Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen II. Section/H10

Heft 9 des Meissner Kreises Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen von Gustav Adolf Poenicke (Hrsg.)
Heft 10 der Section Meissner Kreis
Heft 11 des Meissner Kreises
Die Beschreibungen sind auch als Einzeltexte verfügbar unter:
  1. Bornitz
  2. Klingenberg
  3. Gross-Sedlitz
  4. Choren


[73]
Bornitz
bei Oschatz.


Bornitz, in Urkunden auch Burnatz, Bornis und Borna genannt, liegt eine Stunde östlich von Oschatz am südlichen Rande der Aue, welche die Döllnitz mit dem das Dorf bespülenden, mit ihr parallel fliessenden, Zöschauer Wasser bildet, zwischen den Ortschaften Borna, Wadewitz, Mautitz, Ganzig, Kleinragewitz und Schönnewitz, am nördlichen Fusse der Ganziger Höhe. Jenseits der sanften östlich geneigten Anhöhe befinden sich die sogenannten wüsten Teiche. – Der Ort zählt in zwei Bauergütern, einem Halbhüfnergute und funfzehn Gartennahrungen etwa hundertsechszig Einwohner. Im Jahre 1640 gab es hier nur zwei bewohnte und zwei wüstliegende Güter.

Zu Bornitz befindet sich ein sehr bedeutendes Rittergut mit einem massiven gethürmten Schlosse und einer Kapelle, die bis zur Reformation zum Gottesdienste benutzt wurde. Dieselbe war dem heiligen Vitus geweiht und auf dem Thurme, welcher über der Kapelle sich erhebt, zeigt sich als Spitze die aus Metall gegossene lebensgrosse Statue dieses Heiligen, dessen Herrschaft hier freilich seit drei Jahrhunderten aufgehört hat. Das Rittergut enthalt 666¾ Scheffel Ackerland, 87 Scheffel Wiesen, 70 Scheffel Holzränder an den Wiesen, 300 Scheffel Holzparzellen am Collmberge, 13 Scheffel Teiche und ausserdem bedeutende Gefälle, auch gehören dazu die Dörfer Bornitz, Kleinragewitz, Lonnewitz, Schönnewitz, Zauswitz, Bochra, Wadewitz, Grossrügeln und Reussen. – Die Wirthschaftsgebäude sind 1804 neu aufgebaut worden. Zu Wadewitz hat Bornitz ein Vorwerk mit 387 Scheffeln Feld, 40¾ Scheffeln Wiesen und 7 Scheffeln Teichen, 9 Scheffeln Holz, woselbst am 10. April 1755 zwei Scheunen und das Wirthschaftshaus niederbrannten, und zwar durch Unvorsichtigkeit des Hofmeisters, der mit einem brennenden Lichte in den Stall gegangen war um das Federvieh zu zählen.

Die ersten Besitzer von Bornitz waren die Truchsesse, welche ein altes weit ausgebreitetes Geschlecht bildeten, das hier in der Nähe auch die Rittergüter Wellerswalde, Casabra und Naundorf besass. Die Truchsesse (dapiferi) waren ursprünglich Erbbeamte der Markgrafen von Meissen und führten vor ihrer Bestallung bei Hofe den Namen der Truchsesse, welches Namens sich auch, als eines Familiennamens, ihre Nachkommen bedienten. Der Truchsess von Bornitz empfing ohne Zweifel von einem der ersten Markgrafen von Meissen das Rittergut Bornitz als eine Art von Gehalt, welcher der Familie erblich überlassen wurde. Der erste bekannte Besitzer des Gutes war Albrecht Truchsess von Bornitz, der im Jahre 1200 mit Herdegen Liznik, dem Ritter auf Borna, dem Landtage am Collmberge beiwohnte. Heinrich Truchsess [74] von Bornitz war 1228 Zeuge, als Markgraf Heinrich der Erlauchte eine Streitigkeit zwischen dem Kloster Zelle und dem Burggrafen zu Leissnig beilegte, auch wird er mit den Edelleuten genannt, welche 1233 auf dem Landtage am Collm zusammentrafen, bei welcher Gelegenheit Markgraf Heinrich dem Propste zum heiligen Kreuz in Meissen einige Güter zu Lübschütz und Naundorf confirmirte. Albrecht Truchsess zu Bornitz, welchen der Markgraf Heinrich vielfach seinen Truchsess (Albertus de Burnis, dapifer noster) nennt, überliess 1236 durch seinen Vertreter, Dietrich von Lissnik, den Chorherrn zu Altenburg ein Pfund Pfennige in der Münze zu Altenburg. Albrecht Truchsess von Bornitz war des Vorigen Sohn und wird 1269 und noch 1287 erwähnt, wo ihm Heinrich der Erlauchte das Patronatsrecht über die Kirche zu Belgern schenkte. Heynemann Truchsess von Bornitz (Hennemann dapifer senior) wird 1320, 1332 und noch 1357 genannt. Nach einer im Oschatzer Kirchenarchiv verwahrten Urkunde gaben Tietzmann und Hans Truchsess von Bornitz, sammt Peter und Ludwig von Lesenik im Jahre 1358 zu ihrer Eltern Seligkeit und Trost sechs und zwanzig Groschen den Klosterbrüdern in Oschatz von den Erbzinsen auf dem Holze im Thiergarten bei dem wüsten Schlosse unweit Oschatz, welches Geld der Sakristei zu Weine, Oblaten und Geleuchte dienen sollte, auch sollten die Mönche Anwartschaft haben auf das ganze Holz, wenn die Besitzer ohne Erben absterben würden. Hans Truchsess von Bornitz verkaufte 1412 das Thalgut bei Oschatz an Peter von der Dahme und Heinrich Kramer. Ob der in einer Urkunde von 1186 erwähnte Magnus de Purmeitz hierher gehört, ist nicht genau zu bestimmen, jedoch sehr wahrscheinlich.

