Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen IV. Section/H01

Titel des Erzgebirgischer Kreis Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen von Gustav Adolf Poenicke
Heft 1 der Section Erzgebirgischer Kreis
Heft 2 des Erzgebirgischer Kreis
Die Beschreibungen sind auch als Einzeltexte verfügbar unter:
  1. Nieder-Forchheim
  2. Oberrabenstein
  3. Lichtewalde
  4. Schloss Chemnitz


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Nieder-Forchheim.

In einem weiten schönen Thale liegt an der von Freiberg nach Annaberg führenden Chaussee das altschriftsässige Rittergut Niederforchheim, äusserst vortheilhaft in die Augen fallend durch seine stattlichen mit Schiefer gedeckten Gebäude. Nach einem grossen Brande, welcher im Jahre 1827 den Ort heimsuchte und auch das Rittergut in Asche legte, liess dessen Besitzer der Amtshauptmann von Biedermann dasselbe in seiner jetzigen geschmackvollen Gestalt wieder aufbauen, und die nächsten Umgebungen des Herrensitzes nicht blos durch die reizendsten Baumanpflanzungen, sondern auch durch höchst interessante Anlagen in den nächsten zum Rittergute gehörigen Waldungen verschönern und in der unmittelbaren Nähe des Wohnhauses einen, wenn auch nicht gerade allzugrossen doch ungemein lieblichen Garten anlegen, sodass der Ort mit dem hochgelegenen Schlosse Oberforchheim inmitten sanft emporsteigender mit dichten Waldungen bedeckter Berge einen der schönsten Punkte des herrlichen Thales bildet. Das Dorf Forchheim besteht aus zwei, der Gerichtspflege nach für sich abgeschlossenen Gemeinden, von denen die eine unter die Patrimonialgerichte des Ritterguts Niederforchheim die andere unter die von Oberforchheim gehört. Zwischen beiden Gemeinden bildet der den Ort durchschneidende Hasselbach die natürliche Grenze.

In alten Zeiten waren die beiden Rittergüter vereinigt, und wurden erst im Jahre 1762 getrennt als Niederforchheim durch Kauf in Besitz eines Georg Drechsel gelangte. In grauer Vorzeit gehörte Forchheim den Rittern von Vorchheim, von denen noch im Jahre 1420 ein Hans von Vorchheim erwähnt wird, zu dessen Gunsten Churfürst Friedrich der Streitbare einen Zwist mit dem Burggrafen von Leissnig wegen der Gerichte über das Dorf entschied, worüber die Urkunde noch vorhanden ist, und in den folgenden Jahrhunderten sass auf Forchheim die edle jetzt ausgestorbene Familie der Berbisdorfe, von der Christophs von Berbisdorf († 1665) und Hildebrands von Berbisdorf († 1675) Monumente sich in der Ortskirche, wo viele Glieder dieses ehrwürdigen Geschlechts begraben liegen, noch ziemlich unversehrt erhalten haben. Insbesondere wird die Asche Hildebrands von Berbisdorf sowohl von dem Pfarrer und Schullehrer wie auch von der Schuljugend und den Armen des Orts mit dankbaren Herzen gesegnet, indem derselbe im Jahre 1637 ein früher zu dem Rittergute Niederforchheim gehöriges Halbhufengut mit dem dazu gehörigen Niederholze, welches inzwischen zu einem stattlichen Walde emporgewachsen ist, dem Pfarr- und Schullehn, jedem zur Hälfte, erblich vermachte, und dabei die Schuljugend sowie die Ortsarmen dermassen bedachte, dass die Nutzniesser des Legates ihnen bestimmte Geschenke verabreichen müssen. Der Testator hatte verordnet, dass von dem Legat alljährlich sechs Knaben, welche Sonntags mit zu Chore gehen, jeder für 1 Thaler Tuch, ein Paar Schuhe und zwei Buch Papier erhalten sollten, seit langen Jahren hatten dieselben jedoch, wie die übrigen Kinder, zum Weihnachtsfeste Kuchen, Obst und sonstige Esswaaren empfangen. Da nun aber offenbar die Absicht des edlen Testators dahin ging, den Sinn für Musik zu beleben und den Kirchengesang, namentlich die Responsarien, feierlicher zu machen, so trug der wackere Pfarrer Schlegel in neuerer Zeit darauf an, dass in Zukunft bei den Weihnachtsbescheerungen die Bestimmungen der Schenkungsurkunde streng festgehalten werden möchten. Niederforchheim kam, wie bemerkt, in der Mitte des vorigen Jahrhunderts von der Familie Berbisdorf an Georg Drechsel der es indessen schon 1784 wieder an die Familie Schönherr verkaufte, welche das Gut bis zum Jahre 1818 besass wo es in den Besitz des noch gegenwärtigen Eigenthümers, des Amtshauptmanns und Kreisvorsitzenden, Freiherrn von Biedermann gelangte.

Was die Schicksale des Ortes anbetrifft, so schwang auch der dreissigjährige Krieg seine furchtbare Fackel über Forchheims friedliches Thal. Wilde Streifhorden zogen plündernd und brennend von Ort zu Ort und zwangen die unglücklichen Einwohner durch entsetzliche Misshandlungen zur Herausgabe ihrer versteckten Baarschaft. Der Pfarrer Devel, welcher von 1630 bis 1661 das Forchheimer Pfarramt verwaltete, schildert das Elend der unglücklichen durch den Krieg um Alles gekommenen Leute, welches noch durch eine furchtbare Pest erhöht wurde, die in seinem Kirchspiel mehrere hundert Menschen hinraffte, auf das Ergreifendste. Er hatte seine Frau und Kinder zu grösserer Sicherheit vor Krankheit und Kriegsgefahr nach Freiberg bringen lassen, und hauste einsam in seiner Pfarre mit einer alten Haushälterin, die schon oft Beweise von grosser Anhänglichkeit an Devels Familie gegeben hatte. Da drang eines Abends, als eben die Feierglocke geläutet hatte, ein schwedischer Reiterhaufen in das Dorf und fragte nach dem Pfarrherrn. Dem Pastor Devel wurde nicht wohl zu Muthe als er die Reiter von den Pferden steigen und nach seiner Wohnung kommen sah, er hatte das Kirchenvermögen in seiner Verwahrung und obgleich dasselbe wohlversteckt war, wusste er doch recht gut, dass die wilden Kriegsgurgeln eine Auswahl furchtbarer Mittel besassen, schweigsame Leute zum Geständniss zu bringen; deshalb flüchtete er in der ersten Angst in die Sakristei. Hier aber wurde er von den rohen Soldaten bald entdeckt und nach dem der Kirche gehörigen Silberzeug und Gelde gefragt. Devels Versicherungen, dass Nichts davon vorhanden sei, unterbrachen die Reiter dadurch, dass sie den Pfarrer auf den Rücken legten, und ihm von einem nahen Hofe herbeigeholte Düngerjauche einfüllten – den sogenannten Schwedentrunk – ein Mittel welches auch den verschwiegensten Menschen zu den gewünschten Entdeckungen veranlasste, aber freilich auch sehr oft den Tod des Gemarterten zur Folge hatte.

