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Autor: Verschiedene
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Titel: Die Gartenlaube
Untertitel: Illustrirtes Familienblatt
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Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Entstehungsdatum: 1859
Erscheinungsdatum: 1859
Verlag: Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Die Gartenlaube (1859) 281.jpg
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[281]

No. 20. 1859.
Die Gartenlaube.
Illustrirtes Familienblatt. – Verantwortl. Redacteure F. Stolle u. A. Diezmann.
Wöchentlich 1 1/2 bis 2 Bogen. Durch alle Buchhandlungen und Postämter vierteljährlich für 15 Ngr. zu beziehen.

Die schönste Nase.
Von F. J.


In einer Vorlesung über Phrenologie und Physiognomik hörte ich von dem Professor einst folgenden Satz aufstellen:

„– Jeder Mensch wird mit gewissen Grundformen des Kopfes und besonders des Gesichtes geboren, die ihm von der Natur als unabweisbares Geschenk mit auf die Welt gegeben werden. Für diese kann er nichts. Zu verantworten hat er es aber – mittelbar seine Eltern und Erzieher – wie diese Grundzüge sich später ausbilden. Erst die Neigungen und Leidenschaften, die Tugenden oder Laster, die ihn beherrschen, bilden und formen im Laufe der Zeit die Gesichtszüge des Menschen.“ –

So sagte der Professor und suchte dem Häuflein seiner Zuhörer die Wahrheit dieses Satzes an einer großen Menge von Schädeln, Büsten und Portraits zu beweisen. Mit Geschick hatte er auch eine Kopfschablone angefertigt, welche, aus einzelnen Theilen zusammengefügt, je nach Wunsch verändert werden konnte. Bald wurde dem Kopfe eine flache, niedrige, bald eine hohe, gewölbte Stirn gegeben. Nasen, von dem sogenannten Wolkenriecher bis zu der über den Mund hinabreichenden, wechselten mit eben so mannichfaltigen Mündern und Kiefern.

Auf diese Weise gab der Professor einem Gesichte, je nach der Zusammensetzung, jeden ihm beliebigen Ausdruck. Zugleich stellte er aber auch, wie er sagte, „unmögliche“ Gesichter zusammen und demonstrirte nicht ohne Glück, daß eine so und so geformte Stirn mit einer so und so gestalteten Nase und derartigen Lippen niemals vereint vorgekommen wären und daß eine solche Vereinigung auch ganz unmöglich erscheine, weil immer einer dieser Gesichtstheile auf Eigenschaften und Fähigkeiten hinweise, die, nach dem Baue der andern zu schließen, völlig in Abrede gestellt werden müßten.

Ein solches nach Aussage des Professors absolut unmögliches Gesicht trug der Studiosus juris et cameralium, Ernst Günther in Breslau in der Woche, sowie an Festtagen öffentlich zur Schau. Er that sogar ganz unbefangen mit diesem Gesichte, obgleich ihm dessen Eigenthümlichkeiten eben so bekannt waren, wie jedem Anderen, und verspottete es oft noch mehr, als seine Bekannten und Freunde, die es keineswegs daran fehlen ließen.

Günther hatte fast gar keine Stirn, man müßte denn die schmale, zwischen buschigen Augenbrauen und dichten, struppigen Haupthaaren hinlaufende Bahn mit diesem Namen beehren wollen! Viel – das heißt der Masse nach – Gehirn konnte hinter dieser fast concaven Fläche nicht verborgen sein, darum mußte es durchaus besserer Qualität sein, denn was Verstand und Witz betraf, so nahm Günther es mit Jedem auf, der den bewußten Kasten mit der vielversprechendsten Wölbung besaß und hinter diesem die größtmögliche Masse weicher Substanz bergen mochte. Hatte man einmal das Glück, Günther’s Augen zu erblicken, so sah man aus dem Blitze derselben sogleich, weß Geistes Kind man vor sich hatte. Dies Glück wurde Einem aber selten zu Theil, denn jene Augen lagen tief im Kopfe, waren sehr klein und wurden durch schwere Augenlider halb verdeckt.

Ich komme nun zur Nase, diesem wichtigen und interessanten Vorbau des menschlichen Antlitzes. Wo aber nehme ich Worte her, um Günther’s Nase, die Nase aller Nasen, geschichtlich treu zu beschreiben?

Ganz Breslau war voll von dieser Nase, sowohl bildlich, als räumlich! – und die liebe Straßenjugend rief, sobald Günther sich sehen ließ: „Die Nas’ kummt, die Nas’ kummt!“ Aber nur der ältere Theil des hoffnungsvollen Nachwuchses besaß diese Kühnheit. Die Kinder unter acht Jahren und besonders die kleinen Mädchen gaben in Angst und Schrecken Fersengeld, sobald sie nur von weitem die Nase kommen sahen. Was für ein Gedicht hätte der Besinger von Wahl’s Nase machen müssen, hätte er erst Günther’s Nase gekannt!

Nicht sowohl die außerordentliche Dicke und Lange derselben, nicht ihre überkühne Biegung machte sie so berühmt; es war vielmehr die Art und Weise, wie sie sich bergab senkte. Anfangs ging das Nasenbein gerade aus, sehr bald aber erachtete es den geraden Weg nicht als den besten, sondern bog sich ganz bedeutend nach der rechten Seite. Aber auch diese Richtung schien ihr nicht zu behagen, darum lenkte sie ganz allmählich wieder nach links, warf sich aber, nach der Spitze hin, plötzlich und überraschend wieder nach der rechten Seite zurück. Wenn man, von der Stirn ausgehend, in senkrechter Richtung über Günther’s Antlitz eine Linie gezogen hätte, würde dieselbe nicht auf dem Nasenrücken entlang gelaufen sein, sondern diesen zwei Mal, oben an der Wurzel und unten an der Spitze geschnitten haben. Ob Günther – ich folge hierbei meinem Professor – mit dieser eigenthümlichen Nasengestalt zur Welt gekommen, oder ob dieselbe später durch seine Schuld und durch die ihm innewohnenden Eigenschaften so wunderbar entwickelt worden war, vermag ich nicht zu entscheiden, da der Träger des Pisa-Thurmes über dessen Entstehungsart hartnäckiges Stillschweigen beobachtete. Mir kam es stets vor, als sei Günthers Gesicht ein aus Guttapercha geformtes, auf dem man mit den Fingern künstliche Unförmlichkeiten hervorbringt, und ich erwartete oftmals, ob sich nicht auch bei Günther, wie bei diesem, die ursprüngliche Form langsam von selbst wieder herstellen werde. Aber es blieb, wie es war, und es steht zu befürchten, daß es ewig so bleiben wird!

[282] Ueber Günther’s Oberlippe etwas zu sagen, ist schwer, da auch nicht eine Spur davon vorhanden war. Um für diesen Mangel zu entschädigen, hatte Mutter Natur die untere Partie des Gesichts desto verschwenderischer bedacht und die Gestalt des Unterkiefers durch Länge und Schwere der Nase würdig gebildet.

Es läßt sich wohl ohne Uebertreibung sagen, Günther war nicht schön mit diesen „unmöglichen“ Formen. Man könnte sogar weitergehen und behaupten, er war häßlich, sehr häßlich, so häßlich, daß es wirklich seiner vielen außergewöhnlich guten Eigenschaften bedurfte, um ihn in der Gesellschaft zu leiden. Er war aber in derselben nicht nur gelitten, sondern sogar gesucht und gefeiert. Selbst der hohe und gewöhnlich sehr exclusive schlesische Adel sah ihn außerordentlich gern in seinen Kreisen, und da Günther im Besitz eines bedeutenden Vermögens war, das er, nach dem Tode seiner Eltern frühzeitig mündig gesprochen, selbstständig verwaltete, so befand er sich auch in der Lage, mit den jungen Edelleuten der Provinz auf gleichem Fuße zu leben.

So viel über den ersten Helden dieser Erzählung, die deren zwei aufzuweisen hat.

In einer der weniger lebhaften Seitenstraßen Breslau’s befand sich das Schnitt- und Kurzwaaren-Geschäft des Jakob Eli Lissauer. Bei ihm war Alles zu kaufen, dessen man in der Haus-, Hof-, Garten- und Küchenwirthschaft nur irgend bedarf. Nebenbei war Lissauer nicht abgeneigt, mit jungen Leuten, die sich in Geldverlegenheit befanden, kleine Geschäftchen zu machen, und man muß es ihm zum Ruhme nachsagen, er nahm christlichere Procente, als viele seiner christlichen Nachbarn, und war überhaupt ein braver, reeller Mann. Nur Geschäfte wollte er machen um jeden Preis und er versäumte nichts, was zur Erfüllung dieses Zweckes führen konnte. Daher kam es auch, daß sein Laden und sein Name auf der Breslauer Universität sehr bekannt war und, je nachdem geborgt oder zurückgezahlt werden mußte, einen guten oder fatalen Klang hatte.

Lissauer war einige zwanzig Jahre alt, hielt ungemein auf sich und seine Toilette und war wegen seiner Schönheit bei den Mädchen der Nachbarschaft förmlich berühmt. Die Mädchen seines Stammes aber, die Sarah’s, Lea’s und die Judith’s, waren ganz hingerissen und bezaubert von dem schönen Jakob Eli. Welche Mühe gaben sie sich, ihn in ihr Netz zu ziehen! Lissauer’s Herz hatte aber bisher keine Entscheidung getroffen, obwohl es schien, daß die Rahel Liepmann mit ihren blitzenden, schwarzen Augen den Sieg über den Spröden davontragen würde. Nur wollte Meyer Liepmann, der Vater, die Passion seiner Rahel nicht eben gut heißen, denn er war reich, sehr reich, und Lissauer, wenn auch voller Gaben und Talente „für’s Geschäft“, wenn auch schön und begehrt, doch immer nur ein kleiner Anfänger.

Schön war er aber in der That. Er besaß die herrlichsten schwarzbraunen Haare, eine freie, edelgeformte Stirn, große, funkelnde Augen und eine Nase – o, eine Nase, wie sie in so schönen und reinen Linien sonst nur in der Antike vorkommt. Maler und Bildhauer benutzten sie gern als Vorbild bei ihren Arbeiten und zahlten willig eine höhere Vergnügung für diese Abkonterfeiung, denn in ganz Breslau war nicht eine zweite Nase von so tadellosem Ebenmaße aufzutreiben. Ja, das war eine Nase! O, Du armer Günther, wenn mir Deine Nase dabei einfällt!

Günther und Lissauer waren gute Freunde. Ich will damit nicht sagen, daß sie sich besuchten und zum Abendessen einluden, aber wenn sie sich begegneten, versäumte Günther niemals zu sagen: „Guten Morgen, Herr Lissauer. Wie gehen die Geschäfte?“ worauf Jakob Eli die stehende Redensart erwiderte: „Danke bestens, Herr Baron“ – Barone waren die Studenten alle in Lissauer’s Augen – „man muß immer zufrieden sein!“

Dann gingen Beide lächelnd weiter, Lissauer wohl gar mit leisem Kopfschütteln vor sich hinmurmelnd: „Soll mir Gott, – ’s ist doch ’ne schändliche Visage! Jakob Eli, danke dem Gott deiner Väter, daß du nicht aussiehst, wie der!“ Dabei blieb er auch wohl an dem nächsten Schaufenster stehen, warf einen zufriedenen Blick auf seine Gestalt, deren Spiegelbild die großen Scheiben zurückstrahlten, zupfte die Vatermörder ein wenig in die Höhe und schritt stolz und vergnügt weiter.

Einmal vor langer Zeit hatte Lissauer Günther in seiner Behausung aufgesucht und ihn um seine Vermittelung bei einer Zahlungsangelegenheit gebeten. Durch Günther’s bereitwilligen Beistand war diese Angelegenheit zur Zufriedenheit aller Theile geordnet worden und Lissauer’s gute Meinung von Günther stieg seit diesem Tage bis zur höchsten Verehrung, um so mehr, da dieser niemals eine Gegengefälligkeit verlangt hatte. Noch nie war Günther bei Lissauer gewesen, um so erstaunter war Letzterer, als er den Studiosus plötzlich in der Dämmerstunde eines Herbsttages bei sich eintreten sah. Bestürzt riß er an der Schürze, die er zur Conservirung seines Anzuges im Laden zu tragen pflegte, und gelangte endlich unter unaufhörlichen Dienern und Kratzfüßen zu dem glücklichen Resultate, dieselbe zu entfernen.

„Herr Baron, womit kann ich dienen? Welche Ehre, daß Sie mich auch einmal besuchen! Befehlen Sie über mich!“ stammelte er, während die zwei kleinen Lehrlinge mit den blaurothen Händen nicht wußten, ob sie ebenfalls Verbeugung machen oder über den „Nasenmann“ lachen sollten. In ihrer Ungewißheit standen sie mit offenem Munde da.

„Guten Morgen, Herr Lissauer,“ rief Günther. „Nun, wie gehen die Geschäfte?“

„Nu, man muß immer zufrieden sein, Herr Baron! Was verschafft mir die Ehre Ihres Besuches?“

„Ich möchte Sie in einer wichtigen Angelegenheit ein Viertelstündchen unter vier Augen sprechen.“

„Belieben der Herr Baron nur dahinein in mein Comptoir zu spazieren, ich stehe zu Befehl.“

Günther ging voran. Händereibend und unter fortwährenden Verbeugungen und erfreuten Ausrufungen folgte ihm Lissauer in das kleine Hinterstübchen, zog die Thür fest hinter sich zu und schob die Gardinen vor den Glasfenstern derselben dicht zusammen. Wer aber erfahren möchte, was Günther zu diesem Besuch bei Jakob Eli bewog, der muß zuvor einen Rückblick thun.


Im Hotel zur „goldnen Gans“ in Breslau wurden eines Abends große Vorbereitungen zu einem Souper gemacht, mit welchem Graf Neurode eine gegen den Grafen von Clarenstein verlorene Wette zu bezahlen hatte.

