Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Hoedel, Joachim
Band: 9 (1863), ab Seite: 93. (Quelle)
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Höfel, Blasius (Kupferstecher und Xylograph, geb. zu Wien 27. Mai 1792).[BN 1] Sein Vater, ein geborner Münchener, war erst Schullehrer, dann Beamter des Mercantil- und Wechselgerichts in Wien. Der Sohn erhielt den ersten Unterricht an der Zoller’schen Hauptschule auf dem Neubau in Wien, und da er ein ungewöhnliches Talent im Zeichnen beurkundete, nahm er auch am Zeichnenunterrichte des Institutes Theil, bald alle [94] seine Mitschüler im Zeichnen übertreffend. Die gute Stimme des Knaben und die Dürftigkeit der Eltern veranlaßten seine Verwendung als Chorknabe, anfänglich in mehreren Kirchen, später im Theater an der Wien, welches er aber nach einiger Zeit verlassen mußte, da sich der Vater mit dem Gedanken nicht befreunden konnte, seinen Sohn an einem Orte zu wissen, der ihm nach der damaligen Anschauung ein Gräuel (!) war. Endlich gelang es, H. an die Akademie der bildenden Künste zu bringen, an welcher damals Hagenauer [Bd. VII, S. 193] als Director wirkte; mit diesen eigentlichen Lehrjahren für seinen künftigen Beruf begannen aber auch H.’s Leidensjahre, da er, in den kümmerlichsten Verhältnissen lebend, sich auf das mühsamste selbst forthelfen mußte. Während er den Tag über in der Akademie zu seiner Ausbildung studirte und arbeitete, erwarb er sich bei Nacht mit Illuminiren von Bildern und dergleichen seinen kärglichen Lebensunterhalt. Die Bekanntschaft mit dem Sohne des tüchtigen Kupferstechers Mansfeld wie der Rath des Custos Egger veranlaßten H. sich für die Kupferstecherkunst auszubilden; Letzterer empfahl ihn auch seinem Freunde Quirin Mark, welcher aber erst durch H.’s schöne Arbeiten bewogen werden konnte, ihn als Schüler anzunehmen. Vier Jahre arbeitete H. bei Mark und erlernte die Streichmanier mit dem Grabstichel und der Nadel, bald auch die damals beliebte Punctirmethode. Nach vollendeter Lehrzeit erhielt H. Beschäftigung durch Artaria [Bd. I, S. 72], diesen in Oesterreichs Kunstgeschichte hervorragenden Kunsthändler. 1820 bewarb er sich um die Professur der freien Handzeichnung an der k. k. Wiener Neustädter Militär-Akademie, welche Stelle er auch erhielt und nunmehr ganz der Kunst lebte. 1827 unternahm er eine Reise nach Italien, 1829 eine zweite nach Deutschland, auf welcher er in Weimar mit Goethe zusammentraf. Diese zweite Reise hatte H. angetreten, vornehmlich um aus dem Zustande der Lithographie, die damals eben einen großen Aufschwung genommen, wahrzunehmen, ob für den Kupferstecher noch ein Erfolg erübrige, ob nicht, welche Antwort nach seiner Ansicht verneinend ausfiel. Um diese Zeit begannen eben in England die neuen Versuche mit der Xylographie und H. hatte die Arbeiten von Gubitz in Berlin kennen gelernt. Er warf sich nun mit allem Eifer auf die Holzschneidekunst und schon sein dritter Versuch, Waldmüller’s „Alte betende Frau“, fand so großen Beifall, daß, so viel er selbst weiß, dieser Holzschnitt in einer Auflage von 127.000 Exemplaren vervielfältigt wurde. H. war in Oesterreich der erste Xylograph, außer ihm waren damals in Deutschland nur noch zwei bedeutende Männer dieses Faches: Gubitz und sein Schüler Unzelmann, beide in Berlin. Zahlreiche Bestellungen vom Auslande und vieles Zureden von Männern, welche die Zukunft dieses neuen Kunstzweiges voraussahen, bewogen H. 1834 in Wiener Neustadt ein xylographisches Institut zu errichten, welches bald 16 Kunstjünger zählte. Der Holzschnitt „die alte Frau“ hatte die Aufmerksamkeit des Fürsten Metternich