Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V. Section/H21

Heft 20 des Voigtländischen Kreises Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen von Gustav Adolf Poenicke
Heft 21 der Section Voigtländischer Kreis
Heft 22 des Voigtländischen Kreises
Die Beschreibungen sind auch als Einzeltexte verfügbar unter:
  1. Weissensand
  2. Raschau
  3. Erlbach



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Weissensand,


31/4 Stunden nordöstlich von Plauen, 21/4 Stunden von Greiz, 3/4 bis 11/4 Stunde von Reichenbach, Mylau, Treuen, Netzschkau und Lengefeld, in einer angenehmen, zwar ziemlich bergigen, aber nicht rauhen Gegend, meist am linken Ufer der Göltzsch gelegen.

Das dasige Rittergut besitzt weiter keinen Ort, hat aber vortreffliche Felder und Wiesen und stark veredelte Schäferei und gute Brauerei, auch mit den Gütern Mylau und Friesen die hohe Jagd auf der Flur des Orts: überhaupt gehört dieses Gut zu den grösseren und bedeutenderen der hiesigen Gegend. Auch gehören zum Gute grosse und schöne Teiche.

Weissensand Dorf und Gut sind sehr alten Ursprungs. Beide gehörten im 11. Jahrhundert zur Herrschaft Myla, und die Herren von Myla waren bis zum 12. Jahrhundert im Besitze von Brunn, Friesen, Cunsdorf, Lambzig, Ober- und Unterhainsdorf, Oberreichenbach, Rothschau, Schneidenbach, Schönbach, Waldkirchen, Weissensand und Plohn, nebst Mylau, Reichenbach und dem Flecken Lengefeld.

Schon in der Mitte des 13. Jahrhunderts aber wird ein Voigt Heinrich von Gera als Lehrherr dieser Herrschaft genannt, welcher die Herren von Göllnitz mit Weissensand beliehen hatte und nach ihm bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts hatten sie die Voigte von Plauen und Greiz im Besitz, während noch im Jahre 1317 Heinrich und Marquard von Milin und Ritter Fritz von Milin, der zwischen 3 reussischen Herren zu Altenburg abgeschlossenen Vertrag als deren Lehnsleute mit unterschrieben haben.

Die Voigte von Plauen hatten die Herrschaft bald als böhmisches, bald als Reichslehn innen.

Nachdem die Voigte von Plauen in Folge der unglücklich für sie ausgefallenen Fehde mit den Meissnisch-Thüringischen Mark- und Landgrafen Friedrich dem Strengen und dessen Brüdern vom Kaiser Karl IV. in die Reichsacht erklärt worden waren, mussten sie ihre sämmtlichen Besitzungen theils als Meissnisches, theils als Böhmisches Reichsafterlehn empfangen.

Dies letztere war auch bei Mylau mit Reichenbach, welches Heinrich der Strenge von Plauen besass, der Fall. Ein Sohn desselben, Heinrich der Aeltere zu Greiz, verkaufte im Jahre 1367 das Schloss und die Herrschaft Myla mit Reichenbach für 1000 Schock Prager Groschen an Kaiser Karl IV.

Während der Böhmischen Herrschaft waren die mit Mylau verbundenen Güter als Königl. Böhmisches Kammergut verwaltet worden und die von Weissbach und von Schönau werden als Verwalter dieses Kammergutes genannt, später von 1415 an, Petzold Metzsch und dann Hans von Metzsch, der diese Besitzung als ein Meissnisch-Sächsisches Lehngut erhielt. Durch die Herren von Metzsch wurde nun die Herrschaft im Jahre 1517 getheilt und Ernst von Metzsch erhielt Weissensand. Von diesem gelangte Weissensand an Nicol von Schönberg und zwar im Jahre 1577. Die späteren Besitzer waren Hans Dietrich von Schönberg und Hans Burkhardt von Schönberg, welcher letztere im Jahre 1623 Besitzer war. Dann folgte 1636 Karl Bose I. und 1658 Karl Bose II. Derselbe starb als hochgeliebter und geachteter Gerichtsherr im Jahre 1711, nachdem er im Jahre 1706 Mylau, Lengenfeld, Grün und Weissensand seinem ältesten Sohne Carol Zdislau von Bose, Hochfürsth. sächs. Eisenbergischen Stallmeister abgetreten hatte. Dieser von Bose that sammt seiner Gemahlin viel für Kirchen und Schulen, weshalb das Andenken an dieselben [162] durch alle Zeiten nie erlöschen wird. Noch bei seinen Lebzeiten überlies der letztgenannte von Bose das Gut Weissensand und zwar im Jahre 1713 dem Christian Ludwig Edlem von der Planitz, welcher mit Sophia Polixina von Bose, einer Tochter Carol von Boses II. vermählt war, welche seinen Söhnen 1746 die sämmtlichen Besitzungen und somit auch Weissensand gemeinschaftlich überlies.

