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Zur ersten englischen Übersetzung der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm

Textdaten
Autor: Otto Hartwig
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Titel: Zur ersten englischen Übersetzung der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm
Untertitel: Mit ungedruckten Briefen von Edgar Taylor, J. u. W. Grimm, Walter Scott und G. Benecke
aus: Centralblatt für Bibliothekswesen, Band 15, S. 1–16
Herausgeber: Otto Hartwig
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1898
Verlag: Otto Harrassowitz
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Internet Archive, Commons
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[1]
Zur ersten englischen Übersetzung der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm.
Mit ungedruckten Briefen
von Edgar Taylor, J. u. W. Grimm, Walter Scott und G. Benecke.
Mitgeteilt von O. Hartwig.

Unter allen Büchern, die in diesem Jahrhundert erschienen sind, ist wohl kaum ein anderes so ein dauerndes Besitztum der volkstümlichen Weltlitteratur geworden als die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm, von denen der erste Band 1812 ausgegeben wurde. Viele Millionen großer und kleiner Kinder haben sich seitdem herzlich an ihnen erfreut und werden sich noch in ungezählten Jahren an ihnen ergötzen. Aber auch für die Wissenschaft ist das Erscheinen dieser Sammlung von der größten Bedeutung geworden. Wie Herder durch seine „Volkslieder“ eine neue Ära in der Schätzung und Nachbildung der echten volkstümlichen Lyrik heraufgeführt hat, so haben die Brüder Grimm durch ihre Märchen einen ganzen Zweig volkstümlichster erzählender Poesie, der bis dahin nur im Verborgenen geblüht hatte, in all seiner heiteren Pracht nicht nur ans helle Tageslicht gestellt, sondern auch mit ihnen ganz neues Material für die wichtigsten litterargeschichtlichen und mythologischen Erkenntnisse beigebracht.

Wie diese Märchensammlung auf ihrem Siegeszuge durch die Welt in England eingedrungen und durch eine gute Übersetzung so fruchtbaren Boden gefunden und weiterhin hier die Märchenforschung stark mit angeregt und beeinflußt hat, so daß sie hier wie kaum in einem anderen Lande blüht und der doch vorzugsweise für sie aufgekommene Name Folk-lore fast zu einem überall recipierten litterärgeschichtlichen Terminus geworden ist, soll hier auf Grund erster Zeugnisse kurz dargelegt werden. Daß ich diese Dokumente zum größten Teile in Florenz erhalten habe, könnte auf den ersten Blick als ein Zeichen davon angesehen werden, daß das Interesse und die Freude an diesen unseren deutschen Dichtungen selbst in das Land, in dem die klassische Novelle ihre erste Kunstform erhielt, gedrungen seien, wenn der Fund sich nicht einfacher erklärte.

[2] Als ich im vergangenen Winter in Florenz einmal meine hochverehrte Freundin Frau Karl Hillebrand zum Abendthee besuchen wollte, steckte mir unterwegs der Postbote den Aufruf des Kasseler Grimmkomités, den ich selbst mit unterschrieben hatte, zu. Da ich von früher her wußte, daß Frau Hillebrand Briefe von J. und W. Grimm besaß und sie noch in regen Beziehungen mit Hermann Grimm stand, dessen Frau ja hier „fern von der Heimat doch in Gottes Erde“ auf dem evangelischen Friedhofe in der Nähe der Certosa ruht, so kam das Gespräch natürlich auf die Gründung dieses Grimmmuseums in Kassel. Sofort sagte die teuere Frau: „Da will ich auch etwas beisteuern; das Andenken an zwei so ausgezeichnete Männer kann man nicht genug ehren; Sie sollen die Briefe für die Kasseler Sammlung haben, die die Grimms an meinen Vater gerichtet haben, als er ihnen seine englische Übersetzung der Märchen, welche die erste in England war, geschickt hatte, und ein Exemplar der ersten, jetzt sehr wertvollen Ausgabe dieser Übersetzung dazu. Auch einen Brief Walter Scotts, den dieser an meinen Vater gelegentlich dieser Übersetzung richtete, und zwei Schreiben des Germanisten Benecke in Göttingen an ihn will ich Ihnen abschreiben lassen, damit Sie Ihre Augen nicht unnötig anstrengen“.

Und solchen guten Worten entsprach wenige Tage darauf die That. Ich erhielt die Originale von drei Briefen der Brüder Grimm an Sir Edgar Taylor und die Übersetzung für die Kasseler Sammlung, die Abschriften von allem für mich.

Nach der Heimat zurückgekehrt, schrieb ich an meinen geehrten Landsmann Hermann Grimm und fragte bei ihm an, ob er etwa im Besitze von Briefen Sir Edgar Taylors an seinen Vater und Onkel sei. Nach wenigen Tagen ließ er mir durch Herrn Dr. Steig die Briefe zugehen, mit denen Sir Edgar seine Märchenübersetzung an die Brüder Grimm gesandt und damit den Briefwechsel eröffnet hatte.

