Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
korrigiert  
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Band V,1 (1903), Sp. 1284–1286
Linkvorlage für WP   
* {{RE|V,1|1284|1286|Dolium|[[REAutor]]|RE:Dolium}}        

Dolium (alter Name calpar, Varro bei Non. XV 546), πίθος, das grösste thönerne Vorratsgefäss, namentlich für Wein, Öl und Getreide, aber auch für Vorräte aller Art. D. quo vinaceos condat, vinaria, olearia, amurearia, frumentaria, lupinaria, Cato de agri cult. 10, 4. 11, 1. 13, 2; vgl. Dig. L 16, 206; πίθος σύκων Babr. 108, 17 Crus. Schon bei Homer (Od. II 340. XXIII 305; Il. XXIV 527) und Hesiod. (op. 368) kommt πίθος vor als Vorratsgefäss für Wein und sonstiges. D. und πίθος werden oft erwähnt, am häufigsten aber als das Gefäss, in dem der Wein in der Cella vinaria die Gährung durchmachte; s. hierüber o. Bd. III S. 1874. Die für den Wein bestimmten D. wurden innen mit Pech ausgestrichen, Plin. n. h. XIV 134. Geop. VI 3, 7. 4, 1. u. a. Bei Homer (Od. aa. OO.) wird auch der alte Wein in πίθοι aufbewahrt; später dient hierfür die Amphora.

D. sind vielfach gefunden worden. In Troia fand Schliemann ein Weinmagazin mit D. am Ort, und sonst im ganzen ca. 600 zum Teil sehr grosse D. Schliemann Ilios 39. 317. 425. 657. vgl. Tiryns 77f. D. aus Kreta Athen. Mitt. 1886, 147; aus Pergamon, Altert. v. Pergam. VIII 2 nr. 1324—1326; aus Etrurien Mus. Greg. II 100. Vielfach aus römischer Zeit. Besonders bemerkenswert ist hier die Villa rustica von Boscoreale mit den in die Erde eingelassenen D. der Cella vinaria und den frei stehenden in der Nähe der Ölpresse. Pasqui Mon. ant. d. Lincei VIII 483. Auch in Pompeii werden vielfach D. verschiedener Form und Grösse gefunden; eine kleine Cella vinaria wurde 1899 ausgegraben. Fund 16 grosser Dolien bei Scafati am Sarno (jetzt in Pompeii). Guidobaldi Dolii vinarj rinvenuti al Musigno. Napoli 1859. Dolien in Villa Albani, Funde in Antium und Setia, Winckelmann Monum. ined. [1285] II (1767) 229. Funde in Frankreich und Tunis, Brongniart Traité des arts céramiques I 407.

Die gefundenen D. sind verschiedener Form und Grösse. Allen gemeinsam ist das Fehlen des Halses und die weite Öffnung mit auswärts gebogenem Bande, dessen Oberfläche nach Geop. VI 3, 8 nach aussen geneigt sein soll, damit der zur Befestigung des Deckels benutzte Gyps beim Öffnen nicht hineinfällt. Die des troianischen Magazins (Höhe 4¾—5¾ Fuss) sind bauchig, länglich, nach unten sich verjüngend, ohne Fuss, so dass sie nur in einem Gestell oder in der Erde stehen konnten. Dasselbe gilt von den pergamenischen, die bei ovalem Durchschnitt unten gerundet und mit einer kurzen Spitze versehen sind. Dementsprechend sind auch bei Homer Od. II 340 die πίθοι an die Wand gelehnt. Die grossen bauchigen Dolien römischer Zeit (Pompeii, Villa Albani u. a.) sind annähernd kugelförmig, aber unten abgeplattet und laufen meist in geschwungener Linie in eine Art Fuss aus, dessen Standfläche der Öffnung gleich zu sein und etwa ein Drittel des grössten Durchmessers zu haben pflegt. Gute Abbildung bei Ruggiero in dem Sammelband Pompei e la regione sotterrata (Napoli 1879) Taf. III 3; darnach Dict. d. Ant. III 333, wo die Höhe irrtümlich auf 2,50 m. angegeben ist. Daneben aber giebt es in Pompeii (auch in Boscoreale) mehrfach kleinere, cylinderförmige D. Dies sind vielleicht die μακρότερα καὶ μάλιστα τὰ στόματα ἀνεῳγμένα ἔχοντες, die nach Geop. VI 3, 7 (vgl. auch Plin. n. h. XIV 134) den bauchigen vorzuziehen sind. Vielleicht ist dies auch die mehrfach mit D. zusammen genannte seria. Cato de agri cult. 10, 14. Ter. Heaut. 460. Varro r. r. III 2, 8. Liv. XXIV 10, 8. Colum. XII 18, 5. Dig. L 16, 206. Die Seriae von sieben Amphoren Colum. XII 28, 1 deuten darauf, dass der Name ein kleineres Gefäss bezeichnet.