auf H. gelenkt, der ihm vorerst eine Erfindung anvertraute, die ein Künstler in Paris gemacht und welche darin bestand, eine Kupferstichplatte auf chemisch-mechanischem Wege beliebig zu vergrößern und zu verkleinern und womit H. auch gelungene Versuche erzielte. Jedoch zu einer gewinnmäßigen Ausbeutung dieser Erfindung kam es nicht; wohl aber mit einer zweiten, [95] welche H. zu Stande gebracht, als ihm Fürst Metternich die von Collard erzeugten Reliefblätter vorwies, welche besonders für numismatische Werke, wie es der Pariser „Trésor numismatique“ bewiesen, eine erfolgreiche Anwendung versprachen. H. hatte bloß aus dem Ansehen der von Collard erzeugten Bilder das Verfahren entdeckt und nach einer eigenen Erfindung Reliefbilder, die damals vollendeter waren als jene Collard’s, erzeugt. Mit dem nachmals durch seine Falsificate zu so trauriger Berühmtheit gelangten Ritter von Boor [Bd. II, S. 60] trat H. nunmehr in Verbindung und brachte nach dieser Methode eine Reihe trefflicher Platten zu dem schönen Werke: „Oesterreichs Ehrentempel“, zu Stande. Der Fürst Metternich, welcher dem erfindungsreichen Künstler sein Wohlwollen zugewendet, hatte ihn nun mit einer Sendung nach Paris betraut, um in der Porzellanfabrik zu Sevres eine Erfindung kennen zu lernen, welche dann in der kais. Porzellanfabrik in Wien angewendet werden sollte. Da brach am Vorabende seiner bereits festgesetzten Abreise, am 8. September 1834, jener verheerende Brand in Wiener Neustadt aus, welcher 633 Häuser in Asche legte und darunter Höfel’s Atelier, seine Maschinen, Kunstvorräthe, von welch’ letzteren jedoch ein namhafter Theil durch die Aufopferung seiner Schüler gerettet wurde. Die Pariser Reise mußte in Folge dieses Ereignisses unterbleiben, der obdachlose H. von Wiener Neustadt in das benachbarte Dorf Fischau übersiedeln und wieder von vorne anfangen. Er stellte eine neue Reliefmaschine auf, welche ihm später, wie auch das Privilegium, von der Nationalbank abgekauft wurden. Im Jahre 1837 wurde in der Wiener Neustädter Militär-Akademie ein neuer Studienplan eingeführt. H., dessen Lehrzweig, als zur Ausbildung eines kais. Officiers nicht gerade nothwendig, ausgeschieden wurde, verlor seine Professur und erhielt wie sein College Eißner [Bd. IV, S. 19], den dasselbe Loos traf, die normalmäßige Pension. Durch die Verwendung des Erzherzogs Rainer sollte nun H. beim Hofkriegsrathe eine geeignete Stelle erhalten. Es waren schon alle Verfügungen getroffen, H. sollte sich nur noch dem Kaiser in Person vorstellen. Aber der Kaiser war bereits erkrankt und der bald darauf erfolgte Tod des Monarchen vereitelte auch H.’s günstige Aussichten. Es blieb ihm nur mehr sein Befugniß, eine Presse zu errichten; mit dieser arbeitete er anfänglich in Wiener Neustadt, machte noch 1837 eine Erfindung, Farbendruck mit der Buchdruckerpresse auszuführen, worauf er ein Privilegium nahm und mit Sollinger in Verbindung trat. Als er später nach erlangter Bewilligung mit seiner Presse nach Wien übersiedelte, gerieth er wegen Ausübung seines Befugnisses in Proceß mit der Zunft, dem durch die Verleihung eines förmlichen Buchdruckerbefugnisses an ihn ein Ende gemacht wurde. Nun löste er seine Verbindung mit Sollinger und übte in Wien förmlich sein Buchdruckergeschäft aus, mit seiner Druckerei einen galvanoplastischen Apparat, eine Stereotypie verbindend und sie sozusagen zu einer eigentlichen Kunstdruckerei gestaltend. Sein Geschäft stand bereits in schönster Blüthe, als die Ereignisse des Jahres 1848 mit ihrem traurigen Gefolge hereinbrachen. Die in Höfel’s Druckerei erscheinende Zeitschrift „Die