Nach den Herren von Truchsess gelangte Bornitz an die Familie von Kaltenborn, denn 1412 verkauften die Gebrüder Johann Friedrich und Albrecht von Kaltenborn dem Rathe zu Oschatz für einhundert und achtzig Gulden sechs Schock Zinsen in dem Dorfe Wadewitz zum Frohnleichnamsaltare, den der Rath in der Hauptkirche zu Oschatz gestiftet hatte und an welchem der Altarist wöchentlich vier Messen lesen sollte. Dieser Verkauf wurde von Bischof Rudolph am Tage des Märtyrers Valentin 1412 zu Stolpen bestätigt. Nach Albrechts von Kaltenborn Tode bestätigte Markgraf Friedrich dessen Söhnen und Erben, Ulrich, Hans und Friedrich von Kaltenborn, gedachte Zinsen von Neuem zu Leissnig am Sonntage Jubilate 1416, worüber das Originaldokument noch jetzt im städtischen Archive zu Oschatz vorhanden ist. Von den Kaltenborns wurde Bornitz mit Zubehör Eigenthum der Familie von Grünrod, welche bereits seit 1388 das nahe Rittergut Borna besass, und zwar empfing die Lehn über Bornitz, Wadewitz und das rothe Vorwerk in Oschatz zuerst 1465 Heinrich von Grünrod, dessen Mitbelehnte die Gebrüder Hans Heinrich, Friedrich Thymo und Conrad von Grünrod waren. Dietrich von Grünrod auf Bornitz verordnete 1474, dass in der 1468 neuerrichteten und dem Kloster zu St. Afra incorporirten Wolfgangskapelle vor dem Lommatzscher Thore zu Meissen alle Dienstage für ewige Zeiten eine Messe von einem Mönche des Klosters gehalten werden sollte, auch wird er 1497 genannt, wo ihm die Pflicht oblag, für 400 Rheinische Gulden Capital einen Jahreszins von 22 Rheinischen Gülden an den Altar der heiligen Katharina in der Meissner Domkirche zu entrichten. Ihm folgte sein dritter Sohn Heinrich, der sich mit Brigitta von Schönberg aus Reinsberg vermählte, und 1543 nebst seinen Söhnen Wolf, Caspar, Melchior, Dietrich, Balthasar und Heinrich von Grünrod, die Borna im Gesammtlehn hatten, dem Rathe zu Oschatz einige Feld- und Naturalzinsen sammt der Lehn, den Erbgerichten und Gerechtigkeiten in der Vorstadt von Oschatz verkauften. Wolf, Caspar und Melchior von Grünrod stellten Mittwoch nach Ursula 1548 Hans Schrebern in Oschatz einen Lehnbrief über etliche Stücke Holz im Thiergarten aus (Oschatzer Rathsarchiv) und Dietrich vermählte sich nach dem Tode seiner ersten Gattin mit Magdalenen Freiin von Luppa, die ihm einen Sohn, Ulrich, gebar. Der nächste Besitzer von Bornitz war Hans von Schleinitz, Hofmarschall Herzog Heinrichs des Frommen, und Dietrichs von Schleinitz auf Seerhausen ältester Sohn. Dietrich von Schleinitz der ältere besass auch Hof und Jahnshausen, war Inspector der Landesschule Meissen und starb am 12. December 1612; Dietrich von Schleinitz der jüngere lebte bis 1638, war seit 1593 Hauptmann des Prokuraturamtes Meissen und Herr auf Bornitz, Hof, Jahnshausen und Zöschau. Bei seinem Tode erbte Wolf Dietrich von Schleinitz Bornitz, Jahnshausen und Hof, Zöschau aber erhielt Hans von Schleiniz. Von des Ersteren Nachkommen werden als Herren auf Bornitz noch genannt Hans und Christoph von Schleinitz von 1657 bis 1664.

Der nächste Besitzer auf Bornitz war Caspar Dietrich von Schönberg auf Limbach und Schönberg, der das Gut um 1666 aquirirte, am 21. November auf dem Schlosse zu Bornitz mit Tode abging und in der Erbgruft zu Schönberg beigesetzt wurde. Er war am 12. Juli 1599 geboren, vermählte sich 1634 mit Anna Elisabeth von Stange aus Venusberg und Drehbach wurde jedoch bald Wittwer und heirathete 1645 Marie Elisabeth von Ende aus Porschnitz und Klipphausen, die 1690 starb und zu Schönberg begraben ist. Hans Wolf von Schönberg, des vorigen Besitzers Sohn, Herzoglich Weissenfelsischer Kammerrath, vermählte sich 1673 mit Isabellen von Neudeck, nahm bei der Erbtheilung das Gut Bornitz an, kaufte 1694 von den Erben des Amtmanns Weissenberg in Oschatz verschiedene Holzstücke und einen Wiesenfleck in sechs unterschiedenen Stücken und drei Zehntheile Gemeindeholz bei Striesa für 400 Gulden und starb am 13. Februar 1712 zu Bornitz, wo er auch in der Kirche seine Ruhestätte fand. Seine von dem Archidiakonus zu Oschatz M. Gabriel Rehfeld in der Kirche zu Borna gehaltene Leichenpredigt erschien zu Freiberg im Druck. Johann Ludwig von Schönberg, Kammerjunker, ward 1686 geboren, vermählte sich 1714 mit Susannen Helenen von Starschedel aus Borna und starb am 27. November 1757. Von seinen hinterlassenen Kindern ist Otto Christian von Schönberg auf Bornitz durch seine merkwürdigen Schicksale bekannt geworden. Derselbe widmete sich im achtzehnten Lebensjahre dem Soldatenstande, focht in Ungarn gegen die Türken, wurde später Kammerjunker und hatte das Glück, sich hohe Gunst bei dem damaligen Sächsischen Churprinzen zu erwerben. Als der Landesherr zu Anfang des siebenjährigen Krieges nach Polen ging blieb Otto Christian von Schönberg zu Dresden und in des Churprinzen Nähe, der ihn so hoch schätzte, dass er Tag und Nacht neben dem fürstlichen Wohnzimmer anwesend sein und die geheimste Correspondenz führen musste. Dieser Briefwechsel aber brachte dem treuen Diener seines Fürsten schwere Leiden, denn einige seiner Briefe fielen in die Hände der Preussen, die ihn 1757 zu Dresden verhafteten, mit schweren Ketten belasteten und mit sich nach Leipzig schleppten, wo ihn die erlittenen Anstrengungen und Misshandlungen auf das Krankenlager warfen. [75] Deshalb legte man den Unglücklichen auf einen Wagen, führte ihn nach Spandau und warf ihn hier in einen scheusslichen unterirdischen Kerker, wohin kein Sonnenstrahl drang und kurz vorher auf dem elenden Strohlager ein Gefangener gestorben war. Hier musste der Kammerjunker von Schönberg zehn Monate lang bei Wasser und Brod zubringen, dann aber wurde er auf Fürsprache des Churprinzen in ein besseres Gefängniss gebracht, der Kette entledigt und mit einer täglichen Unterstützung von achtzehn Pfennigen versehen. In diesem Zustande musste der arme Herr bis zum Friedensschlusse (1763) verharren, wo der Churprinz nach seiner Rückkehr den treuen Diener mit der Würde eines Oberhofmarschalls beehrte und ihn ausserdem zu seinem Oberschenken erhob. Die Kette, welche er aus der Gefangenschaft mitgebracht hatte, hing während seiner ganzen Lebenszeit an des Oberhofmarschalls Lager, und als er am 16. Januar 1785 im 63. Jahre zu Bornitz starb, fand man die testamentarische Verfügung, dass die Hälfte der Kette ihm mit in den Sarg gegeben die andere Hälfte aber in der Kirche zu Borna aufgehangen werden sollte, woselbst dieselbe noch heute, mit einigen Versen des Professor Meissner in Prag darunter, zu sehen ist. Diese Verse lauten:

In bängster Kerker-Nacht 10 Monden mein Geschmeide
des längsten Siechthums Quell und doch mir Stolz und Freude – –
weil ich für König, Recht und Vaterland euch trug –
Euch Ketten weih ich hier! – Weckt ihr in einem Herzen
nur echten Sachsen-Muth; so seyd für tausend Schmerzen
ihr mir des Lohnes übergnug.

Da der Oberhofmarschall von Schönberg unvermählt gestorben war, kam das Gut Bornitz an seinen Bruder, den Kammerherrn Heinrich Wilhelm von Schönberg, geboren 1731, der am 28. September 1813 ebenfalls unverheirathet starb, worauf Bornitz Eigenthum August Friedrich Christophs von Schönberg auf Crummenhennersdorf, Niederreinsberg und Liega wurde, der auch das schöne Palais neben dem Posthause zu Dresden besass. Zur Zeit gehört Bornitz Herrn Feodor von Schönberg, welcher auch noch ein Gut in Schönnewitz von 87 Scheffeln Feld dazu gekauft hat.

Bornitz ist eingepfarrt nach Borna, in dessen Kirche noch ein Stein mit der Jahreszahl MCCLIIII vorhanden ist. Das jetzige Gebäude stammt jedoch nicht aus jener Zeit, sondern ist im Anfange des siebzehnten Jahrhunderts erbaut worden. Vorzüglich bemerkenswerth sind ein reich mit Alabasterfiguren geschmückter Altar und ein Bild das man für einen echten Cranach hält. In der Kirche befinden sich Erbbegräbnisse der Herrschaften auf Borna und Bornitz.

O. M.     



[76]
Klingenberg.


Auf einem ziemlich hohen Felsen am linken Ufer der wilden Weisseritz liegt sehr romantisch das Schloss Klingenberg. Stattlich blickt es hinab in das Weisseritzthal, das von Mittag her mit vielfältigen Krümmungen, bald enger, bald weiter, bis zur 2 Stunden entlegenen Stadt Tharand in nordöstlicher Richtung, sich hinschlängelt, viele anziehende und reizende Punkte dem Besucher darbietend, belebt durch die Geschäftigkeit zweier unter dem Schlosse gelegener Mühlen, eingefasst von fruchtbaren Wiesen und Auen, und beschattet an Ufern und Seiten von üppiger Waldung. Hier, ziemlich in der Mitte von Freiberg, Tharand und Dippoldiswalde, war die Grenzscheide des Meissner und Erzgebirgischen Kreises.

Ist auch die Zeit der Erbauung des Schlosses unbekannt, so dürfte sie doch weit in der Vorzeit zu suchen sein; denn Bauart und Antiken, die Verbindung der Gemächer, Keller und Verliesse, sowie die Treppe aus dem Rittersaale in den Keller lassen schliessen, dass es eine der ältesten Ritterburgen Sachsens ist. Zur Zeit der Reformation war es im Besitze der Ritter von Theler, deren Herrschaft sich über die ganze östliche Umgegend, Ruppendorf, Höckendorf, Potzschappel etc. erstreckte, wie Urkunden und Ruinen von Ruppendorf und Höckendorf (1 Stunde von hier) beweisen. Blühend war damals dieses Geschlecht, fabelhaft reich durch zahlreiche Bergwerke hier und in Höckendorf, höchst ergiebig an edlem Metall, welches die Ritter in eignen Schmelzhütten an der Weisseritz schmolzen. Eine furchtbare Ueberschwemmung zerstörte die Werke, Zeit und Krieg verwischten die Spuren, und nicht hat man sie bis jetzt auffinden können, wenn nicht die in unserm Jahrhunderte aufgenommene Grube: „Edle Krone“ dazu führt. Mögen auch die Ritter verschiedene Wohnsitze gehabt haben, so ist doch anzunehmen, dass sie auf Klingenberg gehaust, wie das Erbbegräbniss derselben in der hiesigen Kirche auf der Nordseite beweisen dürfte. Auch stellt hier ein steinernes Epitaphium den Ritter Ulrich Otto von Theler in Lebensgrösse, aber knieender Stellung dar, welcher vor der Reformation lebte und wegen eines Priestermordes nach Jerusalem wallfahrten musste. Zurückgekehrt setzte er seine Büssung fort, und um sich den Weg nach Golgatha zu versinnlichen, liess er steinerne Säulen mit Heiligenbildern von seinem Gute Höckendorf aus eine Strecke Weges errichten, von welchen noch einige zu sehen sind. – Von einem Konrad von Theler ging Schloss Klingenberg 1621 auf Sigismund von Haugwitz über, und 1633 auf Reichbrodt von Schrenkendorf. In dieser Familie, welche sich in hiesiger Kirche durch Schenkungen und Vermächtnisse [77] vielfach verewigte, und von der besonders der Ahnherr Reichbrodt noch im Munde des Volkes lebt, vererbte das Schloss bis 1736, wo es an den Chursächsischen Conferenzminister Ferdinand Bernhard Grafen von Zech verkauft wurde. Von ihm rühren viele Anlagen und Verschönerungen der Gärten, sowie der nördliche Thurm des Schlosses her. Auch vermittelte er den Neubau der sehr baufälligen Kirche, machte Schenkungen und stiftete Legate für Kirche und Schule. Sein Nachfolger war der Commissionsrath Georg Wilhelm Liebe und seit 1798 die Familie des jetzigen Besitzers Karl Heinrich Leopold Sachsse, welcher selbst im Jahre 1837 damit belehnt wurde. Unter ihm wurde es nach und nach nothwendig, die Wirthschaftsgebäude und die Brauerei zu erneuern und zu vergrössern.

Nach allen Seiten erhebt sich des Schlosses Grund und Boden, an Flächenraum 480 Acker; bietet neben gut bestandener Waldung, auch treffliche Fluren, zwar etwas schwierig in der Bearbeitung, aber gut und trocken im Boden und sehr ergiebig in den Früchten; grasreiche Gärten, sich eignend und wohl benutzt zum Obstbau, offen gegen die Sonne des Mittags und geschützt vor den kalten Winden des Nordens.

Auswärtige Besitzungen waren früher Wurgewitz, Hammer und Niederhermsdorf, deren Dienste und Gerichtsbarkeit erst in neuerer Zeit an den Besitzer von Wurgewitz, Herrn Brendel, verkauft wurden. Ebenso hatte Reichbrodt von Schrenkendorf eine Wiese von 40 Acker im Tharander Walde auf der Südseite zwischen Grüllenburg und Naundorf, gekauft, die noch jetzt zum Rittergute gehört und den Namen: „Reichbrodt’s Wiese“ führt.

Vom Schlosse aus streicht westwärts ein nicht zu breites Thal, an dessen Seiten das Dorf Klingenberg liegt, mit ungefähr 100 Baustellen, darunter einige 20 Bauergüter, und mit 700 Seelen. Für den Landbau wird rüstig gearbeitet und zeigen sich rege Fortschritte, sowie auch der Obstbau nicht vernachlässigt wird. Besonders zahlreich sind die Maurer und Zimmerleute, die seit 200 Jahren Innungen hier haben. – Höchst verderblich war für den Ort der Hussitenkrieg, indem Kirche, Pfarre und Schule eingeäschert wurden, und nach demselben nur Erstere aufgebaut werden konnte. Darum fehlen dem hiesigen Pfarrgut die Gebäude, die Kirche ist Schwesterkirche von Dorfhain und die Collatur ruht mit auf dem Rittergute. – Die Kirche, welche vielfache Andenken an die Gutsherrschaften alter und neuerer Zeit aufzuweisen hat, feierte 1842 ihr Jubiläum; die Schule, im vorigen Jahrhundert gegründet und theilweise durch herrschaftliche Legate dotirt, wurde 1852 neugebaut, und sind Beide eine Zierde des Ortes? –

† † †     



[78]
Gross-Sedlitz.