Bei Herstellung der D. war wohl meistens ein bestimmtes rundes Mass beabsichtigt, das aber natürlich nur annähernd erreicht wurde. Man schrieb dann bisweilen den genauen Rauminhalt darauf. In den grossen bauchigen Dolien finden sich mehrfach solche eingeritzte Inschriften. S. hierüber Hultsch Sächs. Ber. 1897, 199. Auf drei pergamenischen D. sind die Masse von 26, 27 und 28 Artaben angegeben (Altert. v. Perg. VIII 2 nr. 1324-1326); sie fassen 980¼, 1014 J und 1031 l. Ein spanisches D. von 735 l. hält nach Aufschrift 23 M(etreten) und 22 Sextare, ein anderes, von dem nur eine Scherbe mit der Aufschrift erhalten ist, 25 Metreten und 30 Sextare (798 l.). Wahrscheinlich sollten beide D. sesquicullearia (Colum. XII 18, 7) sein, also 30 Amphoren, 788 l. enthalten. Die jetzt nicht sichtbare Inschrift eines D. in Villa Albani Amp. XVIII (Marini Iscr. Albani 39 nr. 33) stimmt nicht zu Winckelmanns Angabe (a. O.), dass es 21½ Barile, 1254,3 l., also fast 48 Amphoren fasste. Vielleicht war XLVIII geschrieben. Es wäre danach ein d. quinquagenarium (Cato de agri cult. 69, 1. 112, 3) gewesen. Ein bei Modena gefundenes D. fasste nach Inschrift 36 Amphoren, ein anderes, angeblich noch grösseres, trag die Zahlen XXX und XIII. Cavedoni Bull. d. Inst. 1846, 34. Das von Ruggiero a. O. abgebildete [1286] D. von Scafati, hoch und breit ca. 1,50 m., kann etwa 1150 l., 43½ Amphoren fassen und war wohl auf zwei Cullei beabsichtigt. Die D. der Cella vinaria von Boscoreale sind etwas kleiner, kommen also diesem Mass noch näher. Die ihnen eingeritzten Zahlen, IV, VII, IX, X, können nicht das Mass bezeichnen; es handelt sich wohl um eine Numerierung, die aber von der Anordnung in der Cella vinaria unabhängig ist.

Zum D. gehört ein horizontaler Thondeckel mit kleinem Henkel in der Mitte, der oft gefunden wird. In Boscoreale war über diesen noch ein zweiter flach gewölbter Deckel gelegt, der mit drei Verticalzapfen auf der Rundung des D. auflag.