Vier der nähern Freunde und Studiengenossen beider Herren, und unter diesen auch Günther, waren zu dem Festmahl eingeladen worden. Günther verkehrte, wie bereits erwähnt ist, vielfach mit der Aristokratie. Er war jedoch kein Anhängsel derselben, kein privilegirter bürgerlicher Spaßmacher, wie es deren genug gibt, die für ein gutes Abendessen und für die Ehre, sich öffentlich mit so vornehmen Leuten zeigen zu dürfen, sich Alles gefallen lassen. Im Gegentheil, meistens war es Günther, der seine Genossen mit schonungslosem Witz und beißender Satire geißelte. An Schärfe des Verstandes kam ihm keiner gleich, und da er ein heiterer, liebenswürdiger Gesellschafter war, so unternahmen seine Bekannten selten etwas, ohne ihn zur Theilnahme aufzufordern.

Einer der heute Eingeladenen – Baron Posen – war ein noch ganz junges Herrchen und hatte erst vor Kurzem die Universität bezogen. Auch sein Busenfreund, Graf Mellin, war kaum des Schulzwanges und des moralisirenden Hofmeisters ledig, – und Beiden schmeckte die Freiheit des Studentenlebens doppelt süß. Vor keinem leichtsinnigen Streiche scheuten sie zurück, sobald derselbe ihnen Unterhaltung versprach, aber sie verbanden mit jugendlichem Uebermuthe einen liebenswürdigen Charakter, und hatten mehrfache Proben eines guten Herzens gegeben. Posen war ein hübscher Jüngling, aber er hielt sich auch für unwiderstehlich. In geringerem Maße galt Beides von Mellin, doch legte dieser ein großes Gewicht auf seine hohe Geburt und seinen Reichthum. Beide hatten sich – wie man zu sagen pflegt – die Hörner noch nicht abgelaufen, doch sollte ihnen im Umgange mit Günther die beste Gelegenheit dazu werden. Der sechste Tischgenosse beim heutigen Abendessen war der Baron von Leitmersdorf, ebenfalls Student, ebenfalls sehr jung und ebenfalls der Sohn wohlhabender Eltern.

Graf Neurode war der Erste auf dem Platze. Als Festgeber mußte er vor dem Erscheinen seiner Gäste noch einen Blick auf die Zurüstungen werfen und sich überzeugen, ob Alles nach seiner Anordnung ausgeführt sei. Nach und nach stellten die jungen Leute sich ein, nur Günther fehlte zuletzt noch. Als man ihn aber eine halbe Stunde nach der zur Versammlung festgesetzten Zeit vergeblich erwartet hatte, wurde man ungeduldig und gab einem Kellner den Auftrag, den Saumseligen „lebendig oder todt“ herbeizuschaffen. Kaum aber war der Bote entsandt, als Günther eintrat. Man empfing ihn mit lauten Acclamationen und vielen Scheltworten, aber er ließ sich durch nichts aus seiner Ruhe bringen. Ohne auf alle Ausrufungen zu achten, die ihn umschwirrten, schritt er auf [283] Neurode zu, machte ihm eine komisch-ceremoniöse Verbeugung und sagte:

„Graf, Gönner, Freund, verzeiht, wenn ich Eurer huldreichen Einladung nicht pünktlichst nachkam. Ich habe auf dem Wege hierher eine unvermuthete Abhaltung gehabt. Wie hätte ich sonst Euch und die übrigen hohen Grafen und Herrn so ungebührlich lange warten lassen!“

Er machte den lachenden Freunden bei diesen Worten eine ernste Verbeugung, während er prüfende Blicke auf die reichbesetzte Tafel warf.

„Gewiß hat er ein Liebesabenteuer gehabt,“ rief Posen, „ein Rendez-vous! Oho, so kommt man hinter seine Schliche. Günther, sagen Sie geschwind, wo die Göttliche wohnt und wie sie heißt.“

Günther blickte den Sprecher mit einem ironischen Lächeln an, das die Heiterkeit der übrigen Herren sehr erhöhte; dann sagte er:

„Ich will Euch die Geschichte meines Abenteuers nicht vorenthalten. Ihr sollt sie Alle hören, aber nicht jetzt bei nüchternem Magen, sondern wenn wir erst einige Gläser Sekt getrunken haben.“

Der Wirth meldete jetzt, es sei angerichtet, und in der heitersten Stimmung schickte man sich an, den aufgetischten Speisen und Getränken die schuldige Ehre anzuthun. Die Unterhaltung riß nicht ab. Ein Scherz jagte den andern und Neckereien jeglicher Art gingen herüber und hinüber.

Als man beim Nachtisch angelangt war, wurde Günther von allen Seiten bestürmt, sein Abenteuer zum Besten zu geben, und er begann bei andächtiger Ruhe seiner Zuhörer:

„Meine Herren und Lords, – unsere höchst ehrenwerthe Gesellschaft hier kommt mir wie eine ständische Versammlung vor. Ihr seid die vielmögenden Grafen und Herren, – ich bin vom Hause der Gemeinen ein bescheidenes Mitglied.

„Denkt Euch nun, Ihr Lords und Herren, ich sei Vertreter des Unterhauses und beauftragt, einen von diesem angenommenen Beschluß Ihnen vorzutragen und Ihrer Berathung, respective Annahme unterzubreiten.“

„Wo soll das hinaus!“ erscholl es im Kreise der Zuhörer. „Zur Sache! Zur Sache!“

„Ich bin bei der Sache, Mylords; Sie werden es sogleich hören. Mein dem hohen Hause vorzulegender Gesetzentwurf muß doch erst von mir begründet und erörtert werden, ehe Sie zur Berathung desselben schreiten können. Und zur Begründung meines Antrages will ich folgende Geschichte erzählen.“

„Hört, hört!“ rief man jetzt, und Günther begann auf’s Neue:

„Als ich durch die Kreuzgasse schritt, um mich zu dieser ehrenwerthen Versammlung zu begeben, hörte ich einen fürchterlichen Lärm, der aus einer daselbst befindlichen Tischlerwerkstatt hervordrang. Zwei Männer zankten heftig mit einander, ein Weib kreischte, und die Begleitung zu diesem unmelodischen Terzett bildete das vielkehlige Wehgeheul der lieben Kinder.

„Ich stand einen Augenblick still und verfolgte den Gang dieser unauflöslichen Dissonanzen – da öffnete sich plötzlich die Thür und ein zornerhitzter Mann trat heraus, der mit Stentorstimme ausrief: „Und ich sage Euch zum letzten Male, es bleibt dabei! Ich lasse Euch auspfänden und auf die Straße werfen!“ Dabei schlug er die Thür so heftig hinter sich zu, daß sie in ihren Angeln zitterte, und ging die Straße hinunter. Drinnen im Hause aber hatte das Schreien nachgelassen, und nur leises Weinen und Schluchzen ließ sich noch vernehmen.

„Dem edlen Triebe meines schönen Herzens folgend, – meine Herren Lords, ich rede hier nicht als Einzelner, sondern als Repräsentant des Unterhauses, daher hege ich keine Scheu vor diesem lobenden Ausspruch und muß den Präsidenten dringend ersuchen, die Lacher zur Ordnung zu verweisen! – Also ich sagte: dem edlen Triebe meines schönen Herzens folgend, trat ich ein in die Hütte der Armuth und fand eine von Kummer und Sorgen heimgesuchte Familie, bestehend aus Vater, Mutter und sechs Kindern – weniger haben arme Leute nie, auch gehören sechs unmündige Kinder nothwendiger Weise zu jeder rührenden Familiengeschichte!

„Erstaunt, theilweise sogar mit den Zeichen der Angst und des Schreckens blickten die sechzehn Augen mich an und mochten zuerst glauben, ihr Quälgeist, der geldverlangende und drohende Hauswirth sei noch einmal zurückgekehrt. Als aber die spärliche Beleuchtung der Stube ihnen gestattete, meine Züge zu erkennen, da wichen die Kinder entsetzt vor mir zurück und riefen: „O Jesses, o Jesses, die Nas’ kummt! Nun ist Alles aus!““

Ein fröhliches Gelächter unterbrach diese mit schwermüthigem Tonfall gesprochenen Worte, und Posen rief:

„Ja, Günther, es war auch sehr unvorsichtig, daß Sie sich dieser unglücklichen, so gar nicht auf Ihren Anblick vorbereiteten Familie zeigten. Die Aermsten hätten den Tod vor Schreck haben können!“

„Ja wohl, ja wohl,“ seufzte Günther, „daran ist aber meine jugendliche Hitze Schuld, die mich die möglichen Folgen eines Schrittes kaum bedenken läßt. – Wären Sie nur an meiner Seite gewesen, edler Freund, Sie hätten mich zurückgehalten und wären selbst hineingegangen, in der beruhigenden Ueberzeugung, daß sich vor Ihnen Niemand fürchten kann!“

Jetzt waren die Lacher völlig auf Günther’s Seite, der, während Posen sich erröthend auf die Lippen biß, ruhig fortfuhr:

„Alles geht vorüber, also auch der Schreck jener Menschen vor meiner Erscheinung. Die Kinder hörten auf zu heulen, und die Eltern fragten, was zu meinen Diensten stände. Ich erwiderte: ich selbst, nämlich zu den ihrigen, sie sollten mir nur mittheilen, um was es sich handle. Da erfuhr ich denn unter einem neuen Ausbruch von Verzweiflung und obligatem sechsstimmigen Accompagnement, daß sie bei der theuren Zeit – natürlich ganz ohne ihre Schuld – in’s Unglück gekommen und dem Wirthe die Jahresmiethe mit dreißig Thalern schuldig geblieben waren, und daß sie um dieser Thatsache willen an die Luft gesetzt werden sollten. Kurz und gut – ich ging wieder fort, bestellte mir aber das älteste Tischlerkind hierher und denke, es wird schon draußen warten. Das Unterhaus hat nämlich den Beschluß gefaßt, und zwar einstimmig, meine Herren Lords, die für die Reparatur des alten, baufälligen Gemäuers, vulgo Familie, nöthige Summe zu bewilligen, und trägt hiermit darauf an, daß das Oberhaus sich diesen Beschluß ebenfalls aneigne.

„Ich habe nichts weiter zu sagen, behalte mir aber vor, Ihnen einige Berechnungen über Champagnerfeste und dergleichen vorzulegen, wenn sich ein Einwand gegen den Beschluß des Unterhauses erheben sollte!“

Hiermit griff Günther zur Börse und legte ein Goldstück auf den vor ihm stehenden Teller, den er sodann seinem Nachbar hinhielt. Seinem Beispiel folgen Alle unter Lachen und Bravorufen.

„Ruft das Kind herein!“ befahl Günther dem Kellner, als der Teller die Runde gemacht hatte und reich gefüllt wieder vor ihm stand. Bald darauf trat ein zwölf- oder dreizehnjähriges, ärmlich gekleidetes Mädchen ein, das in höchster Verlegenheit an der Thür stehen blieb und nicht aufzublicken wagte.

„Tritt näher, Du ältester Sproß einer armen, aber unglücklichen Familie,“ rief Günther ihr zu, „und höre, was das hohe Haus in seiner Weisheit beschlossen hat.

„Nach einer glänzenden Rede des sehr ehrenwerthen Sprechers des Unterhauses, in welcher er klar dargethan hat, daß Ihr unbegreiflicher Weise von der Natur und ihren Reizen nichts wissen wollt – weine nicht, kleiner Rebeller, sonst komme ich aus dem Zusammenhange! – nach diesem Allen hat man beschlossen, Eurer weichlichen Vorliebe für eine warme Stube Vorschub zu leisten und Eurem verkannten Wohlthäter, dem Hauswirthe, die Miethe zu zahlen!

„Nun aber aufgehört mit Weinen! Thränen kann diese hohe Versammlung nicht vertragen. Was? Hände küssen? – Fort fort, mein Kind! .... Doch zuvor die Schürze aufgehalten. So! Das ist für das schreiende Sextett zu Hause, um ihnen die Münder zu stopfen!“

Damit schüttete Günther das Confect von den Schalen in die Schürze des kleinen Mädchens und schob das erschreckte und verwunderte Kind sanft zur Thüre hinaus.

„Ihr habt eine eigenthümliche Manier, wohlzuthun, Günther,“ sagte Neurode. „Mir that das arme Kind ordentlich leid, wenn Ihr es so hart anfuhrt!“

„Seine Worte erschreckten das Kind nicht halb so sehr, als seine Nase,“ rief Mellin. „Sahet Ihr nicht, welche Blicke voll Angst und Entsetzen sie auf dieselbe warf?“

„Ja, die Nase hat schon viel Unheil angerichtet!“ seufzte Posen. „Es ist gewissermaßen eine Rücksichtslosigkeit gegen das Publicum, eine solche Nase zu tragen.“

Günther trank ruhig sein Glas Wein aus, dann sagte er: [284] „Meine Nase, meine Nase und immer wieder meine Nase! Ihr reitet nun doch schon lange genug auf diesem Steckenpferde!“

„Groß genug, um darauf zu reiten, ist sie auch!“ rief Clarenstein, „und ordnungsmäßig gesattelt ebenfalls.“

„Und doch behaupte ich,“ nahm Günther gleichmüthig das Wort und schaute sich im ganzen Kreise um, „und doch behaupte ich, daß ich die schönste und wohlgebildetste Nase von Euch Allen, ja von ganz Breslau besitze!“

„Hoho!“ lachte Posen. „Das wäre!“

„Geben Sie uns den Beweis Ihrer Behauptung,“ sagte Leitmersdorf, „denn diesmal können und werden Sie nicht verlangen, daß wir Ihnen auf’s Wort glauben.“

„Den Beweis?“ fragte Günther ruhig, während alle Anderen sich vor Lachen schüttelten. „Gut, ich werde Ihnen den Beweis liefern! Aber mich dünkt, der Gegenstand wäre wohl einer Wette Werth.“

„Ich halte sie,“ rief Posen, und Mellin bildete sein Echo. „Ein Souper, wie heute Abend, sei der Preis.“

„Topp, es gilt!“ sagte Günther. „Ein Souper ist schon etwas, und unter Umständen sogar etwas Gutes. Aber bei der Erhabenheit des Gegenstandes, der zu dieser Wette Veranlassung gibt, scheint es mir nicht genug zu sein.“

„Ich halte noch extra zwanzig Friedrichsd’or!“ rief Posen.

