Medicinische Charlatans in Franken

Textdaten
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Autor: Anonym
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Titel: Medicinische Charlatans in Franken
Untertitel:
aus: Journal von und für Franken, Band 2, S. 590-596
Herausgeber: Johann Caspar Bundschuh, Johann Christian Siebenkees
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1791
Verlag: Raw
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Erscheinungsort: Nürnberg
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: UB Bielefeld, Commons
Kurzbeschreibung:
s. a. Abermahls ein medicinischer Charlatan in Franken
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IV.
Medicinische Charlatans in Franken.


a)

Beyliegendes gedrucktes Avertissement wird Sie von der Beschaffenheit der Medicenal-Policey-Anstalten in einigen Gegenden des Fürstenthums Onolzbach belehren. In Marktsteft sahe ich vorige Woche noch des Herrn Potanicus Franz Antoni Vogel, Burgers zu Augspurg, Theater stehen, und am 6 April schlug er seinen Kram in Sickershausen auf, einem Ort, der in das Oberschultheisenamt Marktsteft gehört. – Seine Ankündigung selbst bitte ich mit diplomatischer Genauigkeit abdrucken zu lassen.


Hochgeneigte Gönner!
 Da ich schon mehrmalen in öffentlichen Zeitungsblättern gelesen, daß verschiedene Aerzte sich die Mühe genommen, aus England, Frankreich und andern entferntesten Gegenden der Welt in unser Vaterland zu kommen, und die Früchte ihrer erlernten Wissenschaften in Betreff der Heilungskunst auch auswärtigen Nationen mitzutheilen; so hat dieses erhabene und menschenfreundliche Bestreben in mir den Gedanken zur Nachahmung erwecket, und um destoweniger fand ich einen Anstand solchen auszuführen, da ich keineswegs von dem unflätigen| Haufen der vom irrenden Aberwitz ausgebrüteten medicinischen Pfuscher entsprossen bin, sondern ich hoffe vielmehr meine vieljährige Bemühungen denen Kranken zum Nutzen, und (welches wohl zu merken) unter leichtem Preiße anzubieten. Bin ich nun am Ende meiner Tage so glücklich zu mir sagen zu können, du hast nicht nur deinem Vaterlande, sondern auch auswärtigen Völkern einige Bürger erhalten, so ist mein ganzer Wunsch erfüllt.

 Anbey habe ich eine kleine Anmerkung, wegen des so allgemeinen aber auch trüglichen Urinschauens, beybringen wollen. Es ist bekannt, daß es fast aller Orten gebräuchlich geworden ist, daß der Arzt aus dem Urin das Alter, das Geschlecht, die Krankheit, deren nächste und entfernte Ursache, den glücklichen oder unglücklichen Ausgang des Uebels bestimmen sollte, und dieses ist meines Erachtens zu viel begehrt, dann wahrsagen und prophezeyen ist nie das Thun eines rechtschaffenen Arztes.

 Daß aber die regelmäßige Kenntniß des Urins dem darinnen wohl bewanderten Arzt viel Licht gebe, die Zu- und Abnahme der Krankheit zu erkennen, auch manchmal den Spiegel vorlege, worinnen er die Abweichungen von dem natürlichen Zustande einsieht, die kritischen Bemühungen und Absätze wahrnimmt, und nicht selten den wirklichen Zustand des Kranken vor Augen leget, bedarf keiner weitläuftigen Beweise, da Hippokrates, Galenus, van Swieten, Boerhaave, Sydenham, de Gorter, de Mezs, etc. hierinnfalls für mich das Wort sprechen. Wollen Sie nun also aus redlicher Gesinnung, und aus Liebe zu ihrer Gesundheit, Ihren Urin oder Wasser mir zuschicken, so werde ich Ihnen ihre Umstände, so viel als es möglich, daraus entdecken, und vielleicht mehr, als sie von mir denken und erwarten werden, nach Besichtigung desselben ihre Krankheit aufklären können.

|  Welche nun an äußerlichen Umständen leiden, die ohnehin aus dem Urin nicht zu erkennen sind, als: Augen, Ohren, offene Schäden, Leibschäden beyderley Geschlechts, verschiedene Rauden und Ausschläge, wie auch Erbgrind, Kröpfe, Wind- und Sodhälse, Zahnschmerzen, Scharbock und Mundfäule, Bluten des Zahnfleisches und noch andere mehr, selbige belieben sich bey mir zu melden, welchen ich nach Besichtigung des Urins und wo es durch dessen Beyhülfe nicht seyn kan, nach genauer Untersuchung der Umstände, aufrichtig sagen werde, ob zu helfen sey oder nicht.

 Nun folgen einige Stücke, die ich auszutheilen pflege. Erstlich führe ich bey mir eine gewisse Nachtlaxier, welche in 7 Pillen besteht; sie wird nicht wie andere mit Suppen oder Thee eingenommen, sondern zu Nacht vor dem Schlafengehen in einem Löffel voll Wein oder Bier; man kan beydes nach Belieben nachtrinken; dann fängt es an Morgens ganz gelinde zu laxiren; eine erwachsene Person, die schwacher Natur ist, nimmt zu Nacht nur 5 oder 6 Pillen; ein Kind von 2 Jahren nimmt 2, von 3 oder 4 Jahren nimmt 3 und so weiters. Diese Laxier führet ab alle Unreinigkeiten des Magens und der Gedärme, benimmt die verlegene Gall und Schleim, bringt den Appetit wieder, und schaffet alle todte und lebendige Würmer samt dem Wurmstock aus dem Leibe sowohl bey Kindern als Erwachsenen. Schwind- und Dürrsüchtigen, Blutspeienden, Schwangern, und denen, die eine Entzündung des Magens, der Gedärme, oder benachbarten Ingeweiden haben, sind meine wie andere Laxanzen verbotten.