So hatte ich denn das Material zu der kleinen Publikation vollständig zusammen. Doch würde ich glauben, meine Aufgabe nicht zur Genüge erfüllt zu haben, wenn ich dem Leser nicht einige Mitteilungen über Sir Edgar Taylor gegeben hätte. Vielleicht daß das große englische Dictionary of National Biography binnen kurzem noch Genaueres mitteilt.

Mr. Edgar Taylor war der fünfte Sohn von Mr. Samuel Taylor von New Buckenham in Norfolk und ein Nachkomme von Dr. John Taylor von Norwich, dem Verfasser der Hebräischen Konkordanz, einem sehr gelehrten und höchst ausgezeichneten Presbyterianischen Geistlichen des vorigen Jahrhunderts, dessen Schriften nicht nur von einigen der hervorragendsten Theologen der englischen Kirche hoch geschätzt wurden, sondern sogar zum Teil – etwas ganz Vereinzeltes für einen Nicht-Anhänger der anglikanischen Kirche – die Ehre hatten, von einem Bischof der Kirche wieder herausgegeben zu werden. Er war geboren in Banham in Norfolk am 28. Januar 1793. Er wurde erzogen auf Palgrave School in Suffolk unter De Lloyd, einem sehr tüchtigen [3] klassischen Gelehrten. Im Jahre 1809 wurde er seinem Onkel, dem thätigen Mr. Meadows Taylor von Diss anvertraut, einem Sachwalter von großem Rufe und Nachfolger in einem Amte, das schon ein Jahrhundert lang in seiner Familie fortgeerbt war. Er erwarb sich bei ihm gute Kenntnisse der Gesetze und insbesondere des Notariatsgeschäfts.

Daneben fand er in seinen Mußestunden Zeit, sich mit der Litteratur zu beschäftigen und insbesondere sich mit der italienischen und spanischen Sprache bekannt zu machen. Nicht minder auch mit der deutschen. In Norwich herrschte um das Ende des vorigen und im Anfange des 19. Jahrhunderts ein reiches geistiges Leben, so daß man diese Stadt in dem Monthly Magazine von 1799 etwas schmeichelhaft „the Athens of England“ nannte. Georg Herzfeld hat kürzlich in seinem Schriftchen über „William Taylor von Norwich“ S. 16 die Namen der bekanntesten Männer und Frauen genannt, welche damals in Norwich lebten. Wenn der Freund und Kenner der deutschen Litteratur, William Taylor, der durch seine Übersetzung von Bürgers Leonore in Walter Scotts Seele den glimmenden Dichterfunken zur hellen Flamme anfachte[1], auch nicht zur Familie Edgar Taylors gehörte, so war er doch ein naher Freund derselben. Wie lebhaft damals in diesen Norwicher Kreisen die deutsche Litteratur gepflegt wurde, geht u. a. auch daraus hervor, daß ihnen die rechte Cousine Edgar Taylors, die in der Berliner und Dresdner Gelehrtenwelt später wohlbekannte Mrs. Sarah Austin, die Gemahlin des ausgezeichneten Rechtsgelehrten John Austin, angehörte. Dieser Dame verdankt England bekanntlich u. a. die Übersetzung von L. Rankes Geschichte der Päpste, die Macaulay so sehr bewunderte.