„Ich auch!“ schloß sich Mellin an, und auch Leitmersdorf, Neurode und Clarenstein erklärten, daß sie die gleiche Summe halten wollten.

„Fünfmal zwanzig macht hundert,“ rechnete Günther. „Hm, das ginge schon. – Nun gut, Ihr Herren, ich gehe die Wette ein und halte sie gegen Euch Alle. Uebermorgen Abend zu dieser Stunde und hier im Zimmer werde ich den verlangten oder bezweifelten Beweis liefern. Das Souper wollen wir sogleich bestellen, – wer die Kosten trägt, das wird sich nachher entscheiden.“

„Aber wir begehen an Euch einen Straßenraub, Günther,“ lachte Neurode, „da es unzweifelhaft ist, daß ihr die ganze Zeche bezahlen müßt. Ihr müßt die Goldfüchse hoch aufgethürmt im Kasten liegen haben!“

„Ei bewahre,“ erwiderte Günther zuversichtlich. „Ich will sie erst aufthürmen, denn Euere hundert Friedrichsd’or sind mir sicher. – Indeß, wenn Euch die Wette leid wird, so sei es Euch gestattet, sie jetzt noch rückgängig zu machen!“

„Nein, nein,“ rief es von allen Seiten, „die Sache ist abgemacht! Aber wer soll Schiedsrichter sein?“

„Jede Partei wählt den ihrigen,“ sagte Günther, „und ich für meinen Theil den Maler Richter.“

Ein in Breslau lebender, anerkannter Bildhauer wurde zum Schiedsrichter der Gegenpartei erwählt und man beschloß, außerdem noch einen Juristen hinzuzuziehen, der darüber wachen solle, daß Alles auf gesetzlichem Wege zugehe. Der Vorschlag, zu diesem Amte den Assessor Ebert aufzufordern, fand den allgemeinsten Beifall.

„Wohlan, so werden diese drei Herren zum Souper auf übermorgen eingeladen,“ sagte Günther. „Aber ich denke, wir lassen unsere Wette bis dahin nicht unter das Publicum kommen und theilen auch den Herrn Schiedsrichtern vorher nicht mit, um was es sich handelt.“

„Einverstanden!“ hieß es. „Es gibt einen köstlichen Spaß!“

In der ausgelassensten Heiterkeit blieb die kleine Gesellschaft noch lange beisammen. Als sie sich aber auflöste, erscholl von allen Seiten der fröhliche Ruf: „Also übermorgen folgt die Fortsetzung des heutigen Abends und die Entscheidung unserer Wette!“


Es war in der Dämmerstunde des folgenden Tages, als Günther, wie bereits oben erzählt ist, bei Lissauer eintrat.

Als sie sich in dem kleinen Hinterstübchen allein befanden, entstand eine Pause, während welcher Günther mit seinen grauen Schlitzaugen Lissauer scharf anblickte, so daß dieser verlegen die Blicke niederschlug, sie aber doch von Zeit zu Zeit wieder mit sichtlichster Spannung auf seinen Besuch heftete.

Endlich begann Günther das Gespräch.

„Herr Lissauer,“ sagte er, „ich habe Ihnen ein gutes, ja ein ausgezeichnet gutes Geschäft vorzuschlagen. Es handelt sich um einen reinen Gewinn von fünfhundert Thaler Gold, ohne daß Ihnen die geringste Möglichkeit eines Verlustes oder nur eine Mühwaltung daraus erwächst. Ich denke, Sie werden darauf eingehen.“

„O, Herr Baron,“ rief Lissauer, dessen ganzes Gesicht strahlte, „dacht’ ich doch Wunders, was ich würde zu hören bekommen, weil Sie aussahen so ernst. Fragen Sie doch nicht erst, ob ich das Geschäft will machen! Sagen Sie mir, wo es liegt, das Geld, und wie ich es kann verdienen.“

„Sie haben nur nöthig, sich zu bücken, um es aufzunehmen. Nein, nein, nicht buchstäblich genommen! Wenn das Geld hier unter dem Tische läge, würden Sie es ja wissen,“ sagte Günther lächelnd, als Lissauer bei seiner vergleichenden Redeweise sich unwillkürlich bückte. „Nur Ihre Namensunterschrift kostet es Sie,“ fuhr Günther fort, „dann aber spaziert die genannte Summe sofort in Ihre Tasche.“

Ein wenig bedenklich geworden, erwiderte Lissauer: „Namensunterschrift! Nu, wir müssen sehen, was es gilt, denn der Herr Baron wissen so gut als ich, daß die Namensunterschrift unter wenige Worte, auf einem ganz kleinen Stückehen Papier, kann oft sein sehr kostbar; ja, daß es kann gehen an Kopf und Kragen.“

„Sie haben nichts zu befürchten, Herr Lissauer. Es handelt sich hier zwischen uns um ein regelmäßiges kaufmännisches Geschäft. Ich kaufe Ihnen etwas ab und verlange nicht einmal, diesen erkauften Gegenstand mit mir zu nehmen. Im Gegentheil, Sie bleiben für alle Zeiten der Nutznießer desselben, Sie sollen mir nur eine schriftliche Anerkennung geben, daß ich der Besitzer bin.“

„Wenn’s weiter nichts ist, Herr Baron, so stehe ich ganz zu Diensten. Gott, so nennen Sie es doch nur, was es ist, das Sie von mir kaufen wollen! Hab’ ich doch im ganzen Laden nicht einen einzigen Artikel, der 500 Thaler Gold Werth wäre, und das Haus hier ist nicht mein Eigenthum. Also machen Sie gefälligst ein Ende, wenn Sie nicht ganz und gar zu scherzen belieben. Nu, sagen Sie, was ist es, was soll ich verkaufen?“

„Wenn Sie mich doch nur zu Worte kommen ließen, Herr Lissauer! So hören Sie denn! – Sehen Sie mich einmal an; recht gerade in das Gesicht. So! Was halten Sie von meiner Physiognomie? Sprechen Sie ganz offen.“

„Nu, Herr Baron – sie ist – wenn auch – obgleich – Angenehmer Ausdruck!“ rief er zuletzt, froh, endlich ein Wort gefunden zu haben, und schnappte nach Luft.

„Ein angenehmer Ausdruck! Hm, hm! Aber sagen Sie, worin liegt der? In der Stirn? In den Augen? Oder etwa in der Nase?“

„In der Nase nicht,“ fiel Lissauer schnell ein, entsetzt über diese Voraussetzung. „Das heißt,“ setzte er zögernd hinzu – „nein, Herr Baron, in der Nase doch wohl nicht. – Es muß so im Ganzen liegen.“

„Also in der Nase nicht, meinen Sie, Herr Lissauer! Nun, ich will Ihnen, da wir so ganz unter uns sind, offen gestehen, daß auch ich stark daran zweifle, ob meine Nase es ist, die mir den „angenehmen Ausdruck“ verleiht; ja, ich muß sogar nach einigen von meinen Freunden gemachten Andeutungen glauben, daß sie wenig Reize besitzt. Jeder Mensch hält aber etwas auf sein Aeußeres und möchte es so wohlgestaltet als möglich sehen. Ich bin daher meiner Nase recht herzlich satt und gehe schon seit einiger Zeit mit dem Vorsatz um, mich in den Besitz einer schöneren zu bringen. Was meinen Sie, Herr Lissauer, wenn zum Beispiele statt meiner die Ihrige in meinem Gesichte säße?“

Jakob Eli sprang vom Stuhle auf. „Also belieben der Herr Baron doch nur zu scherzen!“ sagte er enttäuscht und kleinlaut. „Wissen Sie auch, daß ich mit einem Capital von 500 Thalern vergrößern könnte mein Geschäft, und daß der alte Meyer Liepmann mir dann seine Tochter Rahel würde geben zur Frau, mit einer ausgezeichneten Ausstattung von ihrer seligen Mutter, der Lea Kohn? Und mit baarem Gelde auch noch und neuem Credit bei der ganzen Kaufmannschaft. O, was haben Sie für Hoffnungen angeregt in meinem armen Herzen!“

„Ich scherze keineswegs!“ nahm Günther ruhig das Wort, als der Redestrom Jakob Eli’s einen Augenblick stockte, „und ich sage Ihnen noch einmal, daß es nur Ihrer Namensunterschrift bedarf, um Ihnen 500 Thaler Gold, Rahel Liepmann mit seliger Ausstattung und Credit zu gewinnen. Damit ich’s kurz mache, erkläre ich kurz und gut: Herr Lissauer, ich wünsche Ihre Nase zu besitzen!“

Lissauer griff in höchster Angst nach diesem seinem schönsten Gesichtsschmuck, als wollte er sich überzeugen, ob diese auch noch vorhanden wäre, und stöhnte: „Meine Nase – meine Nase und ich –“ dann sank er wie vernichtet auf seinen Stuhl zurück.

[285]
Löbichau und die Herzogin Dorothea von Kurland.

Auf der Landstraße von Altenburg nach Gera bemerkt man etwa eine halbe Stunde Weges vor Ronneburg zur Rechten ein seltsam vereinsamtes Landhaus in barockem Styl. Wer im Altenburgischen und Gothaischen bekannt ist, erkennt sofort die Verwandtschaft dieses Baues mit denen, welche von den geistreichen und kunstsinnigen Brüdern, von Thümmel, Moritz August, dem Schriftsteller, und Hans Wilhelm, dem gotha-altenburgischen Minister, herstammen. Es ist als die Villa Tannenfeld bekannt. Eine Allee sinkt von da zwischen Getreidefeldern abwärts in einen Waldbusch, welcher weiter hinüber wieder ansteigend mit größeren Forsten zusammenzuhängen scheint. Auch in diesem schattigen Thale verbirgt sich ein Dorf, dessen Name noch vor einem Menschenalter beinahe in ganz Europa und wenigstens ziemlich an allen Fürstenhöfen von wohlbekanntem Klange war. Vor dreißig und vierzig Jahren ging man, wenigstens in der guten Jahreszeit, wohl auch selten hier vorüber, ohne daß heitere Gesellschaft die Villa Tannenfeld erfüllte und elegante Equipagen oder wohlgekleidete Spaziergänger die davon absinkende Seitenallee belebten. Denn das verborgene Dörfchen im Thalgrund ist Löbichau, damals einen großen Theil des Jahres hindurch die Residenz der Herzogin Anna Dorothea von Kurland. Heut ist das Ganze, ob auch wohlerhalten und sorgsam gepflegt, fast nur noch eine Erinnerung und das Denkmal einer Zeit, deren Wesen und Interesse uns schon fast fremdartig berühren.

Die Gartenlaube (1859) b 285.jpg

Schloß Löbichau.

Das Ganze trägt durchaus nicht den Charakter eines Herrschaftssitzes, an welchem Jahrhunderte lange Familiengeschichten gebaut und die Spuren der Geschicke ihrer Geschlechter zurückgelassen haben. Es ist äußerlich ein Herrenhaus, wie so viele, welche im Anfange unseres Jahrhunderts entstanden, als die gemachte Geradlinigkeit und Schmucklosigkeit eines sogen. classischen Geschmackes als Mode herrschte, ohne daß man doch die classischen Bauformen auf Wohnhäuser zu übertragen beliebte. Man bannte damals die Mode der Cäsarenära fast ausschließlich auf den Zimmerschmuck und die Kleidung, begnügte sich aber bei den Bauten gewöhnlich mit der bloßen Rasirung der Schnörkel und Arabesken aus der vorhergehenden Zopfepoche. Dies machte die Flächen nicht großartig und imponirend, sondern öde und kalt. Aehnliches mag auch mit dem Löbichauer Schlosse vor sich gegangen sein. Die Herzogin von Kurland kaufte es im Anfange des Jahrhunderts, nachdem ihr entthronter Gemahl verdüstert auf einer seiner schlesischen Besitzungen gestorben war (13. Jan. 1800). Im ersten Jahrzehend bewohnte sie es kaum regelmäßig in den Sommermonaten, während sie den größeren Theil des Jahres theils auf Reisen, theils in Paris, Berlin und Dresden verbrachte. Erst nach dem Wiener Congreß begann die Blüthezeit des hiesigen Lebens und endete bekanntlich schon im ersten Beginne der zwanziger Jahre mit dem Tode der durch ihre Lebensschicksale, wie durch ihre politischen Einflüsse gleich bedeutungsvollen Frau. Der Löbichauer Aufenthalt und seine Beziehungen galten jedoch fast ausschließlich den künstlerischen und literarischen Bestrebungen des wiedererrungenen Friedens. Ja, man darf sagen, an Löbichau und den dortigen Hofhalt der Herzogin Dorothea knüpfte sich eine ziemlich bedeutsame Gruppe unserer modernen Culturgeschichte, soweit sie mit dem romantischen Literatur- und Kunstleben jener Tage in geistiger Beziehung steht; und auch auf die außerhalb dieser Kreise sich bewegenden Richtungen haben die hiesigen Verhältnisse mancherlei Einfluß geäußert. Es würde eine nicht unwichtige Aufgabe ernsterer Literaturgeschichte sein, diesen Wechselwirkungen genauer nachzugehen und einmal vorzugsweise auf die gesellschaftlichen Einflüsse hinzuweisen, welche unmittelbar nach dem nationalen Aufschwunge der sogenannten Freiheitskämpfe unsere nationale Poesie und Belletristik in dem bekannten sentimental-romantischen Gefühlslallen verschwimmen ließ.

