ADB:Muttenthaler, Anton

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Artikel „Muttenthaler, Anton“ von Hyacinth Holland in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 23 (1886), S. 116–117, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Muttenthaler,_Anton&oldid=- (Version vom 30. November 2020, 05:24 Uhr UTC)
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Muttenthaler: Anton M. (er selbst schrieb sich immer Tony und wurde von allen seinen Freunden also genannt), geboren am 10. Mai 1820 zu Höchstätt, wo sein reich mit Kindern gesegneter Vater als Gärtner lebte, kam mit dreizehn Jahren nach München und erhielt durch seine vielversprechende Begabung bald unter Kaulbach’s Schülern Aufnahme. Seine überaus leicht gestaltende Phantasie entwickelte sich schnell zur vollen Blüthe. Sein neidenswerthes Componirtalent wendete sich bald der Illustration und der Zeichnung für den Holzschnitt zu (auch die Lithographie übte M. vielfach und machte sich, ebenso wie Kaspar Braun und J. Rehle, gründlich mit der Xylographie vertraut), wovon die „Fliegenden Blätter“, die „Haus-Chronik“ und die „Münchener Bilderbogen“ – sämmtlich im Verlag von Braun und Schneider – eine stattliche Reihenfolge enthalten. Auch illustrirte er zahlreiche Bücher mit Bildern, z. B. W. Hauff’s „Phantasien im Bremer Rathskeller“, (Bremen bei C. Schünemann), „Neue Bilder für Kinder mit Liedern von Fr. Güll“, (München bei Braun und Schneider), Ludwig Aurbacher’s „Lallenburger-Stücklein“ und die angebliche Promotionsschrift Goethe’s „De publicibus“ in deutscher Uebersetzung. Im Jahre 1858 betheiligte sich M. auch an dem großen „Historischen Festzug“ zum 700jährigen Jubiläum der Stadt München und gab das Ganze als Erinnerungsblätter in lithographischer Vervielfältigung heraus. Zwischendurch gediehen größere Oelbilder, z. B. 1856 die Entstehung des „Münchener Schäfflertanzes“ und zwei Fresken im Baierischen Nationalmuseum: „Kaiser Ludwig erwirbt die Mark Brandenburg“ und dessen „Sieg bei Ampfing und Mühldorf über Friedrich den Schönen von Oesterreich“. Im Jahre 1860 übersiedelte M. nach Leipzig und übernahm die artistische Direction der „Illustrirten Zeitung“ (J. J. Weber), welche er bis zu seinem daselbst am 21. März 1870 erfolgten Tode führte. Auch für dieses Journal entwarf sein unermüdlicher Stift eine Menge von Zeichnungen, (z. B. die verschiedenen Titel-, Weihnachts- und Neujahrs-Blätter, darunter der Kopfbogen zur 1000. Nummer) und viele Illustrationen. M. hatte ein überraschendes Talent, seine schnell aufblühenden Gedanken formgewandt und gefällig hinzuschreiben; diese bewundernswerthe Begabung führte ihn nicht gerade auf Abwege, aber wol in eine conventionelle Manier, welche sich zu einer gewissen Flüchtigkeit und Leere ausbildete. Als Künstler stand M. zwischen Kaulbach, Fr. Foltz, Schwind und Neureuther; er theilte ihre Eigenthümlichkeiten ohne ihre Vorzüge zu erreichen, am meisten scheint Kaulbach’s Vorbild auf ihn gewirkt zu haben. Wenn es eine im Verlaufe der Kunstgeschichte vielfach bewährte Wahrnehmung ist, daß sich die Schüler häufig an den schwachen Punkt ihres Meisters anklammern und denselben bis zur äußersten Consequenz an sich zur Erscheinung bringen, so ist dieses bei M. folgerichtig mit einer typisch gewordenen Flauheit bestätigt. Wäre ihm früher das Glück großer, selbständiger Aufträge geworden, er hätte sich unstreitig [117] zum Ruhm eines ausgezeichneten Malers aufgeschwungen, wozu sein erstes Auftreten volle Berechtigung gab. Doch wird auch in der von ihm vollendeten Bahn sein Name immer in achtungsvoller Erinnerung bleiben. Unter seinen im Münchener Kunstverein ausgestellten Zeichnungen und Bildern erinnern wir an eine „Christnacht“ (1840). – „Ueberfall im Wildbad“ (1841). – „Ein Fischer fängt eine Wassernixe“. „Dietrich von Bern und Hildebrand binden auf der Jagd den Zwergkönig Alberich“, (Carton). „Die Hungernden speisen“, (zu einem Cyclus der Werke der Barmherzigkeit) 1842. – „Ein Burgwächter“. „Raphael die Fornarina malend“ (nach Achim von Arnim’s Novelle 1843). – „Dietrich von Bern und Wittich der Starke“. „Magdalena am Grab Christi“ (1844). – „Des Sängers Fluch“ (1845). – „Zug zum Turnier“ (1846). – „Judith mit ihrer Dienerin kehrt aus dem Lager zurück und pocht am Thore der Stadt an“ (1848). – „Falkenjagd“, „Elfentanz“ (1850). „Loreley“, „Gretchen“ (1851). – „Burgfrau“ (1854). – „Aus dem Elfenleben“ (1857). – „Ein Ritterfräulein“ (1859).

Vgl. Nekr. in Bd. 88. Allg. Ztg. vom 29. März 1870. v. Spruner, Die Wandbilder des Nationalmuseums, 1868, S. 50 und 53. Maillinger, Bilder-Chronik der Stadt München, 1876, III, S. 21 u. 74. Seubert 1878, II, 622. Ueber das Bild: „Der historische (?) Ursprung des Schäffler-Tanzes in München“ vgl. Julius Große in Nr. 280, Abendblatt der Neuen Münchener Ztg. vom 22. November 1856 und Eggers, Deutsch. Kunstblatt 1857, VIII. Bd., S. 116. Holzschnitt in Nr. 1130 Illustr. Ztg. Lpz., 25. Febr. 1865. – Muttenthaler’s reichhaltiger Kunstnachlaß wurde im Juli 1871 durch Montmorillon (Maillinger) zu München versteigert.