Grosse D. wurden von solchen, die sonst kein Unterkommen hatten, als Wohnung benutzt. Bekannt ist das D. des Diogenes; vgl. ausserdem Aristoph. equ. 792. Bildliche Darstellungen des Diogenes: Zoëga Bassiril. I 30. Spon Miscell. 125. Birch Hist. of anc. pottery 135. De la Chausse Gemme CXXVII. Caylus Recu. VI 43, 2. Furtwängler Gemmen XLIII 11.15. Ausserdem kommen D. häufig vor in bildlichen Darstellungen der Danaiden, des Eurystheus, des Pholos. Meist erscheint hier das D. in die Erde eingegraben. Sie dienten auch als Särge; s. hierüber Cochet Revue archéol. XIV 1. 1857, 608. D. mit unverbrannten Leichen bei Sebastopol I (Abbildung a. O. und bei Birch Hist. 532), während in Frankreich mehrfach D. gefunden wurden, in denen Aschenurnen enthalten waren. Die Grösse der D. bezeugt auch die Erzählung vom Piasos, der in einem D. ertrank, Strab. XIII 621.

Nach Geop. VI 3, 4 wurden grosse D. nicht auf der Töpferscheibe gemacht. Poll. VII 164 giebt an, dass man für sie ein Holzgestell, κάνναβος, benutzte. Mit Unrecht ist angenommen worden, dass Plin. n. h. XXXV 159 die D. von den auf der Scheibe gefertigten Waren unterscheide; s. Jahn Sächs. Ber. 1854, 42. Schöne Quaest. Pomp. 18. Blümner Technol. II 41, 2. Detlefsen zu d. St. Es scheint aber, dass sicher ohne Scheibe gefertigte D. nur aus ältester Zeit nachgewiesen sind. Schliemann Ilios 317. 657; Tiryns 71. 78. Später sind auch ganz grosse D. offenbar auf der Scheibe gemacht. Die Herstellung der Dolien galt für eine besonders schwierige Aufgabe des Töpferhandwerks; daher das Sprichwort ἑν πίθῳ τὴν καραμείαν μανθάνειν, Zenob. prov. III 65.

Uneigentlich werden bisweilen auch Gefässe anderen Materials D. genannt. Plin. n. h. VIII 16 sind Holzfässer gemeint. Bleierne D. Dig. XXXIII 7, 26. So auch griechisch silberne πίθοι Herodot. I 51; steinerne Diod. XIII 83, 3, wo es sich um in den gewachsenen Stein eingehauene Behälter handelt. Der πίθος des Eurystheus war nach Apollod. II 5, 1 aus Erz. Die Inschriften 3 von doliarii Gruter II 583, 1. Muratori II 940, 1 sind unecht. Krause Angeiologie 227. Ussing De nomin. vasorum 30. Birch Hist. of anc. pottery 531. Becker-Göll Gallus III 418. Marquardt Privatl.² 646. Daremberg-Saglio Dict. d. Ant. III 332.

[Mau.]

Nachträge und Berichtigungen

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
korrigiert  
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Band S III (1918), Sp. 342346
Linkvorlage für WP   
* {{RE|S III|342|346|Dolium|[[REAutor]]|RE:Dolium}}        
[Abschnitt korrekturlesen]
S. 1284ff. zum Art. Dolium:

Wohl findet sich die lateinische Bezeichnung für das italisch-römische Tonfaß dolium übertragen auf Behälter aus anderem Stoff, wie Blei (d. plumbeum Digest.) und Glas (Colum. r. rust XII 54, 3: in dolio picato fictili vel in vitreo componito, vgl. Veget. veter. IV 13, 3); wenn jedoch o. Bd. V S. 1286 angenommen wird, daß Plin. n. h. VIII 16 Holzfässer gemeint seien, so scheint diese Annahme nicht zutreffend. Plinius berichtet, daß im ersten Punischen Krieg Metellus die den Karthagern auf Sizilien als Beute abgenommenen Elefanten nach Italien habe übersetzen lassen ratibus quas doliorum consertis ordinibus imposuerat. Wenn hier Holzfässer, nicht Tonfässer zu verstehen wären, so wäre dies, entsprechend den oben angeführten Stellen, durch Hinzufügung des betreffenden Eigenschaftswortes (also: d. ligneorum) zum Ausdruck gebracht; vgl. ξύλινοι πίθοι bei Strabon (s. u.). Ausschlaggebend ist aber die Vergleichung mit einer anderen Stelle des Plinius, wo dieser Holzfässer mit Reifen ausdrücklich erwähnt, n. h. XIV 132: circa Alpes ligneis vasis condunt [343] (vinum) circulisque cingunt atque etiam hieme gelida ignibus rigorem arcent, und 133: mitiores plagae doliis condunt infodiuritque terrae tota aut ad portionem sinus. Daß Holzfässer, mit Reifen (aus Holz) umspannt, auch nördlich der Alpen, in Gegenden mit keltischer Kultur bräuchlich waren, lehren uns bildliche Darstellungen, und Strabon bezeugt Holzfässer für Gallia cisalpina V 1, 12 (p. 218): τοῦ δ’ οἴνου τὸ πλῆθος μηνούουσιν οἱ πίθοι ξύλινοι und für die der römischen Kolonie Aquileia benachbarten illyrischen Landschaften V 1, 8 (p. 214): ἀνεῖται δ’ (Ἀκυληία) ἐμπόριον τοῖς περὶ τὸν Ἴστρον τῶν Ἰλλυριῶν ἔθνεσι· κομίζουσι δ’ οὗτοι μὲν τὰ ἐκ θαλάττης, καὶ οἶνον ἐπὶ ξυλίνων πιθῶν ἁρμαμάξαις ἀναθέντες καὶ ἔλαιον, ἐκεῖνοι δ’ ἀνδράποδα καὶ βοσκήματα καὶ δέρματα; vgl. Herodian. VIII 4, 4 (Überbrückung eines Flusses bei Aquileia durch Maximinus im J. 238): ἐπεὶ δὲ ξύλων ἦν ἀπορίακαὶ νεῶν, ἅς ἔδει ζευχθείσας γεφυρῶσαι τὸ ῥεῖθρον, ὑπέβαλόν τινες τῶν τεχνιτῶν πολλὰ εἶναι κενὰ οἰνοφόρα σκεύη περιφεροῦςξύλου ἐν τοῖς ἐρήμοις ἀγροῖς, οἷς ἐχρῶντο μὲν πρότερον οἱ κατοικοῦντες ἐς ὑπηρεσίαν ἑαυτῶν, ὡς παραπέμπειν τὸν οἶνον ἀσφαλῶς τοῖς δεομένοις usw.

Bildliche Darstellungen solcher Holzfässer sind aus folgenden Landschaften bekannt:

Gallia Narbonensis: In einer Kapelle im Département Drôme, Vallentin La colonie latine Augusta Tricastinorum 21 (Espérandieu Recueil I p. 248), Steinrelief mit zwei Reihen von Fässern, Abbildung im Bull. Soc. des antiq. de France 1911, 100.
Aquitania: Espérandieu (II) nr. 1112, Grabstein eines Böttchers mit Darstellung eines Fasses oder Faßreifens, gefunden in Bordeaux, und 1621, gefunden bei Gannat (Dép. Allier), Steinbild des Hammergottes (Sucellus), zur Seite auf dem Boden ein Faß.
Gallia Lugdunensis: Espérandieu (III) nr. 1843, gefunden zu Augustodunum-Autun, Steinbild eines Gottes (wohl des Hammergottes), zur Seite ein Hund, im Hintergrund ein Faß; nr. 2025, gefunden bei Cussy-le-Châtel (Dép. Côte d’Or), kleines Steinbild des Hammergottes, der den rechten Fuß auf ein Fäßchen stützt.
Volksgemeinde der Lingones (um Langres): Espérandieu (IV) nr. 3253, gefunden zu Langres, Rest eines Grabsteines mit Bild eines Mannes, zu dessen Seite ein Faß; nr. 3232 (= Caylus Recueil d’antiquités IV Taf.CXXII nr. III, vgl. nr. II), gefunden zu Langres, Reliefbild eines mit einem großen Faß beladenen dreispännigen Wagens, auf einer von zwei Bildseiten eines Steinblockes, wohl Eckstück eines Grabdenkmals.
Gallia Belgica: Volksgemeinde der Leuci: Steinrelief aus Toul, Darstellung des Hammergottes, zur Seite am Boden wohl zwei Fässer (S. Reinach Bronzes figurés 176). – Volksgemeinde der Mediomatrici: Espérandieu (V) nr. 4327, gefunden zu Metz, Steinrelief mit Darstellung von Bütten und anderen Gefäßen nebst zwei Fäßchen. – Volksgemeinde der Treveri: Espérandieu (V) nr. 4072, Reliefbild eines mit Fässern beladenen Kahnes, aus Orolaunum-Arlon [344] (auf demselben Denkmal strohumwundene Amphoren); ebd. nr. 4080, Fässer, darüber Taubündel oder Körbe, unterhalb eine Henkelvase, Reliefbild, gefunden zu Arlon; ebd. nr. 4221, Teil eines Grabsteines (CIL XIII 4103), auf welchem die Darstellung einer Werkstatt oder Wirtschaft mit Fässern, gefunden zu Berburg im Großherzogtum Luxemburg; ebd. nr. 4161, Grabstein unbekannter Herkunft in der einstmaligen Sammlung des Jesuitenkollegiums zu Luxemburg, Grabmal mit Darstellung einer Geschäftsstube zwischen zwei Fässern, welche die Schriftzeichen D(is) M(anibus) tragen, CIL XIII 4286. Unter den bildlichen Darstellungen der großen Grabdenkmäler von Neumagen (Noviomagus) an der Mosel finden sich ein Faß auf einem Wagen und zwei mit Fässern beladene Ruderschiffe (Hettner Ill. Führer Provinzialmus. Trier 15), während andere Bilder strohumwundene Amphoren darstellen (Hettner a. a. O. 20). :Vindelicia. Aus Augsburg (Augusta Vindelicorum) sind zwei Darstellungen bekannt: auf einem Steinbild lagern oben in einer Reihe Fässer und darunter, im Keller, rollen Knechte einzelne Fässer (Rich Ill. Wörterb. d. röm. Altertümer Art. Cella nr. 1. Daremberg-Saglio Dict. d. antiq. I Fig. 2139); ein anderes Steinbild stellt ein starkbereiftes Faß auf einem vierräderigen Wagen dar (Mezger Die röm. Steindenkmäler usw. im Maximilians-Museum zu Augsburg 1862, 5 nr. VIII). Vgl. noch Rich a. a. O. Art. Phalangarii nr. 1.

Nachgebildet sind solche bereiften Holzfässer in Ton und besonders in Glas; diese Ton- und Glasgefäße stellen eine Verschmelzung von Faß mit Amphora dar. Über Nachbildungen in Ton vgl. Hölder Die Formen der röm. Tongefäße diesseits und jenseits der Alpen, Taf. II 8 (Wiesbaden) und 10 (Karlsruhe) mit S. 18. 30. Behn Röm. Keramik, Taf. XI 329 und XII 399–403, alle aus den Rheingegenden. Die Nachbildungen in Glas, sogenannte ,Faßkannen‘ oder ,Reifenkannen‘, französisch ,barillets‘, die oft auf dem Standboden einen Fabrikstempel tragen (vgl. Art. Frontiniana u.a.), sind behandelt von Bohn CIL XIII 3, 2 p. 661–666 und von Kisa Das Glas im Altert. 786–797. 937. 943-947, vgl. 320f. mit Abb. 57–59 (S. 115ff.). 324 (S. 802). Formentafel C 154f. E 268. 271ff.; vgl. auch z. B. Bénédict. Hist. de Metz I Taf. II 3 zu S. 49 und Mém. Acad. Metz 1848/49 Taf. III zu S. 211 = CIL XIII 10025, 156 (jetzt im Museum zu Metz). Die Heimat dieser Glasfäßchen und Reifenflaschen ist das nördliche Gallien nebst den Rheinlanden. Nachbildungen in Metall (Bronze): Bonner Provinzialmuseum, Führer 1895, 35. Bonn. Jahrb. CXI/CXII 414. - Vgl. Bonn. Jahrb. CVII 147, 1: ,Lampe in Gestalt eines Fäßchens‘.