Die alte Haushälterin lief in Todesangst umher. Sie hatte die schwedischen Reiter nach der Kirche gehen sehen, hatte auch bemerkt wie einer derselben den abscheulichen Schwedentrunk herbeischaffte, und wusste nunmehr welches Schicksal des unglücklichen Pfarrers harrte. In ihrer Verzweiflung eilte sie auf den Kirchhof, bestieg eines der Rosse welche die Schweden an der Mauer der Sakristei festgekoppelt hatten, und sah [6] von diesem hohen Standpunkte durch ein Fenster in das Gemach. Beim Anblick ihres gemarterten Herrn ergriffen Schmerz und Wuth die alte Frau dergestalt, dass sie mit schmetternder Stimme in die Sakristei hineinrief: „Seid nur getrost Herr, und haltet Euch noch einen Augenblick, schon rennen die Bauern mit Heugabeln und Spiessen zusammen, Euch zu helfen und die schwedischen Strolche aufzuhängen.“ Mit diesen Worten rutschte die Alte vom Sattel des Rosses hernieder, raffte sich aber schnell wieder auf und floh nach dem Pfarrhause. Voller Entsetzen stürzten die Schweden aus der Sakristei, und ohne weiter an Geld und Kirchenschmuck zu denken warfen sie sich, nur an die wüthenden Bauernhaufen denkend, auf die Rosse und jagten zum Dorfe hinaus. Der gerettete Devel aber umarmte gerührt die alte Frau und hielt sie hoch und werth bis an ihren Tod. Auf der Stelle, wo man ihn gemartert, liess er sich auch begraben und als man 1719 den Grund zu einer neuen Kirche grub, fand man seinen Leichnam noch ganz unverwest, und legte ihn in ein neues Grab.

Die alte kleine baufällige Kirche Forchheims wurde am Sonntag Jubilate 1719 zum letzten Male von der Gemeinde benutzt, indem man bis zur Vollendung des neuen Gotteshauses ausserhalb des Kirchhofs einen grossen hölzernen Schuppen zur Abhaltung des Gottesdienstes und Vollziehung der übrigen kirchlichen Amtsverrichtungen erbaute. Es dauerte indessen nicht länger als sieben Jahre, ehe die neue Kirche eingeweiht werden konnte, indem eine grosse Theurung die Mittel der Gemeinde dergestalt erschöpft hatte, dass nur zwei Maurergesellen bei dem Bau beschäftigt werden konnten, worüber es natürlich bei den Nachbargemeinden nicht an Spott und Spässen fehlte. Für den Ausbau der Kirche aber sorgte ein braver Kaufmann in Leipzig, Gotthard Sehuberth, aus dem Forchheimer Filialdorfe Haselbach gebürtig, welcher zu diesem Zwecke ein Capital von 1500 Thalern hergab, dem seine Wittwe später noch eine bedeutende Geldsumme für Anschaffung des Altars, der Kanzel, des Taufsteins und der heiligen Gefässe hinzufügte. Am dritten Osterfeiertage 1726 wurde die schöne, geräumige und lichtvolle Kirche, welche sich durch ein sehr melodisches Geläute und eine Silbermannsche Orgel auszeichnet, fröhlich eingeweiht. – Das Patronat über die Kirche besitzen beide Rittergutsbesitzer von Ober- und Niederforchheim in Gemeinschaft.

Zu dem Rittergute gehören die Dörfer Niederforchheim, Oberhaselbach und Wernsdorf nebst Antheilen von Oberseida und Lippersdorf. Die Anzahl der Einwohner des Gerichtssprengels beträgt ungefähr 1600 Personen, und das Areal an Feld, Wiesen, Waldungen, Gärten und Teichen gegen 1070 Scheffel. Wiesen und Felder sind vortrefflich und die Waldungen sehr gut bestanden. Der Drachenwald, welcher zum Theil zu Niederforchheim gehört, war einstmals seiner Ausdehnung wegen sehr berühmt, ist aber in neueren Zeiten bedeutend verkleinert worden, so dass er nirgends mehr über eine halbe Stunde tief ist. Unter den Bauergütern zeichnen sich viele durch Grösse und Schönheit aus, wie denn Forchheim überhaupt unter die wohlhabendsten Dörfer dieser Gegend gehört. – Erwähnenswerth ist noch die grosse etwa eine Viertelstunde vom Rittergute entfernt liegende Torfstecherei, deren Schuppen und Vorrathsgebäude mit der zugleich dort befindlichen Ziegelbrennerei einem kleinen Dorfe gleichen, und woselbst jährlich an drei Millionen Stück Torf theils gestochen, theils gestrichen werden, wodurch viele Bewohner Forchheims – da die Leinweberei, der Hauptnahrungszweig der Parochie, bei dem Mangel an Absatz und missglückten Flachserndten jetzt sehr darnieder liegt – während der Sommermonate den nothwendigen Verdienst und Unterhalt finden. Uebrigens besitzt Forchheim ein Postamt, und durch die äussert belebte Strasse nach Carlsbad einen regen Verkehr.




Oberrabenstein.

In einem freundlichen, fruchtbaren mehr weit als tief gebildeten Thale, das sich höchst anmuthig von der Stadt Chemnitz nach Westen hindehnt und von dem Rabensteiner Bache durchflossen wird, erhebt sich auf einem Punkte wo das Thal alle seine Naturschönheiten concentrirt, ein rings von Wasser umschlossener steiler Felsen, von dessen Gipfel aus dunklen Fichtenzweigen die altehrwürdige Burg Rabenstein auf die lachende Gegend herniederschaut. Das uralte Schloss verdient nach dem Interesse seiner Lage und Ansicht nicht den letzten Platz unter den sächsischen Rittersitzen, ist aber vielleicht unter allen der kleinste, denn es besteht blos aus einem zwei Stockwerke hohen, nur fünf Fenster breiten Wohnhause, an welches sich ein gewaltiger Thurm als Zeuge längst vergangener Jahrhunderte anschliesst, umrankt von baumstarkem Epheu, der ihn gleichsam noch für ein zweites Jahrtausend zusammenhalten zu wollen scheint.

Zu mehr Gebäuden hat die Oberfläche des isolirten Felsens keinen Raum; kaum dass noch einige Fichten Platz fanden, ihre flachen Wurzeln in den Steinboden einzusenken. Das Schlösschen bildet den Mittelpunkt eines ziemlich engen Bergkessels, dessen jähe, zum Theil bewaldete Höhen nur an drei Punkten durchbrochen sind, im Thale aber liegen weithin gestreut die freundlichen Häuser des stundenlangen Fabrikdorfes Rabenstein, dessen oberster Theil, der das Dorf Oberrabenstein bildet, theils im Grunde, theils am Abhange des Thalkessels, und endlich auch theilweise auf der Höhe selbst liegt, und in alten Zeiten die Schlossgasse, oder wie auch jetzt noch bisweilen Gasse, genannt wurde.

Die Burg Oberrabenstein, in alten Urkunden auch bloss Stein (Lapis) genannt, ist der alte Stammsitz der ehemaligen Herrschaft Rabenstein, welcher Name nicht von dem deutschen Worte Rabe, sondern von dem [7] böhmischen Hrab herzuleiten sein soll, so dass Rabenstein soviel bedeutet wie Grafenstein. Die Burg war in ältesten Zeiten ein freies, nirgends zur Lehn verpflichtetes Eigenthum der Ritter von Waldenburg, das im Jahre 1375 der Abt des Bergklosters zu Chemnitz, Johann von Schleinitz, mit Wissen und Willen des sämmtlichen Convents seines Klosters von Ritter Johann von Waldenburg und dessen beiden Söhnen Hans und Hugk erkaufte. In der Kaufsurkunde sind als zu dem Schlosse Oberrabenstein gehörig ausser dem Dorfe Stein auch noch Reichenbrand, Leewenhan, Kändler, Gruna, Sigemar, Huckericht, Steinpleissa und etliche Güter in Schönau mit allen Steinbrüchen, Eisen- und Kupferwerken und einigen Zinsen genannt. Für sämmtliche Güter zahlte der Abt 1700 Schock gute Groschen. Dieser Abt muss ein sehr hohes Alter erreicht haben, denn im Jahre 1418 war er noch am Leben und führte eine Fehde mit dem Burggrafen von Leissnig, der mit einem starken Haufen Gewappneter vor die Burg öberrabenstein zog, sie erstürmte und den streitlustigen Priester zehn Tage lang in die Kapelle des Schlosses einsperrte, bis er sich zur Nachgiebigkeit entschloss. Die Aebte von Chemnitz hielten sich oft und gern in dem Obenrabensteiner Schlösschen auf, wozu vielleicht seine ruhige einsame Lage viel beitrug, und noch heute führt der Weg, welcher südlich vom Dorfe Rottluff von Chemnitz nach Rabenstein führt, den Namen des Pfaffensteigs. Nach des Klosters Säcularisation, die 1548 erfolgte, fiel Oberrabenstein mit den übrigen Klostergütern an die Krone und blieb deren Eigenthum bis 1619, wo Churfürst Johann Georg es an den damaligen Oberlandjägermeister von Karlowitz für 14000 Gulden verkaufte. Später gelangte das Gut in Besitz der Freiherren von Welk, von denen es im Jahre 1838 an einen Herrn William Kraft aus Leipzig kam, dessen Eigenthum es noch jetzt ist.

Etwas entfernt von der Burg liegen die Wirthschaftsgebäude und das neuerbaute stattliche Herrnhaus. Die Schäferei ist ebenfalls ein vortheilhaft in die Augen fallendes Gebäude, neben der ein zierliches mit Blitzableitern versehenes Wohnhaus steht, von dem man eine äusserst reizende Aussicht über die Landschaft geniesst. Bedeutende Gärten und Obstanpflanzungen ziehen sich auf beiden Seiten der Höhen bis weiter herab zu den recht hübschen in englischem Geschmack angelegten Parkanlagen hin, welche die Burg Oberrabenstein von allen Seiten umgeben. Der sogenannte Rabensteiner Forst, früher zur Herrschaft gehörig, ist der grösste Wald des Chemnitzer Amtes, dessen schöne Tannen sich bis hart an den Ort Rabenstein hinziehen. Der Forst ist jetzt Zubehör des Krongutes Grüna mit Reichenbrand und steht unter der Aufsicht zweier in Pleissa und Grüna wohnenden Forstbeamten. Die Felder und Wiesen von Oberrabenstein gehören zu den besten der Gegend, die Schafzucht des Gutes ist nicht unbedeutend und da der Ort gleichsam in einem Garten liegt so ist der Obstbau nicht unbeträchtlich, auch findet man viel Bienenzucht. Die Einwohnerzahl zu Oberrabenstein beträgt ungefähr 300 Seelen.

Die Kirche, in welche die Gemeinden von Oberrabenstein, Niederrabenstein und Rottluff eingepfarrt sind, war ein kleines alterthümliches Gebäu, das schon seit langer Zeit für die Kirchengänger keinen hinreichenden Raum mehr bot. Sie enthielt in ihrem Innern wie in den Vorhallen mehrere Grabmäler der Familie von Carlowitz und Schönberg und einen alterthümlichen Taufstein von guter Arbeit, den der Oberforstmeister von Carlowitz im Jahre 1595 vom Bildhauer Hogenwald in Chemnitz anfertigen und hierherversetzen liess. Man sah sich also gezwungen einen Neubau zu beginnen der im Jahre 1854 zu glücklichem Ende gelangte, so dass die Gemeinden jetzt ein schönes, helles, geräumiges Gotteshaus besitzen.

Unter den in Rabenstein angestellten Predigern ist bemerkenswerth Martin Löscher, der von 1637–1677 amtirte, ein Freund und Kenner der Musik war, und sogar zur Abhaltung von Kirchenmusiken zwei Legate stiftete. –

In der Geschichte des Orts verdient das Jahr 1771 einer traurigen Erwähnung, indem damals eine furchtbare Ueberschwemmung das Rabensteiner Thal heimsuchte und alle Verbindungen störte. Die Fluth hatte Löcher von sechzehn Ellen Tiefe gerissen und Rottluff stand drei Tage unter Wasser. Gleich nach diesem Unglück brach eine furchtbare Theuerung aus, in der der Scheffel Korn bis zum Preise von beinahe zwölf Thalern stieg, so dass die Armen Gras und Kleien verzehrten und Viele Hungers starben. Auf diese unnatürliche Nahrung erfolgten epidemische Krankheiten, namentlich Fieber, die mit Raserei und Tod endigten und eine ungeheure Menge von Opfern hinrafften, bis endlich eine neue reiche Ernte dem namenlosen Elende des Erzgebirges ein Ende machte.




Lichtewalde.

An dem Ufer der brausenden Zschopau thront auf waldiger Bergeshöhe mit seinen blitzenden Fenstern und hochemporstrebenden Thürmen und Giebeln das prachtvolle Schloss Lichtewalde inmitten aller Reize die Natur und Kunst hervorzubringen vermochten. Von allen Seiten bieten sich hier die entzückendsten Aussichten dar auf das liebliche Zschopauthal, und die gewaltigen Berge welche rings um das Schloss wie riesige Wächter sich emporthürmen, bilden Rahmen eines bezaubernden Gemäldes, wie es deren nur wenige giebt.

