Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen II. Section/H14

Heft 13 des Meissner Kreises Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen von Gustav Adolf Poenicke (Hrsg.)
Heft 14 der Section Meissner Kreis
Heft 15 des Meissner Kreises
Die Beschreibungen sind auch als Einzeltexte verfügbar unter:
  1. Schönfeld
  2. Boden
  3. Leuben
  4. Hirschfeld


[105]
Schönfeld
bei Hain.


Das frühere Amt Hain, wozu auch Radeburg gehört, war grösser an Seelenzahl, als das jetzige Gerichtsamt Grossenhain, wozu unser Schönfeld gerechnet wird. Radeburg bildet jetzt ein eignes Gerichtsamt.

Das Amt Hain, welches in Norden und Nordwesten an Preussen, in Westen ans Amt Oschatz, in Südwesten an Meissen, in Süden an Moritzburg, in Südosten an Laussnitz, in Osten an die Oberlausitz grenzt, war vor 1835 weit grösser, es fasste 33,786 Seelen, nachdem es im Jahre 1836 von den aufgelösten Meissnischen Procuratur und Schulämtern 16 Orte, so wie das Moritzburger Dorf Gerstliz und die Lausitzer Hälfte von Crakau erhalten, und seine Antheile an Reichenau und Reichenbach an den Bautzner Bezirk, Oberau ans Amt Meissen abgetreten hatte. Jetzt fasst das Gerichtsamt Grossenhain nur 28575 Seelen in einer Stadt und 98 Landgemeinden, wogegen früher zum Amte Hain 2 Städte, 132 Dörfer, mehrere Häusergruppen, 40 Rittergüter und einige Vorwerke gezählt wurden.

Die Elbe und Pulsnitz – jene in Westen, diese in Osten, begränzen das von der Röder durchflossene Amt und in Nordwest zieht sich der aus Preussen kommende Flosskanal, der Neugraben, zur Elbe. Von dem Austritte der Röder nach Preussen steigt der theils ebene, theils hügelige Boden südostwärts nach der Lausnitzer Haide hin, doch der höchste Gipfel des Kotzschenberg befindet sich an der Gränze von Preussen bei Ortrand. Der Boden ist grösstentheils sehr sandig und an der untern Röder sehr moorig, im Südwesten trägt er viel Reben, im Osten die Kiefernhaiden, wie den Raschütz, die Kien- und Glauschnitzer Haide, die Zschorner Haide.

Auf dem Lande findet man keine Fabrikzweige und die Bewohner desselben leben von Ackerbau und Handarbeit, weshalb auch die Bevölkerung verhältnissmässig gegen andere Orte Sachsens eine geringe genannt werden kann. Es kommen durchschnittlich 2500 Seelen auf jede Quadrat-Meile. Das Land selbst aber ist merkwürdig durch seine Vorzeit und jeder Ort hat beinahe seine besondere Geschichte. Die meisten Orte verdanken ihre Entstehung den Sorben-Wenden und sind deshalb sehr alten Ursprungs. Die ältesten Schlösser und Burgen findet man hier mit.

Auch Schönfeld bei Hain genannt, gehört zu diesen alten Orten.




Schönfeld mit Dammmühle liegt ungefähr drei Stunden östlich von Grossenhain, im Meissner Kreise und gehört jetzt zum Bezirksgerichte von Meissen, zum Gerichtsamte Grossenhain, unter die Amtshauptmannschaft von Meissen, zum Regierungsbezirk Dresden.

Eigentlich wird es Schönfeld an der Kienhaide, dem Forst und der Breslauer Strasse genannt und zerfällt das Schloss in ein zweifaches Gut, in Unter- oder Alt-Schönfeld, in Hinter- oder Neu-Schönfeld. Die Vorwerke sind in Lötschen, am Zschorner Teiche und in Liega am Wolfsberge [106] und Forste. Auch gehören hierher Schönborn am Raschütz, Welxsande am Forste, Thiendorf mit Dammenhain.

Die Nachrichten über Schönfeld gehen zurück bis ins zwölfte und dreizehnte Jahrhundert, wo wir hier die Familie von Kötteritz vorfinden, die das Gut ungetheilt bis zum Anfang des funfzehnten Jahrhunderts besessen hat. Dann ist dasselbe an eine wichtige, berühmte Familie gekommen, an die von Sahla, die zugleich Schönfeld im Amte Dresden, zwei Stunden nördlich von Pillnitz gelegen, besessen haben. Die Tochter von Anna von Sahla, Margaretha, Hoffräulein bei der Herzogin Elisabeth zu Rochlitz, nahm der Landgraf Philipp von Hessen zur linken Hand. Margaretha residirte auf Spangenberg und hiess in der Volkssprache „die linke Landgräfin“. Herzog Heinrich der Fromme, durch seine Gemahlin Katharine und den Unmuth von Philipps Schwester Elisabeth zu Rochlitz gereizt, war sehr entrüstet über des Landgrafen Digamie und schob die Schuld auf Margarethens Mutter, die seine Vasallin war. Nach ihrer Rückkehr aus Hessen lies er sie nach Dresden holen, wo sie in Untersuchung genommen und über die Digamie befragt wurde. Sie lieferte die erhaltenen Ehedocumente aus, ob nothgedrungen oder aus weiblichem Ehrgeiz lassen die frühern Geschichtsschreiber dahingestellt.

