ADB:Roediger, Ludwig

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Artikel „Roediger, Ludwig“ von Rudolf Jung in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 53 (1907), S. 422–423, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Roediger,_Ludwig&oldid=- (Version vom 15. August 2020, 19:50 Uhr UTC)
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Roediger: Georg Ludwig Julius Konrad R. wurde am 3. April 1798 in Neunkirchen bei Kusel (bairische Pfalz) als Sohn eines reformirten Pfarrers geboren. Da der Vater früh starb, kam der Sohn noch als kleines Kind zu einem Oheim nach Worms, besuchte dort die Secundärschule und dann das Gymnasium. 1814 bezog er die Universität Heidelberg, wo er bis zum Herbst 1816 ohne rechten Plan Creuzer, Voß, Wilken, Daub, Paulus und Fries hörte. Creuzer’s Vorträge hatten ihn zur Theologie geführt; als er Heidelberg verließ, entschloß er sich zum Studium der Philosophie und – praktischen Rücksichten folgend – der Philologie. Nachdem er den Winter 1816–17 in Worms verbracht hatte, folgte er Ostern 1817 seinem Lehrer Jakob Friedrich Fries nach Jena, wo er bis 1819 blieb und außer Fries auch v. Münchow, Luden u. A. hörte. In die Jenenser Zeit fällt außer einer halbjährigen Reise durch Mitteldeutschland und die Schweiz Roediger’s Betheiligung am Wartburgfest von 1817. Beim Feuer auf dem Wardenberg am Abend des 18. October, als der von ihm gedichtete Gesang: „Des Volkes Sehnsucht flammt von allen deutschen Höh’n zum Himmel auf“ u. s. w. verklungen war, hielt R. eine längere Ansprache, „in der Linken das Burschenschwert haltend, mit der Rechten seine Rede begleitend, während ihm der schneidende Ostwind die Funken naher Fackeln in das von dunklen Locken umwallte Gesicht stäubte, mit einer Stimme, die trotz alles Windes über einen weiten Kreis hinschallte“ (Das Burschenfest auf der Wartburg u. s. w., Jena, Frommann, 1818, S. 31); in begeisterten Worten gab er den Gefühlen Ausdruck, welche die anwesenden Burschen durchglühten, und leitete so die Verbrennung der von den Burschen verdammten Schriften ein. Auch am 19. October in der Abschiedsversammlung im Rittersaal der Wartburg sprach R. kräftige Worte für ein einiges und brüderliches Wirken der Burschenschaft. Am 25. Februar 1819 promovirte R. auf Grund einer Abhandlung über die „Wurzel des vierfachen Satzes vom logischen Grunde“ als Doctor der Philosophie und wandte sich dann nach Berlin, um sich als Privatdocent zu habilitiren. R. besuchte [423] im Sommersemester philosophische, mathematische und naturwissenschaftliche Vorlesungen, turnte bei Jahn und Eiselen und hörte mit Begeisterung Schleiermacher’s Collegien und Predigten, während er Hegel’s Lehre und Dialektik als „geistreiche Irrlehre“ verwarf. Durch seine Bekanntschaft mit Sand und seine Freundschaft mit dem demagogischer Umtriebe bezichtigten Buchhändler Reimer wurde er selbst der Theilnahme an der revolutionären Bewegung verdächtig, am 8. Juli 1819 im Hause Reimer’s verhaftet und der Immediatcommission zur Untersuchung überwiesen; Referent in seiner Sache wurde E. T. A. Hoffmann, der sich entschieden für die Niederschlagung der Untersuchung aussprach. Am 28. November verfügte die Commission die Haftentlassung, da sie „keinen Grund gefunden, R. zur Criminaluntersuchung zu ziehen“. Gegen Ende des Jahres wurde er nochmals ohne Angabe eines Grundes verhaftet, aber schon am 7. Januar 1820 entlassen und am 12. März aus Preußen ausgewiesen. Damit mußte er die Hoffnung auf eine Privatdocentur in Preußen – für Königsberg schwebten schon Verhandlungen – aufgeben und wandte sich nach Erlangen, wo er sich zunächst für den Sommer immatriculiren ließ. Auch hier war seines Bleibens nicht: er hatte provisorisch die Stellung eines Mathematiklehrers am Gymnasium versehen, mußte sie aber wieder niederlegen, da ihm im königlichen Auftrage eröffnet wurde, daß man ihm wegen seiner „Theilnahme an der Burschenschaft und aus anderen administrativen Erwägungen“ die Zulassung zum Lehramte in Baiern versagen müsse. Im Sommer 1821 ging er nun nach Frankfurt a. M., wo er endlich Ruhe finden sollte. Mit gutem Erfolge ertheilte er hier bei Privatleuten und in Instituten Unterricht in den Sprachen, Geschichte und Mathematik; Ende 1823 trat er vertretungsweise in den Lehrkörper des städtischen Gymnasiums ein und erhielt im September 1824 eine definitive Lehrstellung mit dem Titel Professor. Dieses Amt und die Heirath mit einer Frankfurter Kaufmannstochter fesselten ihn dauernd an die neue Heimath; er pries das „Glück eines ruhigen Lebens“, das ihm nach stürmischer Jugend geworden war, und lebte fortan nur noch seinem Berufe und seiner Familie; litterarisch ist er nur mit einzelnen philosophischen Abhandlungen in Zeitschriften hervorgetreten. 1838 wurde er Prorector am Gymnasium, d. h. Inhaber der dritten Lehrerstellung; am 1. April 1854 trat er in den Ruhestand und starb am 14. Januar 1866.

Autobiographische Aufzeichnungen und sonstige Schriftstücke im Besitze der Familie. – Die Litteratur über das Wartburgfest und die Anfänge der Burschenschaft. – Ellinger, Das Disciplinarverfahren gegen E. T. A. Hoffmann in der Deutschen Rundschau, Jahrg. 32 (1906), H. 10, S. 79 ff.