Man hat das Löbichauer Leben in den Literaturgeschichten unseres Jahrhunderts öfters als „Liebeshof“ bezeichnet und gewissermaßen in Parallele gestellt mit dem dichterischen Hofhalte der Königin Margarethe von Navarra. Damit ist zu viel und zu wenig gesagt. Die Aehnlichkeit reducirt sich schließlich auf Aeußerlichkeiten [286] und namentlich darauf, daß die Herrinnen beider Höfe nicht blos durch ihren Rang, sondern auch durch Geistesgaben, Liebenswürdigkeit und Schönheit zur Herrschaft über das von ihnen versammelte Leben berufen waren. Aber in Margarethe hatte nach Allem, was die Geschichte von ihr berichtet, das Bewußtsein gelebt, durch Heranziehung geistiger Kräfte in ihren Kreis der vom König Franz vernachlässigten oder mindestens nur einseitig begünstigten Entwickelung der schönen Künste eine Stätte zu lebendiger, von den äußeren Lebensstürmen unbehelligter Entfaltung ihrer Fähigkeiten und Kräfte zu bereiten. Persönlich mochte allerdings Margarethe auch durch schwere Enttäuschungen auf anderen Gebieten des Frauenlebens in diese Richtung gedrängt worden sein. Anders waren die Veranlassungen bei der Herzogin Dorothea von Kurland. Ihr ganzes Leben war weit mehr nach außen, nach der Praxis der Umstände gerichtet, hatte die Aesthetik eigentlich immer blos als Schmuck und Zierde der Gesellschaft, nicht als productives Element des nationalen Bewußtseins gekannt und konnte sich also der Begünstigung ihrer Vertreter, der Poeten und Künstler, wohl auch kaum in einem anderen Sinne zuwenden, als daß sie, vom Weltleben nicht mehr in Anspruch genommen, nach einer geistig anregenden und gemüthlich ausfüllenden Beschäftigung suchte. Das geistige Leben Weimars war, abgesehen von seinen größeren Behältnissen und seinen mächtigeren geistigen Potenzen von vornherein mit viel ernsterem Bewußtsein und reifer aussehenden Plänen angelegt. Dabei bildeten Männer seinen bedingenden Mittelpunkt. Die Hertz’schen Kreise in Berlin mit den Schlegel’s, Humboldt’s, Varnhagen etc. entwickelten sich selbstständiger, abgeschlossener aus sich selbst und traten mit der Herzogin von Kurland bei deren Aufenthalten in Berlin auch nicht in besonders nachhaltige Beziehungen. Am ähnlichsten dem Löbichauer Leben mag wohl das frühere Offenbacher Verhältniß gewesen sein, welches sich, die Brentano-La Roche’s als Mittelpunkt, auch vorzugsweise um Frauen gruppirte.

Sie war am Hofe des Herzogs von Kurland aufgewachsen und, kaum siebzehn Jahre alt, schon der Mittelpunkt, um welchen sich die Gesellschaft des kurländischen Hofadels bewegte, obgleich die Privatverhältnisse ihres Vaters, des Reichsgrafen Medem, ihr nur eingeschränktere Lebensansprüche zu gestatten schienen. Als des Herzogs Peter von Kurland Augen auf sie fielen, hatte sie so eben ihre erste Liebe zu einem jüngeren Sohne eines kurischen Adelshauses opfern müssen, und sich darüber mit einer für ein Halbkind fast unbegreiflichen politischen Parteinahme an dem Fractionswesen und den Zerwürfnissen ihres Vaterlandes gemüthlich hinweggeholfen. Der fast fanatische Eifer, womit sie der herzoglichen Partei im Gegensatze zur russisch gesinnten und polnischen anhing (welcher letzteren ursprünglich selbst ihr Vater sich zuneigte), ließ sie vergessen, daß der Erbprinz, noch ehe er Herzog geworden, sich bereits von zwei Gemahlinnen getrennt hatte. Sie reichte ihm ihre Hand unter Zustimmung der stolzen und lebensklugen Stiefmutter, während seine zweite Scheidung von der Prinzessin Eudoxia noch nicht einmal in Petersburg anerkannt war. Aber allerdings richtete sich nun die ganze Kraft ihrer versöhnenden Liebenswürdigkeit darauf, so viel an ihr lag, ihre „Schickung zu erfüllen“, d. h. einerseits den oppositionellen Adel mit dem Herzoge zu versöhnen, andererseits die Differenzen des letzteren mit seinem polnischen Lehnsherrn und der Kaiserin Katharina II. auszugleichen. Ersteres scheiterte am Adel, letzteres am Eigensinne des Herzogs und den Intriguen seiner selbstsüchtigen Umgebungen. Beides hinderte jedoch die eigenthümlich geartete Frau keineswegs, einerseits in die freundschaftlichsten Beziehungen zur Kaiserin Katharina II. zu treten, andererseits dem König Stanislaus auch nach seinem Sturze eine fast kindliche Pietät zu widmen. Vermochte sie nun wirklich, ihre rein persönlichen Gefühle so vollkommen von denen der Herzogin zu trennen, oder war dieses Verhalten ebenfalls eine volle Hingabe an die vollendeten Thatsachen?

In ähnlicher Weise sehen wir sie später zwischen dem Herzog und dem revolutionären Adel stehen, als es einen letzten Versuch zur Erhaltung der Krone galt. Und da auch dieser mißglückte, bemerkt man trotzdem im ganzen weiteren Leben und Wirken der Herzogin nicht die geringste Animosität, weder gegen den kurischen Adel, noch gegen Rußland, zu deren Kundgebung und Wirksamkeit ihre intimen Beziehungen zum Berliner und Wiener Hofe, zu Napoleon und Alexander, zu Talleyrand und Metternich, zu überhaupt sonst allen politischen Notabilitäten der Zeit wohl reiche Gelegenheit geboten hätten. Nur ihre Heimath mied sie, nachdem ihr Gemahl gezwungen von deren Thron gestiegen war, und trotzdem, daß der nunmehr russisch gewordene Adel alle Verehrung, die er dem (angeblich aus dem lettischen Volke stammenden) Herzoge vorenthalten hatte, der aus seiner Mitte hervorgegangenen Herzogin huldigend darbrachte.

Aus Tagebüchern und Briefen ihrer älteren Schwester, der Gräfin Elisa von der Recke, welche freilich ihre eigenen Anschauungen gern auf andere Menschen übertrug und namentlich die Herzogin Dorothea, deren äußeres Schicksal sie gewissermaßen mit bedingt hatte, leicht mit einem religiös-sentimentalen Nimbus umhüllte – aus jenen Auszeichnungen entnimmt man nun, daß die Herzogin ihr Herabsteigen vom Throne wie eine providentielle Fügung des Himmels aufgefaßt habe, welche dadurch auf’s Bestimmteste documentirt worden sei, daß auch der Erbprinz, welchen sie (1784) geboren hatte, nach wenigen Jahren wieder starb. Es ist nicht unmöglich und bei der damals herrschenden eigenthümlichen Richtung, der vornehmen Welt, welche einen gewissen mystischen Pietismus neben wunderbar leichter Behandlung des sittlichen Lebensernstes pflegte, eben so wenig unwahrscheinlich. Unzweifelhafter erscheint es dagegen, daß die Frau, welche dem Herzog in politischer Exaltation die Hand geboten hatte, nach dem Mißglücken aller Versuche, die wankende Krone auf dem Haupte des Unfähigen und Unwürdigen wieder zu befestigen, auch in der Ehe selbst keinen Ersatz für die hinabsinkenden Attribute der äußeren Stellung fand. Gerade in den letzten Jahren, während Peter nominell noch die Krone trug, und wo seine Anwesenheit in Kurland die überall aufgethürmten Wetterwolken zu beschwören vermocht hätte, hatte sie mit ihm Europa durchreisen und am preußischen Hofe verweilen müssen – immer im Gefühle der verlorenen Zeit und Gelegenheit, dennoch ohne die Macht, den sehr unbedeutenden und durchaus verzogenen Menschen zu einem bestimmten Entschlusse bewegen zu können. So kam das Schicksal über ihn; es blieb nur übrig, es in Petersburg durch seine Abdankung zu besiegeln.

In jeder Beziehung unbefriedigt, vom preußischen Hofe mit gewissermaßen mitleidsvollen Ehrenbezeigungen ausgezeichnet, anderntheils aber auch von manchen Seiten halb und halb verantwortlich gemacht für das Geschick des Fürsten, suchte der Geist und vielleicht auch die Herzenslangeweile der Herzogin nach Interessen, über denen die trübe Wirklichkeit zu vergessen sei. Schon in Königsberg hatten sich früher Anknüpfungen mit Kant, Hamann, Hippel, Scheffner und Anderen entwickelt; in Italien hatten sich bedeutende Künstler und Gelehrte, wie Hackert, Denon, Münter, nachmals Bischof von Kopenhagen, der Schweizer Thormann und Andere für längere oder kürzere Zeit dem reisenden Fürstenpaar angeschlossen, spätere Badeaufenthalte in Pyrmont und Karlsbad hatten wieder neue Begegnungen mit hervorragenden Geistern gebracht. So war es fast selbstverständlich, daß auch in Berlin das herzogliche Haus zum Sammelpunkt der geistigen Aristokratie wurde, welche damals durch Nikolai, Rammler, Engel, Mendelssohn u, s. w. repräsentirt war.

Allein gerade diese Richtung schien den Herzog seiner Gemahlin mehr zu entfremden, welche sich jetzt desto inniger an ihre diesen Interessen ganz hingegebene Schwester Elisa von der Recke anschloß. So unzertrennlich diese Beiden, um so entfremdeter wurde das Verhältniß zum Herzog, welcher überdies selbst im hereinbrechenden Unglücke unedlen Neigungen nicht zu entsagen vermochte. Als die Katastrophe seiner Thronentsetzung wirklich gekommen war, bestand bereits eine factische Trennung von seiner Gemahlin. Während er aber seine letzten Lebensjahre in Sagan verbrachte, lebte die Herzogin mit ihren Töchtern hauptsächlich in Berlin, zuweilen auch in Dresden. Die jüngste derselben, Johanna Katharina (geb. 1783), vermählte sich (1801) mit Franz Pignatelli de Belmonte, Herzog von Acarenza – sie ist heut’ Besitzerin von Löbichau. Die zweite, Prinzessin Pauline (geb. 1782), war noch vor des Vaters Tode die Gemahlin des nachher souverainen Fürsten von Hohenzollern-Hechingen geworden, von welchem sie sich jedoch nach der Geburt eines Sohnes (1801) trennte, was wohl vorzugsweise die Uebersiedelung der Herzogin nach Dresden verursachte, wo sie durch den Hof in nähere Beziehungen zu den napoleonischen Kreisen kam. Aus diesen neuen Verhältnissen ging schließlich auch die Vermählung der ältesten Tochter, Dorothea, mit dem ziemlich unbedeutenden Neffen des berühmten Talleyrand hervor, Alexander Edmund, Herzog von Talleyrand, Fürst von Perigord, auf welchen Ersterer später auch noch den Titel eines Herzogs von Dino übertrug. Diese Fürstin Talleyrand wurde dann während der Macht ihres angeheiratheten Oheims als eine jener einflußreichen Diplomatinnen bekannt, welche [287] die Restauration erzeugte. Nachdem aber die Weltverhältnisse sich wieder anders gestaltet hatten (– lange nach der Mutter Tod, nämlich erst 1845 –), wurde sie vom Könige von Preußen mit dem Herzogthume Sagan belehnt.

Diese verschiedenen Lebensschicksale der Töchter ließen die Mutter, ganz abgesehen von den Kriegsereignissen, welche Europa durchbrausten, während des ersten Jahrzehends unseres Jahrhunderts kaum zu einen festen Wohnsitze gelangen. Dresden und Paris, im Sommer Karlsbad, Pyrmont, Eger, waren die wechselnden Aufenthaltsorte, also unter den damaligen Verhältnissen gerade solche Punkte, wo der kurländischen Herzogin sicherlich nicht vergönnt war, dem deutschen Leben näher zu treten. Löbichau war nach des Herzogs Tode gekauft worden, weil über den Besitz der Herrschaft Sagan mit dem Wartenberg’schen Zweige der Familie Biron ein erst viel später zu Gunsten der Herzogin entschiedener Proceß schwebte; und das Leben gestaltete sich auch noch zu vielbewegt, um dort an einen ruhigen Wittwensitz zu denken. Zugleich verlebte Elisa von der Recke, welche fort und fort durch Tiedge, Göcking, Tieck, Heun (Clauren), Winkler (Hell), Schilling u. A. mit der literarischen Welt Deutschlands in engen Beziehungen geblieben war, einen großen Theil dieses ersten Jahrzehends auf ihrem kurländischen Gute Pfalzgrafen, in der Schweiz, in Italien. Sie konnte also den Sinn der von den Weltverwickelungen und dem Weltleben lebhaft in Anspruch genommenen, überall gefeierten Schwester nicht auf das beinahe verstohlene Ringen der geistigen Kräfte unseres Vaterlandes hinlenken. Nichts spricht aus jener Zeit dafür, daß die noch immer schöne Frau, deren Geist und Anmuth fast ein Dogma der Fürstenhöfe war, aus den vornehmsten Kreisen und diplomatischen Interessen näher an die der Nation herangetreten sei. Erst nachdem Elisa von der Recke wieder nach Deutschland und Dresden zurückgekehrt war, während Napoleon’s Stern zu erbleichen und namentlich auch seine Freundschaft mit Alexander von Rußland zu erkalten begann, machte Dorothea von Kurland wieder stetigere Aufenthalte in Dresden, abwechselnd mit Karlsbad und Löbichau.

Frauen, welche durch ihr Vaterland mit Deutschland doch gewissermaßen nur in zweiter Linie verwandt waren, während ihr Leben sie außerdem in Kreisen gebannt erhalten hatte, in denen der Schmerz der nationalen Erniedrigung, wie das mächtig arbeitende Bedürfniß nach äußerer und innerer Befreiung keineswegs unmittelbar empfunden ward, solchen Frauen ist es wenigstens nicht als schwerer Vorwurf anzurechnen, wenn bei ihnen die Bewegung der Geister hauptsächlich blos in ihrer elegischen und sentimentalen Ausdrucksweise einen lebhaften Wiederhall fand. Es war dieselbe Stimmung, welche sich auch literarisch von der Wirklichkeit abwendete und in Unzufriedenheit mit derselben sich in die mittelalterliche Vergangenheit versenkte, dabei aber weniger deren rüstige Thatkraft, als ihre Gefühlsinnigkeit und Gläubigkeit in religiösen Dingen zum Vorbilde nahm. Arndt, Jahn, Görres und in anderer Weise der redegewaltige Fichte standen damals zwar nicht vereinsamt in der Nation, aber noch als isolirte Erscheinungen in der literarischen Welt. Die Hebung und sittliche Stärkung des Volksgeistes, welche von ihnen ausging, spiegelte sich in der ästhetischen Welt Deutschlands vor 1812 nur in einer gewissen Opposition gegen Schiller’s abstracte Idealität, obgleich die moderne Schule selber von dem bevorzugten Mittelalter ein sehr phantastisches und nebelhaftes Bild entwarf.