Von den Galliern in Norditalien und jenseits der Alpen haben die Römer die bereiften Holzfässer übernommen. Wenn allerdings auf der Traianssäule Beförderung von Fässern auf zweiräderigem, mit zwei Ochsen bespanntem Wagen (Rich a. a. O. und Daremberg-Saglio I Fig. 1199, Art. Carrus) oder Verladen von Fässern [345] auf einen Kahn (Daremberg-Saglio I Fig. 2141) dargestellt ist, so liegt hier Ausnützung fremder Sitte in fremden Landen vor. Daß aber auch in Rom Holzfässer bräuchlich geworden sind, beweisen insbesondere christliche Darstellungen, wie die zwei Fässer unter einer Grabschrift, abgebildet bei Martigny Dict. des antiq. chrét. 220 und Kraus Realencyklop. d. christl. Altert. I 480, oder das Gemälde in den Katakomben, abgebildet in Daremberg-Saglio I Fig. 2140. Zu Cagliari (Carales) auf der Insel Sardinien befand und befindet sich ein Steinsarg in Gestalt eines langgestreckten Fasses mit vier Grabschrifttafeln auf der Schauseite, CIL X 7703.

Die Römer haben auf das von ihnen entlehnte Holzfaß die Benennung cupa (Kufe) übertragen. Cupa bezeichnete ursprünglich die oben offene, nötigenfalls mit einem Holzdeckel verschließbare Bütte, welche, ebenso wie das Faß, aus Holzdauben (tabulae: Pallad. r. rust. I 38, 1) zusammengefügt und mit Reifen (circuli: vgl. Petron. 60 mit Plin. n. h. XIV 132) umspannt war. Solche Holzbütten und Bottiche oder aber Holzfässer haben wir uns vorzustellen unter den cupae vinariae, wie Varr. bei Non. II 113. Plin. n. h. XXIII 63. Pallad. r. rust. I 18, 2; vgl. Cic. Pis. 27, 67: pistor domi nullus, nulla cella, panis et vinum a propola atque de cupa. CIL V 985 (Aquileia). VI 1785 (Rom). III 10275? (Unterpannonien). Natürlich wurden die Cupae auch anderswie verwendet, vgl. Varr. bei Non. II 113: e cupis acris aceti; Caes. bell. civ. II 11, 2 (Belagerung von Massilia im J. 49 v. Chr.): cupas taeda ac pice refertas incendunt easque de muro in musculum devolvunt (oppidani = Massilienses); Pallad. III 25, 12: pira . . vel in cupellis vel in vasculis fictilibus picatis condiuntur; Digest.: mehrfach als Gefäße zur Aufbewahrung und Beförderung von Frucht; Frontin. strat. III 14, 3: Hirtius Mutinensibus obsessis ab Antonio (im J. 43 v. Chr.) salem, quo maxime indigebant, cupis conditum per amnem S. intromisit. Vgl. noch Plin. n. h. XVI 42: materies piceae ad fissiles scandulas cupasque et pauca alia secamenta. Holzfässer sind aber unzweifelhaft zu verstehen an zwei Stellen, welche besagen, daß leere Cupae (wie bei Plin. n. h. VIII 16 leere Dolia) zum Tragen eines Floßes oder einer Brücke verwendet wurden, Lucan. IV 420: namque ratem vacuae sustentant undique cupae und Hist. aug. Maximin. 22, 4: ponte itaque cupis facto Maximinus fluvium transivit et de proximo Aquileiam opsidere coepit (vgl. die oben angeführte Stelle des Herodianos). Nachdem einmal die Bezeichnung Cupa für ,Holzfaß‘ eingebürgert war, entstanden Wortbildungen wie semicupa, semicupium, d. h. Halbfaß. Semicupa ist nur in der übertragenen Bedeutung ,Schmeerbauch‘ belegt durch Ammian. XXVIII 4, 28; semicupium (Bütte, Trog) findet sich in den Berner Scholien zu Lucanus I 445 (Lothr. Jahrb. 1895, VII 1, 160, 89. Holder Altcelt. Sprachsch. II 1805 s. Teutatis, -es).