Wer den Norwicher Rechtsanwalt Edgar Taylor zuerst auf die Grimmschen Märchen aufmerksam gemacht hat, weiß ich nicht. Vielleicht hat er sie erst in London kennen gelernt, wohin er sich 1814 gewendet hatte. Im Jahre 1817 trat er hier in Geschäftsverbindung mit Robert Roscoe – dem Verfasser der berühmten Lebensbeschreibungen von Lorenzo di Medici und Leo X. –, welcher im Jahre zuvor in Liverpool als Bankier seine Zahlungen eingestellt hatte. Beide, Edgar Taylor und Robert Roscoe, welche wohl durch ihre litterarischen Neigungen zusammengeführt waren, begründeten in London, King’s Bench Walk, Temple, mit geringen und noch dazu erborgten Mitteln ein Anwaltsbureau, das dank der Namen dieser Rechtsgelehrten und ihrer geschäftlichen Tüchtigkeit sehr rasch aufgeblüht zu sein scheint. War doch auch namentlich Edgar Taylor ein hervorragender Praktiker, der zuerst, oder als einer der ersten, die doppelte s. g. italienische Buchführung für die Sachwalterbücher in England eingeführt haben soll. Der Betrieb dieses seines Rechtsgeschäftes hemmte wohl die litterarischen Studien Edgar Taylors, zerstörte sie aber nicht. Das beweist das Erscheinen der Übersetzung der Grimmschen Märchen im Jahre 1823. Nicht [4] minder die Herausgabe seiner Übersetzung deutscher Minnesinger, die unter dem Namen The lays of the Minnesinger or German Troubadours of the 12th and 13th centuries etc. erschien und im Jahre 1825 – wie sich aus dem 2. Briefe von Benecke ergiebt, schon im Sommer 1825 – gedruckt war. In den Zeitraum zwischen beiden Publikationen fällt die Verheiratung Taylors mit Anna, der Tochter von J. Christie Esq. of Hackney. Aus den nächsten Jahren ist mir keine Veröffentlichung Taylors bekannt. Ein staatsrechtliches Werk: The Book of Rights, or Constitutional acts and parlamentary proceedings erschien erst 1833 in London bei A. Maxwell (s. unten S. 11). Seine Lieblingsstudien hat er aber nie ganz einschlafen lassen. Noch zwei Jahre vor seinem Tode kam er auf das Mittelalter zurück und ließ sein Buch: Master Wace’s Chronicle of the Norman Conquest, from the Roman de Rou. Translated with the Notes and Illustrations by E. T. London, Pickering 1837 ausgehen. Eine Abbildung des berühmten Teppichs von Bayeux ist dem Buche beigegeben. In dem Todesjahre (1839) erschien dann noch seine Auswahl Grimmscher Märchen: Gammer Grethel from Grimm and others translated by Taylor, ein Buch, das ich nicht einmal gesehen habe. Edgar Taylor hatte übrigens außer der deutschen, englischen und französischen Litteratur mit demselben Eifer auch die ältere italienische studiert. Hierbei war er wohl ein Schüler Ugo Foscolos, dessen Freund und Helfer in der Not er während des Exils und der Krankheit in England geworden war. Denn als ein Whig und Unitarier sympathisierte er mit den freisinnigen, politischen und kirchlichen Bestrebungen in England und auf dem Kontinente. Ihm kam es jedoch vorzugsweise auf die Bekämpfung jeder religiöskirchlichen Engherzigkeit an. Dogmatische Differenzpunkte gegen andere hervorzukehren und zu verfechten, lag ihm fern. Die letzten zwölf Jahre seines arbeitsreichen Lebens waren Edgar Taylor durch ein schweres körperliches Leiden getrübt, das er mit großer Fassung und Geduld ertrug. Bescheidenheit und Güte waren hervorstechende Eigenschaften seines Wesens. Sie haben ihn allen, die ihn kannten, lieb und teuer gemacht. Als er am 19. August 1839 starb, hinterließ er eine Witwe, die hochbetagt in Florenz bei ihrer einzigen Tochter Jessie, der Witwe unseres Karl Hillebrand, gestorben ist. –

Doch ich muß wohl auch noch einige genauere, wenn auch nicht vollständige bibliographische Angaben über die erste englische Übersetzung der Grimmschen Märchen bringen. Hierfür trifft es sich nun sehr günstig, daß im Juni 1897 die Herren Sotheby, Wilkinson und Hodge in London den Verkaufskatalog einer großen Sammlung der Works of George Cruikshank, welche H. W. Bruton angelegt hatte, ausgegeben haben, in dem verschiedene Exemplare dieser ersten Ausgabe bibliographisch genau beschrieben sind. Wie aus dem ersten Brief Sir Edgar Taylors an die Brüder Grimm hervorgeht, hatte der treffliche Übersetzer der Märchen (vergl. den 2. Brief Beneckes) den trefflichen Zeichner und Illustrator Georg Cruikshank – bei uns vorzugsweise durch seine Bildchen zu den Romanen von Charles Dickens bekannt – dafür gewonnen, [5] sein Buch mit Bildern zu schmücken. Bei der großen Wertschätzung, deren sich G. Cruikshank bei seinen Landsleuten erfreut[2], haben seine Illustrationen wesentlich dazu beigetragen, den Wert der Taylor’schen Übersetzung in deren Augen zu erhöhen. Sie wird deshalb jetzt mit fabelhaften Preisen bezahlt. Ist doch das erste der Brutonschen Exemplare in der Auktion vom 10. Juni 1897 mit 1680 Mark und das zweite mit 1340 Mark bezahlt worden. In einem neuen Kataloge von Pickering und Chatto: An illustrated Catalogue of old and rare books finde ich S. 81 zwei Exemplare zu £ 55 und 65 angesetzt.

Da es mir bei meinen bibliographischen Hülfsmitteln unmöglich ist, eine vollständige Liste der Originalausgaben der Übersetzung der Märchen von Taylor zu geben – sind sie doch nicht einmal in der Bibliothek des British Museum vollständig vorhanden[3] –, lasse ich hier das Katalog-Blatt abdrucken, auf dem die Brutonschen Exemplare verzeichnet waren. Wird doch dieser Katalog einem zukünftigen Bibliographen von Grimms Märchen leicht entgehen oder nur schwer auffindbar sein.

„No. 182 Grimm (M. M.) German Popular Stories, translated from the Kinder und Haus Märchen, collected by M. M. Grimm, 2 vol. First Edition. C. Baldwyn, 1823, and James Robins, 1826.

This is probably the finest copy extant of the most highly prized of all G. C’s. works. Vol. I is in the original illustrated boards. Vol. II is in the original cloth, with proof impressions of the plates on india paper – the ordinary copies of vol. II were issued in pink boards. Both vols. are wonderfully fresh and clean. An error on the vignette title of vol. I shows it to be of the earliest issue. The „a“ in Märchen is not modified but is printed Märchen, the error being corrected in the later issue of the first edition. It is unquestionably an earlier issue of vol. I than that in which the india plates appeared, as all the latter have the error corrected. The second state of the title page and also the title of the 1834 edition of vol. I are loosely inserted. Each vol. is enclosed in a brown morocco case, satin lined.