Auf Vorstellung des Kurfürsten gab Heinrich die von Sahla wieder frei. Diese aber beklagte sich beim Schwiegersohne, sie sei ex demo sua per lictores evocata et Dresdae custodita minisque terita, was Heinrich nie zugegeben hat.

Anna kam bei der Herzogin Elisabeth in Rochlitz nie wieder zu Gnaden.

Ob die Mutter der Margarethe, Anna von Sahla, schon Schönfeld im Amte Hain mit besessen hat, darüber schweigen die Urkunden. Es ist dies aber mit Gewissheit anzunehmen, da eben dieses Gut der eigentliche Stammsitz der completten Herrschaft war.

Ja es scheint auch unser Schönfeld der Stammsitz derer von Sahla gewesen zu sein, da sich das Geschlecht bis 1800 hier erhalten hat, wogegen auf Schönfeld im Amte Dresden andre Besitzer folgten. Denn im Jahre 1568 finden wir hier den berühmt gewordenen Dr. Krakow, welcher seinen Freunden einen Einzugsschmaus gab, welchen auch Dr. Peucer, Melanchthons Schwiegersohn, Kurfürst Augusts Leibarzt und Gevatter, mit beiwohnte.

Dieser Dr. Peucer war in Hinsicht auf seinen Glauben als Calvanist bekannt. Daher auch die vielen Anspielungen von Kurfürst August darauf: Als der Kurfürst einmal nach Wittenberg zu Peucers Tafel geladen war, sagte er beim Einsteigen in den Wagen zu den umstehenden Räthen: proficiscor convitatum ad Archicalvinistam und nach seiner Rückkehr sagte er zum Kanzler Dr. Kiesenwetter: se fuisse conviram Archicalvinistae. Ueber jenen Einzugsschmaus bei Dr. Krakow und seine Theilnahme daran liess sich Dr. Peucer 1576 in seinem Gefängniss zu Leipzig gegen den ihn verhörenden Bürgermeister Hyronimus Rauscher folgendermaassen vernehmen: invitatum me a Cracovio, Dresda escurrisse ad visendum praedium, quodnuper emerat, adducto mecum Johanne Hermanno medico. Cum renissemus, ad prandium exceptos nos esse, ut in hospitio novo, salutatorio poculo, plusculumque paulo ad bibisse. Stoesselium nobis ignaris vocatum a Cracovio, advenisse serius et adduxisse secum Rectorem scholae Pirnensis, eodemque propemodum momento adfuisse Camerarium aulae cum familia sua. In coena nullos fuisse sermones, nisi ludicros, ut inter pocula. Postridie me summo mane nemine salutato, ne quidem hospite ipso abiisse. Tantum me scire, de illo congressu, ne aliud quidquam Sed hujus articuli et contraversiae mentionem, quod sciam, non esst factam.

Doch dieses Alles gehört eigentlich nicht hierher und man verzeihe daher eine solche Abschweifung. Unser Schönfeld blieb, wie erwähnt, im Besitze des Geschlechtes derer von Sahla bis zum Anfang des neunzehnten Jahrhunderts. Noch im Jahre 1818 war Besitzerin beider Rittergüter Frau Erdmuthe, verwittwete Gräfin von Bünau geborene von der Sahla, von welcher es der preussische Oberforstmeister von Erdmannsdorf übernahm. Sein Sohn, Otto von Erdmannsdorf, ist seit 1842 der dermalige Besitzer von Schönfeld, und wurde derselbe am 3. October 1845 Mitglied der ersten Ständekammer Sachsens.

Schönfeld ist ein grosses schönes Gut mit Schäferei und grossen Teichen. Auch ist eine Mühle und ein Gasthof im Orte.

Nicht weit von Schönfeld liegt Zschorna mit seinen berühmten grossen Teichen und Haiden. Zu Schönfeld selbst gehörte früher schriftsässig das Dorf Schönborn, unfern Thiendorf, 2½ Stunden östlich von Grossenhain, welches nicht mit dem eine Stunde von Radeberg entfernt liegenden Schönborn zu verwechseln ist. Letzteres gehörte zum Rittergute Seifersdorf, welches einst der Premierminister Graf von Brühl besessen hat.