 2. Ein Präservativ für Personen, die einen schwachen Magen, Wind und Blähung haben, für Grimmen, Kolicschmerzen des Leibes, Dissentrie oder weiße und rothe Ruhr, Durchlauf, in allen| ansteckenden Seuchen und giftigen Nebeln nichts zu ererben, alle Morgen und Abend ein wenig eingenommen. Das Loth kostet 6 Batzen.

 3. Führe ich ein Remedium, alle 2, 3 und 4tägige Fieber in Kurzem zu vertreiben.

 4. Habe ich ein Präservativ für alle rothe, trübe und brennende Augen, wie auch für die Schwäche derselben.

 5. Ein sicheres Präservativ vor Schlagflüsse, Hauptschmerzen, Schwindel und schwaches Gedächtniß.

 6. Führe ich bey mir eine Composition der vortreflichsten Kräuter. Es können sich solcher Gesunde und Kranke als einer Blutsreinigung bedienen, und wie andern Thee trinken; sie reinigen und verdünnern das Geblüt, lösen den Schleim von der Brust ab, befördern die Ausdünstung, heben die Verstopfung der Bauch-Ingeweyden, vertreiben die Melancholie oder Schwermuth.

 7. Verfertige ich den so berühmten, als in seiner Wirkung unverbesserlichen Englischen Balsam. Es zeichnet sich dieses vortrefliche Stück aus in Contracturen und Lähmung der Glieder, in Gicht an Armen und Beinen, in Reissen der Glieder, in Hüftwehe und Schmerzen der Lenden, in dem Ausschlag und Erbgrind, in gehauenen, gestochenen und gebrandten Wunden ist er unverbesserlich. Das Pfund kostet 10 Gulden.

 8. Recommendire ich mich auch allen denjenigen, so mit dem Bändel- oder Nestelwurm behaftet sind; ja ich offerire mich solchen Personen, daß sie nicht eher bezahlen, bis derselbe radicaliter samt dem Kopfe abgeführt ist.

 Schlüßlich dienet zur Nachricht, daß weder durch meine Leute, noch sonst jemand, eine Medicin verkauft, oder in die Häuser herumgetragen, sondern| von mir selbst, oder in meinem Logie abgeholet werden muß. Der geneigte Leser wird ersucht, diesen Zettel weiter kund zu machen.

Er logirt in Sichershaussen (Sickershausen), im Anspach. Amte Markt Steft.

Der von Sr. churfürstl. Durchl. zu
Trier gnädigst privilegirte Potanicus,
Franz Antoni Vogel, Bürger zu 
Augspurg. 


b)
 Im 2ten Stücke des 2ten Bandes Ihres Journals S. 218. hat einer Ihrer Correspondenten gar wohl bemerkt, warum der lobendwürdige Eifer der Hochfürstl. Wirzburg. Regierung und Sanitäts-Commission nicht wohl im Stande ist, die fürstl. Unterthanen vor der schädlichen Pest windbeutelischer Quacksalber zu sichern; weil nämlich die Ritterschaft und noch einige andere Stände mit diesen heilsamen, das Wohl des ganzen Fränkischen Kreises betreffenden Verordnungen noch nicht einverstanden zu seyn scheinen, oder sich nicht einverstehen wollen. In der Beylage[1] finden Sie, wie sich Johann Abell, gebürtig aus Bayern, Hochfürstl. Bambergischer Unterthan zu Unterleutern, im Amte Baunach, seß- und| wohnhaft, auf eine wahrhaft unverschämte Weise dem Fränkischen Publicum mit seiner Kunst aufzudringen sucht. Man muß die Prahlereyen und ohne alles wahre Verständniß der Schrift in den Tag hinein mit biblischen Sprüchen verbrämten Behauptungen selbst lesen, um sich zu überzeugen, daß noch im Jahre 1791 dergleichen Volksbetrüger öffentlich geduldet werden. Jetzo spectakelt dieser Johann Abell, Operateur, Oculist, Stein- und Bruch-Schneider, zu Schwebheim, einem Rittergute der Freyherren von Bibra, eine Stunde von Schweinfurt, und sucht von da aus die Wirzburgischen Aemter Gerolzhofen, Volkach, Klingenberg, das gräfl. Schönbornische, die beyden Reichsdörfer Sennfeld und Gochsheim, und die Reichsstadt Schweinfurt zu besteuern. In letzterer gelang es seinen mit Zetteln versehenen Emissarien übel; sie wurden von den Policeydienern ergriffen, und zur Stadt hinausgewiesen. Unbegreiflich ist mirs, daß die Herren von Bibra in ihren Gerichten solchen Unfug leiden mögen. Bekannt muß es ihnen seyn: denn der Johann Abell gab ja vor und nach den Osterfeyertagen auf seiner hölzernen Boutike in Begleitung seines Hanswurst über 14 Tage lang öffentliche – er nennts –| Lust und Trauerspiele, und der Zulauf der Nachbarschaft war ansehnlich.



  1. Diese Beylage kann man bereits abgedruckt lesen im Journ. von und für Deutschland 1789. IX St. S. 249.