Aber das idealisirte Ritterthum, die Verklärung des Frauendienstes, der mystisch-freigeistige Katholicismus, welchen die romantische Schule auf ihr Schild hob, mußte allerdings für Frauen, welche in ihren speciellen Kreisen und Verhältnissen von der rauhen Wirklichkeit des Lebens hart genug verletzt und müde gehetzt waren, etwas besonders Verführerisches haben. Ueberdies war Tiedge, welcher bekanntlich der sentimentalsten Romantik angehörte, sowie dessen ganz in eleganter Religionsverklärung und psychologischer Deuterei verschwommene Freundin Elisa von der Recke die hervorragendsten Elemente, welche den Zusammenhang der Herzogin Dorothea von Kurland mit dem deutschen Geistesleben vermittelten. Selbst die freundschaftlichen Beziehungen, in welchen man mit dem elterlichen Hause Körners stand, scheinen weniger den dort herrschenden ernstnationalen Geist zur Anerkennung der kurländischen Schwestern gebracht, als deren freundliche Teilnahme für die immerhin mehr dilettantischen Kunstbestrebungen des Körner’schen Familienkreises erweckt zu haben. Sogar Theodor Körner, damals freilich noch ein sehr phantastischer und den conventionellen Formen wenig befreundeter Student, scheint bei den kurländischen Damen wenig Beachtung gefunden zu haben. Erst später wurden ihm bei flüchtigem Besuche in Löbichau huldigende Aufmerksamkeiten zugewendet.

(Schluß folgt.)


Des Menschen Lebens- und Gesundheits-Pumpe.

Leben und Gesundheit kann nur dann bestehen, wenn innerhalb unseres Körpers die Ernährung in allen, auch in den kleinsten Theilen gehörig vor sich geht, d. h. wenn alle unsere Körperbestandtheile sich fortwährend erneuern, nachdem sie eine Zeit lang thätig waren und nun abgenutzt zu Grunde gingen. Dieses immerwährende Sichverjüngen und Absterben (Mausern) unserer Körperbestandtheile, was auch „Stoffwechsel“ genannt wird, kommt zunächst mit Hülfe des Blutes zu Stande, welches innerhalb der Adern alle Theile unseres Körpers durchströmt und denselben, während es in den sogenannten Haarröhrchen langsam durch die Gewebe hindurchfließt, ebensowohl immerfort neues Material zum Verjüngen derselben abgibt, wie auch die alten, abgestorbenen Gewebstheile (Mauserstoffe) in sich aufnimmt und hinwegführt. Hiernach ist eine Hauptbedingung zur Unterhaltung des Lebens und Gesundseins die, daß Blut alle Theile unseres Körpers recht ordentlich durchströmt (der Blutkreislauf). Natürlich muß das Blut nun aber alles Material, welches es zum Neubau unserer Organe zu liefern hat, auch wirklich besitzen. Dieses Material erhält es aber von der Außenwelt durch nahrhafte Speisen und Getränke, aus welchen mit Hülfe des Verdauungsprocesses das Nahrhafte (Speisesaft) gezogen und zur Aufnahme in das Blut geschickt gemacht wird. Gleichzeitig mit der Zufuhr neuen Baumaterials in das Blut werden aus diesem hier und da (durch die Haut, Leber, Nieren, Lungen) die Mauserstoffe ausgeworfen, so daß also auch das Blut selbst einer fortwährenden Verjüngung und Mauserung (Neubildung und Reinigung) unterliegt. Diese zum Leben und Gesundsein ganz unentbehrliche und fortwährende Umwandlung des Blutes kommt nun aber blos durch die Lebensluft (d. i. der Sauerstoff) der atmosphärischen Luft zu Stande, und diese wird mit Hülfe des Athmungsprocesses innerhalb der Lungen in das Blut geschafft, wo dieselbe außerdem auch noch zur Entwickelung der Lebenswärme dient.

Luft! Luft! Luft! und zwar reine gute Luft muß immerfort geathmet werden, möchte man nicht blos den Laien, sondern auch den Aerzten tagtäglich zurufen. Reine, freie und frische Luft ist das Hauptmittel nicht nur zur Erhaltung der Gesundheit, sondern auch zur Wiedergenesung von Krankheiten. Der Mangel an guter Luft in den Wohnungen, zumal in den Schlaf- und Krankenzimmern, in den Geschäfts- und Arbeitslocalen, der ist es, welcher so vieles Siechthum unter der jetzigen Menschheit erzeugt. Essen und Trinken ohne gute Luft nützt nichts, auch wenn es noch so nahrhaft wäre.

Was ist’s also, was Leben und Gesundheit (oder: die richtige Ernährung, den naturgemäßen Stoffwechsel) innerhalb unseres Körpers aufrecht hält? Es ist ein durch gute Nahrung und gute Luft, sowie durch gehörige Reinigung gut erhaltenes Blut, was ordentlich durch unsern Körper strömt. Und auf alles Dieses nun, ebenso auf die Blutbildung wie auf den Blutlauf, übt ein Apparat unseres Körpers durch seine Thätigkeit den allergrößten Einfluß aus; es ist dies noch dazu ein Apparat, der, obschon er Tag und Nacht ohne unsern Willen fortarbeitet, doch auch willkürlich von uns in seiner Arbeit unterstützt werden kann, der aber leider anstatt der Unterstützung meistens nur Hindernisse von unserer Seite findet. Es ist dieser Apparat: der Athmungsapparat (d. i. der Brustkasten mit seinen Muskeln, die Luftröhre und ihre Aeste, und die Lungen mit den Brustfellen; s. Gartenl. 1853. Nr. 16).

Der Brustkasten, welcher hinten von 12 Wirbeln, seitlich von den 24 Rippen und vorn vom Brustbein gebildet ist und in seiner Höhle (Brusthöhle), neben großen (Blut- und Lymph-)Gefäßen [288] und Nerven, das Herz (den Mittelpunkt des Blutkreislaufs) und die Lungen (die Hauptorgane des Athmungsprocesses) birgt, kann mittels kräftiger Muskeln fast in ähnlicher Weise wie ein Blasebalg bewegt werden, d. h. seine Höhle kann weit und eng gemacht werden. Diese Bewegung findet nun während des Lebens, denn sie ist ganz unentbehrlich zum Leben, immerwährend und nur mit kurzen Pausen ganz unwillkürlich statt. Allein wir können doch auch mit unserm Willen Einfluß darauf ausüben, weil die den Brustkasten bewegenden Muskeln durch Nerven mit unserm Willensorgane (dem Gehirn) im innigen Zusammenhange stehen. Es wird natürlich dieser Einfluß (die Erweiterung und Verengerung der Brusthöhle) um so größer sein können, je mehr wir durch Hebung und Gewöhnung die willkürlichen Athmungs-Nerven und Muskeln zu beherrschen gelernt haben. Nicht Jeder kann ohne Weiteres so kräftig und tief ein- und ausathmen, wie er möchte und sollte, er muß es ebenso erst lernen, wie man andere Muskelthätigkeiten (Springen, Tanzen u. s. w,) lernen muß.

Was geschieht denn nun bei den Bewegungen unseres Brustkastens? Werden die Rippen in die Höhe gehoben und nach außen gezogen, wobei sich gleichzeitig das Zwerchfell (d. i. der nach oben gewölbte fleischige Boden der Brusthöhle und die Scheidewand zwischen Brust- und Bauchhöhle) abflacht und abwärts steigt, so erweitert sich die Brusthöhle (d. i. das Einathmen), und hierbei findet ganz dasselbe statt, was beim Aufziehen eines Blasebalges oder einer Spritze geschieht. Es wird nämlich Alles, was sich vor dem offenen Eingange dieser Apparate befindet, wie Luft, Flüssigkeit und feste Körperchen hineingesogen. So saugt die Brusthöhle bei ihrer Erweiterung nicht blos die Luft nebst ihren Beimischungen (durch Mund, Nase, Kehlkopf, Luftröhre in die Lungen) ein, sondern auch noch das Blut der großen Adern (Hohladern), welche aus der oberen und unteren Körperhälfte in die Brusthöhle und in das Herz eintreten. Ja, es wird wahrscheinlich auch der Blutlauf vom rechten Herzen aus in die Lungen dadurch befördert. Sodann findet ferner noch eine Anziehung des im Milchbrustgange befindlichen Speisesaftes und der Lymphe statt, wodurch diese das Blut ernährenden Flüssigkeiten flotter in das Blut einströmen können. Man vergesse also nie, welchen wichtigen Einfluß auf unser Leben das Einathmen hat, zumal wenn es kräftig, gehörig tief und langsam (wie im Schlafe) geschieht. Es schafft Lebensluft in das Blut (verjüngt dadurch dasselbe), befördert das Einströmen des Blutes in die Brust und die Lungen, erleichtert den Eintritt des Nahrungsstoffes (des Speisesaftes und der Lymphe) in den Blutstrom und hindert so Stockungen und Anhäufungen dieser Flüssigkeiten (des Blutes und der Lymphe), zumal im Unterleibe; fördert also, wie die Neubildung, so auch die Reinigung des Blutes (besonders in der Leber und Milz).

Lassen sodann die Einathmungsmuskeln in ihrer Zusammenziehung nach, setzt man vielleicht auch noch die die Rippen und das Brustbein herabziehenden Muskeln in Täthigkeit, so wird die Brusthöhle verengert (d. i. das Ausathmen). Dabei drückt die Brustkastenwand zunächst auf die Lungen und schafft so einen Theil der alten Luft aus diesen heraus, welche durch die aus dem Blute stammende schädliche Kohlensäure verunreinigt ist. Gleichzeitig findet aber auch ein Druck auf die Blutgefäße statt, und es wird dadurch, weil an diesen Gefäßen Vorrichtungen (Klappen) angebracht sind, welche das Zurückfließen des Blutes in ihnen nicht gestatten, das Blut vorwärts geschoben, also der Blutlauf befördert. Sonach übt das Ausathmen ebenfalls einen bedeutenden Einfluß ebenso auf die Blutreinigung, wie auf die Circulation aus.

Hierbei ist nun aber noch gar nicht in Betracht gekommen, welche wichtige Wirkung die Athembewegungen des Brustkastens auf den Unterleib haben. Hier befördern sie nämlich, und zwar hauptsächlich durch die mit den Bauchmuskeln abwechselnden Zwerchfellsbewegungen, nicht nur die Fortschaffung des Magen- und Darminhaltes (des Speisebreies, der Excremente und Gase), sondern auch das Strömen des Speisesaftes, des Blutes und der Lymphe. Deshalb ist aber auch bei Unterleibsleiden (besonders bei Hämorrhoiden) das regelmäßige und kräftige Ein- und Ausathmen in reiner Luft weit mehr werth, als alle Arzneien, ja sogar mehr, als der bei Homöopathen und Allopathen so beliebte Schwefel.

Durch diese Thatsachen wird es nun wohl dem Leser klar geworden sein, daß die Bewegungen des Brustkastens beim Ein- und Ausathmen, welche auch mit dem Arbeiten einer Druck- und Saugpumpe verglichen werden können, für das Leben und die Gesundheit des Menschen ganz unerläßliche sind und daß man allen Grund hat, diese Bewegungen auch noch durch seinen Willen gehörig zu unterstützen, zumal bei sitzender Lebensweise und wenn Unordnungen im Leben und Strömen des Blutes, sowie in der Brust- und Bauchhöhle eingerissen sind. Daß man den Athmungsapparat in seiner Thätigkeit durch beengende Kleidungsstücke und falsche Körperhaltung (Krumm- und Schiefsitzen) nicht hemmen darf, versteht sich wohl von selbst. Auch kräftige man die Athmungsmuskeln sowohl durch zweckmäßige Turnübungen, wie durch öfteres, allmählich immer tiefer werdendes Einathmen und kräftiges Ausathmen.

Also fort mit dem Schwefelpulver, den Strahl’schen und Morrison’schen Pillen, dem Bullrich’schen Salze und Aepfelweine und hinaus in die Mailuft mit Euch, Ihr Obstructioner, Staatshämorrhoidarier, Sesselquetscher und Grillenfänger, und athmet täglich eine Zeit lang alle fünf oder zehn Minuten mehrere Male langsam recht tief ein und kräftig aus. Auch Sie, meine nervenschwachen und hysterischen Damen mit Ihren Thränen und Vapeurs, könnten öfters ohne Schnürleib langsam im schönen grünen Walde herumspazieren und dabei gehörig nach Luft schnappen, meinetwegen auch tief und herzlich seufzen. Kurz, Alles was Odem hat, athme auch ordentlich ein, sonst ist’s vor der Zeit mit dem Athmen aus.

Bock.


Im Busch.
Von Friedrich Gerstäcker.
(Fortsetzung.)

Tolmer winkte dem Matrosen, den Ankommenden in die Hütte zu rufen, denn war sein Camerad in der Nähe, so wurde er durch einen Lärm vor der Hütte gewarnt.

„So kommt doch herein damit,“ sagte Bill, „oder habt Ihr Angst, daß Ihr den Fußboden schmutzig macht?“

„Damit man nachher die Decken im Blute herumschmiert, nicht wahr?“ sagte der Buschrähndscher, der schon lange die Geduld verloren hatte. „Hölle und Verdammniß, da holt’s Euch selber,“ und mit einem Ruck warf er das Schaf vom Rücken ab auf den Boden nieder. Jetzt war aber auch keine Zeit mehr zu verlieren, und ehe er nur seine Muskete ordentlich fassen konnte, stand Tolmer draußen neben ihm, packte ihn um den Leib und schleuderte ihn zu Boden.