Nach den Herren Edlen von Planitz folgte das v. Mangoldtsche Geschlecht, von welchen es die Familie Schilbach acquirirte.

Der dermalige Besitzer ist Herr Christian Schilbach. Weissensand hat eine ansehnliche Mühle von 3 Gängen, Schneide-, Oel- und Graupenmühle, welche an der Göltzsch liegt, wo früher etwas Goldsand gefunden wurde, von dessen ehemaligen Auswaschen man den Namen des Ortes ableiten will.

In Westen erhebt sich über der Göltzsch der Flossberg. Die Göltzsch fliesst von hieraus nach Mylau und Netzschkau und vereinigt sich oberhalb Greiz mit der Elster. Sie ist bekannt und wichtig durch das Holzflössen, indem sie durch den obern und untern Flossgraben gewissermassen mit der Mulde verbunden ist.

Das ganze Göltzschthal bietet die mannigfachste Abwechslung und gewährt Reize und Annehmlichkeiten, die der Wandrer oft in weiter Ferne sucht. In der neuern Zeit ist zu den mannigfachen Naturschönheiten das architectonische Meisterwerk des 19. Jahrhunderts, die grosse Ueberbrückung der sächs.-baierschen Staatseisenbahn gekommen, wodurch das Göltzschthal einen Namen erlangt hat, der weit über Europa hinaus bekannt ist und im Sommer an schönen Frühlings- und Herbsttagen fehlt es nie an Reisenden, die dieses Thal in seiner ganzen Ausdehnung durchwandern und an den Reizen der Natur sich laben und ergötzen.

Die Schilbach’sche Familie hat während ihrer Besitzzeit das Gut Weissensand sehr verbessert und in die Höhe gebracht und überall urbar gemacht, wo früher Alles öde und wüste war, so dass auch auf diese Weise die hiesige Gegend noch viel gewonnen hat.

Weissensand ist nach Treuen gepfarrt und nicht wie irrthümlich hier und da zu lesen ist, nach Reichenbach. Ein Collaturrecht steht dem Besitzer von Weissensand nicht zu, indem über die Kirche zu Treuen das Rittergut Treuen obern Theils das Besetzungsrecht der Geistlichen und Schulstellen hat und bei den Schulen der Dorfschaften die Gemeinden das Collaturrecht üben.

In die Schule zu Weissensand, welche von 70 Kindern besucht wird, ist Wolfspfütz mit gewiesen.

Weissensand hatte bis zur Aufhebung der Patrimonialgerichte seinen eignen Jurisdictionsbezirk, dem Herr Gerichtsdirektor Kasten in Treuen, jetzt auf Kröstau bei Plauen, vorstand.

Jetzt gehört Weissensand mit 45 bewohnten Gebäuden und 311 Einwohnern zum Gerichtsamt Treuen.

M. G.     



[163]
Raschau,


dicht nördlich an der Stadt Oelsnitz, am rechten Ufer der Elster gelegen, zwei Stunden von Plauen entfernt, dürfte wohl zu den nicht uninteressantesten Namen dieser Gegend gehören.

Nach Unterjochung der Sorbenwenden durch Kaiser Heinrich den Ersten, welcher fünf voigteiliche Häuser, Gera, Plauen mit Voigtsberg, Greiz, Weida und Hof errichtete, wurden in der Nähe von Voigtsberg und Oelsnitz noch mehre Orte angelegt und mit einzelnen Ländereien deutsche Krieger beschenkt, welche wieder unter den Voigten standen.

