Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen II. Section/H19

Heft 18 des Meissner Kreises Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen von Gustav Adolf Poenicke (Hrsg.)
Heft 19 der Section Meissner Kreis
Heft 20 des Meissner Kreises
Die Beschreibungen sind auch als Einzeltexte verfügbar unter:
  1. Zabeltitz
  2. Walda
  3. Prossen
  4. Gersdorf


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Zabeltitz.


Das altschriftsässige Rittergut mit Dorf an der Röder, 2 Stunden von Grossenhain, 3 Stunden südlich von Elsterwerda und 4 Stunden westlich von Ortrand gelegen, bildete in den frühesten Zeiten den Hauptort der alten Herrschaft Zabeltitz, wozu die Dörfer Peritz, Wülknitz, Streumen, Niska, Görzig, Lautendorf und Treugeböhla, sowie drei Vorwerke zu Stroga, Görzig und Streumen und ausserdem noch Wahnsdorf gehörten.

Das Schloss zu Zabeltitz ist im neuern, einfachen Styl erbaut und die Hauptfronte wird durch zwei grosse Bassins mit dem Garten verbunden. Das Schloss hat eine Breite von 32 Fenstern und dabei stehen weitläufige Wirthschaftsgebäude, eine grosse Brauerei, die Kirche, Pfarrwohnung und Schulhaus.

Der zum Schlosse gehörige Garten ist einer der grössten, den nicht die schöne Gegend, sondern blos die Kunst geschaffen hat. Derselbe ist in französischem Geschmacke angelegt; vorzüglich zeigt solcher sich durch seine Wasserparthieen aus. Die Röder, welche ihn durchströmt, ist zu einem Hauptcanal, zu 2 Teichen und 2 Bassins, auf welchen Gondeln schwimmen, benutzt. Sonst gab es hier viele Schwäne. Eine der schönsten Parthieen ist der Teich mit der darin liegenden Elisabeth-Insel, welche ganz mit ausländischen seltenen Bäumen und Gewächsen terrassenartig bepflanzt ist. In der Mitte erhebt sich ein Sommer-Palais. Der ganze Garten ist sehr reich an ausländischen Hölzern und die Obstkultur wurde seit 1806 durch tausend französische Stämme aus der Gegend von Metz veredelt. Der Garten war sonst so berühmt und sehenswerth, dass er selbst von Kaiser Joseph II. besucht wurde. Sein Umfang beträgt 3600 Fuss.

In der neuesten Zeit ist derselbe mehr nach englischem Geschmacke eingerichtet.

Zum Rittergute gehört ausserdem viel und schönes Holz und eine Anzahl grosser Karpfenteiche, veredelte Schäfereien befanden sich auf den dazu gehörigen drei Vorwerken Stroga, Streumen und Görzig.

Erstre beiden sind von dem vorigen Besitzer dem Herrn Oberschenk Kammerherrn Freiherrn von Weissenbach verkauft worden, das letztere aber ist bei dem Gute verblieben. Dasselbe enthält 200 Acker Feld, 40 Acker Wiese und 25 Acker Holzbestand, das Vorwerk Stroga enthielt 900 Acker Gesammtfläche, das Vorwerk Streumen 300 Acker.

Die Grösse des Hauptgutes Zabeltitz beträgt circa 800 Acker excl. des Vorwerkes, es ist lehmiger Sandboden, welcher am Flusse mehr aufgeschwemmt erscheint, ausserdem besteht es aus 100 Ackern Wiesen, 20 Ackern Teichen, 15 Ackern Feld und guten Holzbestand hält die übrige Fläche.

Die Herrschaft Zabeltitz hat stets bis zum Jahre 1580 der uralten von Pflugkschen Familie zugehört. Vor der Familie von Pflugk war es in den Händen derer von Hirschstein. Im Jahre 1580 starb der letzte Besitzer Nickel von Pflugk, der daselbst begraben liegt. Nach dessen Tode kaufte die Herrschaft der Kurfürst Christian I., welcher sie, sowie seine Nachfolger, unter dem Titel eines Amtes administriren liess. Kurfürst Johann Georg III. schenkte sie seiner Gemahlin Anna Sophie, geb. dänische Prinzessin. Nach ihrem Ableben im Jahre 1717 fiel sie an den Sohn derselben, den König von Polen und Kurfürsten von Sachsen, Friedrich August. Dieser überliess solche als Geschenk seinem Feldmarschall August Christoph Graf von Wackerbart, dem Erbauer des grossen Palais und Begründer des herrlichen Garten, worauf derselbe die Summe von 140,000 Thalern verwendete.

Von Letzterem erbte sie sein adoptirter Sohn Herr Joseph Anton Gabaleon Graf Wackerbart Salmour, welcher dieselbe im Jahre 1768 an den Kurfürsten Friedrich August verkaufte. Letzterer schenkte die Herrschaft dem gewesenen Administrator von Sachsen, dem Prinzen Xaver. Nach seinem Tode 1806 wurde solche von den Erben gemeinschaftlich verwaltet.