No. 183 Grimm. German Popular Stories, another copy, 2 vol. First Edition, in the original boards as issued, uncut; ib. 1823–26.

These vols. are in exceptionally fine condition, and vol. I is the earliest issue with the error on the vignette title.

No. 184 Grimm. German Popular Stories, vol. I only, second issue of first edition, with the error on title page corrected; ib. 1826.

In this later issue the list of plates on page 218 is omitted, and the note to the preface, page VII „We have another popular Song, etc.“ is placed first, whereas in the early issues it appears as the last note.

No. 185 Grimm. German Popular Stories, 2 vol. original cloth. I. Robins & Sherwood; Gilbert & Piper, 1834.

This edition was issued with transfers on stones from the original plate. The vols. are clean as when first issued.

[6] No. 186 Grimm. German Popular Stories with introduction by J. Ruskin, Large Paper, half roxburghe; J. C. Hotten, n. d.

No. 187 Grimm. German Popular Stories, Proof Etchings comprising a complete set on india paper, illustrating vol. I, together with duplicates of 9 of the etchings in early states including the vignette title before letters, being the only plate, in this state, known – Also a set of proofs on india paper in early states of the 10 etchings illustrating vol. II. The plates attached to hinged sunk mounts and handsomely bound in green morocco super extra, g. e. by Riviere. 1823–26.

The early states were from the artist’s own collection and are unique. Mr. Ruskin, writing of these etchings, says – „They are unrivalled in masterfulness of touch since Rembrandt – in some qualities of delincation unrivalled even by him“.

No. 188 Grimm. Vieux Contes pour l’Amusement des Grands et des Petits Enfans, ornés de 12 gravures comiques, half bound. Paris, A. Boulland, 1830.

This is „the impudent little Volume“ referred to by Hotten in the preface to his re-issue of Grimm and contains the copies by Tardieu (issued as his own production) of G. C’s. illustrations to the first series.“

Daß ich in diesem Zusammenhange den Brief Walter Scotts an Sir Edgar Taylor, von dem bisher nur einige Sätze veröffentlicht waren[4], und die Briefe G. Beneckes an denselben mitveröffentliche, wird man hoffentlich nicht überflüssig finden.

Das Original des Briefes von Walter Scott war schon zum Teil unleserlich geworden, so daß selbst die Besitzerin nicht alle Worte mehr entziffern konnte. Ich muß deshalb für die Lesung an einigen wenigen Stellen um Nachsicht bitten. – –


M. M. Grimm.     

 Gentlemen

Not knowing the precise addreß of either of you I trust the accompanying packet to a friendly band hoping it may reach you in safety.

It contains a copy of a little work consisting of translations (made by my friend Mr. Jardine lately a student at Gottingen and myself) from your volumes of Kinder und Hausmärchen, and we beg your acceptance of it as a small tribute of gratitude for the information and amusement afforded us by your entertaining work as well as by your other valuable productions.

In compiling our little volume we had the amusement of some [7] young friends principally in view, and were therefore compelled sometimes to conciliate local feelings and deviate a little from strict translation; but we believe that all these variations are recorded in the Notes which were hastily drawn with a view to show that our book had some little pretensions to literary consideration though deep research was out of plan.

In forming these notes you will see that we are eminently indebted to yourselves and to the article in the Quarterly Review by our friend and neighbour Mr. T. Cohen. –

I take the opportunity of adding to the parcel a little collection of our Nursery songs some of them of great antiquity and extensive currency. – And though the collection is done with no care it may perhaps have some interest in your eyes.

I have a great desire to publish here (with the aßistance of our engraver and designer Mr. Cruickshank to whose talents such a work would be very suitable) a translation of Reineke Vos, of which the English have no metrical version. – I am told that Dr. W. Soltau who translated our Hudibras into German, translated Reineke into English verse. – Now though as a foreigner his translation would require considerable revision, it might still save much labor and it would be a great favor to me if you could either from personal knowledge or through any Channel inform me where Soltau’s version is. – I do not even know whether he is alive, but I know that the version was offered to a London Bookseller who declined publishing it. – If it is in existence and could be obtained I should be glad to negotiate for it.

I am Gentlemen
with the highest respect
Your obedt serv.
Inner Temple
London 26th June 1823
Edgar Taylor.     