Auf diese Weise erhob sich auch Raschau, von welchem der beschenkte Krieger seinen Namen entlehnte und als erster dieser Herren wird uns ein Leuther von Rouschouwo genannt. Im Jahre 1357 finden wir hier einen Niclas von Raschau und noch bis ins 15. und 16. Jahrhundert blühte diese Familie von Raschau im Voigtlande. Sie hatte unterdessen viele Besitzungen erworben und gehörte zu den berühmtesten Geschlechtern im Voigtlande.

Der Ort Raschau selbst wurde bald durch diese Familie gehoben und vergrössert, durch Ankauf von Ländereien erweitert, namentlich kamen viele Fluren von dem in der Nähe von Planschwitz früher gestandenen Gatzenhof zu Raschau. Wenn aber einige Topographen und Geschichtsschreiber behaupten, dass Raschau früher aus zwei Gütern, ja sogar aus drei Gütern bestanden habe, so ist dies ein Irrthum, vielmehr hat es damit folgende Bewandtniss:

Allerdings existirten im 13. und 14, Jahrhundert 2 „Forbergke“ von Raschau, die aber von den Herren von Raschau an andere Besitzer veräussert wurden, woher es kam, dass oft in einem Dorfe mehre adlige Familien existirten und dadurch Missverständnisse herbeigeführt worden sind. Diese beiden „Forbergke“ kommen im Jahre 1481 unter dem Namen das Theymler’sche und des Meyerhöfer’schen Gutes vor, als in welchem Jahre Matthes Theymler dieses Gut von Philipp von Uttenhofen erkaufte und darüber von dem damaligen Churfürsten Ernst und Herzog Albert zu Sachsen d. d. Dresden 1481 am Dienstage nach Epiphanias beliehen wurde.

Ein neuer Lehnbrief kommt vom Jahre 1494 vor, wo Churf. Friedrich und Johann, sein Bruder, Herzog zu Sachsen, Matthes Theymlern, dessen Sohn und Tochter mit dem Vorwerke Raschau und dem Bergwerke belehnte. Im Jahre 1500 Montags nach Viti verkaufte Matthes Theymler mit Vorwissen seiner ehelichen Wirtin und Erbnehmerin dies Vorwerk Raschau dem Hans Fassmann, von welchem es 1509 der Rath zu Oelsnitz acquirirte.

Das Meyerhöfer’sche Vorwerk kam später an die Stadt: Denn 1551 reichte Heinrich V., Burggraf zu Meissen und böhmischer Canzler dieses Gut Wolf und Andreas Meyerhöfern in zweien Herbergen zu Raschau nebst allen Ein- und Zubehörungen zu rechtem Mannlehne mit einem halben Pferde zu verdienen, in Lehn. Dieses Alles wurde von diesen Besitzern nebst einem Stück Holz und einer Wiese hinter dem Hain gelegen, an den Rath zu Oelsnitz erblich verkauft.

Der Rath zu Oelsnitz, welcher im Jahre 1587 damit beliehen worden war, traf mit diesem Gute eine gänzliche Veränderung. Von der einen Herberge wurden die Gebäude weggerissen und die dazu gehörigen Felder [164] auf der Seite nach der Stadt zu, unter die Bürger einzeln verkauft; mit der andern Herberge aber, die auf dem Berge lag, wurde ein halber Hof gebildet, die übrigen Felder dazugeschlagen, an einen gewissen Neidthardt verkauft und als Erbgut verliehen.

Die Erb- und Obergerichte aber von diesen Meyerhöfer’schen Gütern, die sich über das Dorf Raschau erstreckten, wurden dem Besitzer des Gutes Raschau vorbehalten, welches schon vorher eine Mitberechtigung hatte. Auf diese Weise gelangte das Rittergut Raschau, das mit keinem Ritterpferde verdient wurde, zu seiner Gerichtsbarkeit.

Wenn ausserdem in der Geschichte noch die Familie von Kospoth als Besitzerin eines Gutes in Raschau erwähnt wird, so ist dies wieder ein Irrthum. Ein Balthasar von Kospoth besass hier nur ein Häuslein und Garten.

Vielmehr finden wir im Besitze von Raschau im 16. und 17. Jahrhundert die Familie von Seilbitz.

