BLKÖ:Rybička, Anton Franz

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 27 (1874), ab Seite: 326. (Quelle)
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Rybička, Anton Franz (čechischer Schriftsteller, geb. im Städtchen Skutec im Chrudimer Kreise Böhmens am 30. October 1812). Nach seinem Geburtsorte Skutec erscheint R. auch öfter mit dem Beinamen Skutecsky. Nachdem R. seine erste Erziehung im Elternhause und in der Schule seines Geburtsortes erhalten hatte, kam er im Jahre 1824, damals 12 Jahre alt, an die Hauptschule nach Mährisch-Trübau, wo er auch die ersten Gymnasialclassen besuchte. Das Gymnasium und die philosophischen Studien beendete er in den Jahren 1827–1831 in Leitomischl und ging dann nach Prag, wo er in den Jahren 1834–1837 dem Studium der Rechtswissenschaften oblag, zugleich aber an der philosophischen Facultät die Vorlesungen aus jenen verschiedenen Disciplinen hörte, deren Besuch nicht gesetzlich vorgeschrieben ist. Schon während seiner Studien befreundete er sich mit den Zeitgenossen der jüngeren čechischen Literatur, lernte aber auch die Veteranen derselben, wie Hnevkovsky, Klicpera, Stepanek, Devoty, Ziegler u. A. kennen. Nachdem er die juridischen Studien beendet, trat er im Jahre 1838 bei dem Magistrate in Chrudim in die Praxis, legte in dieser Zeit die Appellations- und politische Prüfung ab und wurde im Jahre 1840 Auscultant bei dem erwähnten Magistrate, in welcher Stellung er bis 1846 verblieb. Mit Decret vom 9. April 1846 wurde er zum Accessisten bei der vereinigten Hofkanzlei in Wien und am 19. October 1847 zum böhmischen Translator ernannt. Von dieser Zeit an wurde R. zu verschiedenen Dienstleistungen verwendet, so als Dolmetsch bei der im Jahre 1848 errichteten Hofcommission zur Schlichtung der Streitigkeiten in Sachen der Grundlastenablösung, im Jahre 1849 zu der von dem Justizministerium in Wien eingesetzten Commission wegen Feststellung einer juridisch-politischen Terminologie der slovenischen Sprachen; im nämlichen Jahre noch als provisorischer Redacteur des čechischen Textes des österreichischen Reichsgesetzblattes. Einer in der Zwischenzeit erfolgten Ernennung als Assessor beim Kreisgerichte in Kuttenberg kam R. nicht nach, da er in seiner vorerwähnten Stellung als Redacteur verblieb. Am 7. Februar 1851 wurde R. zum Rathssecretär bei dem obersten Gerichtshofe und am 25. September 1857 zum Hofsecretär an eben dieser Stelle ernannt, in welcher Eigenschaft R. noch bis zur Stunde thätig ist. Aber diese amtliche Laufbahn, die eben nichts Außerordentliches in sich faßt, ist es nicht, was ihm eine Stelle in diesem Werke einräumt, sondern seine unermüdliche, die Sache der Čechen nach allen Richtungen fördernde literarische Thätigkeit. Die Muße seines Berufes verwendet R. zu eindringlichen Studien über die Vergangenheit seines engeren Vaterlandes, dessen Geschichte er nach den verschiedensten Richtungen mit nie ruhendem Eifer, kleine, aber sichere Erfolge erzielend, durchwühlt. Es ist kein Gebiet, das einigermaßen Behandelnswerthes darbietet, das R. nicht betreten hätte, und wenn die Qualität des Gebotenen immer auch mit der Quantität gleichen Schritt hielte, wäre R. ein literarisches Phänomen, das seines Gleichen im Lande Böhmen nicht hätte. Diese zahllosen Arbeiten sind jedoch zum kleinsten Theile selbstständig erschienen, sondern zerstreut