Die ältesten bekannten Besitzer des Schlosses Lichtewalde, die Herren von Vitzthum, besassen dasselbe bis in die Mitte des funfzehnten Jahrhunderts, wo Apollonius oder Apel von Vitzthum, des Herzogs Wilhelm von Thüringen geheimer Rath und Günstling dasselbe nebst seinen [8] übrigen in Meissen gelegenen Gütern, darunter Kriebstein, Schweikershain und Ehrenberg durch einen Machtspruch des Churfürsten Friedrichs des Sanfmüthigen, Herzog Wilhelms Bruder, weil er Veranlassung zu dem zwischen den fürstlichen Brüdern ausgebrochenen sechsjährigen blutigen Kriege gegeben hatte, zugleich mit der Gnade des Herzogs verlor. Apel von Vitzthum flüchtete nach langer Gegenwehr – denn er war ein äusserst reicher und mächtiger Mann – mit dem Reste seines Vermögens nach Böhmen, wo er den sächsischen Fürsten noch manchen empfindlichen Streich spielte und den Ritter Kunz von Kaufungen zum Raube der churfürstlichen Prinzen überredete. Kunz war nämlich vom Churfürsten auf einige Zeit in Besitz der Vitzthumschen Güter Kriebstein, Ehrenberg und Schweikershain gesetzt worden, und hatte sich durch einen im Altenburger Schlossarchiv noch jetzt vorhandenen Revers verpflichtet, dieselben ohne Widerrede zurückzugeben, sobald der Churfürst ihn zu seinen im Bruderkriege verlorenen thüringischen Gütern verholfen haben würde. Als nun der Churfürst nach geschlossenem Frieden die Vitzthumschen Besitzungen zurückverlangte weigerte sich Kaufungen sie herauszugeben und zeigte sogar ein Dokument auf, worin Apel von Vitzthum ihm das Eigenthumsrecht an die drei Schlösser abtrat. Da Kunz von Kaufungen einen darauf begonnenen Prozess in allen Instanzen verlor und der Churfürst nunmehr ernstlich auf Räumung der Güter antrug, folgte Kunz des schlauen Apel von Vitzthum Rathe, dem Landesherrn die Söhne zu entführen und so lange in Böhmen auf seinem Schlosse Eisenberg in Gewahrsam zu halten, bis die angstvollen Eltern sich allen von Kaufungen verlangten Bedingungen gefügt haben würden. Es ist bekannt, dass Kunzens kühnes Unternehmen misslang und ihm sogar den Kopf kostete, doch darf man dasselbe nicht als ein gar zu grosses Verbrechen betrachten, indem zur Zeit des Faustrechts jedem Ritter, ja sogar jedem freien Manne das Recht zustand, sich so lange der Person seines Gegners oder ihm nahestehender Personen zu versichern bis eine Einigung wegen des streitigen Punktes erfolgt war. – Apel von Vitzthum, der in Böhmen durch seine ungemeinen Geistesgaben bald wieder zu hohem Ansehen gelangte starb im Jahre 1470, und seine Nachkommen schreiben sich Vitzthum von Egersberg. Für treue und wichtige Dienste im Bruderkriege belehnte nach Vitzthums Flucht Churfürst Friedrich der Sanftmüthige den Ritter Hermann von Harras mit Lichtewalde, der ebenfalls wie Kunz von Kaufungen seine thüringischen Güter durch Herzog Wilhelms raub- und brandlustige Heerhaufen verloren hatte. Dieser Hermann von Harras hinterliess in den Landen des Herzogs ein fürchterliches Andenken, indem er mit Feuer und Schwert wie ein Würgengel daherzog, und an einem einzigen Tage sechzig thüringische Dörfer niederbrennen liess, wesshalb er auch den wohlverdienten Namen des Brandmeisters erhielt. Er starb im Jahre 1465 zu Leipzig, wo man in der Thomaskirche noch jetzt sein Epitaphium sehen kann. Die Familie der Harras blieb im Besitz von Lichtewalde bis 1561, wo Eustachius von Harras, als der letzte seines Stammes, kinderlos mit Tode abging und der Churfürst das Gut als offenes Lehen einzog um es mit den Krongütern zu vereinigen.

Bis 1694 blieb Lichtewalde Kammergut, in diesem Jahre aber gelangte es in den Besitz eines Herrn von Bünau, der dem Churfürsten August dem Starken Pillnitz dafür überliess. Lichtewalde wurde nunmehr in ein schriftsässiges Allodialgut verwandelt und kam 1719 an den Grafen von Flemming, von diesem aber schon 1722 an den Grafen von Watzdorf, der 100,000 Gulden dafür zahlte, das alte Schloss niederreissen und dafür das jetztstehende nebst den ersten Anlagen zu einem Park herstellen liess. Der einzige Sohn des Grafen von Watzdorf starb im Jahre 1764 ohne Nachkommen, und das reiche Erbe fiel seiner Gemahlin anheim, einer gebornen Gräfin Vitzthum von Eckstädt, der hochherzigen Dame, deren Namen noch jetzt tausendfältig mit Rührung und Ehrfurcht genannt und gesegnet wird. Die verwittwete Gräfin von Watzdorf schied aus diesem Leben im Jahre 1772 nachdem sie ihren jüngeren Bruder, den Oberkammerherrn Grafen von Vitzthum unter der Bedingung zum Erben ihrer Besitzungen ernannt hatte, dass er aus denselben ein Majorat für die Vitzthumsche Familie gründen möge. Der erste Majoratsherr war Graf Friedrich August Vitzthum, der 1777 die Güter erhielt und ungemein viel für die Verschönerung und Erweiterung des Parkes that. Derselbe starb im Jahre 1803 und ihm folgte sein damals noch unmündiger Sohn, der jetzige Majoratsherr Graf Otto Rudolph.

Unter allen Garten- und Parkanlagen unseres Vaterlandes giebt es nicht eine, die in Bezug auf Grossartigkeit und romantische Lage der hiesigen nachstände. Mit unbeschreiblicher Mühe und ungeheuren Kosten liess Graf Watzdorf den Schlossberg von dem darauf wachsenden Nadelholz reinigen, fruchtbare Erde hinaufschaffen und durch den dazu berufenen braunschweigischen Kunstgärtner Wehmann mit der Herstellung der Anlagen beginnen. Der prachtvolle Park hat allerdings Hunderttausende gekostet, aber dafür ist er auch einer der schönsten Sachsens, obgleich sein Geschmack bisweilen an die steife französische Manier des vorigen Jahrhunderts erinnert. Lauben, Hecken und Baumgänge überraschen oft das Auge durch ihre eigenthümliche perspectivische Anlage und namentlich zeichnet sich eine wunderschöne Lindenallee aus, die vollständig geebnet eine Länge von fünfhundert Ellen hält. In früheren Zeiten zierten den Garten unzählige, in den verschiedensten Gestalten angelegte Wasserkünste, von denen man indessen die meisten eingehen liess, weil neue Parkzierden deren Verdrängung erheischten. Doch ist für den Freund solcher springenden Wässer in Lichtewalde noch genug zu sehen, denn einhundertsechszehn Künste, die freilich nur zu gewissen Zeiten, namentlich zum Pfingstfest, in Thätigkeit gesetzt werden, bieten des Angenehmen und Ueberraschenden nicht wenig, wesshalb auch aus den umliegenden Städten zahlreiche Besucher herbeiströmen, um sich an dem wunderbaren Spiele der Wasserstrahlen zu ergötzen. Vorzüglich schön ist ein Wasserfall, der einhundert und zehn Ellen hoch seine schäumenden Wellen von der Höhe des Berges in die Zschopau hinabstürzt und aus einem Bassin gespeist wird, das alles durch eine Hebemaschine in die Künste geleitete Wasser, welches durch eine 700 Ellen lange Röhrenfahrt 366 Ellen hoch steigen muss, in sich aufnimmt. Die Hebemaschine, welche durch ein ganz einfaches Druckwerk in Bewegung gesetzt wird, scheint übrigens schon vor der Entstehung [9] des Parkes dagewesen zu sein, weil sie den Wasserbedarf für die Oekonomie herbeizuschaffen hat.

Ungemein viel zur Verschönerung des Lichtewalder Parkes that Graf Friedrich August von Vitzthum, der durch neue und bei aller Einfachheit überraschende Anlagen auf kaum bemerkbare Weise die Kunst zur Unterstützung der Natur zu verwenden wusste. Von ihm wurde die am Waldhange stehende Kapelle erbaut und zwar zu Ehren des Prinzen, nachmaligen Königs, Anton von Sachsen, der Lichtewalde im Jahre 1801 mit seinem Besuche beehrte. Von dieser Kapelle geniesst man eine bezaubernde Aussicht in das Zschopauthal. Nicht weit davon, in tiefem Waldesdunkel, streckt sich eine Brücke über eine tiefe Schlucht, so einsam, dass man sich beinahe unheimlich angeweht fühlt. An einer gleich düsteren Grotte vorüber, von wo man wiederum die lieblichsten Fernsichten auf Schloss und Thalgrund geniesst, gelangt man endlich an das Monument des Ritters Harras, von dessen kühnem Sprunge wir nachher berichten wollen. – In dem Schlosse, welches in grossartigem, modernen Style gebaut ist, befindet sich eine zwar nicht zahlreiche, aber durch kostbare Gemälde, namentlich niederländischer, Meister, ausgezeichnete Gemäldegallerie, und unter den herrlichen Zimmern desselben zeigt man eines, das auf chinesische Art ausgestattet ist.