Im Jahre 1817 kaufte diese Herrschaft der gegenwärtige Besitzer, Herr Kammerherr Friedrich von Weissenbach.

Die Schicksale des Ortes anlangend, so hat solches im Hussiten- und dreissigjährigen Kriege viel gelitten und manche Familien sind durch [146] diese Kriegsdrangsale ganz verarmt. Das ¾ Stunde östlich vom Orte entfernte Stroga, wobei früher ein Dorf stand, wurde gänzlich im dreissigjährigen Kriege zerstört und das Dorf nicht wieder aufgebaut. Am härtesten wurde aber Zabeltitz im Jahre 1808 durch Feuer heimgesucht, wo der ganze Ort mit Ausnahme der Kirche und des Schlosses ein Raub der Flammen wurde. Am meisten ist dabei zu beklagen, dass die alten über Zabeltitz vorhandenen guten alten Urkunden alle mit verbrannt sind.

Der Ort selbst erfreute sich in früheren Zeiten immer einer gewissen Auszeichnung und des Besuches vieler hochgestellter Personen und höchster Herrschaften.

Das Patronat über Kirche und Schule von Zabeltitz, sowie der übrigen Kirchorte der Herrschaft standen bis zum Jahre 1839 dem jedesmaligen Besitzer der letzteren zu.

Im Jahre 1839 wurde vom Kammerherrn von Weissenbach dieses Collaturrecht freiwillig an den Staat abgetreten und von dem königl. hohen Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts übernommen.

Die Kirche zu Zabeltitz ist sehr alten Ursprungs und schon lange vor der Reformation in der Nähe des Schlosses erbaut gewesen. Dieselbe gab 3 Mark Bischofszins an das Bisthum zu Meissen. Nach der Reformation wurde diese erste alte Kirche im Jahre 1580 von Grund aus von dem damaligen Besitzer der Herrschaft, vom Nickel Pflugk und seiner Gemahlin, einer geborenen von Schönberg auf Purschenstein, erbaut. Ehe der Bau vollendet wurde, starb der edle Erbauer derselben, seine Gemahlin vollendete den Bau und schmückte die Kirche durch ein höchst schmuckvolles, aus pirnaischem Sandstein äusserst künstlich gearbeitetes Epitaphium ihres Gatten, welches heute noch nach Form, Kunst und Inhalt eine Zierde der Kirche und ein Gegenstand der Bewunderung ist. Der Bildhauer ist unbekannt, hat aber sich mit der Namenschiffre C. W. 1582 bemerkt.

Im Jahre 1839 wurde auch diese zweite Kirche wieder erneut und am Reformationsjubiläum 1839 eingeweiht. Sie ist jetzt eine der schönsten Dorfkirchen hiesiger Ephorie.

Die Kräfte der Gemeinde hätten zu diesem Neubau nicht ausgereicht, wenn nicht von der gegenwärtigen Gerichtsherrschaft und vielen andern milden Gebern das Werk unterstützt worden wäre.

Das Filial von Zabeltitz ist das eine halbe Stunde entfernte Görzig, bekannt durch die nahe an der Röder von Menschenhänden erbaute Anhöhe, der Burgwall genannt, von dem die Sage geht, dass hier ein Opferplatz der heidnischen Vorfahren gewesen sei.

Die Kinder von Görzig sind nach Zabeltitz eingeschult, wie auch die der Gemeinde Treugeböhla und des Vorwerks Stroga.

Die Zahl der Schulkinder beträgt im Ganzen 150.

Das zur Herrschaft gehörige Peritz hat seine eigene Kirche, wovon Wülknitz das Filial ist. Auch Streumen besitzt eine besondere Kirche, welche im Jahre 1401 erbaut ist. Eingepfarrt dahin ist Mark-Seidlitz.

Ebenso hat Niska eine Mutterkirche und Cröbeln-Mühldorf ist dahin eingepfarrt, wohingegen Lautendorf nach Frauenhain eingekircht ist.

Der Boden in dieser ganzen Herrschaft ist mittelmässig, es wird Korn, Gerste, Hafer, Haidekorn, etwas Sommerwaizen und viel Hirsen erbaut.

Der sogenannte Zabeltitzer Kiesel, vulgo Diamanten genannt, wird nicht auf Zabeltitzer, sondern auf Strogaer Flur gefunden. Man schleift diese Steine, die ein schönes Muster haben und häufig zu Ringen genommen werden.

Die grosse schöne Eiche, unter welcher Churfürst Christian seine Morgenandacht gehalten und an welcher mehr als drei Jahrhunderte vorübergegangen, ist leider nicht mehr, vor einigen Jahren war sie, ohne eine äussere Veranlassung in sich selbst zusammengebrochen.