Auch Thiendorf mit Dammenhain gehört zu unserm Schönfeld, an den Breslauer und Ortrand-Dresdner Strassen gelegen. In Thiendorf befinden sich ein Gasthof und zwei Mühlen, sowie auch mehrere grosse Teiche.

Die Kirche von Schönfeld ist sehr alten Ursprungs. Sie steht unter der Inspection Hain und Collator darüber ist der jedesmalige Besitzer von Schönfeld. Vor der Kirchenverbesserung gehörte die Kirche auch schon in die stiftisch Meissnische Probstei Hain.

[107] Schönfeld liegt nicht in einer der fruchtbarsten Gegenden, aber sehr anmuthig und reizend. Rücksichtlich seiner Lage an einer Hauptstrasse hat es in allen Kriegsperioden viele Drangsale zu ertragen gehabt und die Leiden eines Krieges in vollem Maasse kennen gelernt.

Ob Barbara von Sahla, Hofmeisterin der Gemahlin Herzog Georgs und die andächtige Zuhörerin Luthers bei der Mönchspredigt, von Schönfeld hier oder von Schönfeld im Amte Dresden stammte, darüber sind die Urkunden scheinbar nicht einig. Die gewichtigeren Autoren sagen allerdings, dass Barbara von Sahla von dem hier in Frage kommenden Schönfeld stamme. Sie starb am 25. August 1517 todtesfreudig durch jene Predigt, in welcher Luther im Schlosse zu Dresden vor Herzog Georg den Satz ausführte: „Niemand, der Glauben habe, müsse an seiner Seligkeit zweifeln.“

Schönfeld hat 71 bewohnte Gebäude mit 105 Familienhaushaltungen und 514 Bewohnern. Lötzschen mit 21 Gebäuden und 21 Familienhaushaltungen und 118 Einwohnern. Liega mit 123 Einwohnern in 20 bewohnten Gebäuden und 30 Familienhaushaltungen. Schönborn mit 160, Welxsande mit 110 und Thiendorf mit Dammenhain mit 136 Einwohnern.

M. G.     




Boden.


Boden liegt nur 1200 Schritte südöstlich von Radeburg, vom linken Ufer der Röder etwas entfernt, am Wege nach Radeberg; die zugehörigen Häuser hingegen stehen an der Röder und oberhalb derselben auch die Mühle.

Boden gehörte in den allerfrühesten Zeiten zu Radeburg oder vielmehr zum comitatus Redariensis. Radeburg bildete nämlich nebst Hohnstein, Lohmen, Hain und Rödern eine eigene Grafschaft, welche vom letzten Orte den Namen comitatus Redariensis erhalten hat. Ueber Boden und Radeburg hatten zunächst die meissnischen Bischöffe die Lehnsherrlichkeit erlangt und 1292 belehnte der Bischoff Friedrich den Kleinen damit, durch welchen Boden später von Radeburg abgetrennt und an einen seiner treuesten Räthe verschenkt worden ist. Die Abtrennung eines solchen Gutes hatte in den früheren Zeiten nicht die Nachtheile der in neuern Zeiten vorgekommenen gewerbmässigen Betreibung der Zerstückelungen der Güter, denen auf keine Weise das Wort geredet werden kann, da sie zu weiter nichts führen, als dass sie die Armuth in einem Orte vermehren helfen. Die scheinbaren Gründe, welche die Vertheidiger solcher Zertrümmerungen vorbringen, sind von keinem Belang und für den Nationalwohlstand durchaus nicht fördernd, sondern lähmend und sogar gefährlich. Eine andere Sache war es in früherer Zeit, wo von einem grossen Districte ein Theil abgegeben wurde. Denn das war dann ein solcher Gütercomplex, dass der Bedachte davon reichlich zu leben hatte, und es geschah auch eine solche Schenkung aus reiner Liberalität, wodurch keine besonderen neuen Lasten auferlegt wurden.

