Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band III,1 (1897), Sp. 741–742
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Bosporos, thrakischer Name (vgl. Bospara), gebildet mit der in zahlreichen thrakischen Ortsnamen (zusammengestellt von Tomaschek Die alt. Thrak. II 2, 63) auftretenden Wurzel -para (paros), welcher nach Fick Spracheinh. d. Indogerm. 423 gleich dem griechischen πόρος die Bedeutung ‚Furt‘, nach Tomaschek a. a. O. II 1. 16f. (minder sicher) die von ,Sammelplatz‘, ,Marktort‘ innewohnt; vgl. auch Kretschmer Gr. Spr. 221f. Die (etymologisch unzulässige) Ableitung von βοῦς ist wohl schon von den ersten griechischen Ansiedlern hineingelegt und hienach der Name auf Io (so zuerst Aesch. Prom. 733 für den kimmerischen B., ebenso Kallim. Art. 254. Hyg. fab. 145. Schol. Apoll. Arg. I 1114; vgl. u. nr. 110 Βοῦς) oder ein locales Vorkommnis gedeutet werden, Ephor. 79. Nymphis 18 (FHG III 16). Aman. frg. 35 (ebd. 593). Apollod. II 1, 3, 5. [741] Schol. Apoll. Arg. II 168. Dion. Per. 140 mit Schol. u. Eust. Dion. Byz. 7 Wesch. Hesych. Ill. or. Const. 8 (FHG IV 148) u. a.; vgl. Gillius Bosp. Thrac. I 1 und Müller Geogr. Gr. min. II 7 A. 7; ebd. über andere Ableitungen (σπείρω) Phyl. 70). Bei römischen Schriftstellern ist die Schreibung Bosphorus üblich, Varro de r. r. II 1, 8. Hor. carm. II 13, 14 mit Schol. Val. Flacc. IV 344. 419. Müller Geogr. Gr. min. II 7 A. 7; ebd. A. 6 über die (offenbar willkürliche) Form Προσφόριον bei Tzetz. Chil. I 382. Im griechischen findet sich die Schreibung Βόσφορος nur vereinzelt und in sehr späten Quellen, s. Stephanus Thes. Par. II 336 s. Βόσπορος. De Vit Onomast. I 747; doch vgl. auch Bosporion und u. nr. 36 und 38. Aus der lateinischen Schreibweise erklärt sich französisch Bosphore, italienisch Bosforo u. s. w., wodurch zuweilen auch die englische und deutsche Schreibung beeinflusst erscheint. Insbesondere haftete der Name an zwei Meerengen, welche als thrakischer und kimmerischer B. unterschieden wurden: