Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
korrigiert  
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Hauptstrom Thrakiens
Band VII,2 (1912) S. 25882589
Mariza in der Wikipedia
GND: 4761279-4
Mariza in Wikidata
Mariza bei Pleiades
Bildergalerie im Original
Register VII,2 Alle Register
Linkvorlage für WP   
* {{RE|VII,2|2588|2589|Hebros|[[REAutor]]|RE:Hebros}}        

Hebros, ὁ Ἕβρος, bei Byzantinern Εὕρος (Etymologie unsicher, s. Tomaschek Thraker II 2, 93. Fick in Kuhns Ztschr. XLII 85f.), der Hauptstrom Thrakiens, jetzt slav. Maritza genannt, entspringt wie Strymon, Nestos und Oskios in dem Skomiosgebirge, Thuc. II 96, 4. Arist. met. I 13, fließt dann ostwärts an Philippopolis (160 m) vorüber bis Hadrianopolis (40 m), wo er in die Talrichtung des vom Haimos her ihm zuströmenden Tonzos übergeht und sich nach Süden wendet, um nun als ein bedeutender, auch für größere Fahrzeuge schiffbarer Strom zwischen Doriskos und Ainos das Ägäische Meer zu erreichen, Her. IV 90. VII 59. Die früheste Erwähnung findet sich bei dem Dichter Alkaios (frg. 109 Bergk), der ihn κάλλιστος ποταμῶν nannte. Eur. Herc. fur. 386 nennt ihn, wohl mit Bezug auf die Schlammführung, ἀργυρρορύτης. Sonst erwähnen ihn die Dichter mit Vorliebe in Verbindung mit dem durch seine Winterkälte berüchtigten Klima Thrakiens, so Theokrit. VII 111f. χείματι μέσσῳ | Ἕβρον πὰρ ποταμόν. Verg. Buc. X 65 frigoribus medicis Hebrumque bibamus. Hor. carm. I 25, 19f. hiemis sodali – Hebro, ebd. III 25, 10f. Hebrum – et nive candidam Thracen; epist. I 3, 3 Hebrusque nivali compede vinctus, ebd. I 16, 12f. fons – ut nec frigidior Thracam nec purior ambiat Hebrus. Val. Flacc. II 515 a gelidi [2589] Boreas convallibus Hebri | tollitur, Anth. Pal. VII 542, 1 Ἕβρου χειμερίοις – κρυμοῖσι δεθέντος, IX 56, 1 Ἕβρου Θρηῑκίου κρυμῷ πεπεδημένον ὕδωρ usw. Von den Geographen gibt Strabon mehrfache beachtenswerte Angaben. Er erwähnt VII 331 frg. 51 die Deltabildung des Flusses (διστόμου ὄντος) und ebd. frg. 47 seine Schiffbarkeit bis hinauf in das Gebiet der Bessoi (s. d), also dem Becken von Philippopolis, was freilich nur für kleine Fahrzeuge zu verstehen ist, das Ende der großen, als Via Egnatia (s. d.) bekannten Überlandstraße am H. bei Kypsela (VII 322 nach Polyb. XXXIV 12, 3. 329 frg. 9), den Nebenfluß Arisbos XIII 590. Andere Geographen nennen den Fluß nur kurz oder beiläufig, so Skyl. 67. Artem. bei Strab. VII 331 frg. 56. Mela II 2. Plin. n. h. IV 41. Ptol. III 11, 2. Herod. IV 90 erwähnt aus Anlaß des Skythenzuges des Dareios den Nebenfluß Agrianes (s. d.), dem wieder der Tearos zuströmt; Plin. n. h. IV 50 nennt die Nebenflüsse Bargus und Syrmus. Über Veränderungen des Unterlaufes bei Ainos berichtet Plin. XVII 30, über Goldführung des Flusses Plin. XXXIII 66, worauf auch divitis Hebri bei Val. Flacc. IV 463 zu gehen scheint.

Zahlreich sind die bildlichen Darstellungen des Flußgottes auf Münzen, besonders von Philippopolis, und die meisten der ihm beigegebenen Attribute kennzeichnen die Beziehungen des Flusses (ΕΒΡΟΣ auf einer Münze Hadrians) zur Landschaft, so die Ähren und das Füllhorn, Schilf, ein Kahn usw., s. die Nachweise bei Drexler in Roschers Myth. Lex. I 1871ff.

Von neueren geographischen Schilderungen ist die von Theob. Fischer in A. Kirchhoffs Länderkunde v. Europa II 2, 100–104 hervorzuheben, ferner Vivien de Saint-Martin Dictionn. de géogr. III 661f.