Ein Herr von Strassau war der vertraute Freund und Rathgeber Friedrichs des Kleinen und dafür wurde diese Familie mit Boden beschenkt. Wir finden die Herren von Strassau zu Ende des dreizehnten und zu Anfang des vierzehnten Jahrhunderts zunächst als alleinige Besitzer von Boden. Das Geschlecht derer von Strassau besass das Gut auch noch im Jahre 1406, Heinrich von Strassau war zu dieser Zeit damit beliehen. Die von Zeidler und von Dölau haben es nur kurze Zeit besessen. Dann ist Boden um 1705 an die Herren von Böse übergegangen, welche dieses [108] Gut bis vor 100 Jahren besessen haben. Im Jahre 1788 kaufte es eine gewisse Madame Schmidt in Dresden, dann Leberecht Rentzsch und dann Wilhelm von Papsdorf, von welchem es auf den Banquier Frege in Leipzig überging. Letztrer verkaufte das Gut 1819 an die Frau von Polenz geb. Gräfin von Hohenthal, und von dieser erstand es der Amtsverwalter Hendel, von welchem es an den dermaligen Besitzer, Herrn Luckner gekommen ist.

Boden, wie Radeburg hat durch die Drangsale des Krieges, vorzüglich des dreissigjährigen Kriegs, viel dulden und ertragen müssen. Die Fluren wurden von wilden Feindeshaufen zertreten, das Vieh mit fortgenommen und mit Gewalt entrissen. Die beiden Breitenfelder Schlachten blieben bei Kindern und Kindeskindern lange die einzigen Abendunterhaltungen in hiesiger Gegend.

Boden wie Radeburg hat sich jedoch von den Drangsalen des Kriegs bald genug wieder erholt und zwar durch seine vortreffliche Viehzucht und seinen reichen Ackerbau. Heute noch fliesst reichliche Nahrung den Einwohnern hier und in der Umgegend durch ihre Betriebsamkeit in öconomischer Hinsicht zu.

Die Getreidemärkte zu Radeburg sind berühmt genug, als dass man nicht wissen sollte, wie der Umsatz alljährlich weit über 60000 Scheffel Getreide beträgt.

In der hiesigen Gegend baut man ausserdem auch viel Haidekorn, das die Grützhändler zu sogenannter polnischer Grütze verarbeiten und dann bis Dresden, Leipzig und Berlin schaffen.

Auch der Wiesenbau ist ein bedeutender zu nennen, zumal zu den beiden Ufern der Röder, welche bei Grossröhrsdorf in den Meissner Kreis tritt, dann südlich nach Kleinröhrsdorf und Wallrode, dann westlich nach Radeberg, von da nördlich nach Liegau, dann mehr westlich nach Diensdorf und Hermsdorf, nördlich nach Kunnersdorf, nordwestlich nach Grossdittmannsdorf, Boden und Radeburg, von da weiter nach Grossenhain fliesst und dann bei Uebigau mit der schwarzen Elster sich vereinigt.

Viele geschichtliche Data und interessante Nachrichten über Boden und die Umgegend sind durch den Brand in Radeburg im Jahre 1718 zu Grunde gegangen, wo die grosse Bibliothek, welche sich in der Kirche zu Radeburg befand, nebst vielen Handschriften und Actenstücken ein Raub der Flammen wurde.

Zu dem Rittergute Boden gehörte auch schriftsässig der Ort Grossdittmannsdorf, ¾ Stunde südlich von Radeburg. Die Kirche von Grossdittmannsdorf ist ein Filial von Medingen und steht unter der Inspection Dresden, der Schullehrer hingegen unter der Inspection Hain.

Die Collatur über Grossdittmannsdorf steht dem jederzeitigen Besitzer von Boden zu.

Boden gehörte mit Radeburg früher zu dem Amte Grossenhain, einer der merkwürdigsten Städte der Sächsischen Geschichte, der Residenz von den Brüdern Friedrich und Diezmann.

Jetzt ist Boden dem Gerichtsamte Radeburg zugetheilt nebst Grossdittmannsdorf. Beide Orte gehören deshalb auch zum Bezirksgerichte Meissen, zur Amtshauptmannschaft[WS 1] Meissen, zum Regierungsbezirk Dresden.

Boden hat 25 bewohnte Gebäude mit 30 Familienhaushaltungen und 141 Bewohnern, Grossdittmannsdorf zählt dagegen 78 bewohnte Gebäude mit 85 Familienwohnungen und 473 Einwohnern.

Boden ist, ebenso wie die umliegenden Orte, von Sorben-Wenden angelegt, wie die Namen der umliegenden Ortschaften z. B. Dobra deutlich beweisen.

Denn Dobra ist ein serbischer Name und bezieht sich auf das gute Feld, welches die Anbauer in einer solchen Gegend gefunden haben.

Boden vermehrt sich wegen seiner vortheilhaften Lage an der Röder von Jahr zu Jahr, weshalb auch „Boden mit Anbau“ jetzt gewöhnlich geschrieben wird.

Die an dem Wasser der Röder mehr und mehr entstehenden Garn- und Leinenbleichen verbreiten sich auch hierher.

