Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Walda

Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Walda
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aus: Meissner Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 2, Seite 147–148
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen II 220.jpg
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Walda,


auch Waldau genannt, liegt in einer seichten, doch nicht unangenehmen Gegend, südlich vom Zabeltitzer Walde, am rechten Ufer der Röder, nahe an 400 Fuss über dem Meere, ¾ Stunden nordwestlich von Grossenhain, 4 Stunden nördlich von Meissen, den Dörfern Bauda oberwärts und Wildenhain unterwärts gegenüber, an der Strasse von Grossenhain nach Liebenwerda und gehörte früher zu dem Amte Grossenhain.

Das Rittergut ist bedeutend, hat eine gute Schäferei und dazu gehörten die Dörfer Bauda, Wildenhain, Brockwitz und Krauschwitz, auch zum Theil Roda und Kleinthiemig.

Das altschriftsässige Rittergut stellte früher drei Ritterpferde und war in der frühesten Zeit noch viel bedeutender. Wegen des Zubehörs in Preussen ist ⅛ R. Pferd mit dorthin gewiesen worden.

Nach dem Schlosse nannte sich ein Adelsgeschlecht: die von Waldau oder Waldowe. Schon 1266 kommt ein Heinrich von Waldowe am Meissnischen Hofe vor. Dieses Geschlecht spielte im Mittelalter eine wichtige Rolle und war angesehen und beliebt bei Kaiser und Fürsten. Heinrich von Waldau erhielt 1405 vom Kaiser das Schloss Mühlberg als einen Zubehör der Niederlausitz, in dessen Besitz sich jedoch ersterer nicht lange behauptet haben kann: Durch den Einfall Markgraf Wilhelms von Meissen in Böhmen ging Mühlberg wieder verloren. Der Markgraf, der keine Eroberungen in Böhmen machen konnte, behielt wenigstens die Besitzungen des Luxemburgischen Hauses in Meissen für sich, z. B. Dohna, Pirna, Königstein u. s. w. Mühlberg fiel im Jahre 1443 gegen Abtretung Hohensteins und Lohmens an die Birken von der Duba, nach deren Aussterben es im Jahre 1520 an Georg den Bärtigen kam.

Mit der Wegnahme von Mühlberg hören auch die Nachrichten über das Geschlecht derer von Waldau auf und es scheint, als hätte sich dieser Zweig nach Böhmen übergesiedelt.

Walda kam im 15. Jahrhundert an die Familie von Köckeritz, eine Familie, die so alt ist, wie die Birken von der Duba. Ein Niklas von Köckeritz vertauschte 1484 Eschendorf, Rossendorf das Vorwergk, Dittersbach u. s. w. an den gewesenen Berghauptmann zum Schneeberg, Heinrich von Starschedel, Ritter, der 1484 vom Schneeberge abdankte und die ganze Pflege Wehlen eintauschte.

Im Jahre 1612 besass Wilhelm von Köckeritz Walda. Nach demselben wurde es Kammergut, bis Johann Georg III. dasselbe 1689 nebst Neusorge bei Mittweida und Planitz bei Zwickau an die Gebrüder von Arnim gegen das Amt Pretsch vertauschte, dasselbe Pretsch, dessen Besitzer, Herrn Löser, im Jahre 1524 Luther mit Ursula von Porzig traute, bei welcher Luther mit 54 andern Pathen Gevatter stand und mit Melanchthon, Justus Thomas, Amsdorf und andern berühmt gewordenen Männern so manche frohe Stunde verlebte.

Die Herren von Arnim besassen Walda noch 1724. In diesem Jahre starb hier der gräfl. Promnitz. Präsident Hofrath Christoph Ernst v. Arnim.

Später im Jahre 1731 war mit Walda der Appellationsrath Dr. Schröder beliehen, welcher solches noch 1753 besass. Nach Letzterem finden wir hier die Herren von der Pforte. Im Jahre 1825 besass das Gut der preuss. Oberforstmeister Hans Dam von der Pforte, während dessen Besitzzeit solches aber sequestrirt wurde. Hierauf kam Walda an die Familie von Uckermann. Der jetzige Besitzer ist Baron von Uckermann.

Der Ort selbst besteht ausser dem Gute, der Kirche, der Pfarre und Schule aus 40 Feuerstellen, einer Mühle und einem Gasthof.

Das Rittergut ist, wie oben schon erwähnt worden, nicht unbedeutend, mag aber im Mittelalter viel wichtiger gewesen sein. Dazu gehört auch eine vortreffliche Schäferei.

Die Felder sind zum Theil sandig, wogegen der Wiesewachs vortrefflich zu nennen ist; auch wird etwas Wein gebaut.

Der jedesmalige Besitzer von Walda ist Collator über Kirche und Schule, welche beide unter Grossenhainer Inspection stehen.