Zu dem Rittergute gehören ausser dem Dorfe Lichtewalde die Ortschaften Ebersdorf, Auerswalde, Braunsdorf, Obergarnsdorf, Oertelsdorf, Ottendorf, Merzdorf, Niederwiesa, Oberlichtenau, Oberwiesa, Niederlichtenau und Gückelsberg, sowie eine bedeutende Schäferei und eine an der Zschopau gelegene grosse Mühle. Ottendorf, Niederwiesa, Niederlichtenau, Auerswalde und Ebersdorf haben Kirchen, und in letzteres ist das Dorf Lichtewalde eingepfarrt. Doch hat der Pfarrer die Verpflichtung, in der Schlosskapelle einen Sonntag um den andern, so wie an hohen Festen Gottesdienst, und jährlich dreimal Communion zu halten, auch auf Verlangen der Bewohner Lichtewaldes Taufen und Trauungen in derselben zu verrichten. Der Pfarrer führt deshalb auch den Titel eines Schlosspredigers.

Lichtewalde soll vor alten Zeiten eine Stadt gewesen sein, welche Graf Philipp von Nassau nach dem Tode seines Bruders, des Kaisers Adolf von Nassau, nebst den Städten Döbeln, Borna und Geithain dem Markgrafen Friedrich mit der gebissenen Wange zurückgab. Jetzt besitzt der Ort sechzig Häuser mit ungefähr sechshundert Einwohnern; die ganze Herrschaft zählt in ihren dreizehn Dörfern über 7000 Seelen.

Die uralte Kirche zu Ebersdorf soll von dem heiligen Bonifazius erbaut worden sein, wenigstens nennt man ihn den Gründer der noch heute auf dem Gottesacker in unmittelbarer Nähe der Kirche stehenden ehemaligen Wallfahrts- und Gnadenkapelle, die aus allen Gegenden einen so starken Zulauf der Gläubigen genoss, dass sie Veranlassung zur Entstehung des Dorfes mit seiner Kirche gab. Noch jetzt zeigt man nächst anderen kirchlichen Merkwürdigkeiten eine Krücke mit der Jahreszahl 1330 und eingeschnittenen Klageworten ihres einstigen Trägers, der durch Hülfe des wunderthätigen Marienbildes in der Kapelle gesund wurde und die Krücke zum Andenken hier zurückliess. Unfern dem mittleren Kirchthore[WS 1] befindet sich die steinerne Figur eines Ritters mit der Jahrzahl 1499, welche ohne Zweifel jenen Dietrich von Harras vorstellen soll, dessen Andenken die Volkssage und ein Monument im Park zu Lichtewalde verewigen.

Dietrich von Harras lebte nämlich mit dem Ritter von Schellenberg, einem wilden raublustigen Manne in Fehde, und war ausgezogen ihn zu bekämpfen. Der Schellenberger aber hatte Kunde von Dietrichs Unternehmen, und lauerte mit einer überlegenen Zahl seiner verwegenen Buschklepper in einem Hinterhalte, von wo er wüthend über die Lichtewalder herstürzte und sie zerstreute oder niederwarf. Nach tapferer Gegenwehr musste auch Dietrich von Harras die Flucht ergreifen, er spornte sein Pferd zu wilder Eile während der Feind ihm hart auf den Fersen sass. Plötzlich sah der Verfolgte seine Flucht gehemmt, denn vor ihm gähnte in furchtbarer Tiefe der Abgrund des Hausteins, an dessen Fusse die Zschopau dahinbrausst. Jubelnd nahten die Schellenberger Schnapphähne, schon glaubten sie den kühnen Ritter in ihrer Gewalt und riefen ihm zu, sich zu ergeben; dazu aber hatte Ritter Dietrich keine Lust. Er empfahl Gott und der heiligen Jungfrau von Ebersdorf seine Seele und drückte alsdann dem Rosse die Sporen ein, dass es in wildem Entsetzen hochaufbäumte und mit ungeheurem Sprunge in die fürchterliche Tiefe hinabstürzte. Obgleich das Ross zerschmettert versank, blieb doch der Ritter bei dem grässlichen Sturze unbeschädigt, und während die Schellenberger mit Staunen und Grausen in die Tiefe starrten schwamm der kühne Springer durch die Zschopau und eilte hohnlachend vor den Augen der verblüfften Feinde hinauf in sein gastliches Schloss. Zum Dank für den Schutz der heiligen Jungfrau von Ebersdorf verehrte ihr der Ritter ein grosses silbernes Hufeisen, das noch jetzt vorhanden ist, jedoch im Laufe der Zeit sich aus einem silbernen in ein eisernes verwandelt hat. Nicht weit von Dietrichs Hufeisen hängt ein Schiffchen, welches einst ein Ritter mit Gold gefüllt der Kirche weihte. Der Ritter war nämlich nach Palästina gezogen, um das heilige Grab befreien zu helfen, auf der Rückreise aber brach ein so furchtbarer Sturm los, dass das Schiff in der grössten Gefahr schwebte und die Schiffsleute jeden Augenblick ihren Tod erwarteten. Da flehte der sächsische Ritter zur heiligen Jungfrau von Ebersdorf, und versprach ihr, für den Fall dass sie das Schiff in ihren Schutz nähme, ein Schifflein gefüllt mit gutem Golde. Der Sturm ging vorüber und der Ritter langte wohlbehalten im Vaterlande an, wo er sofort das gethane Gelübde treulich erfüllte, und das Schifflein an die Kapelle der gnadenreichen Maria ablieferte. Der Name des Ritters ist nicht bekannt, ebensowenig die Zeit wo das Weihgeschenk erfolgte; es ist aber auch ein Geheimniss, wo das Gold hingekommen, welches das noch vorhandene Schiffchen barg.

Als die Prinzen Ernst und Albrecht, welche Kunz von Kaufungen geraubt, durch Hülfe des Köhlers Schmidt sich wieder bei ihren Eltern befanden, da zog Churfürst Friedrich mit seiner Gemahlin Margarethe am 15. Juli 1455 von Chemnitz aus zum wunderthätigen Gnadenbilde nach Ebersdorf, um dort Gott und der Jungfrau Maria für die glückliche Befreiung der Prinzen zu danken. Die erfreute Mutter stiftete für zwei Arme ein ewiges Almosen sowie eine Dankmesse, auch wurden die Kleider der Prinzen und des wackeren Köhlers zum Andenken in der Kirche aufgehangen. Weil sie aber mit der Zeit morsch wurden und der Zerstörung [10] rasch entgegengingen liess Churfürst Christian II. sie mit einer Gummimasse überziehen und (1608) in einem Glasschranke verwahren. Bei einem 1654 stattgefundenem Brande, der auch die Kirche bis auf das Gewölbe verzehrte, wurden die Kleider gerettet, und hängen jetzt im Pfarrhause, da die oft hierherkommenden Reisenden sich Stückchen von dieser vaterländischen Reliquie zu verschaffen suchten, wodurch ihre baldige Zerstörung bevorstand. Uebrigens besitzt die Kirche einige sehr gute Gemälde; in den Fenstern alte Glasmalereien und eine Gruft, in der die Leichen nicht verwesen, sondern nur vertrocknen.