Zabeltitz hat 83 bewohnte Gebäude mit 131 Familienhaushaltungen und 621 Einwohnern. Die ganze Herrschaft gehört jetzt zum Gerichtsamte Grossenhain, zum Bezirksgericht und zur Amtshauptmannschaft Meissen, zum Regierungsbezirk Dresden.

M. G.     



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Walda,


auch Waldau genannt, liegt in einer seichten, doch nicht unangenehmen Gegend, südlich vom Zabeltitzer Walde, am rechten Ufer der Röder, nahe an 400 Fuss über dem Meere, ¾ Stunden nordwestlich von Grossenhain, 4 Stunden nördlich von Meissen, den Dörfern Bauda oberwärts und Wildenhain unterwärts gegenüber, an der Strasse von Grossenhain nach Liebenwerda und gehörte früher zu dem Amte Grossenhain.

Das Rittergut ist bedeutend, hat eine gute Schäferei und dazu gehörten die Dörfer Bauda, Wildenhain, Brockwitz und Krauschwitz, auch zum Theil Roda und Kleinthiemig.

Das altschriftsässige Rittergut stellte früher drei Ritterpferde und war in der frühesten Zeit noch viel bedeutender. Wegen des Zubehörs in Preussen ist ⅛ R. Pferd mit dorthin gewiesen worden.

Nach dem Schlosse nannte sich ein Adelsgeschlecht: die von Waldau oder Waldowe. Schon 1266 kommt ein Heinrich von Waldowe am Meissnischen Hofe vor. Dieses Geschlecht spielte im Mittelalter eine wichtige Rolle und war angesehen und beliebt bei Kaiser und Fürsten. Heinrich von Waldau erhielt 1405 vom Kaiser das Schloss Mühlberg als einen Zubehör der Niederlausitz, in dessen Besitz sich jedoch ersterer nicht lange behauptet haben kann: Durch den Einfall Markgraf Wilhelms von Meissen in Böhmen ging Mühlberg wieder verloren. Der Markgraf, der keine Eroberungen in Böhmen machen konnte, behielt wenigstens die Besitzungen des Luxemburgischen Hauses in Meissen für sich, z. B. Dohna, Pirna, Königstein u. s. w. Mühlberg fiel im Jahre 1443 gegen Abtretung Hohensteins und Lohmens an die Birken von der Duba, nach deren Aussterben es im Jahre 1520 an Georg den Bärtigen kam.

Mit der Wegnahme von Mühlberg hören auch die Nachrichten über das Geschlecht derer von Waldau auf und es scheint, als hätte sich dieser Zweig nach Böhmen übergesiedelt.

Walda kam im 15. Jahrhundert an die Familie von Köckeritz, eine Familie, die so alt ist, wie die Birken von der Duba. Ein Niklas von Köckeritz vertauschte 1484 Eschendorf, Rossendorf das Vorwergk, Dittersbach u. s. w. an den gewesenen Berghauptmann zum Schneeberg, Heinrich von Starschedel, Ritter, der 1484 vom Schneeberge abdankte und die ganze Pflege Wehlen eintauschte.

Im Jahre 1612 besass Wilhelm von Köckeritz Walda. Nach demselben wurde es Kammergut, bis Johann Georg III. dasselbe 1689 nebst Neusorge bei Mittweida und Planitz bei Zwickau an die Gebrüder von Arnim gegen das Amt Pretsch vertauschte, dasselbe Pretsch, dessen Besitzer, Herrn Löser, im Jahre 1524 Luther mit Ursula von Porzig traute, bei welcher Luther mit 54 andern Pathen Gevatter stand und mit Melanchthon, Justus Thomas, Amsdorf und andern berühmt gewordenen Männern so manche frohe Stunde verlebte.

Die Herren von Arnim besassen Walda noch 1724. In diesem Jahre starb hier der gräfl. Promnitz. Präsident Hofrath Christoph Ernst v. Arnim.

Später im Jahre 1731 war mit Walda der Appellationsrath Dr. Schröder beliehen, welcher solches noch 1753 besass. Nach Letzterem finden wir hier die Herren von der Pforte. Im Jahre 1825 besass das Gut der preuss. Oberforstmeister Hans Dam von der Pforte, während dessen Besitzzeit solches aber sequestrirt wurde. Hierauf kam Walda an die Familie von Uckermann. Der jetzige Besitzer ist Baron von Uckermann.

Der Ort selbst besteht ausser dem Gute, der Kirche, der Pfarre und Schule aus 40 Feuerstellen, einer Mühle und einem Gasthof.

Das Rittergut ist, wie oben schon erwähnt worden, nicht unbedeutend, mag aber im Mittelalter viel wichtiger gewesen sein. Dazu gehört auch eine vortreffliche Schäferei.

Die Felder sind zum Theil sandig, wogegen der Wiesewachs vortrefflich zu nennen ist; auch wird etwas Wein gebaut.

Der jedesmalige Besitzer von Walda ist Collator über Kirche und Schule, welche beide unter Grossenhainer Inspection stehen.

Eingepfarrt hierher ist Nassenböhla. Bauda und Wildenhain haben [148] ihre besonderen Kirchen, über welche ebenfalls dem Besitzer von Walda das Collaturrecht zusteht. Roda ist nach Wildenhain eingepfarrt, wogegen Kleinthiemig nach Scassa eingekircht ist.

Dieses Scassa ist durch seinen früheren Pfarrer Adam Friedrich Zürner berühmt geworden. Derselbe verwaltete im Jahre 1704 das Pfarramt zu Scassa, resignirte aber 1721 auf dasselbe und wurde vom König August zum königlichen Geographen und Landgrenzcommissar erhoben.

Er vermass innerhalb der Zeit von 1712 bis 1732 ganz Sachsen und zeichnete während dieser Zeit mit der Feder 141 grosse Landkarten von zwei bis drei Blättern jede, sowie 761 kleinere, woraus er für den König 40 Special- und 40 Generalkarten, sowie eine grosse Postkarte der sächsischen Lande anfertigte. Zum Behufe seiner Messungen, wozu der König ihm einen sogenannten geometrischen Wagen bauen liess, reiste er 18000 Meilen im Lande herum. Seit 1721 datiren sich daher die steinernen Postsäulen.

Das nach Scassa eingekirchte Kleinthiemig gehörte früher nur zum Theil mit 6½ Hufen zum Rittergute Walda, während ein anderer Theil zum Procuraturamte Meissen, ein dritter zum Rittergute Promnitz gehörte und ein vierter unter dem Amte Grossenhain stand.

Grossthiemig gehört jetzt, wie bekannt, nicht mehr zum Königreiche Sachsen und ist eins der Schradendörfer, von dem Schradenwald so genannt.

Der Schraden, der jetzt zum Herzogthume Sachsen gehört, bildet eine längliche Insel in Form eines Triangels, welche 8894 Acker 20 Quadratruthen Flächeninhalt hat. Den Becken-Schenkel des Triangels begrenzt die Pulsnitz, den rechten die schwarze Elster, welche hinter Elsterwerda bei Katzschka in einem spitzigen Winkel mit der Pulsnitz zusammenfliesst. Die Hauptlinie zieht das sogenannte Grenzwasser oder der Kanal, welcher von der Buschmühle bis hinter Tettau die Pulsnitz mit der schwarzen Elster verbindet. Elsterwerda, Grosskmehlen, Strauch und Merzdorf; Frauenwalde, Hirschfeld, Gröden, Krauschutz, Kotzchka, Bühlen, Kraupa, Dreska, Kahla, Plosse und Grossthiemig haben Theil an dem Schraden und heissen deshalb die Schradendörfer.

Was der Spreewald für die Niederlausitz, die Annaburger Haide für den Wittenberger Kreis, die Auerbacher Wälder für das Voigtland sonst waren, das war einst der 7 bis 8 Stunden lange und über zwei Stunden breite Schradenwald für Meissen, nämlich eine ungeheure Holz-und Wilpretskammer.

Jetzt besteht der Schraden grösstentheils aus Hut- und Wiesenflächen, auch tragbaren Feldern. Der kleinste Theil ist mit Laubholz, besonders mit Eichen, Birken, Erlen, Buchen, auch einigen Fichten und Kiefern bewachsen.

Die Rechte und Befugnisse der Theilhaber sind durch die Schradenordnung Kurf. Augusts von 1582 schon bestimmt worden.

Branntwein, Kartoffeln, Speck und Fische sind die gewöhnliche Nahrung des Schradenbewohners, der sich durch einen nervigten Körperbau von den Landleuten in der Gegend von Meissen und Oschatz unterscheidet.

Die Schradenmädchen, welche das Viehfutter aus Moor und Wasser holen müssen, bleiben eben so rothbäckig und so kerngesund wie ihre Schwestern in lachenderen und trockneren Gegenden. Die einfache Lebensweise dieser Menschen bewirkt diese Frische, diese Gesundheit.

Die Sümpfe des Schradens sind für die umliegende Gegend eine Art von Wetterableiter; denn über derselben theilen sich fast alle Gewitter und ziehen entweder rechts über die Berge oder links nach der Lausitz.

Grossthiemig war vor der Theilung Sachsens ebenfalls dem Amte Grossenhain zugetheilt, wogegen Kleinthiemig unter verschiedene Gerichtsbarkeiten gehörte.

Das nach Walda eingekirchte Nassenböhla gehörte theilweise zum Rittergute Hirschstein und zum Theil blos unter das Amt Grossenhain.

In der frühesten Zeiten soll Nassenböhla eine eigene Kirche gehabt und Stroga dahin eingepfarrt gewesen sein.

