Mein Nachtrag zu der vorläufigen Antwort der Herausgeber des Journals v. und für Franken auf die versuchte Apologie des Herrn P. Cajetan a S. Andrea. d. Z. Priorn

Textdaten
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Autor: Anonym
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Titel: Mein Nachtrag zu der vorläufigen Antwort der Herausgeber des Journals v. und für Franken auf die versuchte Apologie des Herrn P. Cajetan a S. Andrea. d. Z. Priorn
Untertitel:
aus: Journal von und für Franken, Band 4, S. 89-98
Herausgeber: Johann Caspar Bundschuh, Johann Christian Siebenkees
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1792
Verlag: Raw
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Erscheinungsort: Nürnberg
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: UB Bielefeld, Commons
Kurzbeschreibung:
s. a. Kurze Darstellung des Ablaßwesens, wie es noch jetzt im katholischen Franken im Gange ist, Miscellaneen (Journal von und für Franken, Band 4, 3)#19, An die Herausgeber des Journals von und für Franken
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IV.
Mein Nachtrag zu der vorläufigen Antwort der Herausgeber des Journals v. und für Franken auf die versuchte Apologie des Herrn P. Cajetan a S. Andrea. d. Z. Priorn.

Meine Antwort auf die Apologie des P. Cajetan a S. Andrea d. Z. Priorn bey den Reuerern zu Wirzburg in der Beylage des XXIX. Stücks der Würzb. gelehrten Anzeigen, kommt aus der Ihnen bekannten Ursache zwar etwas spät, doch noch frühe genug, dem Apologeten meine Schuld vor dem Publicum zu bezahlen.

Der P. Prior gibt das Schreiben im II. Hefte des II. Bandes vom Fränkischen Journale S. 145 sub Lit. (i) für ganz ungegründet aus, und führt seinen Beweis darüber sehr unbestimmt in 6 Puncten, in welchen, nebst einigen Wiederholungen, unnöthige, von mir gar nicht berührte Sachen, vorkommen, wie dieß gleich der erste in zwey Sätze getheilte Artikel ausweiset.

Er nöthiget mich den Vorgang hieher zu setzen, wie ich zu der Geschichte gekommen bin, welche ich in der Note sub Lit. (i) erzählte, und die ein dritter, von mir unbestochener,| und mir ganz unbekannter Zeuge in seiner beygefügten Note bestättigte.
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Der Inhalt dieser Note ist der Auszug eines Briefes, den ein Seminarist zu Wirzburg zur damahligen Zeit, als die Komödie gespielt wurde, an einen Pfarrer auf das Land schrieb; ich kann von beyden die Namen nennen, wenn es nöthig ist. Das also, was P. Prior läugnet, war damahls eine stadtkündige Geschichte, die nicht nur der oben angeführte Alumnus, sondern alle übrigen Seminaristen selbiger Zeit, (Hr. P. Prior mag sich nur ein wenig erkundigen,) erzählen hörten: die meisten davon leben noch, welche der P. Cajetan alle, wenn er fortfahren wollte zu läugnen, als Zeugen gegen sich haben kann. Ich schrieb der merkwürdigen Fehde halber den Brief ab, wie er war, und machte Gebrauch davon, durch eine einheimische Geschichte zu erweisen, was schon andere längst vor mir mit gutem Erfolge dargethan haben: daß Mönch gegen Mönch zu seinen gewöhnlichen Waffen greift, sobald einer dem andern die Quelle verstopfen will, die zur überflüssigen Nahrung reichlich genug für alle fließt, so lange sie nach dem beliebten Zweck arbeiten, welcher ist: das Volk mit Spielwerk, anstatt des| ächten Gottesdienstes zu unterhalten. Die alte Geschichte vom Tetzel an, bis zu dem neuern Kriege, der zwischen den Franciscanern im Schwarzenbergischen, und ihren Nachbarn, den Capucinern, des Termins halber ausgebrochen ist, (wobey zwar beyde zu kurz kamen, weil den letzten das Betteln im Schwarzenbergischen, den Franciscanern der Thüringer Provinz aber dasselbe im Teutschherrischen untersagt wurde,) zeugten mir nebst dem oben angeführten Zeugnisse für die lautere Wahrheit dieser Geschichte. Hat der Seminarist sein Gemählde übertrieben, woran ich sehr zweifle, hat er (ich will es zugeben) eine Deputation dazu gemahlt, die vor den Klosterfrauen nicht in sollenner Form erschien, so streichen sie dieß Gemählde im Hintergrunde aus, und die Skizze des Bildes steht doch noch da, nämlich: daß die Reuerer damahliger Zeit gegen die Ausstellung des Prager Kindleins bey den Ursulinerinnen, wo nicht vor der ganzen Regierung, (das hat mir selbst zu keck gedünkt, aber ich hatte keine Ursache, Mißtrauen auf meine Urkunde zu setzen) doch bey einem oder dem andern Rathe protestirten, die, gescheuter als sie, die abgeschmackte Klage ablehnten, und die Kläger zum Vergleich brachten;| das Kind bleibt nichts desto weniger bey seinem rechten Namen genennt, wenn es heißt: es war ein Proceß; ob er nun durch den Richterspruch oder durch Vergleich gehoben wurde, dieß benimmt der Geschichte, die so viele Zeugen hat, an ihrem innern Wehrte nichts. Nun zur Beantwortung der 6 Puncte selbst.