Zum Schlusse gedenken wir noch der Stiftung einer edlen Dame, der letzten Besitzerin Lichtewaldes aus dem Geschlechte der Grafen von Watzdorf, Frau Henriette Sophie, verwittwete Geheimräthin Gräfin von Watzdorf, die in ihrem Testamente vom 25. November 1771 durch Legirung eines Capitals von 8000 Thalern, dessen Zinsen jährlich in zwei Terminen an Arme und Hülfsbedürftige in sämmtlichen zu Lichtewalde und Auerswalde gehörigen Ortschaften vertheilt werden sollen, ein unvergängliches Denkmal ihrer Herzensgüte und Menschenfreundlichkeit unter den Nachkommen ihrer vormaligen Unterthanen gestiftet hat. Der jedesmalige Gerichts- und Majoratsherr von Lichtewalde und Auerswalde hat nach der Stiftungsurkunde für die Sicherheit und Ausleihung dieses Capitals zu sorgen und zu haften, und die halbjährigen Zinsen an den Pfarrer in Ebersdorf auszuzahlen, der dieselben mit Zuziehung und Hülfe seiner Amtsgenossen in Auerswalde, Ottendorf, Niederlichtenau und Oberwiesa vertheilt und zu genauer und sorgfältiger Angabe der Namen der Empfänger, der erhaltenen Summe und des Grundes warum ihnen dieselbe gereicht worden, verpflichtet ist, auch Rechnung über die Vertheilung zu führen und solche dem Majoratsherrn vorzulegen hat, so oft und wann dieser es verlangt. Unzählige Thränen der Dankbarkeit sind schon von Armen und Nothleidenden der edlen hochverdienten Stifterin in ihre Gruft nachgeweint worden, und mancher schweren Sorge, manchem stillem Kummer hat mehr oder weniger abgeholfen werden können. Hochbejahrte, mittellose Personen, arme Wittwen, Waisen, Kranke und Gebrechliche sind es vor Allen, welche aus dieser Stiftung Unterstützung erhalten. Möge der edlen Verewigten die Erde leicht sein!




Schloss Chemnitz.

Die Stadt Chemnitz, eine der drei grossen Städte des Königreichs Sachsen, und dessen wichtigste Fabrikstadt, verdankt ihre Entstehung den Sorben, einem slavischen Volksstamme, der bis zum siebenten Jahrhundert jenseits der Elbe südlich und nördlich bis zum Meere sich ausbreitete und westlich bis an die Saale vordrang. Die Sorben führten zwar ein Nomadenleben, doch theilten sie ihr Land in Zupanieen oder Gaue ein, bauten indessen keine festen Wohnsitze, weil Jagd und Viehzucht sie aus einer Gegend in die andere führten, sondern lebten in einfachen kunstlosen Hütten, die weit von einander entfernt lagen und leicht abgebrochen und fortgeschafft werden konnten. Erst durch ihre Bekanntschaft mit den Franken und Deutschen und durch die mit diesen Völkerschaften entstehenden blutigen Kämpfe erlernten die Sorben den Bau fester, steinerner, zum Schutz mit Wasser und Wällen umgebenen Wohnsitze, die sie in ihrer Sprache Bud oder Buz nannten. Eine solche befestigte Ansiedlung war das jetzige Dorf Altchemnitz, welches in der Zupanie Chutizi – den jetzigen Bezirk um Chemnitz – lag. Als nun Kaiser Heinrich der Vogelsteller im zehnten Jahrhundert mit dem Kreuze in der einen und dem Schwerte in der anderen Hand gegen die heidnischen Sorben auszog, ihre heiligen Haine fällte und die geweihten Altäre zertrümmerte, da mussten die Slaven sich bald vor dem Christengott beugen, und an der Stelle, wo einst in dem heiligen Haine die Gebete der Priester ertönten, erschallten jetzt Axt und Hammer bei Errichtung christlicher Gotteshäuser und hoher gewaltiger Burgen.

Aber nicht so leicht fügten sich die Sorben den Vorschriften ihrer Sieger, immer wieder erhoben sie die Waffen zur Befreiung vom Joche des Christenthums und zur Wiedereinführung ihrer alten Götter. Kaiser Otto I., Heinrichs Sohn, hatte noch manchen blutigen Kampf zu bestehen ehe das kühne Slavenvolk sich in sein Schicksal fügte und ruhig die ihm angelegten Fesseln trug. Der Kaiser liess eine Menge feste Schlösser erbauen, die von Grafen bewohnt und vertheidigt wurden, und an welche die besiegten Sorben einen Tribut zahlten. Ausserdem mussten sich in den slavischen Kolonieen eine grosse Anzahl Deutsche ansiedeln, christliche Priester durchzogen das Land, verkündigten den Sorben die milde Christuslehre und bauten Kapellen und Kirchen welche die heidnischen Einwohner zu besuchen gezwungen wurden. So kam es dass die alten Slavengötter bald in Vergessenheit geriethen und man überall die Knie vor dem Bilde des Gekreuzigten beugte.

Eine solche im Jahre 939 entstandene und mit einem wunderthätigen Marienbilde versehene Kapelle soll den ersten Anbau von Chemnitz, nordöstlich von Altchemnitz, als Wallfahrtsort befördert, und Kaiser Otto I. im Jahre 954 ein Kloster zu St. Marien dabei gestiftet haben. Doch ist Chemnitz eigentlich erst unter dem Kaiser Lothar II. zu einiger Bedeutung gekommen, der der Stadt eine eigene Gerichtsbarkeit verlieh, einen Magistrat einsetzte, sie im Jahre 1125 erweiterte, mit Mauern umgab und zur kaiserlichen Reichstadt erhob. Ebenso trug auch zum Aufblühen der Stadt nicht wenig die Stiftung eines Benediktinerklosters vor Chemnitz bei.

Auf dem Berge, welcher jetzt Schloss Chemnitz trägt, hauste damals tief versteckt in dichter Waldung ein alter frommer Klausner, und hier beschloss Kaiser Lothar, oder wie Andere wollen, seine Gemahlin Richenza, [11] ein Kloster zu bauen, das im Jahre 1127 vollendet war und vom Papst Honorius und seinem Nachfolger die Bestätigung empfing. Anfänglich war es ein kleines bescheidenes Gotteshaus, das im Jahre 1236 in Flammen aufging, aber durch milde Beiträge frommer Menschen schon 1274 wieder aufgebaut stand, obschon der Bischof von Meissen den Beschluss gefasst hatte, es eingehen zu lassen, und die Mönche in einem anderen Kloster unterzubringen. Von dieser Zeit an bereicherte sich das Benediktinerkloster auf dem Berge so ungemein, dass es im funfzehnten Jahrhundert ausser verschiedenen Lehnsrechten, Zehnten und einzelnen Höfen nicht weniger als dreissig Dörfer besass, und ein Mönch des Klosters sagen konnte, alles Land, was man vom Klosterberge rundum sehen könne, sei – mit Ausnahme der Stadt Chemnitz – der Benediktiner vom Berge Eigenthum!