in den verschiedenen čechischen Blättern – R. schreibt Alles in [327] čechischer Sprache – welche in Böhmen und Mähren erscheinen. Die bibliographischen Titel seiner selbständig herausgegebenen Schriften sind in chronologischer Folge: „Místní policejní pořádek kr. krajského a vénného města Chrudimě“, d. i. Localpolizei-Ordnung der kön. Kreis- und Leibgedingstadt Chrudim (Chrudim 1840, Jos. Kosina, Fol.), dem deutschen Originaltexte hat R. die čechische Uebersetzung beigefügt; – „Formuláře k řádu trestnímu od 17. ledna 1850“, d. i. Formularien zur Strafprozeß-Ordnung vom 15. Jänner 1850 (Wien, Staatsdruckerei, 4°.), auch abgedruckt in dem damals in Wien erscheinenden „Videnský denník“, d. i. Wiener Tagblatt. R. als Redacteur des čechischen Textes des Reichsgesetzblattes besorgte die Uebersetzung und Herausgabe dieser Formularien; – „Život a působení Václava Měteje Kramériusa“, d. i. Leben und Wirksamkeit des Wenzel Math. Kramerius (Prag 1859, 8°.), erschien zur Säcularfeier von dessen Geburt; – „O erbích, pečetech a znacích stavu kněžského v Čechách“, d. i. Von den Wappen, Siegeln und Insignien des geistlichen Standes in Böhmen (Prag 1862, 4°., mit vier Wappentafeln), erschien zuerst in den Abhandlungen der kön. böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften (V. Abtheilung. 12. Heft); – „Josef Vlastimil Kamaryt. Obraz životopisný“, d. i. Joseph Wlastimil Kamaryt. Eine biographische Skizze (Tabor, 12°., mit Kamaryt’s Bildniß), ist auch der Ausgabe der gesammelten Schriften Kamaryt’s (Sebrané světské a duchovné básně), die 1867 bei Gregr, in Prag erschienen sind, beigegeben; – „Mestane a študující Pražské r. 1648. Pomučka místo-a rodopisná“, d. i. Die Bürger und Studenten Prags im Jahre 1648. Ein Beitrag zur Stadt- und Geschlechtergeschichte (Prag 1870, Verlag des böhmischen Museums, 8°.); – „Pravidla, přísloví a povědeni vztakujici se k správě veřejní a obecní i k právu občanskému a trestnímu. ...“, d. i. Regeln, Sprichwörter und Maximen, betreffend die Staats- und Gemeindeverwaltung, das bürgerliche und Strafrecht (Prag 1872, Gregr, 8°.), diese höchst interessante Arbeit, an der R. viele Jahre gesammelt und welche 4232 alte böhmische Rechtsmaximen und Sprichwörter umfaßt, bildet einen nicht unwichtigen Beitrag zur vaterländischen Rechts- und Culturgeschichte, wie denn auch zur juridischen Terminologie und wurde bei ihrem Erscheinen von der Fachkritik mit gerechtem Beifalle begrüßt. Von den zahllosen Arbeiten aber, welche R. in fast allen oder doch den wichtigeren und verbreitetsten čechischen Blättern Böhmens und Mährens veröffentlichte, werden hier mit nächstem Hinblicke auf dieses Lexikon die biographischen, dann aber die bedeutenderen historischen und culturhistorischen ausgewählt und mitgetheilt. Im Časopis českeho Muzeum befinden sich von R. folgende Lebensskizzen berühmter Rechtsgelehrten: „Vit Ofthalmus z Oskořína (1863, S. 313); – Kašpar Ján Bilenberku (ebd. S. 398); – Franz Kašpar Brozowsky z Pravoslaw (1864, S. 95); – M. Pável Kristian z Koldina, Verfasser der böhmischen Staatsrechte, † 1589 (ebd. S. 393); – die Biographie des berühmtesten čechischen Buchdruckers Georg Melantrich von Aventin (1865, S. 123); – ferner die Biographien folgender čechischer Gelehrten der Neuzeit: Dominik Franz Kinský, gelehrten Piaristen (1866, S. 284); – Joseph Miroslav Rautenkranz (Rautovsky [328] (1868, S. 191); – Joseph Liboslav Ziegler (1869, S. 34); – des Exjesuiten Stanislaus Vydra (1870, Nr. 55) und des Vincenz Zahradník (1871, S. 28); – in der naturwissenschaftlichen Zeitschrift Živa die Lebensskizzen des Nikolaus Šud v Semanin, berühmten Mathematikers, † 1557 (1861, S. 321); – des Botanikers Adam Zaluzansky von Zaluzan, † 1613 (1856, S. 252); – des Metallurgen Lazar Erkher von Schrekenfels † 1593 (1860, S. 176); – im Sbornik, d. i. Der Sammler, einem in Prag erscheinenden Schullehrer-Schematismus, die Biographie des Blindenlehrers Anton Doležálek, † 1849 (1861, S. 79); – in der čechischen archäologischen Zeitschrift Památky archeologické a místopisné, d. i. Alterthümliche und topographische Denkwürdigkeiten: Biographie des Karl R. Biener v. Bienenberg, des Vaters der böhmischen Archäologie (Bd. III, S. 254); – im Blahovest, d. i. der Wohlfahrtsherold, einer von Stulc redigirten kirchlichen Zeitschrift, die Biographie des Johann Horák v Milesovka, Erziehers der Kinder Kaiser Ferdinand’s I. (Jahrg. 1837); – in den Květy, d. i. Blüthen, einer Prager illustrirten Zeitschrift, die Biographie des Kupferstechers Georg Döbler (1866, Nr. 21 u. 22); – im Světozor, einer im Verlage Skrejšowsky’s erscheinenden illustrirten Zeitschrift, die Biographie des Porträtmalers und Lithographen Anton Machek (1869, S. 131, mit Bildniß); – des berühmten Malers Karl Skreta von Zavořic (Carlo Screta, † 1672) (1869, S. 42), diese kritisch bearbeitete Monographie erschien auch im Separatabdrucke unter dem Titel: „Karel Skreta ze Zavořic“ (Prag 1869, Lex. 8°.), mit 3 Abbildungen) – und des berühmten Prager Glockengießers Bartel Zvonař v Cimperk (1872, S. 159); – überdieß enthalten die in den Jahrgängen 1770 u. 1771 des Světozor unter dem Titel: „Pomůcky k českému listévni životopisném“, d. i. Behelfe zum böhmischen biographischen Diplomatar, abgedruckten Originalcorrespondenzen, Stammbuchaufsätze, Devisen u. s. w. wesentlich biographisches Materiale; hieher gehört auch die den Gedichten von K. S. Schneider: „Básně K. S. Šneidera“ (Prag 1870, 8°.) vorangeschickte Lebensskizze des Poeten, welche R. eigens für diese Ausgabe geschrieben. Im čechischen, von Rieger und Maly, eigentlich nur von Letzterem redigirten Conversations-Lexikon Slovník naučný ist der größere Theil der darin vorkommenden Biographien böhmischer und mährischer Gelehrten und Schriftsteller älterer und neuerer Zeit von R. verfaßt, hier geschieht jedoch nur der bedeutendsten Erwähnung, und zwar der Biographien des Vuk Stefanowitsch Karadschitz, welche Lebensskizze R. nach von Vuk selbst mitgetheilten mündlichen und schriftlichen Notizen schrieb; des Genealogen Bart. Paprocky von Glagol; des Dramaturgen Johann Stěpanow; der Gebrüder V. und K. Tham; des berühmten böhmischen Rechtsgelehrten M. Kornelius von Vsehrd und des als čechischen Cicero geltenden M. Adam Daniel von Veleslavina. Nicht minder fleißig wie das Gebiet der Biographik bebaute R. jenes der Genealogie, worüber seine meisten Arbeiten im Lumír und in den Archeologické Památky enthalten sind. Davon sind besonders hervorzuheben die in den Památky veröffentlichten: „Pomůcky místo a rodopisné měst pražských“, d. i. Beiträge zur [329] Genealogie und Topographie der Prager Städte (Bd. III, S. 217 u. 362); – „O Nymburských rodínách erbovních“, d. i. Ueber die