Rem: who is „Herr Korbes?“ – he has puzzled us greatly –


M. Edgar Taylor, to the care of David Jardine. Esq.     
London 
Guilford Street 
Russel Square. 

 Hochgeehrter Herr,

Für die Uebersetzung der Kinder und Hausmaerchen , die uns richtig zugekommen ist, sagen wir Ihnen den verbindlichsten Dank. Das Unternehmen an sich muß uns schon schmeichelhaft seyn, allein wir hoffen auch, daß es für die Sache selbst, das heißt für die Erforschung der lebendigen Sage von Nutzen seyn wird. Wenn naemlich Ihre Landsleute an dieser Art Poesie Geschmack finden, so regt das Buch wahrscheinlich irgend jemand auf, in aehnlicher Weise eine [8] Sammlung dort zu veranstalten. Hoffentlich findet sich auch im Lande noch ein und der andere Erzaehler, aus dessen Munde man die Ueberlieferung aufschreiben und ohne Zuthat ordnen kan. Waeren nur erst die Mabinogion gedruckt und in einer engl. Uebersetzung zugaenglich gemacht! wie sehr ist der Verlust der Handschrift von William Owen zu bedauern! Sollte denn kein anderer im Stande seyn, diese Lücke auszufüllen? Für die altgaelische Ueberlieferung wäre dann gesorgt und so reichhaltig diese seyn mag, uns liegt die Angelsaechsische naeher und für diese ist noch nichts geschehen. Beide Quellen, die sich auch wohl vermischt haben, müßten wohl gefaßt werden. Ihre Ubersetzung ist treu und liest sich gut. Sie haben hier und da etwas abgeschnitten, oder eine Kleinigkeit geaendert, das ist bei dem Zweck, den Sie im Auge haben, natürlich und kann auch, da der Stoff einmal gesichert ist, weiter keinen Nachtheil haben. Bei dem Auffaßen der Sage selbst, ist aber jede kritische Berührung schaedlich und verletzt irgend einen kleinen Zweig oder ein noch lebendiges Auge der Pflanze; auch sollte es nicht schwer fallen, die Lesearten des Originals zu vertheidigen. Die zugegebenen Kupfer sind ein eigener Vorzug Ihres Buches. Sie sind leicht und geistreich gearbeitet und dem Gegenstand angemessen. Bei uns wüßten wir in diesem Augenblick keinen Künstler, der ein aehnliches Geschick besaeße, dagegen hatte es der verstorbene Chodowiecki in Berlin in hohem Grade. Nur haetten wir gewünscht, daß Sie auch das Bild der Frau Viehmaennin, vor dem zweiten Bande, das an sich einen angenehmen Eindruck macht, Ihren Lesern mitgetheilt haetten. Sie haetten wohl gerne das Gesicht einer so klugen deutschen Baeuerin einmal angesehen.

Vielleicht ist Ihnen auch unsere Sammlung von „Deutschen Sagen“ zu Gesicht gekommen, von welcher zwei Baende in Berlin erschienen sind, welchen noch ein dritter folgen sollte. In Daenemark hat Herr Thiele etwas aehnliches mit Erfolg unternommen: sollte nicht auch in England etwas der Art können zu Stande gebracht werden? Haetten Sie nicht Lust dabei thaetig zu seyn und würde nicht unsere Sammlung anregend wirken, wenn Sie eine Probe daraus durch Übersetzung bekannt machten?

Für die beigelegte Sammlung von Kinderliedern sind wir Ihnen sehr verbunden; durch Ihre Zusaetze und Verbesserungen hat sie einen doppelten Werth erhalten. Sie war uns unbekannt und wir haben manches darin gefunden, was auch bei uns üblich ist, aber auch manches eigenthümliche und hübsche Stück.

Von einer Übersetzung des plattd. Reinecke Voss ins Englische durch Hn. Soltau haben wir nichts gehört, auch in keinem litterarischen Blatte etwas gelesen. Vermuthlich beruht die Angabe auf einem Irrthum, indem Soltau den plattdeutschen Reinecke (nicht Göthes Bearbeitung) ins hochdeutsche übersetzt hat; aber schon vor längerer Zeit. (1802)

Sie fragen noch in der Nachschrift was Herr Korbes in den Maerchen bedeute? Es heißt nichts mehr, als etwa Knecht Ruprecht, [9] oder der Butzemann, worunter man sich einen wilden oder strengen und harten Mann denkt, der bei seinem Erscheinen die Kinder in Angst jagt.

 Mit vollkommener Hochachtung

 Ew. Wohlgebornen


Caßel 25t Juni
     1823.
ergebenste D. D. 
Jacob und Wilhelm Grimm.     


M. M. Grimm.     

 Sirs,

It is so long since I was favored with your observations on the subject of the volume of German Popular stories which I had a share in translating, that I am almost afraid I come too late, though in truth I had hoped long e’er this to have been enabled to revive the subject in the manner I wished, namely in presenting you with the second volume, which I have prepared by myself and which I at length inclose. – I am afraid you will still think me sacrificing too much to the public taste, but in truth I began the work leß as an antiquarian Man as one who meant to amuse, and the literary taste for the subject came upon me only when I had got upon a plan which I could not well abandon in consistency. – You will see that I have been obliged to take two or three stories from other collections to make up my volume of the character I wished.

Has my vol. „Lays of the Minnesingers“ reached you – If it has I must bespeak a charitable judgment for that too. – It aims at nothing more than an introduction of the English reader to a subject, which would amply repay the labor of a more able hand. – But Germany should not complain of other countries when she is herself still deficient of a complete history of the literature etc. of the Suabian Aera.

