Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Leuben

Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Leuben
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aus: Meissner Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 2, Seite 109–110
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
Kurzbeschreibung:
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen II 162.jpg
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Leuben.


Leuben liegt eine halbe Stunde westlich von Naundorf an der alten Poststrasse nach Hubertusburg, eine Stunde südlich von Oschatz und eben so weit nördlich von Mügeln an beiden Seiten des Döllnitzbaches.

Leuben zählt für sich 59 bewohnte Gebäude, unter denen sich eine Wassermühle, eine Schenke und eine Schmiede befinden, mit 109 Haushaltungen und 500 Einwohnern. Zur nähern Bezeichnung heisst es gewöhnlich Leuben mit Ketzergasse, und letztrer Ort zählt ausserdem noch 17 bewohnte Gebäude mit 36 Haushaltungen und 134 Bewohnern.

Leuben gehört jetzt unter das Gerichtsamt Lommatzsch, unter das Bezirksgericht Meissen, zur Amtshauptmannschaft Meissen, zum Regierungsbezirk Dresden.

Die ersten bekannten Besitzer des Rittergutes sind seit 1494 die von Horsberg gewesen, welche es bis zum Jahre 1637 besassen, wo der letzte aus dieser Familie, Wolf Christian von Horsberg, an der Pest verstorben und in der Hofcapelle beigesetzt worden ist. Nach ihm succedirten die Freiherren und Grafen von Taube bis zum Jahre 1710, von welchen das Gut der königl. Polnische und churfürstl. Sächsische General-Major und Ober-Stallmeister, Hans Gottlieb von Thielau auf Lampertswalde und Schreibersdorf acquirirte. Bei diesem Geschlechte derer von Thielau ist Leuben bis auf die neuesten Zeiten geblieben. Der jetzige Besitzer ist Herr Rittmeister von Thielau-Rüssing, welcher zugleich auch mit dem von Oschatz zwei Stunden entfernt liegenden Rittergute Hof belehnt ist.

Leuben ist sehr alten Ursprungs und im zwölften Jahrhundert schon soll hier ein Schloss gestanden haben. Auf dem Hofe des Rittergutes stand früher eine dem heiligen Antonius geweihte Kapelle, in welcher selbst nach den Zeiten der Reformation noch Gottesdienst gehalten wurde. Vor dem Dorfe befand sich ein Gottesacker, wohin bis zum Jahre 1602 die Gemeinde ihre Todten begrub. Jetzt ist die Kapelle in ein Wirthschaftsgebäude verwandelt und der Gottesacker eingegangen, weil die Todten sehr oft ins Wasser versenkt werden mussten.

Als besondere Merkwürdigkeit von Leuben kann angeführt werden, dass auf dem Thurme des Schlosses anstatt der Spitze ein Meilenstein sich befand, der aus dem Grunde hierher gesetzt wurde, weil solcher ausserdem unmittelbar vor dem Gute zu stehen gekommen wäre.

Leuben ist von harten Schicksalsschlägen mehrmals heimgesucht worden. Im Jahre 1617 am 10. Februar kamen bei einem grossen Feuer ausser vielen Pferden und Rindvieh auch vier Menschen um und unter denselben befand sich auch ein Edelknabe. Im Jahre 1812 und 1813 brannten mehrere Gärtnernahrungen ab und am 1. März 1835 ging ein grosser Theil der Rittergutsgebäude in Flammen auf, wobei zwei männliche Dienstboten bei Rettung von Vieh und andern Gegenständen sich so in die Flammen wagten, dass sie bedeutende Brandwunden davon trugen und auch an diesen Wunden sterben mussten.

[110] Eben so hat Leuben durch Krieg und Krankheiten unsägliches Elend ertragen.

Im Jahre 1637 starben in Leuben, Casabra und Naundorf zusammen 145 Menschen an der Pest und 1642 wurden wieder 100 Menschen von dieser Seuche hingerafft.

Durch diese Sterbefälle und durch die drückenden Lasten des Kriegs, verbunden mit Mord und Brand, kam es, dass mehrere Häuser ganz menschenleer waren.