Der gewaltige Reichthum des Klosters machte indessen die Aebte immer stolzer und übermüthtiger, so dass endlich der Wunsch in ihnen entstand, sich gänzlich von der Hoheit des Bischofs von Meissen sowohl als auch von der des Landesherrn zu befreien. Hierzu bot ihnen das Erlöschen der kaiserlichen Gewalt in der Stadt Chemnitz eine treffliche Gelegenheit, indem schon nach Rudolfs von Habsburg Tode die kaiserliche Landeshoheit über Chemnitz, Altenburg und Zwickau verloren ging. Die Ursache dieses Verfalls und der Unterwerfung der Stadt Chemnitz unter die Herrschaft der Markgrafen von Meissen waren die Kriege, welche Friedrich mit der gebissenen Wange und sein Bruder Dietzmann mit ihrem Vater, dem Landgrafen Albrecht dem Unartigen und mit Kaiser Adolf von Nassau, sowie später mit Albrecht von Oestreich führten.

Bekanntlich hatte Landgraf Albrecht seine Länder aus Hass gegen seine beiden Söhne an Kaiser Adolf von Nassau verkauft, und dieser begann deshalb im Jahre 1295 und 1296 mit den Brüdern einen Krieg, wurde aber 1297 von Markgraf Friedrich dem Gebissenen bei Rochlitz und Döbeln geschlagen, und Chemnitz, das dem Kaiser Beistand geleistet, musste die Unterstützung seines Oberhauptes schwer büssen. Albrecht von Oesterreich setzte zwar den Krieg gegen die Markgrafen Friedrich und Dietzmann fort, wurde aber bei Lucca vollständig besiegt, und Chemnitz, Altenburg nebst Zwickau mussten sich den Markgrafen unterwerfen (1307). Bald darauf wurde Kaiser Albrecht von seinem Neffen, Johann von Schwaben, und einigen mit diesem verbündeten Edelleuten auf einer Reise von Baden nach dem Kloster Rheinfelden ermordet, und noch in dem nämlichen Jahre wählte die Stadt Chemnitz den Markgrafen Friedrich freiwillig zu ihrem Schutzherrn. Die späteren Kaiser, namentlich Heinrich VII., und Ludwig der Baier forderten zwar das Pleissnerland und die drei freien Städte Chemnitz, Altenburg und Zwickau zurück, aber alle ihre Bemühungen blieben erfolglos, vielmehr behauptete Markgraf Friedrich – sein Bruder Dietzmann war am 25. Dezember 1307 in Leipzig von einem Meuchelmörder erstochen worden – sich fortwährend in dem Besitze der angefochtenen Besitzungen, obgleich er bis zum Jahre 1315 mit dem Markgrafen Waldemar von Brandenburg wegen des Pleissnerlandes und der drei Städte harte Kämpfe zu bestehen hatte. Nach Friedrichs des Gebissenen Tode vermählte sich dessen Sohn, Friedrich der Ernsthafte, mit Kaiser Ludwig des Baiern Tochter (1329) in demselben Jahre huldigte die Stadt Chemnitz auf Befehl des Kaisers seinem Eidam, und seit dieser Zeit hat niemals wieder ein Kaiser Ansprüche auf das Pleissnerland oder die drei Städte erhoben.

Die Aebte des Benedictinerklosters zu Chemnitz, die sich, um ihre Reichsunmittelbarkeit anzuzeigen, jetzt in Urkunden „Wir, von Gottes Gnaden“ nannten, wurden immer kecker, und wagten endlich sogar Eingriffe in die Gerechtsame der Stadt, indem sie sich nicht nur deren Obergerichte, sondern auch das Patronatrecht in derselben anmassten. Daraus entstanden natürlich hartnäckige Streitigkeiten, bei denen sich auch die Edelleute der Nachbarschaft betheiligten, so dass in den Jahren 1293, 1388 und 1418 sehr blutige Fehden entstanden. Die erste Fehde wurde durch Vermittlung des Bischofs von Meissen zu einem baldigen Ende gebracht; bei dem zweiten Zerwürfniss im Jahre 1388 war jedoch die Erbitterung der Ritter gegen das Kloster so heftig, dass sie wegen ihres wilden Treibens gegen die Benediktiner auf dem Berge in den Bann fielen, der freilich so drückend war, dass sie bei dem römischen Stuhle um Lossprechung nachsuchten und sich mit dem Abte verglichen. Die dritte Fehde musste der Landesfürst schlichten; doch gelang es in derselben einem Burggrafen von Leissnig, den Abt des Bergklosters, einen Herrn von Schleinitz, in seinem Schlosse Oberrabenstein, das die Leissniger erstiegen, gefangen zu nehmen, worauf der Burggraf den geistlichen Herrn zehn Tage lang in die Schlosskapelle einsperrte, bis er sich mit ihm einigte.

Ein neuer und furchtbarer Feind aber, der mit unmenschlicher Grausamkeit seinen Weg durch Blut und Brand bezeichnete – das Hussitenheer – zog gegen das Benediktinerkloster heran. Im Jahre 1429 umzingelten die wilden Böhmen das Kloster, erstiegen nach vergeblichem Widerstände seine Mauer, und bald loderte eine ungeheuere Feuersäule empor und verkündigte der Umgegend des Klosters schreckliches Schicksal. Die Zerstörung desselben war so vollständig, dass viele Jahre vergingen, ehe die Gebäude sich wieder aus ihrer Asche erhoben, und erst im Jahre 1525 wurde die Kirche unter dem Abt Hilarius Wagner vollendet, nachdem Abt Heinrich von Schleinitz 1514 ihren Aufbau begonnen hatte.

Churfürst Johann Friedrich der Grossmüthige hatte in seinen Ländern und den in der Nachbarschaft von Chemnitz gelegenen Städten Altenburg und Zwickau im Jahre 1527 bereits die lutherische Lehre eingeführt; in Chemnitz aber fand dieselbe noch keinen Eingang. Selbst als 1536 Heinrich der Fromme in Freiberg und Wolkenstein das Lutherthum zur Geltung brachte, blieben die Länder Herzog Georgs des Bärtigen bei dem alten Glauben, denn der Landesherr bestrafte den Uebertritt mit Exil oder Kerker. Erzogen in den religiösen Grundsätzen seiner Zeit und durch Einflüsterungen Anderer, so wie durch derbe Anzüglichkeiten, welche Luther sich gegen ihn erlaubt, erbittert war der übrigens wissenschaftlich gebildete und edle Fürst ein persönlicher Feind des Reformators und griff daher zu den strengsten Massregeln, um dessen Lehren von seinem Lande fern zu halten. Gleich nach Einführung der Reformation in dem Churfürstenthume ertheilte Georg dem Abte zu Chemnitz, seinem lieben Gevatter, die gemessensten Befehle, die Verbreitung der neuen Lehre nach Kräften zu verhindern, da er in derselben Gefahren für die Rechte der Fürsten und das Wohl der Völker wahrzunehmen glaubte. In diesen Ansichten und Bestrebungen [12] wurde der Herzog natürlich durch die Geistlichen eifrig bestärkt, und so blieb die Reformation auch wirklich bis zu Georgs Tode, der am 17. April 1539 auf dem Schlosse zu Dresden erfolgte, von dem Herzogthume entfernt. Der neue Landesherr aber, Heinrich der Fromme, betrachtete es als erste Pflicht, den evangelischen Cultus überall einzuführen, und liess sich in diesem Werke weder durch die Drohungen König Ferdinands, noch durch das Lärmen des Bischofs Johann von Meissen verhindern.

