Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Griechische Göttin
Band V,1 (1903) Sp. 878880
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Dione (Διώνη). Antike Etymologien: Schol. Hesiod th. 353 (δίδωμι). Etym. M. (δέδωμι, διεύνη, διαίνεσθαι). Etym. G. (τὸ διὰ πάντων ἰέναι). Schol. Il. V 371 (διερός). Das Richtige schon Eustath. Il. 558 und Etym. M. D. ist lautlich und sachlich das weibliche Gegenstück zu Zeus (δι, Διός), wie in andern Bezirken Dia (s. d.), im lateinischen Iuppiter-Iuno, Kretschmer Einleitung in der Gesch. der griech. Spr. 91. 161. Usener Götternamen 36; Strena Helbig. 320f. Nebenformen Deona, Dittenberger Syll. 429, Diaine (v. l. Διώνη) Apollod. bei Schol. Od. III 91, Dodone (Διώνη?) Beiwort der Aphrodite, d. h. wohl ursprünglich der D., Clem. Rom. homil. IV 16. V 13. Roscher Stud. z. vgl. Myth. d. Gr. und Römer II 24.

Der Mittelpunkt des Cultes der D. ist das uralte Orakelheiligtum von Dodona, wo Zeus ναίος und D. ναία verehrt wurden, ursprünglich ohne Tempel und Bild, später mit Tempel und Cultbild, das die Athener wiederherzustellen verpflichtet werden, Hypereid. III 35f. Demosth. XXI 53 wird das Opfer eines Rindes (oder Rind und Schaf? Carapanos 143) gefordert. Dass der Cult der D. später hinzugekommen sei (Strab. VII 329), kann nicht richtig sein, Carapanos Dodone 45ff. 70ff. Bull. hell. XIV 1890, 156f. Collitz Griech. Dial. Inschr. II 1557ff. Münzen von Epirus zeigen die thronende D., den Kopf der D., oder des Zeus und der D., Brit. Mus. Cat. of Greek Coins, Thessaly to Aetolia p. 89-91 nr. 8-13. 42. 43. 53-58. p. 111 nr. 5. HeadSvoronos Ἱστορία τῶν νομισμάτων I 405f., vgl. 41. 393. 401. 410. Münzen von Ambrakia a. O. p. 94 nr. 1–9. Anfrage eines Ambrakioten Carapanos 176 Taf. 36, 5. Münzen der Athamanen a. O. 96, 1–4. Münze von Amantia (Illyrien) a. O. p. 55 nr. 3. Münzen der Insel Kerkyra a. O. p. 133 nr. 298—313. p. 137 nr. 373–377. p. 141–144 nr. 434–446. 472–477. Anfrage der Kerkyraier Carapanos p. 74 Taf. 34, 4. 5. In Italien Münzen von Larinnon Brit. Mus. a. O. Italy p. 71f. nr. 9. 10. Münze von Luceria a. O. p. 141 nr. 61. Anfrage der Stadt Tarent Carapanos p. 70 Taf. 34, 1. In Athen hatte D. einen Altar auf der Burg, wahrscheinlich in der Nähe des Altars des Zeus Hypatos, bei der Osthalle des Erechtheions, CIA I 324. Athen. Mitt, XIV 1889, 350. 1897, 381. Robert Herm. XVI 1881, [879] 87. Kretschmer Griech. Vasen-Inschr. 239. Zeus ὕψιστος und D. zusammen genannt auch in der kretischen Inschrift Mon. ant. d. Acc. dei Lincei VI 1896, 275. Priester der D. CIA III 333. Weihung einer Kline CIA IV 2, 1550 c. Mehrfache Anfragen von Privaten und vom Staate, Gesandtschaften und Stiftungen nach Dodona, Carapanos a. O. Demosth. XIX 299. XXI 53; epist. IV 3. Hypereid. III 35f. Möglicherweise wurde einst in Athen die heilige Hochzeit des Zeus und der D. gefeiert, Preller-Robert Griech. Myth.⁴ I 165, 3. Roscher a. O. 105. — Eleusis (?) Ἐφημ. ἀρχ. 1896, 52, vgl. 55. — Kypros. Der Name der Stadt Dionia (Steph. Byz.) ist wohl von D. abzuleiten. Paphos, Schol. Lucan. VΙII 458. Ausserdem wird gerade Aphrodite Kypris mit Vorliebe Tochter der D. genannt, Eurip. Hel. 1098. Inschrift von Gulás auf Kreta (s. o.). Theocr. XVII 36. XV 106. Dionys perieg. 509. — Oikus in Karien, Theocr. VII 116 und Schol. (D. = Aphrodite?). — Termessos in Pisidien, Priester des Zeus und der D., CIG 4366 m. Beizufügen ist noch das Orakel an yZeniketes, wahrscheinlich den kleinasiatischen Raubfürsten des 1. Jhdts. v. Chr., Arch.-epigr. Mitt. V 1881, 137.