Walda allein hat 39 bewohnte Gebäude mit 53 Familienhaushaltungen und 286 Einwohnern. Dieser Ort sammt Rittergut ist jetzt dem Gerichtsamte Grossenhain, dem Bezirksgerichte Meissen und der Amtshauptmannschaft des letztern Ortes zugetheilt, sowie dem Regierungsbezirke Dresden zugewiesen.

M. G.     



[149]
Prossen,


¾ Stunde von Königstein, hart am rechten Elbufer gelegen, ein alter Rittersitz, dem bis hierher auch die Gerichtsbarkeit über die Dörfer Waltersdorf, Porschdorf, Altendorf und Wendischfähre zustand. Die Schriftsässigkeit erhielt das Gut erst im Jahre 1691.

Dieses Prossen besass einst der Bruder des Pegauer Abtes Thammo, welcher hier seine Tage beschloss. Nur vom Jahre 1263 bis 1266 hatte derselbe dem Kloster Pegau vorgestanden. – Die spätere Geschichte vom Rittergute Prossen ist dunkel und unvollständig. Erst vom 16. Jahrhundert an kommt wieder eine sichere Kunde vor.

Im Jahre 1520 besass dasselbe Christoph Brill, von welchem es an die Herren von Parzifall kam, die es noch im Jahre 1600 besassen. Im Jahre 1559 mussten die Gebrüder Melchior und Georg von Parzifall als Besitzer von Prossen für immer auf die Sau- und Rehjagd Verzicht leisten.

Im Jahre 1615 waren im Besitze von Prossen die Rahnitzsch, die es 1630 an Rudolph von Bünau verkauften, der es seinem Sohne Rudolph im Jahre 1654 hinterliess. Von Letzterem erkaufte es im Jahre 1688 Caspar von Schönberg auf Purschenstein, welcher es im Jahre 1690 an Johann Leon von Lüttichau überliess. Schon im Jahre 1696 war Johann Rudolph Graf von Prössnig im Besitze desselben, von diesem kaufte es Hannibal von Lüttichau zu Ulbersdorf, bei dessen Nachkommen es noch im Jahre 1786 war. Im 19. Jahrhundert kam die Besitzung an die Herren von Oppel, von welchen es der Amtshauptmann zu Borna, Herr Friedrich Wilhelm von Oppel zuletzt besass.

Prossen ist bekannt durch den sogenannten Prossener Mann, der im Jahre 1785 hier lebte und um die Zeit des siebenjährigen Krieges als ein Prophet galt. Er hiess Christian Häring, war früher in seinem Geburtsorte Postelwitz Fischer und zog um’s Jahr 1746 nach Prossen. Er hatte in seiner Jugend kaum Lesen und Schreiben gelernt und war in allen übrigen Kenntnissen, besonders in der Geographie und Politik ganz zurückgeblieben; und doch stand derselbe in dem Wahne, in späteren Jahren die bedeutendsten Wendungen der Welthändel, besonders in Bezug auf Sachsen vorauszusehen. Er wurde, wie er behauptete, dergestalt vom Geiste der Zukunft angetrieben, dass er nicht eher Ruhe in seinem Kopfe fand, bis er sein Herz höheren Orts ausgeschüttet hatte. Eine solche Ausschüttung erfolgte zum ersten Mal vor dem Ausbruche des Krieges 1744 und dann häufiger vor und nach dem siebenjährigen Kriege. Er fand, begünstigt von den damaligen Ministern, Eingang und hielt sich oft Wochen lang in Dresden auf.

Er war nichts weniger als absichtlicher Betrüger, sondern blosser Schwärmer, denn er behauptete, künftige Schlachten in Prospecten zu sehen, warnende Stimmen zu hören und eine schweigende Unruhe im Innern zu empfinden. Seine Vorhersagungen scheinen wenig eingetroffen zu sein, wiewohl man meinte, er habe die Kesselsdorfer Schlacht, den Finkenfang, die Belagerung Dresdens u. s. w. lange vorher gesagt.

Jetzt besitzt Prossen Herr Friedrich Brockhaus aus Leipzig.[1] Zum Rittergute gehören eine Ziegelei und zwei Schäfereien, die eine auf der Prossener Folge, die andere die Sellnitz genannt, in der Richtung vom Dorfe zum Lilienstein, am Fusse des letzteren gelegen. Die Schäferei auf der Folge und die Mühle sind nach Porschdorf, das übrige Dorf ist seit [150] 1837 nach Waltersdorf eingeschult. Die Sellnitz, von den Wenden erbaut, mag wohl das älteste Dorf in hiesiger Gegend gewesen sein. Seit der Zerstörung desselben durch die Kroaten im dreissigjährigen Kriege, wahrscheinlich 1633, steht hier ausser der Schäferei nur noch ein zum Gemeindebezirk Waltersdorf geschlagenes Haus. Die südlich von Prossen gelegene und jetzt zu ihm gehörige Elbinsel ist ein Stück der Königsteiner Communwaldung, welches der Fluss von ihm losgerissen hat. Von Prossen sieht man, wie die Abbildung deutlich darthut, den König- und den Lilienstein und das Ganze bietet eine herrliche Landschaft.