Der Apologet sagt „die Geschichte sey ganz ungegründet:“ zur Probe versichert er ein unbefangenes Publicum

1. Das Bildniß des sogenannten Prager Kindleins bey den P. P. Reuern sey so alt, als ihre Kirche, und ihr Kloster.

Antw. Davon wird in dem Schreiben sub Lit. (i) gar keine Meldung gethan.

Nur das Behältniß, worin es ohne alles Gepränge, und ohne Anathemen aufbewahret war, wurde im Jahre 1774 (sub Lit. (i) ist 79 angegeben, mit dem Zusatze, wenn ich mich nicht irre) durch einige ansehnliche Freunde des Klosters ganz neu, und einfach verfertiget.

Antw. Wieder kein Wort im ganzen Schreiben — sub Lit. (i)

2. Weßwegen nicht die geringste Eifersucht zwischen den Ursuliner Klosterfrauen | und den P. P. Reuern entstand, und auch nicht entstehen konnte.
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Antw. Das beliebt der Herr Verteidiger ohne Gründe zu sagen: dergleichen Streitigkeiten sind zwar gemeiniglich dem ganzen Kloster bekannt (hier ist die Frage, ob P. Cajetan damahls im Kloster war?) geführet werden sie aber eigentlich von den ersten Personen in demselben, von welchen er damahls gewiß keine war; wie leicht kann also das Verfahren seiner Obern vor seinen Augen verborgen geblieben seyn? Zu dem kommt noch, daß man dergleichen unauferbauliche Auftritte, besonders wenn das Kloster den kürzern zog, gewiß nicht in die Kloster-Annalen niederschreibt, woher er also auch nicht schöpfen konnte. Ist es aber niedergeschrieben, so nimmt michs nicht Wunder, wenn er es läugnet, denn wer wird gerne seine Schande gestehen? — Daß kein Streit entstehen konnte, wie emphatisch beygesetzet ist, soll entweder so viel heißen: „Wie sollen sich Damen unterstehen mit Männern anzubinden?“ und in so fern behält der P. Prior Recht; wenn es aber heißen soll: „Wer wird uns (Reurer) nicht für gescheuter halten, als daß wir| um so eine Kleinigkeit einen Proceß führen sollten,“ so kann dies von einzelnen Männern, aber bey weitem nicht von den sogenannten Zeloten gelten, die bey der geringsten Schmählerung der laufenden Andachts-Gefälle – schon bey der Furcht, dieselben zu verlieren, Himmel und Erde bewegen, und beym gedeckten und wohlbesetzten Tische vor Hunger sterben wollen. Mit Erlaubniß, daß ich Ihnen hier eine Geschichte erzähle, die am rechten Orte steht; weil sie der von ihnen bestrittnen Behauptung sub Lit. (i) das Wort redet, und erweiset, daß keine Sache so klein seyn kann, um die sich Mönche nicht, wie die Jungen um die Nüsse, balgen, wenn es ihr Interesse betrifft. Es fuhren 2 Bettelmönche aus verschiedenen Klöstern in einem kleinen Kahne den Main hinunter (ich hoffe, Sie glauben mir auf mein Wort, sonst müßte ich die Namen herschreiben) der eine bekam an dem Orte, wo sie gebettelt hatten, mehr als der andere, und während der Fahrt neckte er seinen Kameraden damit. Anfangs schimpften sie nur auf einander, nach und nach aber wurde der Streit so heftig, daß die Kappe des einen in den Main flog.| Dieß brachte den Beleidigten so sehr auf, daß sich der Schiffmann ins Mittel legen mußte, sonst wären sie entweder gar nicht, oder wie gebadete Mäuse an den Ort ihrer Bestimmung gekommen. Und nun Herr Prior, die Hand aufs Herz, so ein Streit kann nicht geführt werden?