Leuben ist mit Casabra nach dem eine Stunde südlich von Oschatz freundlich gelegenen Naundorf eingepfarrt, von welchem auch Hohen-Wussen Filial-Kirchdorf ist.

Die Kirche von Naundorf war in früheren Zeiten der heil. Catharina geweiht und eine der ältesten Kirchen. Im Jahre 1555 wurde Naundorf und Hohenwussen vereinigt, weil die geringen Einkünfte zwei Pfarrer nicht trugen. Nach dieser Vereinigung im Jahre 1579 wurde die frühere alte kleine Kirche eingerissen und eine neue an derselben Stelle erbaut. Im Jahre 1740 wurden wieder verschiedene Neubaue und Reparaturen vorgenommen. Der Thurm wurde abgetragen. Die drei eingepfarrten Gerichtsherrschaften zu Casabra, Naundorf und Leuben erhielten Emporkirchen in die Mauer nach Mitternacht zu, so dass solche vom Altarplatze bis zum Chore die ganze Seite der Kirche einnehmen.

Das Vermögen der Kirche besteht in circa 1600 Thalern.

Die Schule von Naundorf, zu welcher Leuben gehört, ist im Jahre 1578 gestiftet worden.

Nicht unerwähnt kann hier die Filialkirche Hohenwussen bleiben. Sie liegt auf einem sehr hohen Punkt ringsum von einem 12–14 Ellen hohen Erdwall umgehen, dessen Fuss in früheren Zeiten mit einem breiten und tiefen Graben umzogen war, wovon man noch die Ueberreste erblickt. An dem Platze, wo jetzt die Kirche steht, soll um das Jahr 1068 blos ein Thurm gewesen sein und ein Ritter Eppo von Wussen gehauset haben, welcher nach Vertreibung der Sorben eine Stelle als Districtsbeamter hier hatte, da Hohenwussen eine Zupanie des Meissner Amtes war, unter welche alle die umliegenden Ortschaften gehörten.

Das Patronatrecht über die Kirche und Schulstelle in Hohenwussen steht merkwürdiger Weise dem Rittergute Hof zu, während über die Pfarre von Naundorf die Rittergutsbesitzer Naundorf, Casabra und Leuben die Patronatsrechte gemeinschaftlich ausüben.

Die Umgegend von Naundorf und Leuben ist eine fruchtreiche und angenehme. In der Umgebung von Leuben giebt es reiche Torfgräbereien, wodurch den hiesigen Häuslern eine dauernde Beschäftigung Jahr aus Jahr ein geboten ist.

Leuben ist nicht zu verwechseln mit Leuben zum Gerichtsamte Dresden gehörig, und mit Leuben zum Gerichtsamte Oschatz gehörig.

Leuben gehörte früher zu dem Amte Mutzschen, welches seine Behörden in Wermsdorf hatte, ein Amt, welches zwischen den Aemtern Grimma, Wurzen, Oschatz, Mügeln und Leissnig, an der Döllnitz und dem Mutzschener Bache lag und 6206 Seelen hielt. Mutzschen war die einzige Stadt dieses Amtsbezirkes und diente noch im dreissigjährigen Kriege als Festung, wogegen Lommatzsch, wozu jetzt Leuben gehört, früher eine Stadt des Meissner Amtes war und später seinen eigenen königl. Justitiar hatte. Jetzt hält das Gerichtsamt Lommatzsch 68 Landgemeinden und eine Stadt.

Die Dörfer der Lommatzscher Pflege sind bekannt durch ihren Reichthum und sind dieselben durch die häufig daselbst in den früheren Jahren stattgefundenen Brände neu und gut gebaut. Auch Leuben ist seit dem Jahre 1835, wie schon oben erwähnt worden ist, neu und kostbar erbaut. Seit diesem letzten Brande ist die oben erwähnte Postsäule auf dem Schlossthurme entfernt worden.

In Naundorf, wohin Leuben mit Casabra eingepfarrt ist, existirt eine der edelsten Schäfereien auf Erden.

M. G.