Prossen ist nach Königstein eingekircht. Die ganze Parochie besteht bekanntlich aus 16 Ortschaften, von welchen 10, nämlich Königstein, Gorisch, Pfaffendorf, Hütten, Elbe, Strand, Nikolsdorf, Thürmsdorf, Weissig und Oberrathen auf dem linken, 6, nämlich Halbstadt, Ebenheit, Niederrathen, Waltersdorf, Porschdorf und Prossen auf dem rechten Elbufer liegen.

Von den der Gerichtsbarkeit Prossen unterworfen gewesenen Dörfern ist Porschdorf an dem vereinten Lachs- und Polenzbache, bekannt durch den dasigen Lachsfang, welcher früher viel bedeutender war als jetzt.

Die Lachse gehen wegen des süssern Wassers aus der Elbe in diesen Lachsbach, streichen darinnen ab, setzen den Saamen zu Lachsforellen an und steigen zuweilen bis Hohnstein oder bis Sebnitz hinauf. Dieser Lachsfang auf der mit der Sebnitz zum Lachsbache vereinigten Polenz war schon zu Albins Zeiten so ergiebig, dass oft in einem Jahre an 300 Lachse gefangen wurden. In der bekannten Grenzbezeichnung zwischen Böhmen und Sachsen vom Jahre 1228 heisst die Polenz der Fluss Poliza. In der Folge wurde darauf auch Holz geflösst, welche Flösse im Jahre 1730 bis 1740 wieder einging. Ferner der Ort:

Wendischfähre liegt am Wege von Schandau nach Hohenstein beim Einfluss des Lachsbachs in die Elbe, also auf deren rechtem Ufer. Der Ort hat seinen Namen von der hier angelegten Fähre erhalten, mittelst welcher die Lausitzer Wenden zu dem Gnadenbilde in der Papstdorfer Kapelle wallfahrteten.

Altendorf ferner hatte in früheren Zeiten seine besonderen Besitzer; denn im Jahre 1589 wurde Hans von Parzifall mit Altendorf beliehen. Im Jahre 1621 kaufte es Hans Ranitzsch auf Prossen, von welcher Zeit an der Ort bei Prossen geblieben ist, sowie auch Waltersdorf bisher unter die Gerichtsbarkeit von Prossen gehörte.

Waltersdorf liegt 1¼ Stunde vom Königstein, östlich vom Lilienstein, westlich von dem an Schönheit der Aussicht mit der Bastei fast gleich zu stellenden Brande, südlich von Ziegenrück, über welchen ein steiler Felsenweg nach Hohenstein und Stolpen führt. Bemerkenswerth ist auch hier das neue, erst im Jahre 1830 vollendete schöne Schulhaus, welches jetzt von 39 Waltersdorfer und 17 Prossener Kindern, 26 Knaben und 30 Mädchen besucht wird.

Vor einigen Jahren wurde der Vorschlag gemacht, dass Walthersdorf zum Kirchorte erhoben und das Königsteiner Diaconat als Pastorat dahin versetzt werden möchte. Bis jetzt ist dieser Vorschlag noch nicht zur Verwirklichung gebracht worden; allein es durfte wohl solcher noch festgehalten und als vortheilhaft betrachtet werden. Prossen hat 16 Feuerstätten, 1 Gartengut, dessen Besitzer Lehnsmann der Königsteiner Kirche ist, eine neue schöne Mühle am Lachsbache und 14 von Steinbrechern und Schiffern bewohnte Häuser. Prossen gehört jetzt zum Gerichtsamte Schandau, zum Bezirksgericht Pirna, zur Amtshauptmannschaft letzterer Stadt.

M. G.     



[151]
Gersdorf,
bei Bergieshübel.


vulgo Niedergersdorf mit Borna genannt ½ Stunde südlich von Ottendorf gelegen, welches in letzteren Ort eingepfarrt und mit Obergersdorf verbunden ist. Die Aussicht von dem, den Ort umgebenden Hügeln ist nach Pirna und Dresden zu offen, gegen Süden aber von mehrern in einem Halbkreise liegenden Bergen, dem Jagdstein, Spitzberg, Schärfling und Rothenberge geschlossen.