I have some inclination to publish a volume or two of the popular stories of the middle ages in various countries of Europe, selecting those which are best known and most worth preserving in each – of course all translated and to a certain extent therefore a little retold. – I mean in this collection to take what we called here „Chapbooks“, and what you call Folks-books; many of which are as you are aware the romances of older times abridged – of course they would generally be longer than what come within the claß of child’s stories.

For instance I should give – Fortunatus Magelone – Faustus – Valentine and Orm (?) – Guy of Warwick – Owlglaß etc. –

Now these of an early date are not very easily to be got in a genuine state – Ours in England are rarely to be met with and it has struck me that probably those of them which either belong properly [10] to Germany or have been translated into and current in its language would probably be most correctly and most easily found in that language. – Can you tell me whether many of these are easily to be had and how a little collection of them (including perhaps 2 or 3 in a metrical form) could be got from Germany – Such for instance as Görres has given an account of in his little volume. –

I should be very thankful for being put in the way of getting what I want, and probably if these things be still current, they are to be got for a mere trifle so far as regards the cost.

I do not know whether you are in any habits of intercourse with M. Benecke – I should like to know whether a packet I sent him some little time ago with my „Minnesingers“ reached him. I had the curiosity when at Paris to take tracings or outlines of all the remarkable Illuminations of what is called the Maneß M.S. – They form a curious volume.

I ought to apologize for intruding upon you at so much length and am Your very obed. serv.

Temple,
London 24 Jan. 1826.
Edgar Taylor.     


Cassel in Hessen. 4t Aug.     
1826. 

Ich benutze die Gelegenheit die sich darbietet, Ihnen, hochgeehrtester Herr, unsern aufrichtigen Dank für die Übersetzung des zweiten Bandes der Märchen zu sagen, welche wir im Frühjahr richtig empfangen haben. Er schließt sich ganz dem ersten an und der Ausdruck scheint mir, wie dort, natürlich und angemessen. Die Auswahl ist Ihrem Plane gemäß, und die radierten Blätter sind leicht und geistreich behandelt. Während der Zeit ist auch von uns eine Auswahl der Märchen, als kleine, nur 50 Stück enthaltende Ausgabe bei Reimer in Berlin erschienen; sieben Bilder dabei nach Zeichnungen meines Jüngern Bruders, sind zwar in einer andern weniger humoristischen Manier, aber doch wie mir däucht, ganz artig. Ich nenne Ihnen diese Ausgabe bloß weil darin von einigen Märchen ein neuer und besserer Text ist geliefert worden.

Mit Vergnügen habe ich die Theilnahme gesehen, mit welcher der Herausgeber von Wartons Geschichte der englischen Poesie unsere Sammlung in seine Untersuchungen gezogen hat und wir sind im (sic) für manche erläuternde Bemerkung und Nachweisung Dank schuldig: neue Belege, wie solche Traditionen auch wissenschaftliche Betrachtungen fördern können.

Wir haben seitdem Hn. Crokers Fairy legends unter dem Titel: Irische Elfenmärchen übersetzt und eine eigene Abhandlung über das Wesen der Elfen überhaupt hinzugefügt, die, wie ich hoffe den Gegenstand von einer neuen Seite betrachtet und zu nicht unmerkwürdigen [11] Resultaten leitet. Ich bedauere sehr, keine Gelegenheit zu finden, mit welcher ich Ihnen das Buch zusenden kan, weil es vielleicht von einigem Interesse für Sie wäre.

Ihre Minnelieder habe ich noch nicht erhalten. Hr. Prof. Benecke hat mir indessen versprochen, sein Exemplar mitzutheilen. Sie besitzen die Bilder aus dem Pariser Codex, wollen Sie diese Schätze nicht bekannt machen? Sie würden einen schönen Beitrag zu der Bildungsgeschichte des Mittelalters liefern und ich besonders würde ihn sehr willkommen heißen.

Indem ich Ihren literarischen Arbeiten den besten Fortgang wünsche, empfehle ich mich und meinen Bruder Ihrem Andenken und bin mit aufrichtiger Hochachtung

Ew. Wohlgebornen 
ergebenster Dr 
Dr. Wilhelm Grimm 
Secretär der Kurfürstlichen Bibliothec.     


M. M. Grimm. Caßel.     

Edgar Taylor at the request of Mrs. Conybeare the widow of the original compiler of the accompanying volume, takes the opportunity afforded him of Miß Christie’s box going to Caßel to forward to M. M. Grimm the parcel committed to his care, of which Mrs. Conybeare requests their acceptance.

E. T. was happy in making the aequaintance, short as it was, of the Mr. Grimm who was in London this Summer and would be very glad either here or (if his good fortune should enable to make so long a Journey) at Caßel to extend the introduction to other members of a family on all accounts so much respected.

Temple 12 Oct. 1829.


 Dear Sir

Mr. C. P. Cooper (?), hearing I have an opportunity for sending a parcel requests me to enclose some books etc. from him, which, from disappointment in my means of conveyance have laid here some time.

I also enclose you a copy of my own „Book of Rights“; according to promise, made I believe in my name, by my sister in law Miß Christie: – and my relations „Glory of Regality“, he (Mr. Arthur Taylor, one of our learned Printers) begs me also to take the opportunity of enclosing.