Im 30jährigen Kriege und zwar 1632 war Besitzer von Raschau Johann Flossa von Seilbitz, welcher als Amtsschösser zu Voigtsberg das Schloss daselbst an Holken übergeben musste. Durch die Truppen dieses Generals wurde das Schloss Voigtsberg sehr mitgenommen, weshalb Herr Flossa von Seilbitz 1635 für die neue Wiederherstellung desselben sorgte. Dieser Herr von Seilbitz ist auch der Erbauer der Schwibbogen auf dem Oelsnitzer Gottesacker No. 27. 28. 29. und 30., welche er im Jahre 1650 für sich und die Seinigen zu einem Erbbegräbniss weihen lies.

Dieser Besitzer von Raschau starb 1660 und ruht in diesem seinem Erbbegräbnisse zu Oelsnitz.

Nach den Herren von Seilbitz finden wir als Besitzer des Gutes Raschau die Herren von Osten. Mit dem Erben und kinderlosen Besitzer dem Geheimen Rathe von Osten auf Raschau, Dürrenthal und Hütting erlosch 1763 dieses Geschlecht und mittelst testamentarischer Bestimmung hinterlies derselbe seine sämmtlichen Besitzungen zur Fundation milder Stiftungen, zu denen auch die Errichtung eines Waisenhauses zu Plauen und Hof mit gehörte, obschon früher Herr von Osten beabsichtigt hatte, mit einem solchen die Stadt Oelsnitz zu beschenken. Allein ein Streit über die Fischerei-Gerechtsame mit dem Stadtrathe zu Oelsnitz erbitterte den Geheimen Rath von Osten so, dass er diese seine frühere Bestimmung dahin abänderte und den Stadtrath zu Plauen natürlich auch mit dem Rittergute Raschau beglückte. Seit dieser Stiftung von 1763 wurde das Rittergut Raschau vom Stadtrathe zu Plauen besessen und die Gerichte von einem Actuarius des Stadtraths unter dem Namen „die Osten’schen Waisenhausgerichte“ verwaltet.

Ursprünglich wurde das Waisenhaus in das obere Hospital zu St. Elisabeth zu Plauen, welches am sogenanntem Elster-Brücken-Thore steht, verlegt. Den Anforderungen der Neuzeit zu entsprechen erfolgte später und nachdem dieses Waisenhaus durch andere Vermächtnisse noch besser fundirt war, der Ankauf eines neuen Gebäudes mit schönen Garten, welches der Kfm. Keller zu Plauen zu einem billigen Preise der Stiftung abtrat. Dieses neue Waisenhaus liegt vor dem Strassberger Thore in einer ruhigen und freundlichen Gegend. Neben dem Urheber dieser Anstalt hat sich vorzüglich auch der frühere Stadtrath Kfm. Heynig sen., um dieselbe durch ein herrliches Vermächtniss verdient gemacht, so dass die Zahl der aufzunehmenden Kinder um ein Bedeutendes sich vermehrt hat. Ursprünglich war die Zahl auf 12 Mädchen und auf 12 Knaben bestimmt, jetzt können 36 darinnen Unterkunft finden.

Ebenso hat sich der verstorbene Stadtrath Heynig bei Lebzeiten um die innere Einrichtung sehr grosse Verdienste erworben, und es wird wenig Institute geben, welche sich mit diesem messen können.

Man frage die Erwachsenen dieser Anstalt der Neuzeit und vergleiche damit die Aussagen der früheren Zöglinge, so wird man die Wahrheit unserer Behauptung gerechtfertigt finden.

Die letzteren wurden zwar in Zucht und Ordnung erhalten, zur Schule angehalten, aber welche Arbeit nach dem Schulunterricht? Man kannte keine andere Beschäftigung für diese Kinder, als Federschliessen, welches oft die nachtheiligsten Wirkungen für die Gesundheit dieser Armen hatte. Wie ganz anders jetzt. In allen weiblichen Arbeiten werden die Mädchen unterrichtet, und die Knaben finden im schönen Garten Beschäftigung und lernen Alles, was zu ihrem fernem Fortkommen förderlich ist.

Wie Manches von diesen armen Kindern wäre vielleicht untergegangen, wenn ihm nicht hier Vater und Mutter ersetzt und körperliche und geistige Nahrung in so reichem Maasse gereicht worden wäre.

