Hauptmenü öffnen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Fuchs, Wilhelm
Band: 4 (1858), ab Seite: 395. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Carl Ferdinand Füchs in der Wikipedia
GND-Eintrag: 116845406, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Füchs, Ferdinand|4|395|}}

Füchs, Ferdinand (Musiker, geb. zu Wien 11. Febr. 1811. gest. ebenda in der Nacht vom 6. auf den 7. Jänner 1848). Sein Vater stand im Dienste des Erzherzogs Ferdinand Este und liebte sehr die Musik. Da der Knabe früh großes Talent für diese Kunst zeigte, erhielt er auch noch sehr jung einen Lehrer im Violinspiele. Mit 8 J. spielte er fertig die Geige; später ertheilte ihm Mögele den Unterricht, und als der berühmte Friedr. Wilh. Pixis, der Schwager von F.’s Mutter, nach Wien kam, entsprach Ferdinands Vater den Wünschen des Knaben, ihn mit Pixis nach Prag gehen zu lassen, wo er das Conservatorium 1825–31 besuchte. Während dieses sechsjährigen Besuches des Prager Conservatoriums war F. wohl ein vollendeter Violinspieler geworden, verstand aber von der Composition noch nichts. Er nahm nun – 20 Jahre alt – vorerst Unterricht darin bei Dionys Weber und als er Aug. 1832 nach Wien zurückkehrte, bei Jos. von Blumenthal (s. d. I. Bd. S. 446). Zugleich übte er sich fleißig im Violinspiel, trat 24. Jän. 1836 in seinem ersten Concerte auf, in welchem er bereits eigene Compositionen, darunter: „Ouverture in H-moll für das ganze Orchester“ vortrug. Im J. 1838 wurde er Mitglied des kais. Hofoperntheater-Orchesters (bei der ersten Violine) und nun verlegte er sich mit allem Eifer auf die Composition. In dieser Zeit schrieb er mehr als Studie wie zum Zwecke der Ausführung seine erste Oper „Der Tag der Verlobung“ , wovon nur Einzelnes zur Aufführung kam. In mehreren Concerten, welche er nun von Zeit zu Zeit gab, trat er mit neuen Compositionen auf, darunter mit dem „Notturno“ , einer älteren neu bearbeiteten Composition (II. Concert 6. Jänner 1841) und mit der „Ouverture zu Grillparzers Traum ein Leben“ (III. Concert 6. Jänner 1842). 1843 legte er, weil ihm die Proben zu viel Zeit raubten, seine Stelle beim Orchester nieder und übernahm den ihm angetragenen Posten eines Lehrers der Gesangschule an der protest. Hauptschule und eines Cantors der beiden evangelischen Kirchen in Wien, sowie die provisorische Direction der Zöglings-Concerte des Conservatoriums, welche er bis April 1844 behielt. In diese Zeit fällt eine für das Leben des Künstlers einflußreiche Episode. In einer Probe von Meyerbeers „Ghibellinen“ sang ein Mädchen die Parthie des Pagen mit so geringem Erfolge, daß es das Vorhaben, noch ferner die Bühne zu betreten, aufgeben zu müssen schien. Da faßt des Mädchens Hand eine andere Hand und führt es hinter die Coulissen. „Ich werde heut zu Ihnen kommen und mit Ihnen den Part einstudiren, verzagen Sie nicht, Alles wird sich zum Besten wenden“. Dies waren die Worte des helfenden Freundes. Bald darauf singt das Mädchen die Parthie des Pagen und erntet rauschenden Beifall; dieser Freund war Füchs und das Mädchen: die nachmals gefeierte Tuczek. Die Schülerin fesselte bald auch das Herz des Künstlers und übte Einfluß auf dessen künstlerische Richtung; Verhältnisse von Außen trennten jedoch den Bund der Seelen. Eine mit seinem Freunde Prechtler (s. d.) nach Deutschland unternommene Reise hatte fördernde Verbindungen mit der Fremde zur Folge und rief durch wechselseitige Anregung des Dichters und Musikers dessen Hauptwerk die Oper: „Guttenberg“ in’s Leben, wozu Prechtler das libretto schrieb. Im J. 1844 war die Oper vollendet und wurde 1845 