Die Fluren von Gersdorf grenzen mit Friedrichsthal und an das Berggieshübler Stadtgebiet. Die Fluren umfassen, ausser dem mit Feldern, Wiesen, Laub- und Nadelhölzern malerisch gruppirten Terrain auch den grössern Theil der sogenannten kahlen Heide, welche freiwillig nichts gewährt, als eine treffliche Aussicht in das Niederland, Heidekraut, eine trockne und gesunde Weide für die Schafe und die durch Verwesung des Heidekrauts nur äusserst langsam sich bildende, von den Blumisten für Pflege der Neuholländischen und amerikanischen Gewächse sehr gesuchte Ericaerde. Am südwestlichen Rande dieser Hochebene sind Sandsteinbrüche, in deren einigen die durch Härte und Schärfe ausgezeichneten Mühlsteine gebrochen werden.

Ueberhaupt aber giebt es auf Gersdorfs Gebiete sehr viel sehenswerthe Puncte. Erwähnung verdienen die Ruinen bezüglich ihrer freundlichen Aussicht; die Felsenbrücken ob ihrer wilden Felsennatur; der Jagdstein wegen der ansehnlichen, die Gegend nach Maxen hin beherrschenden Höhen seiner Platteforme; der Scheibenbusch oder Eichwald mit seinen Felsenüberhängen; der Spitzberg mit seiner weiten Fernsicht; die Flachstuben im Badehau mit ihren sonderbaren Zerklüftungen; der Hohenstein mit seiner Aussicht auf ganz verschiedenartige Landschaften. Alle diese Puncte kann man in einem halben Tage begehen, da zu allen diesen Puncten sehr bequeme Wegeführer und mit einander durch besondere Gänge in Verbindung gesetzt sind.

Wenn auch hier und da die Anlagen mit grossem Kraft- und Müheaufwand in’s Werk gesetzt worden sind, so ist dies doch mit einer so umsichtigen und glücklichen Benutzung und Schonung der einzelnen Partieen geschehen, dass man überall nur die leise Nachhülfe der Naturverschönerung zu erblicken glaubt.

Gersdorf, also eigentlich Niedergersdorf, besteht aus dem Rittergute, 17 Bauergütern, 2 Gartennahrungen, 16 Häuslerwohnungen, einer Schmiede, einer Schenke, einer Gemeinde, einem Hofhause und einer Mühle mit 300 Einwohnern und ist zum Theil zwischen die Wohnungen Obergersdorfs eingebaut; mit selbigem war es aber früher nicht Eine, unter Einer Gerichtsbarkeit stehende Gemeinde, jedoch in Communalangelegenheiten auf eigenthümliche Weise vereint, was sich seit Einführung der neuen Behörden ganz geändert hat. Jetzt gehört Niedergersdorf, wie Obergersdorf zum Gerichtsamte Gottleube, zum Bezirksgericht Pirna, zur Amtshauptmannschaft des letztern Ortes, zum Regierungsbezirk Dresden.

Niedergersdorf, das Rittergut, war in den frühesten Zeiten blos Vorwerk von Krebs, oder vielmehr mit dem früheren Vorwerke Krebs verbunden und mögen diese Vorwerke zu Liebstadt gehört haben; denn Krebs wurde erst im Jahre 1600 zum Rittergute erhoben, eben so auch Niedergersdorf, dem man Borna einverleibte, welches von seiner Entstehung an mit Liebstadt schon in kirchlichem Verbande stand.

Die frühere Geschichte von Niedergersdorf mit Borna fehlt gänzlich, [152] weil es eben als blosses Vorwerk bis zum 17ten Jahrhundert eine solche nicht hat.

Erst von seiner Erhebung zum wirklichen Rittergute durch die Grafen von Bünau, welche zu gleicher Zeit auch Liebstadt, Krebs u. s. w. besassen, beginnt die Geschichte des Orts.

Die Familie von Bünau besass Niedergersdorf über die Mitte des 17ten Jahrhunderts. Rudolph von Bünau war der letzte Besitzer von Niedergersdorf. Dessen Wittwe, eine geborene von Taube, vermählte sich anderweit mit Sebastian Hildebrand von Metzsch und dadurch kamen die von Bünau’schen Güter an die Familie von Metzsch, welcher auch Giesenstein gehörte. Daher wurde nun Niedergersdorf mit dem letztern Gute vereint. Mit dem Aussterben des Metsch’schen Mannsstammes wurde Niedergersdorf apert und Moritz, Marschall von Sachsen übernahm solches, welcher es an den Vormund der Königin, den geh. Kriegsrath von Leyser verkaufte. Von diesem ererbte es dessen Tochter, die verw. von Leyser und wieder vermählte Obristlieutenant von Ponikau, von welcher es an den Generallieutenant von Leyser gelangte.