Unwillkührlich wird man bei Beschauung einer solchen Anstalt zum Danke gegen den Stifter derselben, zum Danke gegen Alle die, welche in seinem Geiste fortbauten und nicht müde wurden, für das Heil und Wohl der Menschheit zu wirken und zu schaffen, verpflichtet.

Der Name von Osten und Heynig wird mit dankbarer Rührung stets genannt werden, so lange die Menschheit nicht aufhört, für hochherzige, edle Gesinnungen ihre Begeisterung und ihre Nacheiferung an den Tag zu legen.

Raschau selbst, das Gut, ist seit jener Stiftung stets verpachtet gewesen, [165] und der Stadtrath zu Plauen hat milde und vorsichtig für die ihm anvertrauten Besitzungen gesorgt.

Auch die Gerichtsuntergebenen durften sich nie beklagen, da dieselben sich stets humaner und umsichtiger Gerichtsverwalter aus der Mitte des Stadtraths zu erfreuen hatten.

Raschau’s Bewohner bestehen aus begüterten und Häuslern. Erstere besitzen gute Felder und vortrefflichen Wieswachs, und seit Ablösung der Huth und Frohnen haben dieselben von Jahr zu Jahr ihre Vermögensverhältnisse verbessert.

Die Häusler finden im benachbarten Oelsnitz und in Raschau selbst immer nährende Beschäftigung. Auch wird von dem weiblichen Personal schon viel nach Plauen genäht.

Zum Gute gehört auch die sogenannte Pfaffenwiese und die sogenannten Raschauer Häuser zu Untermarxgrün.

Im Orte befindet sich eine schöne Mühle mit 3 Gängen an der Elster und eine Schenke.

Vor Zeiten war in der Nähe dieses Ortes die Elster reich an Perlen.

Vorzüglich wurden hier zu Anfang des 17. Jahrhunderts, nachdem mittelst höchsten Rescripts vom 8. Juli 1621 Moriz Schmerler aus Oelsnitz als erster Perlensucher in Amt und Pflicht genommen war, die schönsten Perlen gefunden, und man schrieb deshalb vom Elsterflusse:

„Der Elsterfluss ist um deswillen unter die berühmtesten Flüsse der Welt zu zählen, weil derselbe um diese Gegend edle Perlen bei sich führt, gestalt man in derselben noch bis dato, gleich wie auch in vorigen Zeiten die kostbarsten Perlen, welche an Schönheit, Helle, Reinigkeit und Grösse denen Orientalischen gutermassen beikommen, findet; also, dass einige darunter so gross, als eine ziemliche Musketen-Kugel und so helle, als eine mit himmelblauer Farbe glänzende Milch gewesen.“

Die Perlen-Muscheln der Elster betragen meistentheils in ihrer Länge eine gemeine Viertelelle, und die Breite verhält sich wie eins zu fünf. Gewöhnlich wird ihnen ein Alter von 100 bis 200 Jahren zugeschrieben.

Die Muschelschalen sind auf beiden Seiten oval auswärts gebogen; die Farbe derselben ist auswendig schwarz und grau. Inwendig sind die Muscheln mit einem silberfarbenen Glanze überzogen, was im gemeinen Leben „Perlenmutter“ genannt wird.

Die junge Muschelbrut lebt und gedeiht vorzüglich in schlammigem, für sie nahrungsreichen Boden. Die Muscheln, die schon ein gewisses Alter erreicht haben, setzen keine Perlen mehr an, sondern dienen nur zur Fortpflanzung.

In jeder Muschel ist grösstentheils nur eine Perle. Die Entstehung dieser Perle ist aber noch nicht recht ermittelt, obwohl man verschiedene Behauptungen darüber aufgestellt hat.

Die hiesigen Perlen sind rein, hell und durchsichtig und haben die Milchfarbe.

Die Perlen-Muschel, wenn sie gedeihen soll, muss Ruhe haben. Durch Anlegung von Hammerwerken, durch die Flösse und durch Fabriken ist die Ruhe der Perlen-Muschel gestört und deshalb der Fund derselben nicht mehr erspriesslich.

Die Schicksale des Ortes anlangend, so hat Raschau im 30jährigen Kriege mit Oelsniz gleiches Unglück ertragen müssen.