„Hülfe, John! Teu–,“ er sagte nicht mehr, denn Borris hatte ihm mit großer Geschicklichkeit ein Tuch in den Mund geschoben, jeden weiteren Aufschrei zu ersticken – aber zu spät. Tolmer’s rasch umherschweifender Blick erkannte eine dunkle Gestalt in den Büschen, die, wie sie erschienen, eben so auch wieder verschwand, und ärgerlich mit dem Fuße den Boden stampfend, rief er aus:„Das haben wir schlau gemacht – da geht der Hauptfuchs zum Teufel, und jetzt können wir den ganzen Busch von einem Ende zum andern umdrehen, ehe wir ihn wiederfinden.“

„Habt Ihr ihn gesehen?“ rief Borris rasch.

„Wie eine Erscheinung, gerade hinter jener Kasuarine,“ sagte Tolmer. „Aber nehmt den Vogel wenigstens einmal in die Hütte herein, daß wir sehen, was wir aus ihm herausbringen können.“

Das geschah. Der „lahme Tom“ machte aber, wenn sie auf seine Hülfe gerechnet hatten, ihre Hoffnung zu schanden, denn er beantwortete keine ihrer Fragen.

„Hol’ Euch der Böse,“ knirschte er in die Zähne, als man ihm das Tuch wieder aus dem Munde nahm. „Ihr seid Alle über Einen hergefallen, wie ein Rudel feiger Dingo’s über ein einzelnes Schaf, das ich war – jetzt macht mit mir, was Ihr wollt, aber laßt mich ungeschoren, denn verdammt will ich sein, wenn ich Euch auf weitere Sprünge helfe.“

Aus dem Burschen war in der That nichts weiter herauszubringen und Tolmer schickte ihn, in Handschellen und von zweien seiner Leute bewacht, zu dem Schooner hinunter. Die ihn transportirten, sollten dann so rasch als möglich wieder zurück zu der Rindenhütte kommen, hier die weiteren Anordnungen zu hören.

[289] Tolmer fürchtete, daß durch die Flucht Mulligan’s ihr ganzer Plan vereitelt sei, und dieser wahrscheinlich den anderen Trupp augenblicklich vor ihnen warnen würde. Dem aber widersprach Borris.

„Haben sich die beiden Parteien miteinander gezankt,“ sagte dieser, „so wird Mulligan weit eher glauben, daß ihn jene verrathen hätten, um ihn los zu werden, und sich dann wohl hüten, selber an ihr Feuer zu laufen. War er das aber, den Ihr im Busche gesehen habt, und ich zweifle keinen Augenblick daran, so fürcht’ ich, ist es ein hoffnungsloses Unternehmen, ihn mit so wenigen Leuten auf der großen Insel einzufangen. Von den Stationshaltern dürfen wir nicht die geringste Hülfe erwarten, das haben wir an Lindsay gesehen; trotzdem daß er selber viel Geld geben würde, die Schufte aus dem Wege zu haben, will er doch sein eigenes Haus nicht der Gefahr aussetzen, von ihnen in Brand gesteckt zu werden. Und wo sollen wir den schlauen Gesellen jetzt suchen? Am Ende wär’ es am besten, wir legten ihm hier in der Hütte eine Falle; jedenfalls hat er seine Munition und seine Decke hier und ohne Beides kann er nicht lange im Busche aushalten.“

„Da können wir lange warten,“ lachte Tolmer, „ehe der alte Fuchs wieder daran denkt, hier zu Bau zu kriechen. Wo er sich die jetzige Munition verschafft hat, bekommt er auch mehr, und ebenso eine wollene Decke. Uebrigens haben wir noch eine Weile Zeit, den Ort hier zu untersuchen, und Bill kann uns vielleicht sagen, ob er weiß, wo die Munition versteckt ist.“

Es verstand sich von selber, daß der Verbrecher nicht ein so werthvolles Ding, wie Pulver ist, würde frei und offen liegen lassen. Bill wußte aber nichts davon. John Mulligan hatte sich wohl gehütet, ihn zum Vertrauten zu machen, und eine Nachsuchung in der Hütte blieb ebenfalls erfolglos.

Indessen waren die Leute hungrig geworden und Einer von ihnen holte jetzt das Schaf in die Hütte, ihr Frühstück damit zu bereiten. Der Damper war unter der Zeit ebenfalls gebacken, und mit Thee und Zucker, was sie in der Hütte vorfanden, hielten sie ein vortreffliches Mahl. Auch die beiden mit dem Gefangenen zum Schooner geschickten Polizeileute kamen zurück und ein ordentlicher Kriegsrath wurde jetzt gehalten, ob sie sich, die ganze Sache als verfehlt betrachtend, wieder einschiffen oder erst noch einen Versuch machen sollten, den anderen Trupp von vier Mann aufzuheben.

Fast Alle entschieden sich für das Letztere, Tolmer aber wollte auch nichts versäumen, jenen Mulligan in ihre Gewalt zu bekommen, und da es doch möglich war, daß er sich noch in der Nähe aufhielt, um die Hütte wieder aufzusuchen, sollten zwei Mann von seinen Leuten hier versteckt bleiben, und den Flüchtigen todt oder lebendig in ihre Gewalt zu bekommen suchen. Bill, der Matrose, erbot sich allerdings, mit aufzupassen, Tolmer aber wollte das nicht riskiren, denn er war nicht gewöhnt, einem Fremden gleich nach der ersten Stunde Bekanntschaft zu trauen. Dagegen konnte ihnen der handfeste Seemann von trefflichem Nutzen bei dem Fang der Uebrigen sein, indem er seine kleine Schaar ja ohnedem noch durch die Wache in der Rindenhütte schwächen mußte.

Nach Lindsay’s Beschreibung kannte Borris ganz genau die Stelle, wo jene Buschrähndscher lagerten, aber es blieb unmöglich, sie am Tage dort zu überraschen. Erstlich war es kaum glaublich, daß sie überhaupt bei hellem Tageslicht ihren Lagerplatz einhalten würden, und dann hätte der Trupp auch keinesfalls ungesehen an sie anschleichen können. Würden sie aber bemerkt, so kam es jedenfalls zu einem Kampf auf Leben und Tod, den Tolmer, so lange es anging, vermeiden wollte. Blieb ihm keine andere Wahl, gut, so mußte selbst das versucht werden.

Damit im Reinen, hielten sie sich in der Hütte, bis sich die Sonne gegen den Horizont neigte, denn hierher waren sie sicher, daß die mit John Mulligan verfeindeten Buschrähndscher nicht kommen würden, und draußen hätten sie ihnen leicht zu früh begegnen können. Nur ein Bote wurde hinüber nach Cooley’s Station geschickt, Mr. Lindsay von dem bisherigen Resultat in Kenntniß zu setzen, denn Tolmer wußte nicht, ob er seine Hülfe vielleicht morgen in Anspruch nehmen müsse. Lindsay war aber schon wieder nach Hause geritten, und der zu ihm gesandte Polizist mochte ihm dahin nicht folgen, um keinen unnöthigen Verdacht zu erregen.

Borris, mit dem Busch vollkommen vertraut, führte zur bestimmten Zeit die kleine Schaar sicher der Gegend zu, in der er das Lager der Verbrecher wußte. In der Nachbarschaft desselben angelangt, blieb ihnen aber nichts weiter übrig, als erst den vollen Einbruch der Nacht abzuwarten; dann schlichen sie vorsichtig dem Lager der Sträflinge zu, bis sie in Sicht von deren Feuer kamen.

Es war aber immer noch nicht dunkel genug, und Tolmer ließ seinen kleinen Trupp in einem Dickicht versteckt, vorher selber den Platz einmal zu recognosciren.

Auf Händen und Füßen, jeden Strauch und Baumstamm benutzend, die ihn decken konnten, kroch er näher und näher zu dem Feuer, und da er auch die Vorsicht gebraucht hatte, den Wind zu beachten, im Fall sie Hunde bei sich haben sollten, kam er bald nahe genug, die sich um die Gluth her bewegenden Gestalten deutlich zu erkennen. – Es waren aber mehr als vier Männer, die sich dort gelagert hatten, denn von da aus, wo er sich befand, konnte er klar und deutlich fünf Personen unterscheiden, die bald ausgestreckt am Feuer lagen, bald aufstanden und um die Flammen herumgingen. War Mulligan doch zu ihnen gestoßen, sie zu warnen? – Aber dann wären sie keinesfalls an ihrem alten Lagerplatz geblieben, und wer konnte der Fünfte sein?

„Mit gefangen, mit gehangen,“ murmelte aber Tolmer vor sich hin, und fest entschlossen, sich die schon halb im Netz sitzende Beute nicht wieder entgehen zu lassen, kroch er zu den Seinen zurück und theilte ihnen den Plan mit, den er sich in der Schnelle entworfen hatte.

Die Dämmerung ist in Australien außerordentlich kurz, und fast unmittelbar nach der sinkenden Sonne tritt auch die Nacht ein. Die Polizeileute brauchten deshalb nicht lange im Hinterhalt zu liegen, und Tolmer verließ jetzt seine genau instruirte Mannschaft, das beschlossene Wagniß auszuführen.

Er umschlich das Lager in einem weiten Bogen, bis er es zwischen sich und die Seinen brachte, ging dann noch eine Strecke in den Busch hinein, von den Buschrähndschern fort, und ließ dort den in Australien gebräuchlichen und von den Schwarzen angenommenen Waldruf: „Ku-ih! – Ku-ih!“ erschallen.

Im Anfang war Alles ruhig, und Niemand antwortete ihm, endlich aber, nachdem die Buschrähndscher wahrscheinlich mit einander berathen hatten, daß Jemand, der so laut im Wald herumschrie, ihnen schwerlich gefährlich sein könne, antwortete Einer von ihnen mit dem gleichen Laut, und Tolmer brach jetzt, so viel Geräusch als irgend möglich machend, durch die Büsche dem Lagerplatz zu.

Diesen erreichte er bald und fand hier die kleine Schaar von Verbrechern, die Musketen im Anschlag, seiner harrend am Feuer.

„Holla,“ redete ihn Einer von ihnen an, „was habt Ihr denn da bei Nacht und Nebel im Wald herumzuschreien?“

„Gott sei Dank,“ sagte Tolmer, wie er nun den freien Platz erreichte, „da sind doch wenigstens Menschen mit einem vernünftigen Feuer. Ich glaubte schon, ich müßte die Nacht draußen allein unter einem Baume liegen bleiben. – Wie geht’s mit einander?“

„Hm, gut,“ antwortete der Eine von der Schaar – „aber wo kommt Ihr her?“

„Von dem Nordufer,“ sagte Tolmer, auf alle Fragen vollkommen vorbereitet, „und wollte nach Cooley’s Station, habe aber den Weg verfehlt und bin in den verdammten Känguruhdornen beinah umgekommen. Wie weit ist’s noch bis dahin, und führt ein Weg hin?“

„Verwünscht wenig, was Ihr von einem Weg bis dahin finden werdet,“ brummte ein Anderer. „Wenn Ihr nicht nach den Sternen marschirt, könnt Ihr Euch ein Jahr lang im Busch herumdrehen.“

„Wie weit habe ich wenigstens bis zum Strande?“ frug Tolmer wieder, der mit raschem Blick die Schaar überflogen hatte und sich jetzt mit dem Rücken zum Feuer stellte, daß sein Gesicht nicht zu hell beleuchtet wurde. Er fühlte sich doch nicht so recht sicher, ob ihn nicht Einer oder der Andere von den Burschen kannte. Ebenso hatte er schon bemerkt, daß es nur vier Weiße und ein Schwarzer waren, den sie irgendwo aufgelesen hatten.

„Bis zum Ufer,“ sagte der Erste wieder, „mag es etwa drei Miles sein, wenn Ihr in gerader Richtung ausschreiten könnt.“

„Am Strande führt ein Weg hin, nicht wahr?“

„Ja; aber Ihr seid doch nicht mitten durch die Insel gekommen?“

„Mitten durch,“

„Da wundert’s mich, daß Ihr noch einen Fetzen Zeug auf dem Leibe habt,“ sagte der Buschrähndscher, der von dem einzelnen Manne keine Gefahr fürchtete und sein Gewehr neben sich wieder an den Baum lehnte.

[290] „Wenn Ihr nichts dagegen habt,“ meinte Tolmer, indem er seinem Beispiele folgte und seine Doppelflinte ebenfalls abnahm und neben die des Burschen stellte, „so ruhe ich mich hier bei Euch erst ein wenig aus. Kann man für Geld und gute Worte einen Becher Thee und ein Stück Damper bekommen?“

„Für Geld nicht, für gute Worte ja,“ sagte der Buschrähndscher, der den Gast aber noch immer aufmerksam betrachtete. „Ihr seid ein Seemann, wie?“

„Ein Stück von einem,“ lachte Tolmer.

„Irgend wo ausgekniffen, he?“

„Mit französischem Urlaub, ja; von einem Handels-Schooner, der hier anlegte. Hol’ der Teufel das Wergzupfen an Bord! Findet sich denn wohl einmal Gelegenheit, von hier nach dem festen Lande hinüberzukommen?“

„Möglich,“ sagte der Buschrähndscher, „habe mich noch verwünscht wenig darum gekümmert.“

„Damper ist fertig,“ brummte jetzt Einer der Anderen, der das Kochgeschäft besorgte. Der, mit dem Tolmer bis jetzt gesprochen, wandte sich wieder zu ihm und sagte:

„Setzt Euch zum Feuer nieder und eßt mit, was wir haben.“

„Dank’ Euch,“ meinte Tolmer, „werde mir das nicht zwei Mal sagen lassen. Wetter noch eins, ich habe den Rheumatismus in den Rücken gekriegt, und gräßliche Schmerzen; vielleicht daß es die Hitze wieder herauszieht. Mit Euerer Erlaubniß,“ und mit den Worten kauerte er sich ohne Weiteres beim Feuer nieder, aber so, daß er demselben den Rücken zudrehte und die bei Seite gestellten Gewehre dabei im Auge behielt. Es war ihm aber auch nicht entgangen, daß der Schwarze, der etwas abseits vom Feuer saß, ein paar Mal schon aufmerksam auf irgend ein Geräusch wurde und den Kopf dann jedes Mal horchend emporhob. Glücklicher Weise nahm aber das gerade fertig gewordene Abendbrod die Aufmerksamkeit der Buschrähndscher für den Augenblick in Anspruch, und Alle setzten sich zum Feuer, den Wortführer ausgenommen, der zu dem Gewehre seines Gastes ging, es ohne viele Umstände in die Höhe nahm und genau betrachtete.