bei [396] der Hofoperntheater-Direction eingereicht. Statt der vergeblich versuchten ersten Aufführung auf der Hofbühne, fand selbe in Graz am 1. April 1846 mit glänzendem Erfolge statt. Nachdem dieses Tonwerk früher noch in Brünn (18. October 1846) gegeben worden, gelang es dem Componisten, dasselbe im Theater an der Wien zur Darstellung zu bringen, wo es Staudigl (19. Nov. 1846) zur Einnahme wählte. Die Oper erntete reichen Beifall. Diabelli u. Co. übernahm den Verlag des Werkes, das Füchs dem Meyerbeer widmete. Im nächsten Jahre componirte er die komische Oper „Die Studenten von Salamanca“, wozu Pablasek den Text geschrieben. Schon im J. 1846 wurde F. von einer schweren Krankheit befallen, von der er sich nie recht mehr erholen konnte. Als im Mai 1847 sein Leiden einen immer bedenklicheren Charakter annahm, brachte ihn seine Mutter nach Nußdorf (13. Mai), wo die milde Gebirgslust heilend wirkte. Als er Ende September in die Stadt zurückgekehrt, schien er völlig genesen; aber schon Ende October trat ein neuer Anfall seines Leidens ein, dem er in wenigen Wochen in den Armen der Mutter mit den letzten Worten: „Behüt dich Gott“ erlag. Füchs war 37 Jahre alt geworden. Er liegt aus dein St. Marxer Friedhofe bestattet. 48 Werke sind von F. durch den Druck bekannt geworden. Der größte Theil besteht aus Compositionen zu Liedern von Schiller, Goethe, Tieck, Gleim, Mathisson, Rückert, Eichendorf, Heine, Geibel, Bechstein, Frankl, Prechtler u. A. Außerdem befinden sich darunter: „Concertino avec 2 Viol. Alto, Violoncelle et Basso [A-Moll]“ (op. 1, Wien, Witzendorf); – „Concertino für Horn“ (op. 17, Stuttg. Allg. Mus. Handlung); – „Offertorium [de profundis]“ (op. 34, Haslinger); – „Streichquartett, 2 Violin, Viola und Bass in D“ (op. 36, Wien, Haslinger); – „Adagio für 2 Violinen, Alt und Bass“ (op. 39); – „Jagdchor für vier Männerstimmen“ (op. 40, Simrok in Bonn). Sein Nachlaß enthält die vollständige Partitur der Oper: „Die Studenten von Salamanca“, 3 Ouverturen für das ganze Orchester (in D, C und H), mehrere Concertstücke, Quintetten, Quartetten, 10 Männer-Vocal-Quartetten und viele Lieder mit Pianobegleitung. Schließlich sei hier noch des regen Antheils erwähnt, den F. an der Begründung des zu Ende 1843 von August Schmidt in’s Leben gerufenen Männergesang-Vereins nahm, dessen Singübungen er als Vereins-Chormeister so lange leitete, bis er diese Stelle in die Hände seines Jugendfreundes Gustav Barth (s. d. I. Bd. S. 165) niederlegte. Nach F.’s Tode trat ein Comité zusammen, welches ein Concert veranstaltete (20. Febr. 1848), dessen Ertrag zur Aufstellung eines Grabsteines bestimmt war.

Wiener allg. Musikzeitung. herausg. von Luib (Wien, 4°.) 1846 (VI. Jahrg.) Nr. 41 u. 42. – 1848 (VIII. Jhrg.) Nr. 11–17, 19–23: „Nekrolog“ von Dr. August Schmidt [in Nr. 23 mit vollständiger Angabe seiner Werke und im Nachlasse gefundenen größeren und kleineren Compositionen]. – Charakteristik.Füchs als Compositeur erregte große Erwartungen. Sein „Guttenberg“ wurde von der Kritik als ein wahrhaft deutsches Opernwerk bezeichnet. Seine größte Stärke besaß er in der Melodie, worin er aber, jedes Effecthaschen vermeidend, nur mit künstlerischen Mitteln wirkte. Der elegische Zug, der in F. dem Menschen überall durchschimmerte, herrscht auch in seinen Compositionen vor, ohne jedoch in eitle Empfindelei sich zu verlieren, sondern vielmehr ein reines tiefes Gefühlleben abspiegelnd. Durch seinen schnellen Tod verlor die Kunst einen Jünger, der ihren rechten Pfad wandelnd, noch Bedeutendes geleistet hätte“ (so ein Freund des Todten).
Ende des vierten Bandes.