I add to it for the same purpose a little pamphlet which particular circumstances have induced me lately to publish on the „History etc.“ of the English Presbyterians.

[12] It may be of some interest to the inquirers into theological parties in this Country.

With every respect and all good wishes 
I am Dear Sir 
Yours very obediently     
Edgar Taylor 
Bedford row - London     
23 July 1834. 

Allow me also, as one of the Anglo-Saxon Committee of our Antiquarian Society, to request your acceptance of a copy of Caedmon, our first fruits.


 Hochverehrter herr und freund,

ich bin auf das angenehmste durch Ihren gütigen brief vom 23 jul. überrascht worden, den ich erst am 2 sept. erhalten habe; eine ferienreise ist schuld, daß ich ihn erst heute beantworte. für die übersandten bücher erstatte ich in meinem und in unserer bibliothek namen herzlichen dank. sie sind sämtlich für mich und meine arbeiten von großem werth. Niemand kann sich aufrichtiger freuen, als ich, daß die angelsächsische literatur, nach langem schlummer, wieder in england auferwacht, nun werden die geringen forschungen, welche wir ausländer in der ferne haben anstellen können, schnell überboten und übertroffen sein.

gegenwärtig lasse ich eine deutsche mythologie drucken, es ist ein buch, das nach langem schifbruch endlich land gewinnen helfen soll; von einem eigentlichen anbau dieses landes ist aber noch nicht die rede.

mein bruder bereitet eine ausgabe des schönen spruchgedichts von Freidank.

empfangen Sie unser beider aufrichtigste begrüßung. mit wahrer hochachtung und freundschaft der Ihrige

Jac. Grimm.     

/ reed. 21 Octr. 1834 /


Brief Walter Scott’s an Edgar Taylor Esq.

Edinbg 16 January 1823.     

 Sir.

I have to return my best thanks for the very acceptable present your goodness has made me in your interesting volume of German tales and traditions. I have often wished to see such a work undertaken by a gentleman of taste sufficient to adapt the simplicity of the German narrative to our own, which you have done so successfully. When my family were at the happy age of being auditors of fairy [13] tales I have very often endeavoured to translate to them in such an ex tempore manner as I could and I was always gratified by the pleasure which the German fictions seemed to convey. In memory of which our old family cat still bears the foreign name of Hinze which so often occurs in these little narratives. In a great number of them tales I can perfectly remember the nursery stories of my childhood, some of them distinctly and others like the memory of a dream. Should you ever think of enlargening your very interesting notes I would with pleasure forward to you such of the tales as I remember. The Prince Paddock was for instance a legend well known to me where a princess is sent to fetch water in a sieve from the Well of the Worlds End succeeds by the advice of the frog who aids her on promise to become his bride.

Stop with moss and dugg with clay
And that will weize the water away

The frog comes to claim his bride and to tell the tale with effect the sort of plash which he makes in leaping on the floor ought to be imitated singing this nuptial ditty.

Open the door my hinny my heart
Open the door my ain wee thing
And mind the words that you and me spoke
Down in the meadow the well-spring.

In the same strain as the song of the little bird:

My mother me killed
My father me ate etc. etc.

Independently of the curious circumstance that such tales should be found existing in very different countries and languages which augurs a greater poverty of human invention than we would have expected there is also a sort of wild fairy interest in them which makes me think them fully better adapted to awaken the imagination and soften the heart of childhood than the good-boy stories which have been in later years composed for them. In the latter case their minds are as it were put into the stocks like their feet at the dancing school and the moral always consists in good moral conduct … being crowned with temporal success. Truth is I would not give one tear shed over Little Red Ridinghood for all the benefit to be derived from a hundred histories of Tommy Goodchild. Miss Edgeworth who has with great genius trod the more modern path is to be sure an exception from my utter dislike of these moral narrations but it [is] because they are really fitter for grown people than for childern. I must say however that I think the story of Simple Susan in particular quite inimitable. But Waste not, Want not, though a most ingenious tale is I fear – more apt to make a curmudgeon of a boy who has from nature a close cautious temper than to correct a careless idle destroyer of whip-cord. In a word I think the selfish tendencies will be soon enough acquired in this arithmetical age and [14] that to make the higher class of character our old wild fictions like our own simple music will have more effect in awakening the fancy and elevating the disposition than the colder and more elevated compositions of more clever authors and composers.

I am not acquainted with Basile’s collection but I have both editions of Straparola which I observe differ considerably – I could add a good deal but there is enough here to show that it is with sincere interest that I subscribe myself

Your Obliged Servant 
Walter Scott.     


Goettingen Apr. 2. 1824.     