„Hm, ein hübsches Stück,“ sagte er dabei, „wie seid Ihr dazu gekommen, Mate, wenn Euch die Frage nicht etwa genirt? Matrosen führen sonst nicht so leicht solche Flinten.“

„Ich habe es einmal billig von einem Franzosen gekauft,“ sagte Tolmer gleichgültig, „weiß aber jetzt nicht recht, was ich damit anfangen soll, denn ich bin kein besonderer Schütze. Wenn ich das halbwegs dafür wiederbekomme, was es mich gekostet hat, schlag’ ich’s los.“

„Und wie viel war das?“

„Dreißig Schilling, ein Spottgeld für die Flinte, aber Geld kann man hier im Busche eher gebrauchen, wie ein Gewehr.“

„Für den Preis nehm’ ich’s Euch ab,“ sagte der Buschrähndscher schnell, „das ist ein Handel.“

„Meinetwegen.“

„Und Ihr nehmt Noten dagegen von den Squattern in der Nachbarschaft?“

„Noten? – was ist das?“

„Nun, Anweisungen, so gut, wie baar Geld. Jeder nimmt sie Euch ab.“ Er blinzte dabei seinen Cameraden hinter dem Rücken des Fremden zu, und diese lachten still und höhnisch vor sich hin. Tolmer that aber, als ob er es nicht bemerke, sondern sagte treuherzig:

„Wenn sie so gut wie baar Geld sind, war’ ich ein Narr, wenn ich was dawider hätte. Gott sei Dank, jetzt brauch’ ich doch das alte Schießeisen nicht mehr mit herumzuschleppen. Heute im Busch hatt’ ich zwei oder drei Mal gar nicht so übel Lust, es in das erste beste Wasserloch zu werfen.“

„Das wäre Schade drum gewesen,“ meinte der Buschrähndscher, indem er die Flinte zu den übrigen lehnte und sich jetzt selber mit zum Feuer setzte. Er war vortrefflicher Laune. – „Wißt Ihr wohl, Mate,“ fuhr er nach einer Weile fort, indem er sich ein großes Stück Damper und Schaffleisch auf die Kniee nahm, „daß mir Euer Gesicht verdammt bekannt vorkommt, und ich habe mir schon die ganze Zeit den Kopf zerbrochen, wo ich Euch einmal gesehen haben könnte?“

„Hier noch nicht,“ sagte Tolmer, ruhig von dem Damper zulangend und sich dem Feuer zukehrend. Dieses brannte jetzt ziemlich düster und der Hut, den er trug, beschattete sein Gesicht ebenfalls. „Drüben am Lande könnt’s aber gewesen sein; freilich auch nicht in den letzten Jahren. Früher war ich oft drüben.“

„Das wäre möglich!“ nickte Jener. „Habt Ihr Euere Passage nach Australien bezahlt?“

„Werde nicht so dumm sein,“ lachte der vermeintliche Matrose. „Wo sich’s die Regierung so viel kosten läßt, tüchtige Ansiedler herüber zu bekommen, soll man ihr nicht in’s Handwerk pfuschen.“

„Gescheidter Gedanke, Mate, verdammt gescheidter Gedanke,“ schmunzelte der Buschrähndscher; „aber was zum Henker hat denn die Schwarzhaut da zu horchen? – na, was gibt’s, Schneeball?“

Tolmer’s Herz schlug, daß es ihm die Brust zu zersprengen drohte. Er wußte, daß seine Leute jetzt dicht am Lager waren, und jedenfalls hatte der schwarze Bursche mit seinen viel schärferen Sinnen etwas von ihnen gehört oder gesehen.

Me, make a light, flourbag,“[1] sagte der Eingeborene in seinem englisch sein sollenden Dialekte.

Tolmer stand langsam auf und trat zum Feuer, um es ein wenig zusammenzustoßen. Er stand jetzt nur zwei Schritte von den Gewehren.

„So? – Du hast was Weißes gesehen?“ sagte der Buschrähndscher, mit den Augen der Richtung folgend, nach der der Arm des Schwarzen deutete.

„Ich werde einmal hinschießen,“ sagte jetzt Tolmer, und mit den Worten drehte er sich um, griff sein Gewehr auf und spannte zugleich geräuschlos die Hähne.

„Bah, mach’ keinen Unsinn, Mate,“ sagte aber der Buschrähndscher, der keine Ahnung hatte, daß ihnen hier Gefahr drohen könne. „Wer weiß, was der Bursche gesehen hat.“

„Vielleicht war’s ein Opossum,“ meinte Tolmer.

„Möglich,“ sagte der Andere, „setzt Euer Gewehr hin.“

„Habt Ihr schon gehört, wie man ein Opossum lockt?“ frug Tolmer jetzt. – Er war todtenbleich geworden, denn er wußte, daß der nächste Augenblick der entscheidende sein mußte.

„Ein Opossum? – Was zum Donnerwetter hat denn nur der schwarze Bursche? Etwas muß im Winde sein,“ und unwillkürlich machte er einen Schritt den Gewehren zu, während der Eingeborene seine Lanze aufgriff und scheu und vorsichtig vom Feuer zurückglitt.

„Ich will’s Euch zeigen, Mate,“ sagte Tolmer, und in dem Moment gellte ein schriller Pfiff durch den Wald.

„Verrath!“ schrie der Buschrähndscher und sprang nach den Gewehren.

„Wer sich bewegt, ist eine Leiche!“ rief Tolmer mit Donnerstimme, die eigene Waffe an den Backen reißend, und von allen Seiten sprangen die Seinen auch schon herbei, während die Buschrähndscher, förmlich überrumpelt, im ersten Schrecken nicht wußten, ob sie fliehen oder sich vertheidigen sollten.

Tolmer, so viel wie möglich unnöthiges Blutvergießen zu vermeiden, schoß nicht, und nur als der Anführer der Schaar an ihm vorbeifuhr, um seine Waffe aufzugreifen, hielt er ihm sein Bein vor und der Buschrähndscher stürzte wie im Fluge nach vorn, alle vier Gewehre mit sich zu Boden reißend. Im nächsten Augenblicke saß ihm aber schon Borris auf dem Nacken, und während diesen der Matrose unterstützte, den wüthend um sich Schlagenden zu binden und unschädlich zu machen, fanden sich die anderen drei von Bewaffneten umstellt und jede Flucht abgeschnitten. – Was auch hätten sie im Busche ohne Gewehre anfangen wollen?

Der Schwarze war gleich bei dem ersten Anprall der Polizei – vielleicht auch schon vorher – spurlos im Busche verschwunden.

Zehn Minuten später staken die Buschrähndscher in Handschellen. Es war aber zu gewagt, sie in dunkler Nacht durch den Busch zu transportiren, wo doch Einer oder der Andere Gelegenheit gefunden hätte, zu entkommen. Tolmer beschloß also, die Nacht dort mit ausgestellten Wachen im Lager zu bleiben und die Gefangenen erst am nächsten Morgen hinüber zum Schooner zu transportiren.

„Jetzt weiß ich auch, Mate, wo ich Euer blutiges Gesicht schon einmal gesehen habe,“ zischte der alte Buschrähndscher durch die zusammengebissenen Zähne, als er eine Stunde später neben seinen Cameraden und unter einer Aufsicht, die jeder Flucht spottete, am Feuer lag.

„Denk’s auch, Tomlins,“ lachte Tolmer, „ich hatte aber gleich vom Anfange an ein besseres Gedächtniß. Weil ich jetzt keinen Bart trage, seid Ihr irr geworden.“

[291] „Hol’ Euch der Teufel,“ brummte der Gefangene und warf sich auf die andere Seite.

Am nächsten Morgen mit Tagesanbruch war die kleine Truppe marschfertig und erreichte etwa dritthalb Stunden später den Schooner, in dem die Gefangenen einquartiert wurden. Tolmer aber, jetzt fest entschlossen, sein Aeußerstes zu versuchen, auch den noch flüchtigen Mulligan wieder einzubringen, wollte sich doch nicht der Gefahr aussetzen, daß bei einem längeren Aufenthalte an der Insel die bisher gemachten Gefangenen vielleicht Gelegenheit fänden, ihre Freiheit wieder zu erlangen.

(Fortsetzung folgt.)


Die erste Waffenthat.
Aus den Erinnerungen eines österreichischen Officiers.

Es war im Juli des Jahres 1848, als ich mein Regiment erreichte. Der Oberst war im Bivouac. Er empfing mich zuerst ziemlich ungnädig, aber nachdem er das Empfehlungsschreiben des Generals gelesen, wurde er freundlicher und sagte mir einige verbindliche Worte.

Hierauf wurde ich meinem Hauptmanne vorgestellt, der eben von einer Recognoscirung zurückkam. Der Capitain, den ich übrigens näher kennen zu lernen nicht Zeit hatte, war ein großer, schwarzköpfiger Mann mit einem harten, zurückstoßenden Gesicht. Er hatte sich durch seine Tapferkeit vom gemeinen Soldaten emporgeschwungen und seine Epauletten, so wie sein Kreuz auf dem Schlachtfelde gewonnen. Seine matte Stimme contrastirte nicht wenig mit seinem riesigen Körperbaue. Die Ursache dieser Sonderbarkeit war eine Flintenkugel, die ihm bei Wagram durch den Leib gegangen war.

Als er erfuhr, daß ich aus der Schule von ** komme, schnitt er ein Gesicht und sagte: „Mein Lieutenant ist gestern geblieben.“ Ich begriff, daß er sagen wollte: Du bist nicht im Stande, ihn zu ersetzen. Ich wollte etwas Beißendes entgegnen, aber ich hielt es für gerathener, die Pille zu verschlucken.

Der Mond ging auf hinter der Redoute von Ch., die ungefähr zwei Kanonenschußweiten von unserem Lager entfernt war. Das Gestirn der Nacht war groß und roth, wie es gewöhnlich bei seinem Aufgange zu sein pflegt. Aber meine Einbildungskraft ließ es mich noch größer erblicken, als ich es je gesehen. Einige Augenblicke zeichnete sich die Redoute schwarz in seiner Mitte. Sie erschien mir, wie der Gipfel eines Vulcanes kurz nach einem Ausbruche. Ein alter Soldat in meiner Nähe sagte, indem er auf den Mond deutete:

„Er ist halt gewaltig roth; ein Zeichen, daß es nicht wenig Blut kosten wird, die Redoute zu nehmen.“

Ich bin immer etwas abergläubisch gewesen. Diese Prophezeiung, vorzüglich im gegenwärtigen Augenblicke, machte also einen nicht geringen Eindruck auf mich. Ich streckte mich auf die Erde aus; aber es war mir unmöglich, zu schlafen. Ich erhob mich, schritt ein wenig vor und starrte auf die ungeheuere Feuerlinie, welche die Höhen jenseits des Dorfes Ch. überdeckte.

Als ich mein kochendes Blut durch die Frische der Nacht ein wenig abgekühlt, zu haben glaubte, kehrte ich wieder an’s Feuer zurück, wickelte mich in meinen Mantel, schloß die Augen und hoffte, sie erst mit Tagesanbruch wieder zu öffnen.

Aber der Schlaf wollte sich nicht einstellen. Unmerklich wurden meine Gedanken ernster, düsterer. Ich sagte mir, daß ich nicht einen Freund unter den hunderttausend Mann habe, welche die Ebene bedeckten. Hätte ich das Unglück, verwundet zu werden, würden unwissende Wundärzte mich ohne alle Rücksicht behandeln. Alles, was ich über dergleichen Operationen gehört, trat mir in’s Gedächtniß. Mein Herz schlug laut. Ohne zu wissen, was ich that, machte ich aus meiner Schreibtasche und meinem Schnupftuche eine Art Küraß auf der Brust. Endlich fielen mir vor Ermüdung die Augen zu. In jedem Momente aber schreckte ein fürchterlicher Gedanke mich auf. Mein Zustand war qualvoll.

Mit Tagesanbruch stellten wir uns in Reihe und Glied zum Appell. Nach demselben wurden die Gewehre wieder zusammengestellt. Alles hatte den Anschein, daß wir einen ruhigen Tag zubringen würden.

Gegen drei Uhr kam ein Adjutant und brachte eine Ordre. Man ließ uns abermals unter’s Gewehr treten. Unsere Scharfschützen zerstreuten sich in die Ebene. Wir folgten ihnen langsamen Schrittes. Nach zwanzig Minuten sahen wir die piemontesischen Vorposten, die sich von allen Seiten in die Redoute zurückzogen.

Ein Artilleriecorps stellte sich uns zur Rechten auf, ein anderes zur Linken; aber beide ziemlich weit von uns. Sie begannen ein lebhaftes Feuer gegen den Feind, der es energisch erwiderte. Nach einigen Minuten war die Redoute unter dicken Rauchwolken verschwunden.

Unser Regiment war vor dem Feuer der Piemontesen durch eine geringe Erhöhung ziemlich gedeckt. Ihre Kanonenkugeln gelangten nur selten zu uns, denn sie schossen vorzugsweise auf unsere Kanoniere. Die meisten Kugeln gingen über uns hinweg oder schlugen vor uns nieder und bedeckten uns nur mit Erde oder kleinen Steinen.