Die Stadt Hof war am 9. und 10. Aug. 1631 vom General Holke erobert und geplündert worden, ein Gleiches war mit Adorf und Neukirchen geschehen, und am 14. Aug., früh Morgens um 6 Uhr, erschienen die ersten feindlichen Truppen vor Oelsnitz, wo die Besatzung der Stadt auf ein Mal die rauchenden Häuser von Raschau erblickte und bald die Zerstörung des ganzen Dorfes übersehen konnte.

Auch das damalige alte Schloss wurde ein Raub der Flammen; wogegen das später erbaute, wie wir solches in der Abbildung erblicken, mehr in modernem Styl gehalten ist.

Es wird jetzt blos von dem Pachter bewohnt. Vor Abgabe der Gerichte an den Staat wurden in demselben die Gerichtstage gehalten.

Raschau ist nach Oelsnitz eingepfarrt und gehört jetzt mit seinen 64 Gebäuden und 477 Einwohnern ebenfalls zum Gerichtsamte Oelsnitz und zum Bezirksgericht Plauen.

Das Gerichtsamt Oelsnitz ist aus dem früheren Justizamte Voigtsberg gebildet, welches 11 Quadratmeilen mit 4 Städten, 106 Dörfern und 52 Rittergütern umfasste und in 2 Landgerichte, in das obere und untere eingetheilt war.

Das jetzige Gerichtsamt Oelsniz besteht nur aus 1 Stadt und 49 Landgemeinden mit 19371 Gerichtsuntergebenen.

M. G.     



[166]
Erlbach.


Das Dorf Erlbach liegt hart an der böhmischen Grenze, in einem von 3 Seiten, nämlich von Ost, Süd und Nord von Bergen eingeschlossenen Kessel oder Thal, das von hier seinen Weg nach Westen zu nimmt und von einem Bache, dem Erlbache oder Schwarzbache, durchflossen wird, 1/2 Stunde von der Stadt Markneukirchen, 11/2 Stunden von Adorf, 2 Stunden von Schöneck, 1 Stunde von dem böhmischen Städtchen Schönbach und 2 Stunden von der ebenfalls böhmischen Stadt Grässlitz entfernt.

Der Name Erlbach ist wohl von den vielen Erlen entstanden, mit welchen sonst der hier durch das Dorf fliessende Bach bestanden war.

Der Ort selbst ist sehr frühzeitig gegründet, wiewohl das Jahr der Gründung selbst nicht genau angegeben werden kann.

Das Dorf Erlbach zerfällt in

1) Erlbach, obern Theils und
2) in Erlbach, untern Theils.

Unsre nächste Beschreibung gilt

Erlbach, obern Theils.

Die Rittergutsgebäude sind nicht so bedeutend gross; doch haben solche eine angenehme Lage. Sie liegen vom Dorfe etwas entfernt, isolirt auf einer sanft ansteigenden Anhöhe, von wo man eine herrliche Aussicht auf das vor sich liegende Dorf, sowie nach Markneukirchen zu hat.

Ihrer Bauart nach gehören die Gebäude nicht ins graue Alterthum.

Die Seiten- und Nebengebäude des Rittergutes sind im Jahre 1817 und 1820 abgebrannt, da ein hiesiger Tagelöhner Christian Friedrich Sporn das Feuer böswilliger Weise angelegt hatte, welcher im Jahre 1821 gefänglich eingezogen und am 25. Februar 1823 öffentlich durchs Schwert hingerichtet wurde, einer Hinrichtung, welcher viele Tausend Menschen aus allen Theilen des Voigtlandes und aus einem grossen Theile von Böhmen beigewohnt haben.

Die früheren Besitzer dieses Rittergutes waren die Herren von Thoss, denen auch Adorf gehörte, wovon sich der Thossenhof herschreibt, ein im Voigtlande früher berühmtes altadeliches Geschlecht, von welchen die Besitzung im 17. Jahrhundert an die Familie von Beulwiz kam, welche schon früher Erlbach untern Theils besessen hat und solches auch jetzt noch behauptet.

Erlbach obern Theils wurde jedoch zu Anfang der 40ger Jahre an einen gewissen Zschocke verkauft, von welchen es Herr Fabricant Schiffner aus Schönau acquirirte, welcher es jetzt noch besitzt.