Diesem hat das Rittergut den hohen Grad seiner öconomischen Cultur, besonders den weitverbreiteten Ruf seiner Schäferei, der Garten seine Erweiterung und herrlichen Anlagen, das Herrenhaus seine, besonders im militärisch und öconomischen Fache reich ausgestattete Bibliothek; ihm haben viele ehedem wüste, steinigte und sumpfigte Stellen ihre Beurbarung oder ihre Verwandlung in Wiesen oder ihre Bepflanzung mit den, dem Boden angemessensten Holzarten, die Communications- und Feldwege ihre Frucht- und schattenreichen Alleen und der Wandrer in selbigen manches Plätzchen zu verdanken, das ihn nicht blos zur Ruhe einladet, sondern ihn auch auf irgend einen interessanten Gegenstand der Nähe und Ferne aufmerksam macht.

Seit dem Tode des Generallieutenant von Leyser ist mit Niedergersdorf Herr Rittmeister Otto von Beyski[VL 1] beliehen.

Der Ort Niedergersdorf mit Obergersdorf und mit Dahme ist nach Ottendorf eingepfarrt, und der Gerichtsherr von Ottendorf ist Collator über Kirche und Schule, Borna dagegen ist Filia von Liebstadt, deren Collator der Majoratsherr von letzterer Besitzung ist. In der Kirche zu Borna befindet sich die herrschaftliche Familiengruft von Gersdorf. In ihr ruht der Geheime Kriegsrath Johann Gottlieb Leyser, welchem ein sehenswerthes Monument hier gesetzt ist. Derselbe hat auch der Kirche zu Borna ein Legat von 200 Thalern hinterlassen, von dessen Zinsen die Hälfte dem Geistlichen und Schullehrer des Orts ausgezahlt, die andere Hälfte aber zur Bildung neuer, der Kirche zinsbarer Kapitale verwendet wird.

Die Schicksale der Parochie anlangend, so litten im siebenjährigen Kriege Ottendorf und Gersdorf durch die Nähe eines auf der Heide aufgeschlagenen Preuss. Lagers empfindlich, wovon besonders in der Nähe der Linde am Ottendorf-Berggieshübler Fusssteige an mehrere, zu verschiedenen Zwecken in die Erde gegrabenen Vertiefungen, sowie ovalförmigen Erdaufwürfen noch einige Spuren zu sehen sind.

Im Jahre 1779 wüthete in dieser Gegend das faule Fieber.

Besonders aber war das Jahr 1813 ein unheilvolles. Die Noth, welche während der Blokade Dresdens den höchsten Grad erreichte und Misshandlungen an denen verübt, welchen nichts mehr abzupressen war, nöthigten zur Flucht. Das Städtchen Königstein gewährte Vielen, wie 1639, gastliche Aufnahme und tröstendes Asyl. Die Zahl der in diesem Jahre Verstorbenen belief sich wegen des herrschenden Nervenfiebers auf vier Mal so hoch, als gewöhnlich im Laufe eines Jahres sonst verstorben sind.

Bemerkenswerth ist noch der auf Ottendorfer Gebiete, auf der kahlen Heide gelegene, ovale Sandsteinfelsen, auf welchem zur Bezeichnung der über ihr hinlaufenden Grenze zwei Kreuze eingehauen sind. Im Flurregister von Gersdorf wird er „Stein der Heiligen“ genannt, in der Volkssprache heisst er Bettelstein (richtiger wohl Betstein), weil auf demselben Bettelmönche den vorüberziehenden Wallfahrern gepredigt, oder nach einer anderen Sage im dreissigjährigen Kriege, wo dichter Wald den Ort verdeckte, die angstvollen Parochianen daselbst ihren protestantischen Gottesdienst gehalten haben sollen.

Obergersdorf gehörte bis zur neuen Gerichtsorganisation unter die Gerichtsbarkeit von Giesenstein und besteht aus 8 Bauergütern, 2 Gartennahrungen, 3 Häuslerwohnungen, einem Gemeindehause und einer Mühle mit 100 Einwohnern.

M. G.     




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Anmerkungen der Vorlage

  1. handschriftliche Korrektur: Reyski
Heft 18 des Meissner Kreises Nach oben Heft 20 des Meissner Kreises
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  1. Friedrich Brockhaus ist einer der älteren Söhne der von ihrem Vater im Jahre 1805 unter der Firma: F. A. Brockhaus, begründeten Buchdruckerei und Buchhandlung, aus welcher ersterer im Jahre 1850 austrat und auf sein Gut zurückzog. Friedrich Brockhaus mit seinem Bruder Heinrich Brockhaus waren vorzüglich diejenigen, welche jeder Zeit ihre unausgesetzte Thätigkeit nur darauf gerichtet haben, den Bildungsrichtungen und geistigen Zeitbestrebungen in die Hände zu arbeiten. Mit einem Worte, sie hatten jenen immateriellen Moment nur im Auge, welches den Buchhandel weit über alle anderen industriellen Bestrebungen erhebt und von dem allein seine grossartige Entwickelung in jedem Jahrhundert bedingt gewesen ist. Ihre Namen werden von Mit- und Nachwelt mit gleich grosser Achtung stets genannt werden und in gleich herrlicher Erinnerung stehen.