Boden gehörte bis zum Jahre 1836 zum Amte Hain, das dazu gehörige Grossdittmannsdorf aber ins Amt Dresden. Seit dem Jahre 1836 wurden beide Orte dem Amte Moritzburg zugewiesen, bei welchem solche bis zur neuen Einrichtung im vorigen Jahre verblieben sind.

Grossdittmannsdorf mit der zu Boden gehörenden Rödermühle war sonst Garnisonsort der reitenden Artillerie.

Boden wird auch öfter Boden bei der Lausnitzer Haide genannt, welche im Nordosten die Grenze des früheren Amtes Moritzburg bildete.

In Grossdittmannsdorf wird auch noch Wein gebaut.

Grossdittmannsdorf war früher nach Radeburg eingepfarrt, was wohl seinen Grund darinnen haben mag, dass früher Boden und Radeburg vereinigt waren. Ungefähr um das Jahr 1600 brachte es der damalige Besitzer von Radeburg und Medingen, Rudolph von Bünau, dahin, dass Grossdittmannsdorf von Radeburg ausgepfarrt und als Filial nach Medingen geschlagen wurde.

Die ehemals öde und wüste Kapelle wurde zu einer schönen Kirche erbaut, und am 5. Mai 1605 feierlich eingeweiht. Diese Kirche erhielt auch im Jahre 1775 ein Orgelwerk vom Orgelbaumeister Pfützner aus Pulsnitz.

Grossdittmannsdorf nährt sich fast ausschliesslich von Ackerbau.

M. G.     



[109]
Leuben.


Leuben liegt eine halbe Stunde westlich von Naundorf an der alten Poststrasse nach Hubertusburg, eine Stunde südlich von Oschatz und eben so weit nördlich von Mügeln an beiden Seiten des Döllnitzbaches.

Leuben zählt für sich 59 bewohnte Gebäude, unter denen sich eine Wassermühle, eine Schenke und eine Schmiede befinden, mit 109 Haushaltungen und 500 Einwohnern. Zur nähern Bezeichnung heisst es gewöhnlich Leuben mit Ketzergasse, und letztrer Ort zählt ausserdem noch 17 bewohnte Gebäude mit 36 Haushaltungen und 134 Bewohnern.

Leuben gehört jetzt unter das Gerichtsamt Lommatzsch, unter das Bezirksgericht Meissen, zur Amtshauptmannschaft Meissen, zum Regierungsbezirk Dresden.

Die ersten bekannten Besitzer des Rittergutes sind seit 1494 die von Horsberg gewesen, welche es bis zum Jahre 1637 besassen, wo der letzte aus dieser Familie, Wolf Christian von Horsberg, an der Pest verstorben und in der Hofcapelle beigesetzt worden ist. Nach ihm succedirten die Freiherren und Grafen von Taube bis zum Jahre 1710, von welchen das Gut der königl. Polnische und churfürstl. Sächsische General-Major und Ober-Stallmeister, Hans Gottlieb von Thielau auf Lampertswalde und Schreibersdorf acquirirte. Bei diesem Geschlechte derer von Thielau ist Leuben bis auf die neuesten Zeiten geblieben. Der jetzige Besitzer ist Herr Rittmeister von Thielau-Rüssing, welcher zugleich auch mit dem von Oschatz zwei Stunden entfernt liegenden Rittergute Hof belehnt ist.

Leuben ist sehr alten Ursprungs und im zwölften Jahrhundert schon soll hier ein Schloss gestanden haben. Auf dem Hofe des Rittergutes stand früher eine dem heiligen Antonius geweihte Kapelle, in welcher selbst nach den Zeiten der Reformation noch Gottesdienst gehalten wurde. Vor dem Dorfe befand sich ein Gottesacker, wohin bis zum Jahre 1602 die Gemeinde ihre Todten begrub. Jetzt ist die Kapelle in ein Wirthschaftsgebäude verwandelt und der Gottesacker eingegangen, weil die Todten sehr oft ins Wasser versenkt werden mussten.

Als besondere Merkwürdigkeit von Leuben kann angeführt werden, dass auf dem Thurme des Schlosses anstatt der Spitze ein Meilenstein sich befand, der aus dem Grunde hierher gesetzt wurde, weil solcher ausserdem unmittelbar vor dem Gute zu stehen gekommen wäre.

Leuben ist von harten Schicksalsschlägen mehrmals heimgesucht worden. Im Jahre 1617 am 10. Februar kamen bei einem grossen Feuer ausser vielen Pferden und Rindvieh auch vier Menschen um und unter denselben befand sich auch ein Edelknabe. Im Jahre 1812 und 1813 brannten mehrere Gärtnernahrungen ab und am 1. März 1835 ging ein grosser Theil der Rittergutsgebäude in Flammen auf, wobei zwei männliche Dienstboten bei Rettung von Vieh und andern Gegenständen sich so in die Flammen wagten, dass sie bedeutende Brandwunden davon trugen und auch an diesen Wunden sterben mussten.

