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Artikel „Schleupner, Dominicus“ von Georg Müller in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 31 (1890), S. 472–473, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schleupner,_Dominikus&oldid=- (Version vom 18. Oktober 2019, 21:08 Uhr UTC)
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Band 31 (1890), S. 472–473 (Quelle).
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Schleupner: Dominicus S. (Sleupner, Schlaupner), evangelischer Theolog des 16. Jahrhunderts. Geboren zu Neisse in Schlesien als Sohn eines Goldschmieds, erscheint er in Breslau seit 1506 als Notarius der bischöflichen Kanzlei, seit 1513 als Kanonikus der Kreuzkirche daselbst und erlangte nach D. Hieronymus Swoffheim’s Tode († 1516) ein Kanonikat an der Kathedralkirche. Am 7. April 1519 wurde er in Wittenberg immatriculirt und studirte hier bis Anfang August 1520. Mit Briefen von Luther und Melanchthon an den Bischof, den Domherrn Wittiger und Johann Heß kehrte er nach Breslau zurück. Aber kaum ein halbes Jahr später finden wir ihn in Leipzig, wo er als Verfechter der neuen Lehre auftrat und in der Capelle der Benedictinerinnen zu St. Georg mehrere Predigten hielt. Zwei derselben befinden sich handschriftlich auf der Königsberger Stadtbibliothek. S. erfreute sich hier großen Beifalls und auf ein Gesuch einer Reihe junger, evangelisch und humanistisch gesinnter Magister wurde die theologische Facultät von den Herzögen Johann und Friedrich angewiesen, ihm bei der akademischen und Predigtthätigkeit keine Schwierigkeiten in den Weg zu legen. Trotzdem blieb er hier nicht lange. Ob er mit dem S. identisch ist, der im Sommer 1522 als bischöflicher Kanzler bei den Verhandlungen des Breslauer Domcapitels betheiligt war (Kastner, Archiv I, 9), scheint fraglich zu sein. Denn bereits 1522 wurde er auf Luther’s Empfehlung als Prediger an die Sebalduskirche nach Nürnberg berufen, von der er 1533 an die Katharinenkirche überging. Wie er sich hier als Prediger schnell großer Beliebtheit erfreute, so war er bei der Einrichtung des Nürnberger evangelischen Kirchenwesens schriftstellerisch und organisatorisch thätig. So schrieb er auf Veranlassung des Rathes mit Andreas Osiander und Thomas Venatorius 1524 das Gutachten „Ein gutter Vnterricht vnnd getreuer ratschlag vß heiliger gottlicher schrift“ (s. A. D. B. XXIV, 475) und im Namen des Zwölferausschusses des vom Markgrafen nach Ansbach berufenen Landtages im J. 1525 die Schrift: „Eyn Ratschlag, Den etliche Christenliche Pfarrherrn, Prediger … Einem Fürsten, (d. i. dem Markgrafen), welcher yetzigen strittigen leer halb, auff den abschied, jüngst gehaltens Reichstags zu Nürnberg, Christlicher warhait vnderricht begert, gemacht haben.“ Bei dem Religionsgespräch im März 1525, mit welchem sich die Stadt Nürnberg öffentlich und feierlich der Reformation zuwandte, hielt er die Eröffnungsrede und übergab 1527 dem Rathe ein Gutachten über die Abendmahlsfeier, welches Luther’s Billigung fand. Er war 1528 an der Abfassung der sogen. Schwabacher Visitationsartikel (s. A. D. B. XXIV, 476) und 1530 an der Ausarbeitung der Kirchenordnung betheiligt. Einen Ruf als Superintendent nach Leipzig bei Einführung der Reformation 1539 lehnte er ab. 1525 hatte er sich mit Dorothea Schmidmann, nach ihrem Tode mit Margaretha Apel, der Tochter eines Nürnberger Tuchmachers und Schwester Dr. Johann Apel’s, verheirathet. Die letztere Verbindung, welche er am 11. December 1527 einging, hatte einen jedenfalls von [473] Wilibald Pirkheimer veranlaßten, von Luther, Osiander und Link fortgesetzten Thesenstreit im Gefolge, in welchem es sich um die Zulässigkeit der zweiten Ehe bei Geistlichen handelte. S. starb am 3. Februar 1547. Seiner hinterlassenen Familie erwies sich Dr. Bernhard Ziegler in Leipzig als Gönner.

Dr. Martin Luthers Briefe von de Wette-Seidemann I, 420, 472, 474; IV, 6, 199; VI, 693; von Burkhardt 30, 348–351; von Enders II, 332, 447, 449, 451. – Corpus Reformatorum I, 146, 208 ff., 284; IV, 951. – Förstemann, Album S. 79. – Cod. dipl. Sax. reg. II, 11, 438–440. – Spalatini Chronicon bei Jo. B. Mencke, Scriptores II, 634, 640. – Chr. Schleupner in der Vorrede zu seinen „4 Predigten vom Steigen und Fallen des Papsttums zu Rom“. Leipzig 1618, 4°. – G. A. Will, Nürnberger Gelehrten-Lexikon, Bd. 3 s. v. – Nopitsch, Will’s Nürnberger Gelehrten-Lexikon ergänzt und fortgesetzt, 8. Theil (4. Suppl.), S. 81. – G. Th. Strobel, Nachricht von dem Leben und den Schriften Veit Dietrichs. Altdorf und Nürnberg 1772, S. 79, 75 (Beziehung zu Schwenkfeld). – Friedr. Roth, Die Einführung der Reformation in Nürnberg. Würzburg 1885, S. 109 f., 134, 145, 166, 195, 210 f., 229, 270. – J. Köstlin, Martin Luther I, 330, 333, 646. – J. Köstlin, Johann Heß, der Breslauer Reformator, in der Zeitschr. d. V. f. Gesch. u. Alterthum Schlesiens. Breslau 1864, S. 114, 116. – C. J. Cosack, Paulus Speratus. Braunschweig 1861, S. 58. – G. Kawerau, De Digamia Episcoporum. Kiel 1889, S. 11 f., 24. – P. Tschackert, Unbekannte handschriftliche Predigten und Scholien Martin Luthers. Berlin 1888, S. 2. – Dibelius u. Lechler, Beitr. zur Sächs. Kirchengeschichte I, 148 (Leipzig 1882). – Joh. Soffner, Sebastian Schleupner, Domherr und Prediger zu Breslau. Breslau 1888, S. 1. – Joh. Soffner, Der Minorit Fr. Michael Hillebrant aus Schweidnitz. Breslau 1885, S. 65. – Aug. Kastner, Archiv f. d. Gesch. d. Bisthums Breslau. Neiße 1858, I, 9, 287. – Car. Otto, De Johanne V. Turzone Episcopo Wratislaviensi, Vratislaviae 1865, p. 20, 46, 57, 60. – J. H. S(chülin), Fränckische Reformationsgeschichte. Nürnberg 1731, S. 24, 29. In dieser Schrift ist als Anhang „Ein guter Unterricht“ und „Eyn Ratschlag“ abgedruckt. – Ein Brief Georg Silvanus’ an S. befindet sich in der Breslauer Stadtbibliothek.