[167] Das Gut ist nicht unbedeutend und durch seine starken Waldungen nicht unergiebig.

Im Orte befinden sich aller Arten Handwerker und unter diesen vorzüglich auch Instrumentenmacher, die für die grossen Fabrikanten in Markneukirchen arbeiten.

Zu den hölzernen Instrumenten, welche in Markneukirchen und der Umgegend gefertigt werden, ist besonders das auf trockenem und steinigem Boden wachsende Holz brauchbar.

Die übrigen Einwohner beschäftigen sich grösstentheils mit Ackerbau, der aber hier schon nicht so recht erträglich ist.

Von dem sogenannten nahen Kegelberge aus überschaut man einen Theil der Herrschaft Asch in Böhmen, sowie die höchsten Gipfel des Fichtelgebirges bei Wunsiedel. Eine noch schönere Aussicht gewahrt der sogenannte Stein, ein ziemlich hoher Fels, der aber schon zu Böhmen gehört. Von dort aus überschaut man in nicht nur einen Theil des untern Voigtlandes, sondern auch das schöne Egerland, das sich amphitheatralisch vor den Augen des Beschauers ausbreitet und einen herrlichen Anblick gewährt. Erlbach obern Theils hatte früher seine besonderen Gerichte.

Unter diese Gerichtsbarkeit gehörte bis zur Einführung der neuen Gerichtsorganisation das 1 Stunde nordöstlich von Erlbach entfernte Goblosgrün und das Stunde westlich von Erlbach mit 7 Häusern und 21 Einwohnern gelegene Hetschen und das einzelne Haus Kegel.

In Goblosgrün waren früher auch einige Bauergüter, die unter Jurisdiction des Diaconates von Markneukirchen standen und dorthin zu zinsen hatten.

Stärker und grösser ist das Rittergut

Erlbach, untern Theils,

obschon es sich durch seine Gebäude nicht besonders auszeichnet, die ihrer Bauart nach mehr der Neuzeit angehören.

Das Rittergut liegt ziemlich in der Mitte des Dorfes, hart an dem durch das Dorf laufenden Bach.

Mit dem Rittergute Erlbach untern Theils war von jeher das Gut Eubbrunn combinirt, welches entfernt vom Dorfe mit 2 andern Bauerngütern auf einem Berge liegt, von wo aus man eine herrliche Aussicht geniesst.

In Eubabrunn war früher eine starke Brauerei, welche in der Folgezeit nach Erlbach verlegt wurde. Ein Vorwerk von Eubabrunn war in Wernitzgrün, welches eingegangen ist.

Im Dorfe Wernitzgrün ist ein Nebenzollamt 2. Classe mit einem Zolleinnehmer. Beide Orte Wernitzgrün wie Eubabrunn gehörten natürlich auch bis zur Einführung der neuen Gerichtsordnung unter die Gerichtsbarkeit von Erlbach untern Theils, dessen Erb-Lehn und Gerichtsherr seit vielen Jahrhunderten ein Herr von Beulwiz war.

Bis in das letzte Decennium dieses Jahrhunderts besass es Herr Rittmeister von Beulwiz, welcher vor wenig Jahren in Dresden gestorben ist, seit welcher Zeit es an dessen Erben gekommen ist.

Der Besitzer von Erlbach untern Theils ist auch Collator über die dasige Kirche und Schule, während der Gemeinderath das Recht der Besetzung der Schulstellen in den eingepfarrten Dörfern übt.

Erlbach war ursprünglich keine selbstständige Parochie, sondern von jeher Filial von dem 1 Stunde davon entfernten Landwüst, dessen Kirche ursprünglich blos als Kapelle für das schon frühzeitig eingegangene Schloss dieser Gegend, Wintersreuth, genannt, angelegt worden sein soll. Heute noch zeigt man den unterirdischen Gang, welcher Kapelle und Burg mit einander verbunden hat, welche letztere in einer Fehde mit dem Besitzer in Flammen aufgegangen und dann in ihren Trümmern liegen geblieben ist. Nach der Zerstörung dieser Burg ist erst Erlbach, der Rittersitz, entstanden, um welchen die Angehörigen des Besitzers sich ansiedelten. In der ersten Zeit der Erbauung benutzten dann die Bewohner von Erlbach die Kapelle von Wintersreuth zu ihren kirchlichen Verrichtungen. Später erst liess der Besitzer von Erlbach, ein Herr von Thoss selbst eine Kapelle bauen und den Pfarrer von Landwüst gegen eine Remuneration darinnen den üblichen Gottesdienst halten. Von dieser Zeit an bildete sich dieser Kirchenverband und Erlbach wurde stets als Filia von Landwüst betrachtet. Dieses Verhältniss bestand bis zum Jahre 1811, wo Erlbach von der Mutterkirche getrennt und in eine besondere Parochie umgewandelt wurde.