Wappenfamilien der Stadt Nymburg (Bd. III, S. 92); – „O šlechtíckých a erbowních rodinách Čáslavských“, d. i. Von den adeligen und den Wappen der Stadt Časlau (Bd. V, S. 353); – „O rodíně Štítných z Štítné“, d. i. Von dem Geschlechte der Štitny, dessen Stammvater der berühmte Gelehrte Thomas v. Stitný, gest. um 1400, gewesen; – „O Dobřenských z Dobřenic, genealogicka studie“, d. i. Genealogische Studie über die Dobrzenský von Dobrzenic (Neue Folge, Bd. II (1872), S. 431 u. 531). Die im Slovník naučný enthaltenen genealogischen Artikel stammen zum großen Theile aus R.’s Feder, aus diesen sind insbesondere anzuführen: „Paní z Vřesovic“, d. i. Die Herren von Vřesovic; – „z Žerotina páni“, d. i. die Herren von Zierotin, eine sehr ausführliche und die erste kritisch bearbeitete genealogische Studie dieses alten Herrengeschlechtes, auf welches durch die quellenmäßige Arbeit des leider zu früh verstorbenen (gest. 28. März 1863) Peter Ritter von Chlumecky über die Correspondenz und Tagebücher des berühmten Karl des Aelteren von Zierotin die Aufmerksamkeit der Geschichtsforscher mit Recht gelenkt worden ist; im Časopis českého Muzeum neben vielen kleineren genealogischen Artikeln jener über die Familie des berühmten Kupferstechers Hollar (1855, S. 300); – über den Historiker Paul Skála v. Zhoř (1858, S. 454); – des Rechtsgelehrten M. Viktorin Kornel v. Vshrd (1856, S. 82); – über den Historiker Martin Kuthen von Sprimsberg (1860, S. 82) und dann die beiden umfassenden genealogischen Abhandlungen: „O rodině erbovní Svěchímů z Paumberku“, d. i. Ueber die Wappenfamilie der Svechině von Paumberg im 16. und 17. Jahrhundert (1862, S. 255), und „Balbinové jinák Skopnicové z Vorližné“, d. i. Die Königgrätzer und Prager Wladiken-Famílie der Balbine, auch Skonice von Vorlizne, im 16. und 17. Jahrhundert, sammt einer kritischen Biographie des bekannten Polyhistors Bohuslaus Balbinus, gest. 1688 (1871, S. 392). An die genealogischen Arbeiten schließen sich die heraldischen, welche bisher meist druckfertig in seinem Pulte liegen und denen er vorderhand nur einen in den Archeologické Památky (Bd. V, S. 118–131) unter dem Titel: „Něco o umění heraldickém“, d. i. Etwas über die Wissenschaft der Heraldik, abgedruckten Leitfaden über die Heraldik voranschickte; darin hat er die heraldische Terminologie nicht neugeschaffen, sondern durchwegs auf Grundlage alter čechischer Wappenbeschreibungen festgestellt. Druckbereit sind aber eine ausführliche Beschreibung der Wappen der wegen der Belagerung Prags durch die Schweden im Jahre 1648 geadelten Bürger und Studenten, welche sich zur Zeit als Handschrift in den Sammlungen des böhmischen Museums befindet; ferner die Beschreibungen der Wappen und Siegel, die im 16. und 17. Jahrhunderte an verschiedene böhmische, mährische und schlesische Städte und Märkte verliehen wurden, und ferner eine Sammlung der in derselben Periode von der ehemaligen böhmischen Hofkanzlei an verschiedene Gelehrte, Künstler, Beamten und Bürger verliehenen Wappen und Siegelbriefe (listy erbovní). Nicht minder fleißig war R. auf dem Gebiete der Topographie, [330] der vaterländischen Kunst- und Gewerbegeschichte: auf ersterem sind es namentlich die Städte Chrudim und Prag, die er nach verschiedenen Richtungen durchforscht und wovon er die Ergebnisse in kleineren und größeren Aufsätzen in den Památky