Sobald der Befehl gegeben wurde, vorwärts zu marschiren, betrachtete mich mein Hauptmann mit einer Aufmerksamkeit, die mich nöthigte, mit der Hand zwei bis drei Mal meinen jungen Schnurrbart zu streichen und mir ein so unbefangenes Ansehen, als nur immer möglich, zu geben.

Uebrigens hatte ich wirklich keine Furcht. Meine einzige Besorgniß bestand nur darin, daß man denken könne, ich fürchtete mich. Die Kugeln, welche uns bis dahin kein Leid zugefügt, bestärkten mich in meiner heroischen Ruhe. Meine Eigenliebe sagte mir aber doch, daß die Gefahr nicht gering sei; denn es war nicht zu bezweifeln, daß ich mich unter dem Feuer einer furchtbaren Batterie befand.

Der Oberst schritt an unserer Compagnie vorüber. Er redete mich an.

„Sie werden zu Ihrem Anfange gleich etwas Ordentliches sehen!“ sagte er.

Ich lachte recht martialisch, indem ich die Erde von meinen Rockärmeln abfegte, die eine Kugel, welche dreißig Schritte vor mir niedergeschlagen war, darauf geschleudert hatte.

Es schien, daß unsere Gegner bald den schlechten Erfolg ihrer Kugeln bemerkten. Sie ersetzten sie durch Bomben, die eine bessere Wirkung in der Vertiefung machten, in welcher wir uns befanden. Eine derselben zersprang ganz in meiner Nähe, tödtete einen Soldaten im Zerspringen und riß mir das Käppi vom Kopfe.

„Ich mache Ihnen mein Compliment!“ sagte der Hauptmann. „Sie sind quitt für heute.“

Ich kannte bereits den militairischen Aberglauben, nach welchem das non in idem ebensowohl ein Axiom auf dem Schlachtfelde, als vor Gericht ist. Ich stülpte mein Käppi wieder auf und sagte:

„Das heißt die Leute ohne Ceremonie zum Gruße nöthigen.“

Dieser schale Witz schien in dem gegenwärtigen Augenblicke vortrefflich.

„Ich wünsche Ihnen Glück!“ fügte der Hauptmann hinzu. „Sie haben heute nichts mehr zu besorgen und am Abende werden Sie eine Compagnie befehligen. Ich sehe wohl, daß der Ofen für mich geheizt wird. Jedes Mal, wenn ich verwundet worden bin, hat der Officier mir zunächst eine matte Kugel bekommen. Und,“ sagte er halblaut und beinahe beschämt, „der Anfangsbuchstabe ihrer Namen war immer P.“

Ich machte den Freigeist. Mancher würde gethan haben, wie ich. Mancher würde auch, wie ich, von diesen prophetischen Worten betroffen worden sein. Als Anfänger aber fühlte ich, daß ich meine Empfindungen Niemand mittheilen könne, und daß ich immer kalt und unerschrocken scheinen müsse.

Nach einer halben Stunde verminderte sich das Feuer der Piemontesen bedeutend. Wir verließen sogleich unsere Stellung und marschirten nun gegen die Redoute.

Unser Regiment bestand aus drei Bataillonen. Das zweite erhielt den Auftrag, die Redoute zu umgehen; die beiden anderen sollten Sturm laufen. Zum dritten Bataillon gehörte ich.

Als wir die Vertiefung verließen, in welcher wir bis dahin sicher gewesen, wurden wir mit Musketenfeuer begrüßt, das uns jedoch nur geringen Schaden that. Das Pfeifen der Kugeln erregte mein Erstaunen. Ich wendete oft den Kopf um und zog mir dadurch [292] den Spott meiner Cameraden zu, die schon vertrauter mit dieser Musik waren.

„Alles in Allem,“ sagte ich zu mir selbst, „ist eine Bataille doch nicht so entsetzlich, als man meinen sollte.“

Wir eilten nun im Sturmschritt vorwärts, die Scharfschützen voran. Plötzlich schallte aus der Redoute dreimal Hurrah! Dann trat eine tiefe Stille ein.

„Ich habe solch’ Schweigen nicht gern,“ sagte der Hauptmann, „es bedeutet nichts Gutes.“

Ich dagegen fand unsere Soldaten zu lärmend, und konnte nicht umhin, eine innerliche Vergleichung zwischen ihrem Geschrei und dem imposanten Schweigen des Feindes anzustellen.

Wir gelangten jetzt rasch an den Fuß der Redoute; die Pallisaden waren von unsern Kugeln zersplittert. Die Erde war aufgewühlt. Die Soldaten drangen auf diesen neuen Ruinen vor, indem sie noch stärker schrieen, als zuvor: „Es lebe der Kaiser!“

Ich schlug meine Augen auf. Nie werde ich den Anblick vergessen, der sich mir darbot. Der größte Theil des Rauches hatte sich erhoben und schwebte wie ein Traghimmel etwa zwanzig Fuß über der Redoute. Durch einen bläulichen Dunst bemerkte man hinter der halbzerstörten Brustwehr die piemontesische Linie, die Gewehre hoch haltend und unbeweglich wie Bildsäulen. Ich glaube noch jeden Soldaten, das linke Auge auf uns geheftet, das rechte hinter dem Flintenlauf verborgen, zu erblicken. In einem Winkel, kaum einige Fuß von uns, hielt ein Artillerist die Lunte neben einer Kanone.

Ein Schauder überlief mich. Ich glaubte, meine letzte Stunde habe geschlagen.

„Nun fängt der Tanz an!“ rief der Hauptmann. „Gute Nacht.“ Das waren seine letzten Worte.

Das Wirbeln der Trommeln erschallte in der Redoute. Sogleich neigten sich alle Gewehre. Ich verschloß die Augen und vernahm ein entsetzliches Krachen, auf welches Geschrei und Stöhnen folgte. Ich blickte um mich, erstaunt, noch zu leben. Die Redoute war von Neuem in Rauch gehüllt. Rings um mich her sah ich nur Todte und Verwundete. Der Capitain lag ausgestreckt zu meinen Füßen. Eine Kanonenkugel hatte ihm den Kopf zerschmettert. Ich war von seinem Blute und seinem Gehirn bespritzt. Von der ganzen Compagnie waren nur noch sechs Mann auf den Beinen.

Nach dieser Explosion blieb einige Minuten Alles ruhig. Dann steckte der Oberst seinen Hut auf den Degen und kletterte zuerst mit dem Ausrufe: „Es lebe der Kaiser!“ die Brustwehr hinan. Alle noch Lebenden folgten ihm.

Ich habe kaum noch eine genaue Erinnerung von dem, was nun geschah. Wir betraten die Redoute, ich weiß nicht wie. Man schlug sich Faust gegen Faust, Brust gegen Brust, mitten in einem so dicken Rauche, daß man sich nicht sehen konnte. Ich glaube, daß ich um mich hieb, daß ich mehrere Feinde verwundete oder tödtete, denn mein Säbel war ganz mit Blut bedeckt.

Endlich hörte ich schreien: „Sieg! Sieg!“ Der Rauch verminderte sich. Ich sah mich mitten im Blut und unter Leichen. Man ging nur auf Todten. Die Kanonen selbst waren unter denselben begraben. Etwa zweihundert Mann in österreichischer Uniform waren ohne alle Ordnung gruppirt. Einige ladeten ihre Gewehre. Andere wischten ihre Bajonette ab. Elf schwarz-italienische Männer standen als Gefangene neben ihnen.

Der Oberst war der Länge nach auf einem zerbrochenen Pulverkasten ausgestreckt. Es war ganz mit Blut besudelt. Einige Soldaten beschäftigten sich mit ihm. Ich näherte mich ihm.

„Wo ist der älteste Capitain?“ fragte er einen Unterofficier.

Dieser zuckte auf eine sehr bezeichnende Weise mit der Achsel.

„Und der älteste Lieutenant?“

„Herr P., der gestern angekommen ist?“

Der Oberst lächelte bitter.

„Wohlan,“ sagte er endlich zu mir gewendet, „Sie haben den Oberbefehl. Lassen Sie den Eingang der Redoute mit Wagen befestigen. Der Feind ist zahlreich genug. Aber der General C. ist nicht fern.“

„Herr Oberst,“ rief ich, „Sie sind schwer verwundet.“

„Zum Henker!“ entgegnete er, „aber die Redoute ist genommen!“




Blätter und Blüthen.

Schulze-Delitzsch, der bekannte Schöpfer und Gründer der vielen jetzt so segensreich wirkenden Associationen, Vorschuß- und Credit-Vereine (auf Selbsthülfe fußend), hat vor einigen Tagen von der Schuhmacher-Association in Wolfenbüttel als „dankbare Anerkennung seines edlen Strebens, den Handwerkerstand aus der Gefahr der Vereinzelung und in Folge dessen von einer nothwendig eintretenden Verarmung zu befreien“, einen kostbaren silbernen Pocal empfangen. Die schöne Gabe war von einem herzlichen Schreiben begleitet, aus dessen Worten recht deutlich die Verehrung und Liebe hervorging, die man dem Wirken des thätigen Mannes von allen Seiten zollt. – Schulze-Delitzsch hat übrigens einen „Vereinstag deutscher Vorschuß- und Credit-Vereine“ zusammenberufen, der in der Pfingstwoche in Dresden tagen soll. Wir lassen nachfolgend die uns soeben zugekommene Einladung folgen:

„Auf mehrfache Aufforderung haben es die Unterzeichneten übernommen, eine von den deutschen Vorschuß- und Credit-Vereinen zu beschickende Versammlung zu Dresden in der Pfingstwoche, und zwar in den Tagen vom 14. bis 16. Junius d. J. zu veranstalten. Zweck der Versammlung ist Mittheilung der bei den verschiedenen Vereinen bestehenden Einrichtungen und gemachten Erfahrungen, sowie Verständigung über manche gemeinsame Interessen der jungen, bereits über einen großen Theil des gemeinsamen Vaterlandes verbreiteten Institute.

„Es ergeht daher an sämmtliche auf Selbsthülfe der Creditbedürftigen aus dem kleineren und mittleren Gewerbs- und Arbeiterstande beruhende Vereine hierdurch die ergebenste Einladung, die anberaumte Versammlung zu beschicken und diejenigen Gegenstände, deren Erörterung man wünscht, durch bestimmte Formulirung zur Berathung vorzubereiten, auch womöglich sich schriftlich über die zu verhoffende Betheiligung unter der Adresse des Advocaten B. Miller (Dresden, Neue Gasse 36. III.) vorher zu erklären.

„Sämmtliche örtliche Arrangements werden vom Verwaltungs-Rathe des Dresdner Vorschuß-Vereins, der die Functionen eines Local-Comité für die Versammlung übernommen hat, besorgt, und wird der schon genannte Herr Advocat Miller auf briefliches Ersuchen auch die Sorge für das Unterkommen der Gäste übernehmen. Die persönliche Anmeldung und die Empfangnahme der Eintrittskarten, gegen Zahlung von 1 Thaler für jeden Verein zur Deckung der unvermeidlichen Kosten, geschieht dagegen in der Restauration des Herrn B. Engel am Postplatze, wo auch die erste Vorberathung, Dienstag, den 14. Juni, Abends 8 Uhr stattfindet, und Local und Stunde der eigentlichen Sitzungen am 15. und 16. Juni bekannt gemacht werden.

„Möge unsern gemeinnützigen Instituten durch eine recht zahlreiche Betheiligung ein weiterer Anstoß und nachhaltige Förderung in dem weitesten Kreise aus dieser ersten Vereinigung erwachsen!“

Delitzsch, im April 1859.

Schulze (Delitzsch). Hallbauer (Meißen). Schöne (Dresden). Winter (Leipzig). Görgel (Eisleben). Behm (Zerbst). Steinacker (Sangerhausen). Zapp (Luckau). Gerlach (Luckenwalde).




Berka an der Ilm. Bei dem sich immer mehr steigernden Zudrang von Reisenden, welche zur Herstellung ihrer Gesundheit oder zur Erholung einen Aufenthalt in den lieblichen Thälern des Thüringerwaldes suchen, möchte man Allen, welche vorzugsweise eine gesunde, kräftige und doch dabei milde Luft einathmen wollen, den zwei Stunden von Weimar entfernten Badeort Berka an der Ilm empfehlen. Es liegt dieses Städtchen in einem reizenden Wiesenthal an den malerischen Krümmungen der Ilm, rings umschlossen von Eichen-, Buchen- und Tannenwäldern, deren reine und balsamische Luft einen wunderbar befriedigenden Athemproceß erzeugt. An und in dem nahen Tannenwald finden sich Hütten und sonstige Vorkehrungen, um den Tag daselbst verweilen zu können. In allen Richtungen führen gut gebahnte Wege durch Wälder, und Wiesen (in denen besonders kränkliche Kinder sichtlich aufleben) nach benachbarten romantisch-gelegenen Dörfern; auch kann man in wenig Stunden die schönsten Punkte des Thüringerwaldes, Schwarzburg, Paulinzelle, Ilmenau u. a. erreichen; nach Weimar, Rudolstadt, Koburg u. s. w. ist dreimal täglich Postwechsel. Wohnung und Kost sind einfach, gesund und billig. Die dortige Badecommission, an deren Spitze der rationell tüchtige Arzt Dr. Ebert steht, hat neben den Stahl- und Schwefelbädern auch Fichtennadelbäder eingeführt, die je nach Gefallen benutzt werden können. Wir von unserm Standpunkt aus, die wir den verschiedenen Badewässern Deutschlands und des Auslandes sehr wenig Heilkraft zutrauen, können natürlich Berka nur wegen seiner wirklich reizenden und gesunden Lage und seiner sonstigen vielen Annehmlichkeiten Allen, welche einige Monate Ruhe und gesunde Luft suchen, empfehlen.


Die Illustrationen vom Kriegsschauplatze werden in einer der nächsten Nummern ihren Anfang nehmen.

  1. Make a light, mach ein Licht, für: sehen; flourbag, Mehlsack – Alles was weiß ist, in dem wunderlich gebrochenen und verstümmelten Englisch, das die Eingeborenen von den weißen Arbeitern lernen.