Eingepfarrt hierher ist Nassenböhla. Bauda und Wildenhain haben [148] ihre besonderen Kirchen, über welche ebenfalls dem Besitzer von Walda das Collaturrecht zusteht. Roda ist nach Wildenhain eingepfarrt, wogegen Kleinthiemig nach Scassa eingekircht ist.

Dieses Scassa ist durch seinen früheren Pfarrer Adam Friedrich Zürner berühmt geworden. Derselbe verwaltete im Jahre 1704 das Pfarramt zu Scassa, resignirte aber 1721 auf dasselbe und wurde vom König August zum königlichen Geographen und Landgrenzcommissar erhoben.

Er vermass innerhalb der Zeit von 1712 bis 1732 ganz Sachsen und zeichnete während dieser Zeit mit der Feder 141 grosse Landkarten von zwei bis drei Blättern jede, sowie 761 kleinere, woraus er für den König 40 Special- und 40 Generalkarten, sowie eine grosse Postkarte der sächsischen Lande anfertigte. Zum Behufe seiner Messungen, wozu der König ihm einen sogenannten geometrischen Wagen bauen liess, reiste er 18000 Meilen im Lande herum. Seit 1721 datiren sich daher die steinernen Postsäulen.

Das nach Scassa eingekirchte Kleinthiemig gehörte früher nur zum Theil mit 6½ Hufen zum Rittergute Walda, während ein anderer Theil zum Procuraturamte Meissen, ein dritter zum Rittergute Promnitz gehörte und ein vierter unter dem Amte Grossenhain stand.

Grossthiemig gehört jetzt, wie bekannt, nicht mehr zum Königreiche Sachsen und ist eins der Schradendörfer, von dem Schradenwald so genannt.

Der Schraden, der jetzt zum Herzogthume Sachsen gehört, bildet eine längliche Insel in Form eines Triangels, welche 8894 Acker 20 Quadratruthen Flächeninhalt hat. Den Becken-Schenkel des Triangels begrenzt die Pulsnitz, den rechten die schwarze Elster, welche hinter Elsterwerda bei Katzschka in einem spitzigen Winkel mit der Pulsnitz zusammenfliesst. Die Hauptlinie zieht das sogenannte Grenzwasser oder der Kanal, welcher von der Buschmühle bis hinter Tettau die Pulsnitz mit der schwarzen Elster verbindet. Elsterwerda, Grosskmehlen, Strauch und Merzdorf; Frauenwalde, Hirschfeld, Gröden, Krauschutz, Kotzchka, Bühlen, Kraupa, Dreska, Kahla, Plosse und Grossthiemig haben Theil an dem Schraden und heissen deshalb die Schradendörfer.

Was der Spreewald für die Niederlausitz, die Annaburger Haide für den Wittenberger Kreis, die Auerbacher Wälder für das Voigtland sonst waren, das war einst der 7 bis 8 Stunden lange und über zwei Stunden breite Schradenwald für Meissen, nämlich eine ungeheure Holz-und Wilpretskammer.

Jetzt besteht der Schraden grösstentheils aus Hut- und Wiesenflächen, auch tragbaren Feldern. Der kleinste Theil ist mit Laubholz, besonders mit Eichen, Birken, Erlen, Buchen, auch einigen Fichten und Kiefern bewachsen.

Die Rechte und Befugnisse der Theilhaber sind durch die Schradenordnung Kurf. Augusts von 1582 schon bestimmt worden.

Branntwein, Kartoffeln, Speck und Fische sind die gewöhnliche Nahrung des Schradenbewohners, der sich durch einen nervigten Körperbau von den Landleuten in der Gegend von Meissen und Oschatz unterscheidet.

Die Schradenmädchen, welche das Viehfutter aus Moor und Wasser holen müssen, bleiben eben so rothbäckig und so kerngesund wie ihre Schwestern in lachenderen und trockneren Gegenden. Die einfache Lebensweise dieser Menschen bewirkt diese Frische, diese Gesundheit.

Die Sümpfe des Schradens sind für die umliegende Gegend eine Art von Wetterableiter; denn über derselben theilen sich fast alle Gewitter und ziehen entweder rechts über die Berge oder links nach der Lausitz.

Grossthiemig war vor der Theilung Sachsens ebenfalls dem Amte Grossenhain zugetheilt, wogegen Kleinthiemig unter verschiedene Gerichtsbarkeiten gehörte.

Das nach Walda eingekirchte Nassenböhla gehörte theilweise zum Rittergute Hirschstein und zum Theil blos unter das Amt Grossenhain.

In der frühesten Zeiten soll Nassenböhla eine eigene Kirche gehabt und Stroga dahin eingepfarrt gewesen sein.

Walda allein hat 39 bewohnte Gebäude mit 53 Familienhaushaltungen und 286 Einwohnern. Dieser Ort sammt Rittergut ist jetzt dem Gerichtsamte Grossenhain, dem Bezirksgerichte Meissen und der Amtshauptmannschaft des letztern Ortes zugetheilt, sowie dem Regierungsbezirke Dresden zugewiesen.

M. G.