[110] Eben so hat Leuben durch Krieg und Krankheiten unsägliches Elend ertragen.

Im Jahre 1637 starben in Leuben, Casabra und Naundorf zusammen 145 Menschen an der Pest und 1642 wurden wieder 100 Menschen von dieser Seuche hingerafft.

Durch diese Sterbefälle und durch die drückenden Lasten des Kriegs, verbunden mit Mord und Brand, kam es, dass mehrere Häuser ganz menschenleer waren.

Leuben ist mit Casabra nach dem eine Stunde südlich von Oschatz freundlich gelegenen Naundorf eingepfarrt, von welchem auch Hohen-Wussen Filial-Kirchdorf ist.

Die Kirche von Naundorf war in früheren Zeiten der heil. Catharina geweiht und eine der ältesten Kirchen. Im Jahre 1555 wurde Naundorf und Hohenwussen vereinigt, weil die geringen Einkünfte zwei Pfarrer nicht trugen. Nach dieser Vereinigung im Jahre 1579 wurde die frühere alte kleine Kirche eingerissen und eine neue an derselben Stelle erbaut. Im Jahre 1740 wurden wieder verschiedene Neubaue und Reparaturen vorgenommen. Der Thurm wurde abgetragen. Die drei eingepfarrten Gerichtsherrschaften zu Casabra, Naundorf und Leuben erhielten Emporkirchen in die Mauer nach Mitternacht zu, so dass solche vom Altarplatze bis zum Chore die ganze Seite der Kirche einnehmen.

Das Vermögen der Kirche besteht in circa 1600 Thalern.

Die Schule von Naundorf, zu welcher Leuben gehört, ist im Jahre 1578 gestiftet worden.

Nicht unerwähnt kann hier die Filialkirche Hohenwussen bleiben. Sie liegt auf einem sehr hohen Punkt ringsum von einem 12–14 Ellen hohen Erdwall umgehen, dessen Fuss in früheren Zeiten mit einem breiten und tiefen Graben umzogen war, wovon man noch die Ueberreste erblickt. An dem Platze, wo jetzt die Kirche steht, soll um das Jahr 1068 blos ein Thurm gewesen sein und ein Ritter Eppo von Wussen gehauset haben, welcher nach Vertreibung der Sorben eine Stelle als Districtsbeamter hier hatte, da Hohenwussen eine Zupanie des Meissner Amtes war, unter welche alle die umliegenden Ortschaften gehörten.

Das Patronatrecht über die Kirche und Schulstelle in Hohenwussen steht merkwürdiger Weise dem Rittergute Hof zu, während über die Pfarre von Naundorf die Rittergutsbesitzer Naundorf, Casabra und Leuben die Patronatsrechte gemeinschaftlich ausüben.

Die Umgegend von Naundorf und Leuben ist eine fruchtreiche und angenehme. In der Umgebung von Leuben giebt es reiche Torfgräbereien, wodurch den hiesigen Häuslern eine dauernde Beschäftigung Jahr aus Jahr ein geboten ist.

Leuben ist nicht zu verwechseln mit Leuben zum Gerichtsamte Dresden gehörig, und mit Leuben zum Gerichtsamte Oschatz gehörig.

Leuben gehörte früher zu dem Amte Mutzschen, welches seine Behörden in Wermsdorf hatte, ein Amt, welches zwischen den Aemtern Grimma, Wurzen, Oschatz, Mügeln und Leissnig, an der Döllnitz und dem Mutzschener Bache lag und 6206 Seelen hielt. Mutzschen war die einzige Stadt dieses Amtsbezirkes und diente noch im dreissigjährigen Kriege als Festung, wogegen Lommatzsch, wozu jetzt Leuben gehört, früher eine Stadt des Meissner Amtes war und später seinen eigenen königl. Justitiar hatte. Jetzt hält das Gerichtsamt Lommatzsch 68 Landgemeinden und eine Stadt.

Die Dörfer der Lommatzscher Pflege sind bekannt durch ihren Reichthum und sind dieselben durch die häufig daselbst in den früheren Jahren stattgefundenen Brände neu und gut gebaut. Auch Leuben ist seit dem Jahre 1835, wie schon oben erwähnt worden ist, neu und kostbar erbaut. Seit diesem letzten Brande ist die oben erwähnte Postsäule auf dem Schlossthurme entfernt worden.

In Naundorf, wohin Leuben mit Casabra eingepfarrt ist, existirt eine der edelsten Schäfereien auf Erden.