Parole“, welche gegen den Mißbrauch der Presse eiferte, brachte ihn in Conflicte mit der damals herrschenden Partei. Entweder mußte sich H. herbeilassen, [96] seine Druckerei Zwecken dienen zu sehen, die er verabscheute, oder das Geschäft aufgeben. Er entschloß sich für letzteres, verkaufte Alles, Privilegium, Maschinen und sonstige Vorräthe, mit großem Verluste und verließ Wien, nach Salzburg übersiedelnd, wo er den Rest seines Vermögens durch den Ankauf eines Meierhofes gesichert hatte, auf welchem er noch zur Zeit (70 Jahre alt) seinen häuslichen Geschäften und der Pflege der Kunst lebt. Die Zahl von Höfel’s Werken ist groß und seine vorzüglichsten Blätter sind, u. z. Porträte: „Kaiser Franz“, ganze Figur, im Hintergrunde die Völkerschlacht bei Leipzig (1′ 5″ Br., 2″ H., punct.); – „Die Kaiserin Karolina Augusta“ (1′ H., 9½″ Br., in geschnittener Manier); – „Erzherzog Johann als steirischer Gemsenjäger“ (10″ Br., 1′ 3″ H., in gesch. Man.); – „Cardinal Erzherzog Rudolph“; – „Graf Mittrowsky, Gouverneur von Mähren“; – „Erzherzog Joseph, Palatin“; – „Ladislaus Pyrker, Patriarch von Venedig“; – FML. Baron Faber“; – „Sophie Schröder“; – „Dr. Scherer“; – „Castelli“; – „Rath André“ – „Historienmaler Peter Krafft“; die letzteren 8 Blätter in kleinerem Formate; – „Kaiser Alexander“; – „Ludwig XVIIl.“; – „Feldmarschall Fürst Karl Schwarzenberg“: – „Fürst Blücher“; – „FML. Bianchi Duca di Casalanza“; – „Baron Haager“; – „G. d. K. Graf Klenau“: – „Graf Tettenborn“; – „Graf Czernin“, im Ornate als Vließritter (7″ H., 6 ″ Br.); in diesem eigenthümlich gearbeiteten Blatte ist der Grabstichel mit der Punctirmanier in Verbindung gebracht; – „Moriz Graf Dietrichstein“; – „Oberst-Stallmeister Graf Trautmannsdorf“; – „Leibarzt Raimann“, nach Daffinger, alle diese in 4°, in punctirter Manier; außer diesen über Hundert kleinere Porträte, darunter die ganze kaiserliche Familie, alle fleißig behandelt und sehr ähnlich; – „Friedrich Graf Herberstein“, nach Zeller (1850, 4°.); – „Karl Fürst Lobkowitz“, nach Ebendems. (1853, 4°.). Von seinen geschichtlichen und anderen Blättern sind zu nennen: „Rudolph von Habsburg an Ottokars Leiche“, nach einem Bilde von Petter (Fol.); – „Die Einweihung des Kreuzbildes auf dem Erzberge“, nach Loder; – „Der Abschied des Landwehrmannes“, nach Peter Krafft; – „Zwei todte Steinhühner“, nach Hamilton; die Technik in Behandlung der Federn ist musterhaft; – „Die siebente Plage in Aegypten“, nach Martin und le Kleux. Elfenbeinschnitt (Fol.); – „Christuskopf“, nach Titian (7″ H., 52/3″ Br., schwarze Manier); – „Der Marktschreier“, nach Ritter (1852); – „Ein Fuchskopf“; – „Johannes in der Wüste“, nach Raphael; – „Die Familie Mozart“ (17″ H., 13″ Br.), nach einem in der Familie Mozart befindlichen Oelbilde, das Blatt ist zur Mozartfeier 1855 gestochen; – „Der Invalid“ (20″ H., 16″ Br.); – „Die Toilette“, beide nach Enhuber. In der von S. v. Perger herausgegebenen „Belvedere-Gallerie“ stach H. folgende Blätter: „Karl I.“, nach Van Dyk; – „Der todte Heiland“, nach Andrea del Sarto; – „Lucretia“, nach Cantarini; – „Der Traum des H. Joseph“, nach R. Mengs; – „Jesus unter den Schriftgelehrten“, nach Spagnoletto; „Christus mit Petrus und Paulus“, nach Crespi. Von Höfel’s ausgezeichneteren Holzschnitten sind außer Waldmüller’s „Alter Frau“ (7″ H., 52/3″ Br.) noch anzuführen: „Venus“, nach C. Lebrun (gr. Fol.); – „Die vier Evangelisten“, nach L. Giordano (gr. Fol.); – „Madonna“, nach Führich, zugleich Farbendruck; – „Vier grosse Blätter“, zu einem Missale, welches nach Ungarn bestimmt [97] war; überdieß arbeitete er viel für Zeitungen, namentlich