Gross Sedlitz liegt eine halbe Stunde von Dohna und drei Stunden von Dresden, einige tausend Schritte von der Elbe, auf ansehnlicher nach Südost gemächlich noch mehr ansteigender Höhe, von wo man eine überaus reiche Aussicht in das Elbthal, von Pirna bis Dresden, in die Lohmner Pflege und die Felsenparthieen der Sächsischen Schweiz geniesst. Südlich vom Schlosse Gross-Sedlitz entspinnt sich ein Grund, der zwar keinen eigentlichen Bach, sondern einige kleine Teiche enthält, ziemlich steil in östlicher Richtung nach der Elbaue abfällt und auf der südlichen Seite ziemlich schroffe Wände zeigt. Ein ähnlicher Grund senkt sich nordöstlich nach dem Brauhause hinab, der zu Obstbau und Trift benutzt und von einer hübschen Allee begrenzt ist. Das hübsche Dorf Gross-Sedlitz ist sehr regelmässig gebaut und besteht aus dreiundzwanzig Feuerstätten mit etwa zweihundert Einwohnern, die sich von Ackerbau und Stroharbeit nähren. Eingepfarrt ist Gross-Sedlitz nach Dohna. Zum Orte gehört auch das Chausseehaus Brauden.

Sedlitz ist slavischen Ursprungs und hiess in ältester Zeit Sedlo, woraus im Mittelalter Seydliz und später Sedlitz entstand. Dasselbe war, wie eine grosse Anzahl benachbarter Dörfer und Städte, Eigenthum der Burggrafen von Dohna, und als dieses eben so mächtige als raublustige Geschlecht im Jahre 1402 von dem Meissner Markgrafen besiegt und gedemüthigt worden war, als die Stammburg Dohna in Trümmern lag und die Grafen im Auslande einen Zufluchtsort gefunden hatten, wurde auch Sedlitz als erledigtes Lehn, Eigenthum des Landesherrn. Es ist keine Urkunde aufzufinden, welche über die Besitzer von Sedlitz im fünfzehnten Jahrhundert Aufschluss gäbe, denn dass der Markgraf, wie alle Dohnaischen Güter, auch Sedlitz an einen seiner treuen Edelleute verliehen habe, unterliegt keinem Zweifel. Aus einer Urkunde des sechszehnten Jahrhunderts scheint allerdings hervorzugehen, dass der Markgraf Sedlitz an die Familie von Körbitz (durch deren Streit mit den Burggrafen die bekannte Dohnaische Fehde entstanden war) in Lehn gab. indem Kaspar von Körbitz, dem Sedlitz 1561 gehörte, in dieser Urkunde von einer Leistung spricht, die schon vor hundert Jahren seinem Vorfahren zugestanden habe; es ist aber freilich nicht mit Gewissheit zu bestimmen, ob unter diesem Vorfahren ein Herr seines Geschlechts oder überhaupt nur der damalige Besitzer des Ritterguts gemeint sei.

Der bekannte älteste Besitzer von Sedlitz war Hans von Worgwitz, dessen zuerst 1553 Erwähnung geschieht. Ihm folgte um das Jahr 1561 Caspar von Körbitz und diesem Hans von Körbitz, der es um 1601 an einen Herrn von Loss verkaufte. Schon 1612 erwarb Gross-Sedlitz der Doctor Heinrich Laurentius Lindemann, von dem es der Oberstlieutnant von Fürstenauer an sich brachte, der auch Klein-Sedlitz dazu kaufte. Nach wenigen Jahren wurde Sedlitz Eigenthum des Oberforstmeisters von Römer, nach dessen Tode das Gut 1686 an den Kammerrath von Wolfersdorf gelangte. Im Jahr 1715 brannte das Dorf gänzlich nieder, und 1719 sah sich die Familie von Wolfersdorf genöthigt diese Besitzung für 20,000 Meissnische Gülden an den Gouverneur der Residenzstadt Dresden und Commandanten der Festung Königstein, Grafen August Christoph von Wackerbarth zu veräussern, der das noch jetzt stehende Schloss erbaute und es die Friedrichsburg nannte. Dieser Herr liess nebst dem Schlosse noch eine Anzahl Wohnungen erbauen, prachtvolle Gärten anlegen und herrliche Springbrunnen herstellen, zu welchen man das Wasser mittelst einer Art von Dampfmaschine bei der Köttwitzmühle im Wesensteiner Grunde aus der Müglitz hob. Das Schloss ist in sehr edlem Geschmack erbaut, besteht aus drei Flügeln und enthalt ein Corps de Logis von elf Fenstern Breite, mit einem Thürmchen und einer Schlaguhr.

[79] Der Graf von Wackerbarth überliess Gross-Sedlitz seinem königlichen Herrn, August dem Starken, und dieser prachtliebende Monarch pflegte die Sommermonate sehr gern auf dem hiesigen Schlosse zuzubringen, wodurch natürlich in den Gärten und Anlagen viele neue Verschönerungen entstanden. Auch der folgende Landesherr, August II., wandte grosse Summen auf die Verschönerung des Schlosses und seiner Umgebungen. Oft wurden hier die glänzendsten und lustigsten Hoffeste, wie Fastnachtsspiele, Bärenhetzen, Auerochsenkämpfe und Caroussels abgehalten und im Jahre 1753 feierte August II. auf dem Gross-Sedlitzer Schlosse mit ungemeiner Pracht das Ordensfest des Polnischen Adlerordens, wozu die Ritter aus weiter Ferne sich einstellten. Später wählte Gross-Sedlitz zum Sommeraufenthalt die Prinzessin Elisabeth, Grosstante Sr. Majestät des jetzt regierenden Königs, und als diese Dame das Zeitliche gesegnet hatte, wurde das Schloss öde und leer. Die Kriegsjahre berührten Gross-Sedlitz ebenfalls und brachten ihm die schrecklichsten Drangsale. In den stolzen Zimmern wo ehemals die gefeiertsten Schönheiten des Hofes und die reichsten stolzesten Cavaliere des Landes den prunkenden Thron ihres mächtigen Fürsten umstanden, ertönte 1813 das Jammern und Wehklagen verwundeter Krieger – man hatte das stolze Königsschloss in ein Lazareth umgewandelt! – Auch im siebenjährigen Kriege wurde, wie die ganze Gegend um Pirna, auch Gross-Sedlitz hart mitgenommen, und namentlich erfuhren die herrlichen Anlagen solche Verwüstungen, dass sie nie wieder auf den frühern Standpunkt ihres Glanzes zurückgebracht werden konnten. – Anerkennungswerth sind indessen die Bemühungen, durch welche die Hofgärtner Bohling und John den verödeten Garten wieder in einen trefflichen Zustand zu versetzen wussten, und namentlich haben sie die königliche Tafel oft mit den seltensten Gartenfrüchten und Obstsorten überrascht. – Im Jahre 1827 lebte man in Gross-Sedlitz der Hoffnung, dass Ihre Majestät die verwittwete Königin Amalie Auguste das hiesige Schloss zum Wittwensitze wählen und hierdurch dem Orte eine neue Bedeutung erwachsen würde – dieser Wunsch aber ging nicht in Erfüllung.

In Folge der neuen Verfassung wurde Gross-Sedlitz Domaine, so dass die Oekonomie des Gutes nicht, wie das Schloss, unter dem Hausmarschallamte, sondern unter dem Ministerium der Finanzen steht. Das Kammergut ist sehr weitläufig und dadurch noch vergrössert worden, dass man das, freilich recht schöne, Laubholzgehege zu Feld gemacht und mit der Oekonomie vereinigt hat. In der ersten Hälfte jedes Jahres stehen hier drei schöne Beschälhengste edler Race. – Das Brauhaus befindet sich am Fuss des Gebirges, einige hundert Schritte von der Elbe und ebenso weit von dem Chausseehause, mit dem es durch eine Allee verbunden ist, und das Wirthshaus, worin das weit berühmte Bier in bester Qualität getrunken wird, war noch vor kurzer Zeit einer der besuchtesten Belustigungsorte der Umgegend, und erhielt namentlich vielen Besuch aus Pirna. Nahe dabei ist die sehr bedeutende Ziegelbrennerei, die Kalkbrennerei, das Gärtnerhaus, Schäferhaus und ehemalige Fasanenhaus, sowie eine kleine Mühle. Berühmt ist auch die hiesige Schaafzucht, wie denn überhaupt die Oekonomie des Kammerguts seit ihrer Bewirthschaftung durch den als intelligenten Landwirth allgemein bekannten und geachteten Herrn Amtsverwalter Kaurisch, als Pächter der Domaine, zu ausserordentlicher Blüthe gelangte.