M. G.     



[111]
Hirschfeld.


Hirschfeld mit Moritzthal liegt 3½ Stunden nördlich von Freiberg und eine Stunde südlich von Nossen, stand vor der neuen Gerichtsorganisation unter der Obergerichtsbarkeit des Amtes Meissen und hatte seine eigene Erbgerichtsbarkeit, jetzt gehört es zum Gerichtsamte Nossen, Bezirksgericht Meissen, Amtshauptmannschaft Meissen, Regierungsbezirk Dresden.

Hirschfeld mit Moritzthal zählt 90 bewohnte Gebäude mit 133 Familienhaushaltungen und 680 Einwohnern. Bei dem Orte nahe vorbei führt die Chaussee von Freiberg nach Nossen und ein näherer Fussweg dahin durchschneidet das Oberdorf, wo der sogenannte Euler-Bach entspringt, der beim Rittergute nördlich in ein sehr schönes waldiges Thal sich wendet.

Nicht fern davon westlich fliesst die Freiberger Mulde. Bis zu den Holzungen an der letzteren reichen die Dorffluren, welche durch Ober-Eula Deutschenbora, Neukirchen und Reinsberg beraint sind.

Das Rittergut hat freundliche schöne Gebäude. Den Namen hat es wohl von einem Ritter Tiezmann von Hersfeld im Jahre 1267 erhalten, wiewohl schon vorher ein Schloss daselbst gestanden haben soll und dieser von Hersfeld nicht als der eigentliche Erbauer genannt werden kann. Denn schon früher und zwar zu Anfang des zwölften Jahrhunderts während der innerlichen Kriege, welche die kaiserliche und päpstliche Parthei mit einander führten, legten die Edelleute unter dem Anführen einer nothwendigen Schutzwehre fast auf allen Bergen, die ihnen zugehörten, in hiesiger Gegend Schlösser oder Burgen an, und war dies zu derselben Zeit, wo Conrad der Grosse aus dem Hause Wettin als Markgraf von Meissen vom Kaiser Lothar II. im Jahre 1127 ernannt worden war. Diese Grafen von Wettin sind die wahren Stammväter des Chur- und Herzoglichen Hauses Sachsens. Die Besitzer von Hirschfeld waren stets treue Lehnleute und ergebene Ritter ihren Markgrafen, leisteten überall ihre Dienste, deshalb sie sogar zu Markgräflichen Räthen erhoben wurden; denn im Jahre 1274 finden wir Reinhold von Hiersfelde als Markgräflichen Rath auf dem Schlosse zu Hirschfeld. Ueberhaupt wird in den alten Urkunden von dieser Familie gerühmt, dass solche durch alte ritterliche Tugenden glänzte. Dieses Geschlecht erinnert daher recht lebhaft an die Zeit, wo die Chevalerie in ihrer vollsten Blüthe stand und wohlthätig auf die folgenden Geschlechter wirkte.

Manche Verfeinerung des geselligen Tones, manche Delicatesse in der Freundschaft und Liebe, die Heilighaltung des Ehrenwortes selbst unter Jenen, die der moralischen Pflichten spotten und vor Allem die Züge der Menschlichkeit und Grossmuth, welche mitunter die Zerstörungen der Kriegswuth, die Gräuel des Schlachtfeldes mildern, sind die Vermächtnisse jener Zeit. Ja, wenn auch das Ritterthum die Anlagen zur Bosheit, die Selbstsucht nicht ganz vertilgen konnte, so stellte es doch die schönsten Tugenden, Gerechtigkeit, Menschlichkeit und Ehre als hohe Ziele des pflichtmässigen Bestrebens auf, huldigte jeder Tugend und verabscheute das Laster. Mit den Hauptpflichten des Ritterthums harmonirte so recht die christliche Religion, als Lehrerin der Gerechtigkeit, des Erbarmens. Hierdurch wurde Erhebung ins Gemüth des Ritters gebracht. Mit dem [112] Feuer der Andacht, mit der Begeisterung himmlischer Gefühle übte er seine Menschenpflicht. Der wahre Charakter des Ritterthums war mit einem Worte edel und gross und lässt die Macht und Gewalt, die es überkommen hatte, weniger gefährlich, weniger schädlich dem Allgemeinen erscheinen. Diese ritterlichen Tugenden haben zur Erhaltung, zum Glanze des Geschlechts selbst sehr viel beigetragen, wie ein älterer Geschichtsschreiber sehr richtig bemerkt. Wir finden die Wahrheit dieses Ausspruches eben bestätigt bei dem Geschlechte derer von Hiersfeld. Noch im Jahre 1328 bis 1345 finden wir auf Hirschfeld einen Landgräflichen Hofmarschall Arnold von Hiersfeld.

