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und der Stadtrath zu Plauen hat milde und vorsichtig für die ihm anvertrauten Besitzungen gesorgt.

Auch die Gerichtsuntergebenen durften sich nie beklagen, da dieselben sich stets humaner und umsichtiger Gerichtsverwalter aus der Mitte des Stadtraths zu erfreuen hatten.

Raschau’s Bewohner bestehen aus begüterten und Häuslern. Erstere besitzen gute Felder und vortrefflichen Wieswachs, und seit Ablösung der Huth und Frohnen haben dieselben von Jahr zu Jahr ihre Vermögensverhältnisse verbessert.

Die Häusler finden im benachbarten Oelsnitz und in Raschau selbst immer nährende Beschäftigung. Auch wird von dem weiblichen Personal schon viel nach Plauen genäht.

Zum Gute gehört auch die sogenannte Pfaffenwiese und die sogenannten Raschauer Häuser zu Untermarxgrün.

Im Orte befindet sich eine schöne Mühle mit 3 Gängen an der Elster und eine Schenke.

Vor Zeiten war in der Nähe dieses Ortes die Elster reich an Perlen.

Vorzüglich wurden hier zu Anfang des 17. Jahrhunderts, nachdem mittelst höchsten Rescripts vom 8. Juli 1621 Moriz Schmerler aus Oelsnitz als erster Perlensucher in Amt und Pflicht genommen war, die schönsten Perlen gefunden, und man schrieb deshalb vom Elsterflusse:

„Der Elsterfluss ist um deswillen unter die berühmtesten Flüsse der Welt zu zählen, weil derselbe um diese Gegend edle Perlen bei sich führt, gestalt man in derselben noch bis dato, gleich wie auch in vorigen Zeiten die kostbarsten Perlen, welche an Schönheit, Helle, Reinigkeit und Grösse denen Orientalischen gutermassen beikommen, findet; also, dass einige darunter so gross, als eine ziemliche Musketen-Kugel und so helle, als eine mit himmelblauer Farbe glänzende Milch gewesen.“

Die Perlen-Muscheln der Elster betragen meistentheils in ihrer Länge eine gemeine Viertelelle, und die Breite verhält sich wie eins zu fünf. Gewöhnlich wird ihnen ein Alter von 100 bis 200 Jahren zugeschrieben.

Die Muschelschalen sind auf beiden Seiten oval auswärts gebogen; die Farbe derselben ist auswendig schwarz und grau. Inwendig sind die Muscheln mit einem silberfarbenen Glanze überzogen, was im gemeinen Leben „Perlenmutter“ genannt wird.

Die junge Muschelbrut lebt und gedeiht vorzüglich in schlammigem, für sie nahrungsreichen Boden. Die Muscheln, die schon ein gewisses Alter erreicht haben, setzen keine Perlen mehr an, sondern dienen nur zur Fortpflanzung.

In jeder Muschel ist grösstentheils nur eine Perle. Die Entstehung dieser Perle ist aber noch nicht recht ermittelt, obwohl man verschiedene Behauptungen darüber aufgestellt hat.

Die hiesigen Perlen sind rein, hell und durchsichtig und haben die Milchfarbe.

Die Perlen-Muschel, wenn sie gedeihen soll, muss Ruhe haben. Durch Anlegung von Hammerwerken, durch die Flösse und durch Fabriken ist die Ruhe der Perlen-Muschel gestört und deshalb der Fund derselben nicht mehr erspriesslich.

Die Schicksale des Ortes anlangend, so hat Raschau im 30jährigen Kriege mit Oelsniz gleiches Unglück ertragen müssen.

Die Stadt Hof war am 9. und 10. Aug. 1631 vom General Holke erobert und geplündert worden, ein Gleiches war mit Adorf und Neukirchen geschehen, und am 14. Aug., früh Morgens um 6 Uhr, erschienen die ersten feindlichen Truppen vor Oelsnitz, wo die Besatzung der Stadt auf ein Mal die rauchenden Häuser von Raschau erblickte und bald die Zerstörung des ganzen Dorfes übersehen konnte.

Auch das damalige alte Schloss wurde ein Raub der Flammen; wogegen das später erbaute, wie wir solches in der Abbildung erblicken, mehr in modernem Styl gehalten ist.

Es wird jetzt blos von dem Pachter bewohnt. Vor Abgabe der Gerichte an den Staat wurden in demselben die Gerichtstage gehalten.

Raschau ist nach Oelsnitz eingepfarrt und gehört jetzt mit seinen 64 Gebäuden und 477 Einwohnern ebenfalls zum Gerichtsamte Oelsnitz und zum Bezirksgericht Plauen.

Das Gerichtsamt Oelsnitz ist aus dem früheren Justizamte Voigtsberg gebildet, welches 11 Quadratmeilen mit 4 Städten, 106 Dörfern und 52 Rittergütern umfasste und in 2 Landgerichte, in das obere und untere eingetheilt war.

Das jetzige Gerichtsamt Oelsniz besteht nur aus 1 Stadt und 49 Landgemeinden mit 19371 Gerichtsuntergebenen.

M. G.     



Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1859, Seite 165. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_V.djvu/249&oldid=2972303 (Version vom 7.1.2017)