für Bäuerle’s „Theaterzeitung“. Auch größere Suiten zu Werken und Sammlungen hat H. ausgeführt; so mehrere Blätter für Theodor Hell’s Taschenbuch „Penelope“; andere in punctirter Manier zu dem Werke Classische Momente aus der Vaterlandsgeschichte. Die Alterthümer zu den Acten des ungarischen Museums; sechs geschichtliche Blätter (in gr. 4°.) für die Nationalbibliothek in Warschau u. m. a. In diesem wechselvollen Leben wurde H. eine um die andere Auszeichnung zu Theil. In der Akademie der bildenden Künste erhielt er 1843 den Sonnenfels’schen Preis; von dem Könige von Bayern anläßlich des in Kupferstich ausgeführten Porträts der Kaiserin Karolina Augusta die goldene Medaille; auf der Wiener Industrieausstellung 1835 für seine Holzschnitte den ersten Preis und im Jahre 1840 in Berlin für die in fünf Farben und im Holzschnitte erzeugte Landkarte von Wien und Umgebungen die Medaille. Die Ackerbaugesellschaft von Mähren und Schlesien zeichnete H. 1827 mit dem Diplom als Ehrenmitglied aus; die Akademie der bildenden Künste in Wien ernannte ihn 1824 zum Mitgliede; jene in Berlin 1830 zum correspondirenden Mitgliede. H. besaß während seines Aufenthaltes in Wiener Neustadt eine werthvolle Sammlung von mehr denn hundert altdeutschen Gemälden aus der Zeit von 1434–1522; zwei ganze wohlerhaltene Flügelaltäre und seine Gemalin eine reiche Münz- und Medaillensammlung. Was mit diesen Sammlungen geschehen, ob sie eine Beute der Flammen geworden, ist dem Herausgeber dieses Lexikons nicht bekannt. Höfel hat zum zweiten Male geheirathet. Seine erste Frau (gest. 1840), die er im Alter von 20 Jahren (1812) geheirathet, war Karoline Mark, die Tochter seines eigentlichen Lehrers in der Kupferstecherkunst.

Hradisch (Joh. von), Huldigung. Prämien-Album in Wort und Bild (Neutitschein, 1856. 4°.) S. 112: Blasius Höfel von Ferrante, und mit H.’s im Holzschnitte ausgef. Porträt von J. Hackenberg. – Frankl (L. A. Dr.), Sonntagsblätter (Wien, 8°.) 1845, in der Beilage. Kunstblatt Nr. 13, S. 305: „Höfel. Eine Künstlerbiographie“. – Hormayr’s Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst (Wien, 4°.) XIV. Jahrg. (1823), Nr. 40, und XV. Jahrg. (1824), Nr. 37 u. 38. – Kunst-Blatt (Stuttgart, Cotta. 4°.) Jahrg. 1831, S. 369. – „Holzschnitte von Blasius Höfel in Wienerisch Neustadt“; – Jahrg. 1832, S. 83: „Zusätze“ zu dem vorigen Aufsatze. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) II. Bd. S. 593; VI. Bd. und Suppl. V. 483. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1838. Fleischmann, 8°.) Bd. VI, S. 210. – Die Künstler aller Zeiten und Völker. Begonnen von Prof. Franz Müller, fortgesetzt von Dr. Karl Klunzinger (Stuttgart 1857, Ebner und Seubert, gr. 8°.) Bd. II, S. 387 (mit Abbildung seines Monogrammes auf S. 388). – Oesterreichscher Zuschauer. Herausgeg. von Ebersberg (Wien, 8°.) Jahrg. 1837, S. 732 [nach diesem geb. am 17. Juni 1792]. – Heller (Joseph), Praktisches Handbuch für Kupferstichsammler (Bamberg 1823–1836. 8°.) III. Bdchen. S. 156. – Katalog der Ausstellung von Kunstwerken im Gebäude der k. k. Akademie der bildenden Künste bei St. Anna in Wien. 1828: S. 6. Nr. 56, S. 7, Nr. 75 u. S. 8, Nr. 85; – und die Ausstellungs-Kataloge des (neuen) österreichischen Kunstvereins. 1852: März Nr. 66; 1856: November Nr. 12; 1857: October, November Nr. 104. – Jahresbericht des vaterländischen Museums Carolino-Augusteum der Landeshauptstadt Salzburg für das Jahr 1852 (Salzburg 1852, gr. 8°.) S. 56, Nr. 13.

Berichtigungen und Nachträge

  1. Höfel, Blasius [s. d. Bd. IX, S. 93], gestorben zu Salzburg 17. September 1863. [Band 11, S. 432]