Die Kirche in Erlbach ist alt, wie man aus den geschnitzten Bildern und Statuen schliessen muss. Sie ist nicht klein, inwendig geräumig und lichtvoll. Die beiden Rittergüter haben in derselben 2 herrschaftliche Kapellen, woraus zu schliessen ist, dass sehr frühzeitig nach der Entstehung des Ortes Erlbach in 2 Theile getheilt worden ist.

[168] Der Kirchhof oder Gottesacker liegt ausserhalb des Dorfes, ohngeführ einige 100 Schritte entfernt an der nach Neukirchen führenden Strasse, auf einer kleinen Anhöhe. Derselbe enthält ausser der Familiengruft der von Beulwitz’schen Familie, ein schönes, steinernes Denkmal eines gewissen Herrn von Schwarzenberg, der darunter begraben liegt, aber nie Besitzer von dem einen oder andern Theil Erlbachs war.

In der ganzen Parochie, welche jetzt zur Inspection Markneukirchen, früher zu der von Oelsniz gehörte, befinden sich 3 Schulen. Die Hauptschule ist in Erlbach mit 2 Lehrern, eine Nebenschule in Wernizgrün mit einem Lehrer, und eine andere Nebenschule in Eubabrunn ebenfalls mit einem Lehrer, eine vierte befand sich in Goblosgrün, welche aber eingezogen und mit nach Erlbach verlegt worden ist.

Bis zur Gründung der neuen Parochie, also bis zum Jahre 1812 war in Erlbach kein eigentlicher Kirchschullehrer, sondern nur ein sogenannter Katechet oder Kinderlehrer, da die kirchlichen Funktionen von dem Kirchschullehrer zu Landwüst mit besorgt wurden.

Erlbach hat jährlich 2 bedeutende Jahrmärkte, wo wegen der Nähe Böhmens, dessen Bewohner sich zu diesen Märkten zahlreich einfinden, gute Geschäfte gemacht werden.

Im Orte ist eine Papiermühle, eine Mahl- und Schneidemühle, und unter den hiesigen Einwohnern, deren Zahl sich in 139 Gebäuden, incl. Kegel und Hetschen, auf 989 Einwohner beläuft, befinden sich 4 Königl. Grenz-Zollaufseher, 2 Schmiede, 1 Schlosser, 7 Wagner, 9 Schneider, 4 Schuhmacher, 5 Tischler, 1 Töpfer, 1 Weissbäcker und mehre Instrumentenmacher, wie wir oben schon erwähnt haben.

Im Dorfe Erlbach befindet sich noch ein Brunnen, der Salzbrunnen genannt, welcher Salzwasser hält. Es ist dieses Wasser vor mehrern Jahren chemisch untersucht, aber zu wenig nachhaltig befunden worden, so dass man von einer weitern Benutzung desselben wieder abgesehen hat.

Das zu Erlbach gehörige Dorf Eubabrunn liegt in einem freundlichen Thale, 1/4 Stunde südöstlich von Erlbach, während die eigentlichen Rittergutsgebäude mit 2 andern Bauernhäusern vom Dorfe entfernt auf einem Berge liegen, von wo aus man eine herrliche Aussicht nach den Städten Neukirchen und Adorf hat.

Der zu Eubabrunn gehörige Ort Wernitzgrün hat mit dem ersteren eine Schule und die Einwohner vom letztern Orte nähren sich theils von Ackerbau, theils vom Geigenwirbeln, drechseln und Instrumente machen, die weiblichen Personen nähen auch nach Plauen.

M. G.     




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