinen bis 1780. herausgegebenen Schriften ist, von ihm selbst aufgesetzt, in Andreas Meyers Nachrichten von den Schriftstellern, die gegenwärtig in den Fürstenthümern Anspach und Bayreuth leben, S. 151. zu finden und zu demselben| weiter nichts hinzuzusetzen, als daß er ein eben so gründlicher Theolog als scharfdenkender Philosoph, ein erbaulicher und bey Hofe und in der Stadt beliebter Prediger war, eine besondere Stärke in den gelehrten und andern Sprachen besaß, auch mit einer unermüdeten und seltenen Thätigkeit, in allen ihm anvertrauten wichtigen Ämtern, nichts als gutes zu stiften sich äusserst angelegen seyn ließ.

Zu seinen herausgegebenen Schriften gehören noch folgende:

Ad Articulum XIV. Aug. Conf. de ordine ecclesiastico Quaestionum Synodalium Decas. 1781. fol. 2. Bogen.

Ad Articulum XV. Aug. Conf. de ritibus ecclesiasticis, Quaestionum Synodalium Decas. 1782. 11/2. B.

Neues anspachisches Gesangbuch, auf Landesfürstlichen Befehl herausgegeben. 1782. in 8.

Dieses Gesangbuch ist von dem seel. D. Junkheim und dem noch lebenden Herrn Director des Burgräfl. Collegiums, auch Landgerichtsassessor und wirkl. Kirchen- und Consistorialrath Uz zu Stande gebracht und mit so vielem Beyfall aufgenommen worden, daß man es auch in verschiedenen Gemeinen und Ortschaften des Auslandes eingeführet hat, weswegen es auch bereits zum vierten Mahle, mit größern und kleinern Lettern aufgeleget worden ist.
| Ad Articulum XVI, Aug. Conf. de rebus civilibus, Quaestionum Synodalium Decas. 1783. 1.1/2 B.

Ad Articulum XVII. Aug. Conf. de Christi reditu ad Iud. Quaestiones Synodales. 1784. 1. B.

Ad Articulum XVIII. Aug. Conf. de libero arbitrio, Quaestiones Synodales. 1785. 1. B.

Ad Articulum XIX. Aug. Conf. de causa peccati Quaestiones Synodales. 1786. 1. B.

Ad Articulum XX. Aug. Conf. de bonis operibus, Quaestiones Synodales. 1787. 1.1/2 B.

Ad Articulum XXI. Aug. Conf. de cultu Sanctorum Quaestiones Synodales. 1788. 1. B.

Ad Conclusionem primae partis Aug. Conf. Quaestiones Synodales. 1789. 2. B.

Ad prooemium posterioris partis Aug. Conf. Quaestiones Synodales. 1790. 1. B.


18.

Herr M. Degen zu Anspach ist an die Stelle des sel. Oertels zum Rector und Inspector der Friedrich-Alexanders-Schule zu Neustadt an der Aisch mit dem Titel eines Professors ernennt worden.


19.
An D. Junkheims Stelle ist Herr Consistorialrath und Stadtpfarrer Rabe zum Generalsuperintendenten, Herr Hof- und Stiftscaplan Rose zum wirklichen Kirchen-| und Consistorialrath, Hof- und Stiftsprediger, und Herr Stiftscaplan Spies zum wirklichen Kirchen- und Consistorialrath, und zweyten Stiftsprediger ernannt worden.


20.

Zu Anspach wird gegenwärtig ein neues nützlich eingerichtetes Abebuch gedruckt, an welchem der sel. D. Junkheim Antheil gehabt haben soll. Eben derselbe arbeitete seit mehrern Jahren an einer verbesserten Liturgie für das Fürstenthum Anspach, welche hoffentlich durch seinen Tod nicht ungedruckt bleiben wird.


21.

Am 21 Sept. wurde Herr Joseph von Stubenberg, Domherr zu Eichstätt und Inful. Probst zu St. Johann in Regenspurg zum Bischoff in Eichstätt erwählt. Der Wahlactus wurde von dem Rheinischen Reichsvicariat mit dem Baron von Rechberg beschickt, wogegen von Seiten Kurmainz protestirt worden ist.


22.
Durch das Absterben des Nürnbergischen Senators Georg Marquard Muffels von Eschenau waren 1784 die Reichslehen Eckenhaid,| Raubersriet und Marquartsburg erledigt, und vom Kaiser nicht wieder vergeben, sondern der Administration des Raths zu Nürnberg überlassen worden. Nach dem Tode Kaiser Josephs hat S. Kurfürstl. Durchlaucht zu Pfalz, von Reichsvicariats wegen, ihrem geheimen Rath, Herrn Grafen von Bettschard, diese Reichslehen verliehen, welches von Kurmainz widersprochen wurde, weil diese Verleihung dem Reiche und dem künftigen Reichsoberhaupte nachtheilig und der goldenen Bulle zuwiderlaufend wäre, welche den Reichsvicarien alle alienationes et obligationes imperii ausdrücklich untersage. Was zum Besten des Rheinischen Reichs-Vicariats sich hiegegen erinnern läßt, ist zu finden in der Druckschrift: Über anmaßliche Bestreitung und Beschränkung der Reichsvicariatsrechte. (München. 1790. 4.) S. 22. ff.


23.
In der Nürnbergischen Münzstätte ist eine Krönungsmedaille auf Kaiser Leopold II. erschienen, und in Gold, Silber und Zinn zu haben. Der Avers enthält das gut getroffene Bildniß des Kaisers mit der gewöhnlichen Umschrift. Der Revers zeigt einen Votivaltar mit dem darauf liegenden| Reichsinsignien und der Umschrift: Salutifer orbi venit. Im Abschnitt steht: Coronatus Mense Octobr. 1790.


24.

Herr Prof. Papst zu Erlang ist zum ordentlichen Lehrer in der philosophischen Facultät daselbst, und Herr Adjunct Abicht zum Lehrer ausser der Ordnung in eben dieser Facultät ernannt worden.



  1. Auch der Sitz einiger fränkischen Herzoge war Rotenburg.     d. E.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Der folgende Absatz muss am Schluss der Nr. 13 gesetzt werden. S. Zusätze und Berichtigungen zu den vorigen Heften
  2. Ein Digitalisat dieser Schrift ist verfügbar bei Google Books