Dieser Hiersfeld war Hofmarschall Friedrichs II., des Ernsthaften, des Sohnes Friedrichs mit der gebissenen Wange. Den unglücklichen Krieg, welchen Friedrich II. mit dem Könige Johann dem Blinden von Böhmen wegen Zurücksendung seiner Tochter, die Friedrich II. eigentlich als Gemahlin zugedacht war, im Jahre 1345 führte, erlebte der Hofmarschall nicht mehr, welcher als ein treuergebener Diener seines Landgrafen gerühmt wird. Dieser Johann, König von Böhmen, eroberte damals die ganze Oberlausitz, brachte Weimar und andere Oerter des Grafen von Orlamünde an sich, schlug aber die deutsche Königskrone zu Gunsten Karls IV. von Böhmen aus. Der frühere Schöppenstuhl in Leipzig hatte seine Entstehung diesem Johann dem Blinden zu verdanken.

Während der Vormundschaft Friedrichs II., welche bis zum Jahre 1329 dauerte und welche Heinrich Reuss XII. führte, der dafür mit Ziegenrück, Triptis und Auma belehnt wurde, war Arnold von Hiersfeld auf Hirschfeld mit den wichtigsten Geschäften betraut. Die Nachkommen desselben behaupteten sich noch lange im Besitze von Hirschfeld. Erst im Jahre 1547 kam das Gut an die von Mergenthal auf Deutschenbora und Neukirchen. Von dieser Zeit an wechselten öfter von Zeit zu Zeit die Besitzer. Denn im Jahre 1612 finden wir einen Siegmund Röling damit beliehen, von welchem es wieder in den Besitz des Appellationsraths von Thielau überging und zwar im Jahre 1730. In den darauf folgenden Zeiten hat es dann eine Familie Freiberg acquirirt, von welcher es der königl. Preussische Kammerherr Heinrich Friedrich Eduard von Seckendorf erkaufte.

Die dermalige Besitzerin ist aber Frau Hübner.

Die im Orte befindliche Kirche ist ebenfalls sehr alten Ursprungs und eingepfarrt hierher ist Drehfeld, welches eigentlich früher zum Rittergute Reinsberg, jetzt zum Gerichtsamte Nossen gehört.

Hier hat schon lange vor der Reformation eine ausgezeichnete Pfarrkirche bestanden. In den alten Urkunden ist sie als eine solche schon zu Anfang des dreizehnten Jahrhunderts genannt. Ihre Erbauung mag aber so alt sein, wie das Schloss.

Die Collatur über die Kirche steht dem Rittergute zu.

Nicht weit von Hirschfeld, an der alten Strasse von Meissen nach Freiberg, zwischen Wendischbora, Deutschenbora und Mergenthal liegt der bekannte Schaafteich, welcher mit dem Schaafteich bei Glauchau hinsichtlich seiner Grösse nicht concurriren kann.

In Hirschfeld ist ein Gasthof, eine Mühle und eine grosse Ziegelei. Uebrigens gehört auch Hirschfeld zu denjenigen Orten des Meissner Landes, wo ansehnlicher Bergbau getrieben wurde. Leider blieben die Gruben wieder liegen, nachdem im Erzgebirge weit ergiebigere Quellen gefunden worden waren.

Als besondere Merkwürdigkeit von Hirschfeld ist noch hervor zu heben, dass im Jahre 1214 hier ein Erzpriester[1] residirt haben soll.


  1. Die Erzpriester standen früher unter den Archidiakonen, welche dem Bischof ad manus waren, die Archidiakonen wohnten in Meissen und jeder Archidiakon hatte dreizehn Erzpriester unter sich, unter welchen dann die Plebane – unsern Pastoren entsprechend – standen. Die Archidiakonen oder die Pröbste und Dechanten waren die Vorgesetzten der Suffraganstifte des Meissner Bisthums, welches im Jahre 965 oder 968 vom Kaiser Otto I. gestiftet, vom Papst Johann XIII. alsbald aus der Gewalt des Erzbisthums Magdeburg eximirt wurde. Diese Suffraganstifte des Meissner Bisthums, welche zu Bautzen, Wurzen, Freiberg, Stolpen, Ebersdorf, Grünberg und Hain oder Zschilla existirten, waren dem Hochstifte untergeordnet. Der erste vom Kaiser erwählte Bischoff war dessen Hofcaplan Burchard, welcher 972 starb, unter dessen 45 Nachfolgern Viele als ausgezeichnete Gelehrte und als grosse herrliche Charaktere glänzten.
M. G.     




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Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Amtshauptmannschft
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