Vor Hera, die, von der Argolis ausgehend, durch das Epos überwiegende Geltung erlangte, trat D. zwar zurück, aber mancherorts, wie es scheint besonders an den Grenzen der griechischen Welt, hat sie dennoch ihren Platz als erste und eigentliche Gattin des Zeus behauptet. Demgemäss sind ihr die ältesten Gestalten der griechischen Mythologie als Eltern gegeben worden: Uranos und Ge, Apollod. I 2, Aither und Ge, Hyg. fab. praef. p. 10 Schmidt, Theia, Procl. in Tim. V 290, 30. Sie ist also Titanin, Schol. Hes. th. 17. Preller-Robert a. O. 46, 1. Mit Rea, Themis und Amphitrite ist D. bei den Wehen der Leto zugegen, Hom. h. in Ap. 93, vgl. Orph. h. prooem. 19. Nach Philo (FHG III 568, 19) sind Astarte, Rhea und D. Töchter des Uranos und Gattinnen des Kronos; D. wird der Baaltis gleichgesetzt und erhält Byblos. Vgl. Orac. Sib. III 121. Mit ihrem Verhältnis zu Hera finden sich die Schriftsteller so ab, dass sie entweder D. wie Hera mit Ge identificieren (Etym. M.), oder direct Hera mit D. (Schol. Od. III 91), oder D. zur Mutter der Hera (Schol. Theocr. VII 116), oder einfach D. zur ersten, Hera zur zweiten Gattin des Zeus machen (Etym. M.).

Am meisten genannt ist D. als Mutter der Aphrodite, und zwar besonders der kyprischen (s. o.), Il. V 370. 381. Apollod. I 13. Hyg. fab. praef. p. 12 Schmidt. Cornut. theol. 24. Ael. nat. an. XI. Nonn. V 620. Arnob. II 70. Plat. symp. 180 D nennt die jüngere seiner zwei Aphroditen, Pandemos, Tochter des Zeus und der D. Vgl. Procl. z. Plat. Kratylos p. 116. Bei Cic. de nat. deor. III 23 sind es vier Aphroditen, D. ist Mutter der dritten, der Gattin des Hephaistos und von Ares Mutter des Anteros. So wird denn Aphrodite Διωναία genannt, Orph. Arg. 1320. Dionys. perieg. 509. 853. Hor. carm. II 1, 39. Arnob. I 36. Anth. lat. epigr. ed. Bücheler I 132. Schliesslich heisst Aphrodite geradezu D., wobei der Name anfänglich wohl als Patronymikon von Zeus (wie Ἀκρίσιος–Ἀκρισιώνη) gedacht war, Etym. G. Theocr. VII 116 (? s. o.). Bion I 93 (Παιῶνα?). [880] Verg. Aen. III 19; ecl. IX 47. Ov. am. I 14. 33; a. a. II 593. III 3; fast. II 461. V 309. Sil. It. IV 106. VI 697. XIV 409. Stat. silv. I 1, 84. II 7, 2. III 5, 80; Theb. I 288. VII 261. Pervig. Ven. ö. Anth. lat. epigr. ed. Bücheler I 165. 467. 1535 [Dionigena Amor).

Als Gattin des Zeus νάιος auch selbst eine ναία wird D. ferner der Sippe der ναιάδες, der weiblichen Gottheiten der Wasser, zugerechnet. Tochter des Okeanos und der Tethys ist sie Hes. th. 353. Schol. 17. Apollod. I 12 rechnet sie unter die Nereiden, Pherekydes frg. 46 (Schol. II. XVIII 486) unter die dodonischen Nymphen, die ihrem Wesen nach eben ναιάδες sind und mit den Hyaden identificiert werden, Hyg. astr. II 21. Robert Eratosth. 15. Diese galten als Pflegerinnen des Dionysos, und so erscheint D. mehrfach in der Umgebung des Gottes: 1) Hydria im Louvre, Arch. Ztg. XI 1853 Taf. 54, 2. Heydemann Pariser Antiken 47 nr. 22. CIG 8387 b (Dionysos und D.). 2) O. Jahn Griech. Vasenb. Taf. 3. CIG 8413 (Thyone, Dionysos, D., Simos). 3) Gerhard Ant. Bildw. Taf. 17. Dubois-Maisonneuve Taf. 22. CIG 8381 (Dionysos, D. und sechs andere Gestalten des Thiasos). 4) Heydemann Vasenkat. Neapel 2419. Mus. Borb. XII 21. CIG 8387 (D., Mainas, Thaleia, Choreia). Heydemann Satyr- und Bakchennamen, Halle 1880, 39. In diesen Kreis gehört auch Thyone-Semele. Der (falschen) Etymologie zu Liebe, begünstigt durch den Gleichklang der Namen und D.s alte Verbindung mit Zeus, gab Euripides dem Dionysos die D. statt der Thyone als Mutter, Eur. Antig. frg. 177 = Schol. Pind. Pyth. III 99 (177); vgl. Βάγχου Διώνες Trag. Gr. Fragm. adesp. 167 N.

Die Hyaden wurden nun auch mit den Pleiaden vermengt. So ward D. Atlantide, Gattin des Tantalos, Mutter des Pelops und der Niobe, Hyg. fab. 9. 82. Ovid. met. VI 176. Thraemer Pergamos 18.

D. war auf der Nordseite des Altars von Pergamon dargestellt, im Verein mit Aphrodite und Eros. Sie weicht erschreckt vor dem Giganten zurück, holt aber mit der zurückgeschwungenen Rechten zu einem Schlag mit dem Schwerte aus. Sie trägt über dem einfachen mit einer Schnur gegürteten Chiton um den Leib und die linke Schulter den Mantel, und Locken fallen ihr bis auf die Brust, Puchstein Sculpturen aus Pergamon I 29f. Taf. 1. Carapanos a. O. 193 Taf. 17, 11 deutet auf D. zwei weibliche Köpfe mit lang herabfallendem Haar, Arbeiten des 4. Jhdts.