3. Die Klosterfrauen haben nie eine Deputation der P. P. Reurer gesehen, sind nie im Mißverständnisse mit den P. P. Reuern gewesen (dieser Satz ist synonym mit dem eben beantworteten 2ten Artikel:) nie ist vor einem hohen Ordinariat deswegen eine Rechtsklage angestellt worden, folglich ist auch nie von demselben ein Urtheil in dieser Sache ergangen.

Antw. Ist theils in der vorausgeschickten Geschichte beantwortet: theils tragt es zum Interesse meiner Behauptung wenig bey, über diesen Umstand Nachfrage zu halten, da die Hauptsache erwiesen da stehe.

4. Noch weniger hörte man von den PP. Reuern einige Klagreden und Verunglimpfungen gegen die gedachten Klosterfrauen in der Stadt.

| Antw. Bedarf eines Zeugenverhörs: mir zum wenigsten gilt mein Zeuge so lange, so lange das Publicum mehrere dergleichen und noch schlimmere Anekdoten von den in den Häusern umher schleichenden, die Wirthschaft und oft den Hausfrieden zu Grund richtenden Mönchen zu erzählen, und dar zu thun weiß.

5. Suchten die PP. Reuerer schon von vielen Jahren her die vorm Christag bey den Klosterfrauen mit Erlaubniß der Obern angestellte 9tägige Andacht mit Lesung einer heil. Messe um halb 12 Uhr jährlich zu befördern.

Antw. Dieß nicht begehrte Geständniß rechtfertiget mich mehr, als es mich beschuldiget. Mit Erlaubnis, daß ich hier frage: Von welchem Jahre her ist diese Gewohnheit? Vor oder nach 1774? – Allerdings wird hier so viel gesagt: die Parteyen haben sich wieder mit einander ausgesöhnt, wie das oft der Fall ist, und arbeiten nun beyderseits nach einem und dem nämlichen Zwecke: dabey kommt keine Parthey zu kurz: die Reuerer haben das Kopfstück für die Messe, und die Nonnen das Opfer. Ein magerer Vergleich ist besser, als ein fetter Proceß.

| 6. Wurde besagtes Bildniß von den Reuern weder aus Gewinnsucht noch aus Eifersucht erst im Jahre 1779 neu ausgesetzt, sondern es blieb beym Alten.

Antw. Was hier ohne Grund versichert werden will, widerlegt die Geschichte, der Genius der Klöster, und die Erfahrung. Wie mag der P. Prior im Jahre 1790 die Männer seines Klosters und ihre Handlungsart im Jahre 1774 vertreten? Mag kaum ein Bruder für den andern, in Sachen die der Veränderung so sehr unterworfen sind, als Gewohnheiten sind Vorurtheile, gut stehen!

Daß aber der P. Prior allen Schein des unerlaubten Gewinns von seinem Kloster ablehnen will, daran thut er gar nicht recht an einem katholischen Publicum, das die unchristliche Beutelschneiderey bey dem Reliquien- und Bilder-Handel bereits zu gut kennet. Da ist ja wohl kein Bildlein in der Kirche, das nicht in der Hoffnung, sein Procent zu tragen, aufgestellet ist. Zum wenigsten weiß ich mir den verdorbenen Geschmack der mit Bildern überladenen und dadurch einstellten Kirchen nicht anders zu erklären. Leider! daß man heut zu tage| noch mit der in den Gang gebrachten Einnahme zufrieden ist, und nicht darnach fragt: „quo jure? oder mit was für einem Gewissen?“ – Herr P. Prior! heben sie einmahl alle den Schnickschnack aus ihrer Kirche hinweg; so haben sie sich besser verantwortet, als mit einer ellenlangen Apologie. Aber nur noch ein Wort! Sie sind in ihrer eigenen Sache als ein dazu gar nicht qualificirter Zeuge aufgetreten. Sie werden mir es nun nicht verargen, wenn ich das Publicum urtheilen lasse, ob die unparteyischen Männer, welche ohne mein Wissen die Note zu meinem Aufsatz lieferten und mich bestättigten, mich nicht besser vertraten, als sie sich?