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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Pietsch, Reinhold
Band: 22 (1870), ab Seite: 278. (Quelle)
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Pietznigg, Franz (Schriftsteller, geb. im Jahre 1802 in Kärnthen, gest. zu Wien 5. Jänner 1856). Der Sohn mittelloser Eltern, der bereits in den Studienjahren auf sich selbst angewiesen war und durch Unterrichtertheilen mühevoll seinen Lebensunterhalt bestritt. Als er später nach Wien kam, wurde er von dem Freiherrn von Erstenberg als Erzieher für den damaligen Erbprinzen, [279] nachmaligen regierenden Herzog von Anhalt-Bernburg, empfohlen und versah diese Stelle durch mehrere Jahre. Nachdem er seine Aufgabe gelöst, erhielt er nebst einer kleinen Pension und dem Ritterkreuze des Anhalt’schen Haus-Ordens Albrechts des Bären auch noch den Ehrentitel eines herzoglich Anhalt-Bernburg’schen Rathes. Er lebte nun in Wien, wo er sich mit literarischen Arbeiten beschäftigte. Eine Reihe von Jahren schrieb er für die vormärzliche Wiener Zeitschrift „Der Sammler“ unter dem Pseudonym Ermin die Referate über das k. k. Hofburg-Theater. Während Gräffer den „entschiedenen Vorzug“ betont, den „Unparteilichkeit und philosophisches Eindringen in die Wesenheit der Sache“ diesen Kritiken vor so vielen alltäglichen Schreibereien über Theater und Schauspieler verleihen, bedauert Seidlitz, daß P. „sein tüchtiges dramaturgisches Wissen zu materiellen Vortheilen und Parteilichkeiten“ benützt. Im Jahre 1829, als Devrient im Burgtheater ein längeres Gastspiel gab, veröffentlichte P. einen selbstständigen Essay: „Devrient in Wien“, worin neben einer Biographie des Künstlers eine ausführliche Analyse seiner Leistungen enthalten ist. Das verdienstvollste Moment seiner Thätigkeit ist aber die Begründung der periodischen Schrift: „Mittheilungen aus Wien. Zeitgemälde des Neuesten und Wissenswürdigsten aus dem Gebiete der Künste und Wissenschaften“, welche er im Jahre 1832 herauszugeben begann, aber leider nur bis 1855 (incl.) fortführte. In den Jahren 1832 und 1833 erschien sie in schwachen Jahresbänden (gr. 8°.), in den Jahren 1834 und 1835 aber in Monatheften, deren je drei einen Band bildeten. Diese bereits sehr seltene und durch die wohlgetroffenen Bildnisse der ersten Wiener Künstler jener Zeit, meist von Kriehuber’s Stift, wie Löwe, Anschütz, Nestroy, La Roche u. A. schätzbare Zeitschrift enthält in den wenigen Jahrgängen eine Fülle höchst brauchbaren Materials zur Geschichte und Culturgeschichte Wiens, so z. B. ausführliche Beurtheilungen der akademischen Kunstausstellungen, eine Darstellung des Armenwesens in Wien, des Canalbaues am rechten Ufer des Wienflusses, eine Geschichte der kön. ungarischen Leibgarde, der Straßenpflasterung in Wien, des k. k. allgemeinen Krankenhauses, der Sicherheitsanstalten gegen Feuergefahr, der enkaustischen Wandgemälde[WS 1] von Krafft in der Wiener Hofburg, der kaiserlichen Jagden um Wien, des Forstinstitutes zu Mariabrunn; eine Geschichte der in Wien bestehenden Zeitschriften, des österreichischen Beobachters, der österreichisch-militärischen Zeitschrift u. s. w., dann statistische Zusammenstellungen der Bauten Wiens im Jahre 1831, der Garnison, der öffentlichen Belustigungen, der Wirksamkeit des Wiener Musik-Conservatoriums u. s. w., und zahlreiche Biographien und Nekrologe denkwürdiger Persönlichkeiten, viele derselben mit lithogr. Bildnissen ausgestattet, wie Peter Krafft, Alois Henry, Balletmeister im Kärnthnerthor-Theater, Sigmund Ferdinand Ritter von Perger, L. F. Schnorr von Carolsfeld, Andreas Wenzel, Ignaz Strenzel, Maler Amerling, Bildhauer Johann Nußpamer, Klein, Musiker Aßmayer, Gänsbacher[WS 2], Hummel, Lachner, Weigl, Regierungsrath J. W. Riedler, Hofschauspieler La Roche u. s. w. In der Folge arbeitete P. an Bäuerle’s „Theater-Zeitung“ und einigen anderen Blättern, schien aber überhaupt in ziemlich gedrückten Verhältnissen [280] zu leben, bis er nach zweijähriger schwerer Krankheit im Alter von 52 Jahren starb. Aus seiner Ehe mit Katharina Meiß, die sich nach seinem Tode wieder vermälte und noch in Wien in glücklichen Verhältnissen lebt, sind keine Kinder vorhanden.

Seidlitz (Julius Dr.), Die Poesie und die Poeten in Oesterreich im Jahre 1836 (Grimma 1837, J. M. Gebhardt, 8°.) Bd. II, S. 117.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Wangemälde.
  2. Vorlage: Gänsbauer.