archeologické“ (Bd. I–IV, VII u. VIII) und im „Časopis českého Muzeum“ (1848 u. 1849) veröffentlicht hat. Nach seiner Uebersiedelung nach Wien widmete er auch dieser Stadt seine Aufmerksamkeit und verfaßte eine ausführliche čechische Beschreibung der kaiserlichen Residenz, wovon aber nur ein geringer Theil, die Beschreibung der monumentalen, kirchlichen und weltlichen Bauten Wiens enthaltend, im Poutník, d. i. der Pilger, einem unter diesem Titel erscheinenden Kalender für das Jahr 1847, erschienen ist. Auch veröffentlichte er ebenda und in der Unterhaltungs-Zeitschrift Květy, d. i. Blüthen, im Jahre 1847 mehrere Skizzen aus der Geschichte Wiens, worunter jene im Poutník 1847 über Johann den Prachatitz, Erbauer des St. Stephansthurmes, hervorzuheben ist. Seit April 1846 bis 1848 war R. stehender Correspondent der Prager Zeitschrift Květy und hat während dieser Zeit über das Cultur- und sociale Leben, sowie über die literarische Thätigkeit der in Wien lebenden Slaven umständliche, auf eigene Wahrnehmung gestützte Berichte erstattet, so daß diese einem künftigen Monographen des Wiener Slavenlebens nicht unwichtige Behelfe bieten werden. An kunst- und gewerbegeschichtlichen Beiträgen veröffentlichte R. in verschiedenen čechischen Blättern ausführliche Beschreibungen der in verschiedenen Städten Böhmens und in Wien befindlichen alten böhmischen Gesangbücher (cantionale), die zum großen Theile mit sehr schönen Miniaturen geziert und auch in sprachlicher, künstlerischer und sittengeschichtlicher Hinsicht merkwürdig sind; er lenkte dadurch die Aufmerksamkeit seiner Landsleute auf diese Bücher und wirkte so auf die bis dahin ziemlich vernachlässigte Pflege der vaterländischen Kunstgeschichte. Von den dahin einschlägigen Mittheilungen sind mit Uebergehung einiger, für Bücher- und Handschriftensammler interessanten Beschreibungen von Cantionalen, welche im Časopis 1848 und in den Památky (Bd. II u. VI) enthalten sind, zunächst bemerkenswerth mehrere biographische Notizen über čechische Maler, so in den Památky über Matthäus Rados, den Illuminator der Königgrätzer Cantionalen (Bd. II, 2. 183); über Matthäus Ornys, den Illuminator des Leitomischler Gesangbuches (ebd. S. 90); über den bisher unbeachteten Frescomaler Juda Super (Bd. VI, S. 398); dann noch über mehrere andere unbekannte böhmische Maler im Artikel: „Pomůcky k biogr. slovníku českých malířů“, d. i. Beiträge zum biographischen Lexikon böhmischer Maler (ebd., Bd. III, S. 137; Bd. IV, S. 31; Bd. VIII, S. 141]. Von seinen gewerbs- und anderen culturgeschichtlichen Artikeln sind nennenswerth im Časopis českého Muzeum: „Příspěvky k dějepisu českého průmyslu“, d. i. Beiträge zur Geschichte der böhmischen Industrie (1847, Bd. II, S. 158); – „O někdejším zřízení a spúsobu řemesla zlatnického v Čechách“, d. i. Die ehemalige Innung der Goldarbeiter in Böhmen (1857, S. 316); – „Práva řezníkům chrudimským daná od obce r. 1455“, d. i. Die den Chrudimer Fleischern von der dortigen Gemeinde im Jahre 1455 verliehenen Satzungen (1863, S. 211); – in der [331] Zeitschrift Lumír: „Artikulové vínohradské méstys dolních Kauníc“, d. i. Die Weinbergartikel des Marktes Unterkaunitz in Mähren (1859, S. 858); – „K dějepisu hospodařství polného v Čechách“, d. i. Zur Geschichte der Agricultur in Böhmen (1859, S. 688); – in den Sitzungsberichten der