Cupae, Holzfässer oder Bütten, und Dolia, Tonfässer, werden als verschiedenartig im Sprachgebrauch gesondert, so von den Juristen (Digest.): dolia, licet defossa non sint, et cupae und: vasa vinaria, id est cupae et dolia, quae in cella [346] defixa sunt; ebenso Pallad. I 18, 2, vgl. ebd. I 6, 2 (s. u.) und III 25, 12 (s. o.).

Von cupa ist abgeleitet cuparius, Böttcher, Küfer, der Bütten, Bottiche und Fässer herstellte und verkaufte. Belegt ist diese Handwerksbezeichnung meist für Gegenden, in welchen nachweislich Holzfässer heimisch waren: CIL XII 2669 (in der Gegend von Aps = Alba Helvorum in der Gallia Narbonensis). XIII 744 (Bordeaux). 3700 (Trier: cuparius et saccarius); außerdem aber auch CIL X 7040 (Catania = Catina, auf Sizilien).

Literatur über Holzfässer. Rich Ill. Wörterbuch der röm. Altertümer Art. Cupa. Fernique in Daremberg-Saglio I 2, 1594, Art. Cupa. Ruggiero Dizionario epigrafico II 1319, Art. Cupa, Cuparius. Hehn Kulturpflanzen und Haustiere⁶ (1894) 557–559 zu S. 83. Marquardt Privatleben der Römer² 461, 8. Keune Romanisierung Lothringens (1897) 40. Bull. Soc. antiq. de France 1911, 101; vgl. auch o. Bd. III S. 1876.

Die im Weinkeller (cella vinaria, vgl. Bd. III S. 1874–1876) in die Erde eingegrabenen Dolia (vgl. Plin. n. h. XIV 133, s. o.) wurden von den römischen Juristen zu den Immobilien gerechnet, Marquardt Privatleben der Römer² 647, 1.– Gleich anderen Vorratsgefäßen aus Ton wurden auch die Dolia inwendig mit Pech bestrichen, um die Erhaltung (,Konservierung‘) des Inhaltes jeder Art zu gewährleisten; vgl. z. B. Colum. XII 18, 5. 54, 3 (s. o.). Pallad. III 25, 12 (s. o.) und o. Bd. V S. 1284. – Über gestempelte Dolia (CIL XV 1 p. 476ff. XIV p. 472f. XI 2 p. 1052ff. XII p. 713. XIII 3, 1 p. 75f.) vgl. den Art. Figlinae B.

Von dolium ist abgeleitet das Adjectivum doliarius und doliaris. Bei Plaut. Pseud. 659 findet es sich bereits in übertragener Bedeutung, indem ein altes Weib als anus doliaris cluda crassa (dick wie eine Tontonne) bezeichnet wird. Nach Digest, hieß der junge, noch nicht auf Amphoren abgezogene Wein vinum doliare, und der Raum, wo der junge Wein in Dolien lagerte, hieß daher doliarium. Dann aber ist sehr häufig die (oft abgekürzte) Bezeichnung opus doliare in Ziegelmarken, was also Übertragung eines eigentlich der Schwertöpferei zustehenden Ausdruckes auf Erzeugnisse der Ziegeleien ist (vgl. den Art. Figlinae). Daher heißt auch CIL 9 XV 1390 eine Ziegelei des M. Publicius Ianuariut Maior, deren Ziegel in der Stadt Rom und Nachbarschaft, auch in Karthago festgestellt sind, offi(cina) dolearia (= doliaria). Dagegen sind die Inschriften von doliarii gefälscht (s. o. Bd. V S. 1286); Palladius I 6, 2 schreibt: ferrarii lignarii, doliorum cuparumque factores.