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Erlbach.


Das Dorf Erlbach liegt hart an der böhmischen Grenze, in einem von 3 Seiten, nämlich von Ost, Süd und Nord von Bergen eingeschlossenen Kessel oder Thal, das von hier seinen Weg nach Westen zu nimmt und von einem Bache, dem Erlbache oder Schwarzbache, durchflossen wird, 1/2 Stunde von der Stadt Markneukirchen, 11/2 Stunden von Adorf, 2 Stunden von Schöneck, 1 Stunde von dem böhmischen Städtchen Schönbach und 2 Stunden von der ebenfalls böhmischen Stadt Grässlitz entfernt.

Der Name Erlbach ist wohl von den vielen Erlen entstanden, mit welchen sonst der hier durch das Dorf fliessende Bach bestanden war.

Der Ort selbst ist sehr frühzeitig gegründet, wiewohl das Jahr der Gründung selbst nicht genau angegeben werden kann.

Das Dorf Erlbach zerfällt in

1) Erlbach, obern Theils und
2) in Erlbach, untern Theils.

Unsre nächste Beschreibung gilt

Erlbach, obern Theils.

Die Rittergutsgebäude sind nicht so bedeutend gross; doch haben solche eine angenehme Lage. Sie liegen vom Dorfe etwas entfernt, isolirt auf einer sanft ansteigenden Anhöhe, von wo man eine herrliche Aussicht auf das vor sich liegende Dorf, sowie nach Markneukirchen zu hat.

Ihrer Bauart nach gehören die Gebäude nicht ins graue Alterthum.

Die Seiten- und Nebengebäude des Rittergutes sind im Jahre 1817 und 1820 abgebrannt, da ein hiesiger Tagelöhner Christian Friedrich Sporn das Feuer böswilliger Weise angelegt hatte, welcher im Jahre 1821 gefänglich eingezogen und am 25. Februar 1823 öffentlich durchs Schwert hingerichtet wurde, einer Hinrichtung, welcher viele Tausend Menschen aus allen Theilen des Voigtlandes und aus einem grossen Theile von Böhmen beigewohnt haben.

Die früheren Besitzer dieses Rittergutes waren die Herren von Thoss, denen auch Adorf gehörte, wovon sich der Thossenhof herschreibt, ein im Voigtlande früher berühmtes altadeliches Geschlecht, von welchen die Besitzung im 17. Jahrhundert an die Familie von Beulwiz kam, welche schon früher Erlbach untern Theils besessen hat und solches auch jetzt noch behauptet.

Erlbach obern Theils wurde jedoch zu Anfang der 40ger Jahre an einen gewissen Zschocke verkauft, von welchen es Herr Fabricant Schiffner aus Schönau acquirirte, welcher es jetzt noch besitzt.

Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1859, Seite 166. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_V.djvu/250&oldid=2972304 (Version vom 7.1.2017)