Hinsichtlich der beiden in und vor der Stadt Chemnitz gelegenen Klöster beschränkte man sich vor der Hand darauf, die Aufnahme von Novizen zu untersagen und den Klostergeistlichen das Beichthören, den Gebrauch der Monstranz und das Absingen der Horen bei offenen Thüren zu verbieten. Erst im Jahre 1548 wurden beide Klöster aufgehoben. Der Abt des Benediktinerklosters vom Berge, Hilarius Wagner, fügte sich den landesherrlichen Befehlen und bezog ein Haus am Rossmarkte in Chemnitz, wo er auch starb. Gleich ihm liessen sich noch verschiedene Mönche des Bergklosters in Chemnitz nieder, die übrigen aber wanderten mit den Franziskanern nach Böhmen. Von dem Klostervermögen empfingen die in der Stadt gebliebenen Mönche einen Jahresgehalt, das Uebrige wurde zu geistlichen Zwecken verwendet.

Nach der Säkularisation wurde das Kloster auf dem Berge, nebst dem Wirthschaftshofe der Abtei, in ein Kammergut verwandelt, das um das Jahr 1590 mit Neukirchen zusammen für 1050 Gulden verpachtet war, und wozu der Klosterküchenwald, die Glösaer Teiche und verschiedene andere Grundstücken gehörten. Mit der Zeit entzog man jedoch durch Verkauf dem Kammergute immer mehr Grundstücken, namentlich auf dem rechten Ufer des Flusses, woraus sich zwei Privatvorwerke und der kleine Ort Schlossgasse bildeten. Was vom alten Gute übrig war, erkaufte im Jahre 1701 der Augustusburger Amtshauptmann, Herr von Günther, als ein amtsässiges Gut mit Ober- und Erb-Gerichten, welches jedoch im Jahre 1742 schriftsässig ward. Von Georg von Günther kam Schloss Chemnitz an den Präsidenten von Bretschneider, und 1784 an die Gebrüder Siegert, welche es an die Familie Wühler veräussert, von welcher es in den Besitz der Familie Buschmann gelangte, der es noch jetzt gehört.

Die Gebäude des Klosters verfielen nach der Säkularisation immer mehr; auch zerstörten im dreissigjährigen Kriege die dort einquartirten Soldaten dieselben mit gewohnter Brutalität. Von den alten Klosterbauten ist jetzt nichts mehr übrig, als die Kirche und ein Seitengebäude mit Kreuzgängen und Zellen; doch gehören dieselben nicht zum Rittergute, sondern sind Eigenthum des Staates. Seit dem Ende des vorigen Jahrhunderts sind einige neue Wirthschaftsgebäude aufgeführt worden. Zu dem Schlosse Chemnitz, auch Vorwerk Chemnitz und Altchemnitz genannt, gehören sechzehn Feuerstellen und eine Bleiche mit etwa hundert und zwanzig Einwohnern.

Die alte Schlosskirche enthält des Merkwürdigen noch so Manches. Den Grund zu ihr legte nach der Zerstörung ihrer Vorgängerin durch die Hussiten erst 1514 Abt Heinrich von Schleinitz, den man, weil er sein Kloster durch mehrere Baue verschönerte, dessen zweiten Gründer nannte. Hilarius Wagner, der auf Schleinitz folgende Abt, vollendete 1525 den Kirchenbau und liess auch einen Thurm bauen, der indessen später wieder abgetragen, dessen Geläute nach Mitweida verkauft wurde. Nach Aufhebung des Klosters blieb die Kirche bis zum Jahre 1668 verschlossen, wo sie unter Churfürst Johann Georg II. zum evangelischen Gottesdienste geöffnet und der Pfarrer in Glösa zum Schlossprediger investirt wurde. Später räumte man die Schlosskirche den Katholiken ein; nachdem dieselben aber in der Stadt Chemnitz ein geeignetes Lokal zu ihrem Gottesdienste gefunden, ist die Kirche den Protestanten wieder zur Benutzung überlassen worden.

Obgleich die Kirche nicht gross ist, hat sie doch eine ansehnliche Höhe und zeichnet sich durch vortreffliche Bildwerke aus. Namentlich ist die Eingangsthüre merkwürdig, welche mit zwei hohen Baumstämmen mit abgestutzten Aesten, die sich oben in einen Bogen schliessen, eingefasst ist. Die Hauptgruppe dieses dreihundertjährigen Kunstwerkes bildet Maria mit dem Jesuskinde und der über ihr von Engeln getragenen Krone. Oben thront Gott der Vater, den gekreuzigten Heiland im Schosse, zu beiden Seiten von Engeln umgeben. Ein anderes plastisches Kunstgebilde des Alterthums ist eine Geisselung Christi, sehr schön aus einem einzigen Baumstamme geschnitzt. Das Ganze hat viel Ausdruck. Einer der Kriegsknechte hält den Heiland bei den Haaren, ein anderer legt ihm Fesseln an, ein dritter schwingt über ihm die Geissel und ein vierter flicht ihm die Dornenkrone auf das Haupt. Diese Geisselung war ursprünglich eine eichene Säule im Geisselsaale nahe bei der Kirche, wurde aber im siebzehnten Jahrhunderte von einem Künstler bearbeitet und erst gegen das Jahr 1740 in der Kirche aufgestellt. Der allgemeine Glaube, dass die Eiche in der Kirche selbst gewachsen sei, ist also unbegründet. Ueber der Geisselung zeigt man in der Mauer ein sogenanntes Fegefeuer, eine bogenförmige Vertiefung, worin abergläubische Leute ein seltsames Sausen vernehmen wollen. Mitten in der Kirche sieht man mehre dunkle Flecke, die Aehnlichkeit mit einer menschlichen Figur haben, und der Abdruck eines Mönchs sein sollen, der einst bei einer religiösen Handlung von dem Kirchenboden herabstürzte. Ausser diesen Curiositäten besitzt die Kirche noch eine Maria unter dem Kreuze, auf Holz gemalt, einen betenden Christus am Oelberge, und einige Märtyrerscenen.

Beim Schlosse Chemnitz befinden sich in verschiedener Höhe über dem am Fusse des Berges gelegenen grossen Schlossteiche zwei vortreffliche Vergnügungsörter, die namentlich von den Chemnitzern fleissig besucht werden. Von hier aus geniesst man eine wunderschöne Aussicht nach der im Thale ausgebreiteten Stadt, der Gegend von Glösa und Furth und der fernen Bergkette bei Klaffenbach. Der mit Alleen umgebene Teich wurde im Jahre 1819 gleich dem bei Glösa gelegenen noch grösseren alienirt; er hat 2000 Schritte im Umfang, liefert vortreffliche Fische und ist im Herbste der Sammelplatz ungeheurer Schaaren von kleinen Zugvögeln, die auf viele Meilen in der Runde hier zusammenströmen, um sich auf die grosse Reise nach den südlichen Ländern vorzubereiten.



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Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Kirchhtore
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