Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Gersdorf (Bahretal)

Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Gersdorf
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aus: Meissner Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 2, Seite 151–152
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
Kurzbeschreibung:
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen II 226.jpg
[151]
Gersdorf,
bei Bergieshübel.


vulgo Niedergersdorf mit Borna genannt ½ Stunde südlich von Ottendorf gelegen, welches in letzteren Ort eingepfarrt und mit Obergersdorf verbunden ist. Die Aussicht von dem, den Ort umgebenden Hügeln ist nach Pirna und Dresden zu offen, gegen Süden aber von mehrern in einem Halbkreise liegenden Bergen, dem Jagdstein, Spitzberg, Schärfling und Rothenberge geschlossen.

Die Fluren von Gersdorf grenzen mit Friedrichsthal und an das Berggieshübler Stadtgebiet. Die Fluren umfassen, ausser dem mit Feldern, Wiesen, Laub- und Nadelhölzern malerisch gruppirten Terrain auch den grössern Theil der sogenannten kahlen Heide, welche freiwillig nichts gewährt, als eine treffliche Aussicht in das Niederland, Heidekraut, eine trockne und gesunde Weide für die Schafe und die durch Verwesung des Heidekrauts nur äusserst langsam sich bildende, von den Blumisten für Pflege der Neuholländischen und amerikanischen Gewächse sehr gesuchte Ericaerde. Am südwestlichen Rande dieser Hochebene sind Sandsteinbrüche, in deren einigen die durch Härte und Schärfe ausgezeichneten Mühlsteine gebrochen werden.

Ueberhaupt aber giebt es auf Gersdorfs Gebiete sehr viel sehenswerthe Puncte. Erwähnung verdienen die Ruinen bezüglich ihrer freundlichen Aussicht; die Felsenbrücken ob ihrer wilden Felsennatur; der Jagdstein wegen der ansehnlichen, die Gegend nach Maxen hin beherrschenden Höhen seiner Platteforme; der Scheibenbusch oder Eichwald mit seinen Felsenüberhängen; der Spitzberg mit seiner weiten Fernsicht; die Flachstuben im Badehau mit ihren sonderbaren Zerklüftungen; der Hohenstein mit seiner Aussicht auf ganz verschiedenartige Landschaften. Alle diese Puncte kann man in einem halben Tage begehen, da zu allen diesen Puncten sehr bequeme Wegeführer und mit einander durch besondere Gänge in Verbindung gesetzt sind.

Wenn auch hier und da die Anlagen mit grossem Kraft- und Müheaufwand in’s Werk gesetzt worden sind, so ist dies doch mit einer so umsichtigen und glücklichen Benutzung und Schonung der einzelnen Partieen geschehen, dass man überall nur die leise Nachhülfe der Naturverschönerung zu erblicken glaubt.

Gersdorf, also eigentlich Niedergersdorf, besteht aus dem Rittergute, 17 Bauergütern, 2 Gartennahrungen, 16 Häuslerwohnungen, einer Schmiede, einer Schenke, einer Gemeinde, einem Hofhause und einer Mühle mit 300 Einwohnern und ist zum Theil zwischen die Wohnungen Obergersdorfs eingebaut; mit selbigem war es aber früher nicht Eine, unter Einer Gerichtsbarkeit stehende Gemeinde, jedoch in Communalangelegenheiten auf eigenthümliche Weise vereint, was sich seit Einführung der neuen Behörden ganz geändert hat. Jetzt gehört Niedergersdorf, wie Obergersdorf zum Gerichtsamte Gottleube, zum Bezirksgericht Pirna, zur Amtshauptmannschaft des letztern Ortes, zum Regierungsbezirk Dresden.

Niedergersdorf, das Rittergut, war in den frühesten Zeiten blos Vorwerk von Krebs, oder vielmehr mit dem früheren Vorwerke Krebs verbunden und mögen diese Vorwerke zu Liebstadt gehört haben; denn Krebs wurde erst im Jahre 1600 zum Rittergute erhoben, eben so auch Niedergersdorf, dem man Borna einverleibte, welches von seiner Entstehung an mit Liebstadt schon in kirchlichem Verbande stand.

Die frühere Geschichte von Niedergersdorf mit Borna fehlt gänzlich, [152] weil es eben als blosses Vorwerk bis zum 17ten Jahrhundert eine solche nicht hat.

Erst von seiner Erhebung zum wirklichen Rittergute durch die Grafen von Bünau, welche zu gleicher Zeit auch Liebstadt, Krebs u. s. w. besassen, beginnt die Geschichte des Orts.