kön. böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften der Classe für Philologie, Geschichte und Philosophie: „O právich a výsadách židů českých“, d. i. Von den Rechten und Privilegien der böhmischen Juden seit dem 15. bis 18. Jahrhundert (1872, S. 3); – im schon mehrerwähnten Časopis: „Řád polícejní města Chrudimě z r. 1515“, d. i. Polizei-Ordnung der Stadt Chrudim aus dem Jahre 1515 (1848, Bd. I, S. 199); – „Rozepné mezí stavem panským a rytířským a mezí městy morawskými“, d. i. Streitigkeiten zwischen dem Herren- und Ritterstande einerseits und den mährischen Städten andererseits im 15. und 16. Jahrhunderte (1849, Bd. II, S. 87); – in der rechtswissenschaftlichen Zeitschrift Právník: „Starý řád soudní markrabství moravského“, d. i. Die alte Gerichtsordnung der Markgrafschaft Mähren aus dem Jahre 1531 (1862, S. 14–31) – und im Lumír: „Marek Mardochej Mayšl žíd pražský“, d. i. Marx Mardochai Maysl, Prager Jude, und die ihm von Kaiser Rudolph II. ertheilten Privilegien (1856, S. 278). Ein nicht geringes Verdienst endlich erwarb sich R. um die čechische Bibliographie der älteren Literatur, die bis dahin ziemlich im Argen gelegen, wie denn auch die der neueren eines besseren Kataloges bedarf, als es der von Doucha redigirte „Knihopisný slovník“ ist. R. hat nämlich unzählige ältere und neuere, bisher unbekannte oder doch bereits verschollene gedruckte und handschriftliche Werke in čechischer Sprache oder sonstige Bohemica in alten Archiven, Bibliotheken und Antiquar-Buchhandlungen aufgesucht und ihre Titel nebst Inhalt seit 1856 im Časopis českého Muzeum unter der Ueberschrift: „Kněhopisné doplňky“, d. i. Bibliographische Nachträge, mitgetheilt. Es ist eine reiche, freilich nur einem kleinen Theile zu gute kommende Thätigkeit, welche sich in der vorstehenden Darstellung unseren Blicken erschließt, wobei noch hinzuzufügen ist, daß sich R.’s Arbeiten vorwiegend auf eigene Wahrnehmung und Prüfung gründen, daher auch seine Angaben nicht selten von denen anderer, denselben Gegenstand behandelnden abweichen. Zum Schlusse sei bemerkt, daß R. correspondirendes Mitglied der kön. böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften, des Museums des Königreichs Böhmen und der archäologischen Section desselben, des historischen Vereins in Prag, der Matice česká und morawská, der böhmischen nepomucenischen und mährischen St. Cyrill und Method-Häredität, welche sich mit der Čechisirung durch Verbreitung von Volksschriften beschäftigt, und Ehrenbürger der Kreisstadt Chrudim ist.

Hanus (I. Dr.), Quellenkunde und Bibliographie der böhmisch-slovenischen Literaturgeschichte seit 1348 bis 1868 (Prag 1868), S. 246. – Jungmann (Jos.), Historie literatury české, d. i. Geschichte der böhmischen Literatur (Prag 1849, F. Řiwnáč, 4°.) Zweite, von W. W. Tomek besorgte Aufl., S. 623. – Šembera (A.), Dějiny řeči a literatury české, d. i. Geschichte der böhmischen Sprache und Literatur (Wien 1869, 8°.) S. 253, 274, 275, 427, 428. – Světozor, d. i. Weltpanorama (Prager illustr. Zeitschrift. Fol.) I. Jahrg. (1867), Nr. 23, S. 223: „Biographie“. – Slovník naučný. Redaktor Dr. Frant. Lad. Rieger, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Lad. [332] Rieger (Prag 1859, Kober, Lex. 8°.) Bd. VII, S 1189, und im Nachtrag Bd. XI, S. 130. – Porträt. Im „Světozor“. Holzschnitt-Bildniß im Jahrg. 1867, Nr. 23.