Die Gesammtzahl der Einwohner in Gross- und Klein-Sedlitz, Ober- und Niederhof Gehege und Chausseehaus Brauden beträgt gegen dreihundertfunfzig Seelen, die in dreiundfunfzig Häusern wohnen. Als Gross-Sedlitz im Jahre 1715 gänzlich abbrannte, bestand es nur aus zehn Hausnummern.

Otto Moser.     



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Choren.


Das Rittergut Choren besteht in seiner Gesammtheit aus den Rittergütern Choren und Wetterwitz, dem Brauschenkengute Obertoppschädel und zwei Wiesenparzellen in Ober- und Niedertoppschädeler Flur und liegt an der vereinigten Döbeler, Dresdner, Oschatzer und Freiberger Chaussee, durch einen Bach von Niedertoppschädel getrennt. Das Gut umfasst einen Flächenraum von circa 429 Ackern, bestehend in 366 Ackern Feld, 40 Ackern Wiesen und Gärten, 16 Ackern Laubholzwaldung und 7 Ackern Teichen, Lehden und Steinbrüchen, Wegen und dergleichen, und ist seit undenklichen Zeiten mit Wetterwitz vereinigt, das aber keine Gebäude hat, sondern von Choren aus bewirthschaftet wird, während das Brauschenkengut Obertoppschädel die Schäferei, Brauerei und den Gasthof in sich birgt.

Seit vielen Jahrhunderten gehört das Rittergut Choren der alten in hiesiger Gegend reichbegüterten Familie der Marschälle von Bieberstein, der auch die Rittergüter Bieberstein, Otzdorf, Kobelsdorf, Mockritz, Jessnitz, Crummenhennersdorf, Mahlitzsch, Nausslitz, Wüstensteinbach, Keuern, Ebersbach und andere zustanden. Die Marschälle von Bieberstein schrieben sich in Urkunden oft Marschälle von Choren, und behielten dieses Gut bis zum Jahre 1848, wo Christian Friedrich Marschall von Bieberstein es an den Major Sahrer von Sahr verkaufte, welcher 1846 zu Dresden mit Tode abging. Derselbe vergrösserte 1833 das Areal durch Ankauf des ehemaligen fiskalischen Chorener Ober- und Niederforstes nebst dem damit verbundenen Forsthause mit einer Gesammtfläche von 141 Ackern 274 Quadratruthen, dismembrirte jedoch nach und nach davon das Forsthaus und 50 Acker 177 Quadratruthen In diesem Zustande verkaufte es dessen Wittwe, Frau von Sahrer geborne von Wuthenau 1847 an den jetzigen Besitzer Herrn Friedrich Wilhelm Oehmichen, welcher den Rest des ehemaligen fiskalischen Forstes an 91 Ackern 67 Quadratruthen nebst einigen kleinen abgelegenen Parzellen der Rittergüter Choren und Wetterwitz im Gesammtbetrage von 16 Ackern 92 Quadratruthen abtrennte und verkaufte, so dass es jetzt noch die Eingangs angegebene Grösse umfasst. Der gesammte Complex bildet ein geschlossenes Ganzes und liegt im Halbkreis um die zwei Wirthschaftshöfe herum.

Das Herrenhaus zu Choren wurde im Jahre 1755 von Carl Leonhard Marschall von Bieberstein, churfürstlich Sächsischem Geheimrath und General-Kron-Postdirektor im Königreich Polen erbaut, dessen wolerhaltenes Bildniss in Lebensgrösse noch jetzt im Chorener Herrenhause aufbewahrt wird. Dieser Herr von Marschall kaufte im Jahre 1767 das Brauschenkengut Übertoppschädel, welches seit dieser Zeit stets mit Choren vereint geblieben ist. – Das schöne Rittergutsgebäude ist von einem sehr geschmackvollen Garten und für hiesige Gegend wirklich romantischen Parkanlagen umgeben. – Das Dorf Choren besteht aus 36 Hausnummern mit etwa 250 Einwohnern. Der Ort ist nach Rüsseina eingepfarrt, welche Kirche unter der Collatur des Hochstifts Meissen steht, dessen jedesmaliger dritter Domherr Collator ist. Die Rüsseinaer Pfarre gehört zu den einträglichsten des Landes.

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