Die Familie von Bünau besass Niedergersdorf über die Mitte des 17ten Jahrhunderts. Rudolph von Bünau war der letzte Besitzer von Niedergersdorf. Dessen Wittwe, eine geborene von Taube, vermählte sich anderweit mit Sebastian Hildebrand von Metzsch und dadurch kamen die von Bünau’schen Güter an die Familie von Metzsch, welcher auch Giesenstein gehörte. Daher wurde nun Niedergersdorf mit dem letztern Gute vereint. Mit dem Aussterben des Metsch’schen Mannsstammes wurde Niedergersdorf apert und Moritz, Marschall von Sachsen übernahm solches, welcher es an den Vormund der Königin, den geh. Kriegsrath von Leyser verkaufte. Von diesem ererbte es dessen Tochter, die verw. von Leyser und wieder vermählte Obristlieutenant von Ponikau, von welcher es an den Generallieutenant von Leyser gelangte.

Diesem hat das Rittergut den hohen Grad seiner öconomischen Cultur, besonders den weitverbreiteten Ruf seiner Schäferei, der Garten seine Erweiterung und herrlichen Anlagen, das Herrenhaus seine, besonders im militärisch und öconomischen Fache reich ausgestattete Bibliothek; ihm haben viele ehedem wüste, steinigte und sumpfigte Stellen ihre Beurbarung oder ihre Verwandlung in Wiesen oder ihre Bepflanzung mit den, dem Boden angemessensten Holzarten, die Communications- und Feldwege ihre Frucht- und schattenreichen Alleen und der Wandrer in selbigen manches Plätzchen zu verdanken, das ihn nicht blos zur Ruhe einladet, sondern ihn auch auf irgend einen interessanten Gegenstand der Nähe und Ferne aufmerksam macht.

Seit dem Tode des Generallieutenant von Leyser ist mit Niedergersdorf Herr Rittmeister Otto von Beyski[VL 1] beliehen.

Der Ort Niedergersdorf mit Obergersdorf und mit Dahme ist nach Ottendorf eingepfarrt, und der Gerichtsherr von Ottendorf ist Collator über Kirche und Schule, Borna dagegen ist Filia von Liebstadt, deren Collator der Majoratsherr von letzterer Besitzung ist. In der Kirche zu Borna befindet sich die herrschaftliche Familiengruft von Gersdorf. In ihr ruht der Geheime Kriegsrath Johann Gottlieb Leyser, welchem ein sehenswerthes Monument hier gesetzt ist. Derselbe hat auch der Kirche zu Borna ein Legat von 200 Thalern hinterlassen, von dessen Zinsen die Hälfte dem Geistlichen und Schullehrer des Orts ausgezahlt, die andere Hälfte aber zur Bildung neuer, der Kirche zinsbarer Kapitale verwendet wird.

Die Schicksale der Parochie anlangend, so litten im siebenjährigen Kriege Ottendorf und Gersdorf durch die Nähe eines auf der Heide aufgeschlagenen Preuss. Lagers empfindlich, wovon besonders in der Nähe der Linde am Ottendorf-Berggieshübler Fusssteige an mehrere, zu verschiedenen Zwecken in die Erde gegrabenen Vertiefungen, sowie ovalförmigen Erdaufwürfen noch einige Spuren zu sehen sind.

Im Jahre 1779 wüthete in dieser Gegend das faule Fieber.

Besonders aber war das Jahr 1813 ein unheilvolles. Die Noth, welche während der Blokade Dresdens den höchsten Grad erreichte und Misshandlungen an denen verübt, welchen nichts mehr abzupressen war, nöthigten zur Flucht. Das Städtchen Königstein gewährte Vielen, wie 1639, gastliche Aufnahme und tröstendes Asyl. Die Zahl der in diesem Jahre Verstorbenen belief sich wegen des herrschenden Nervenfiebers auf vier Mal so hoch, als gewöhnlich im Laufe eines Jahres sonst verstorben sind.

Bemerkenswerth ist noch der auf Ottendorfer Gebiete, auf der kahlen Heide gelegene, ovale Sandsteinfelsen, auf welchem zur Bezeichnung der über ihr hinlaufenden Grenze zwei Kreuze eingehauen sind. Im Flurregister von Gersdorf wird er „Stein der Heiligen“ genannt, in der Volkssprache heisst er Bettelstein (richtiger wohl Betstein), weil auf demselben Bettelmönche den vorüberziehenden Wallfahrern gepredigt, oder nach einer anderen Sage im dreissigjährigen Kriege, wo dichter Wald den Ort verdeckte, die angstvollen Parochianen daselbst ihren protestantischen Gottesdienst gehalten haben sollen.

Obergersdorf gehörte bis zur neuen Gerichtsorganisation unter die Gerichtsbarkeit von Giesenstein und besteht aus 8 Bauergütern, 2 Gartennahrungen, 3 Häuslerwohnungen, einem Gemeindehause und einer Mühle mit 100 Einwohnern.

M. G.     



Anmerkungen der Vorlage

  1. handschriftliche Korrektur: Reyski