 Hoch geehrter Herr,

Aus Ihrem Briefe vom 13. Febr. sehe ich, daß es Ihnen mit einer Reise nach Deutschland nicht besser geht als mir mit einer Reise nach England. Es freut mich aber zu hören, daß Sie mit unserer alten Sprache und mit den Büchern, die sich auf unsere mittel-hochdeutschen Dichter beziehen, so bekannt sind, daß Sie ohne weitere Beihülfe Ihrem Unternehmen gewachsen sind. Ohne Zweifel kennen Sie die Schriften meines Collegen Bouterwek über die Geschichte der Portugiesischen – Spanischen – Italienischen, Französischen, Deutschen, Englischen Poesie. Es sind sehr brauchbare, aus eigner Kenntniß hervor gegangene Arbeiten; – Zu den neuesten Erscheinungen gehört Hagen’s Ausg. des Tristan von Gotfrid von Strassburg etc. Der Text ist gut, und das Glossar besser als das bey dem Nibelungen Liede. Hr. v. d. Hagen hat unterdessen ein bißchen mehr gelernt; aber oberflächlich ist und bleibt er. Um die einzelnen Lieder in der von Bodmer herausgegebenen Pariser Sammlung (die Manessische Sammlung nenne ich sie nie, dieser Name beruht auf einem Irrthume, oder noch wahrscheinlicher auf einer „pia fraus“ des Herausgebers) richtig zu theilen, und critisch herzustellen, wo sie durch Schuld des Abschreibers verdorben sind, ist es erforderlich die Einrichtung der Strophe in Hinsicht auf Versmaß und Ordnung der Reime genau vor Augen zu haben. Jede Strophe eines Liedes, und eben so jeder einzelne dem Sonette zu vergleichende Spruch besteht aus drey Gliedern, den beiden Stollen, und dem Abgesange. Die ersten beiden müssen sich vollkommen gleich seyn; der Abgesang folgt seiner eigenen Regel. Für die Lieder ist nicht leicht dasselbe Versmaß zwey mahl gebraucht (daß die Strophen eines und desselben Liedes sich vollkommen gleich sind, versteht sich); aber für die Sprüche, die gewöhnlich didactischer Natur sind, hat jeder Dichter seine Lieblingsformen.

Unter den Bildern in der Pariser Handschrift ist manches merkwürdige und hübsche. Sie kennen und haben, wie ich sehe, die meisten die copiert sind. Hegi hat nur zwey bekannt gemacht, die Sie hierbey, als ein kleines Geschenk meines Freundes Jac. Grimm, [15] erhalten. Grimm schickt Ihnen zugleich seinen freundschaftlichen Gruß. Ein Bild, das nicht zu übersehen ist, steht in den von Bodmer herausgegebenen Proben der alten schwäbischen Poesie. Zuerich 1748? 8°. Sollten Sie dieses Buch nicht haben oder in London finden, so belieben Sie nur es mir zu melden, und ich will Ihnen das Bild durchzeichnen lassen.

Ich möchte sehr gern wissen, wie es mit den Papieren von Junius, die in der Bodleianischen Bibl. zu Oxford liegen sich verhält: ob darunter eine Abschrift oder eine alte Handschrift des Liedes auf Anno ist, und ob diese von dem Texte den Opitz herausgegeben hat abweicht; ferner ob die altdeutschen Uebersetzungen der Hymnen, von denen Hickes ein Paar herausgegeben hat, nicht mehr zu finden sind. Es müssen dieser Hymnen wenigstens 27 seyn. Sind sie verloren, so ist dieß ein sehr beklagenswerther Verlust; denn sie sind aus dem 8 Jahrhundert.

Es ist unbegreiflich daß in England so wenig für die noch ungedruckten Angelsaechsischen Werke geschieht. Ihr neuer angels. Grammatiker hätte sehr wohl gethan, wenn er Grimm und Rask durchgelesen hätte. Ohne gründliche Kenntniß der alt-deutschen Sprache ist für das Angels. kein Heil zu erwarten.

Bey Gelegenheit empfehlen Sie mich unserm guten Jardine. Ich hoffe bald wieder etwas von Ihnen zu hören und bin mit aufrichtiger Hochachtung Ihr

gehorsamster Diener
G. F. Benecke.     


Goettingen. Merz 1. 1826.     

 Hochgeschätzter Freund,

Sie sind so gütig gewesen, mir unter dem 9. Julius des vorigen Jahres, Ihre „Lays of the Minnesingers“ nebst einem höchst willkommenen Briefe zu übersenden. Ich habe das Packet aber erst Ende Oktobers erhalten, und dann gewartet auch meine Antwort Ihnen durch freundschaftliche Besorgung zu überschicken. Dies wird mein Stillschweigen entschuldigen. Empfangen Sie also jetzt meine zwar späte aber doch nicht minder herzliche Danksagung für Ihr gütiges Geschenk, und für so manches was ich aus Ihrem Buche gelernt habe. Ihre Uebersetzungen sind allerliebst. Daß eine Uebersetzung in Versen bisweilen verschönert, liegt in der Natur der Sache; eine ganz treue Nachbildung müßte unserm Zeitalter öfters allzu nüchtern erscheinen, und würde ganz den Zweck verfehlen auf diese Lieder aufmerksam zu machen. – Sie haben mit eignen Augen die Pariser Hs gesehen, und sind im Besitze treuer Copien aller der Bilder welche sie enthält. Dadurch haben Sie vor mir etwas voraus, um das ich Sie beneide. – Raynouard’s Urtheil über die deutschen Minnelieder – von denen er wahrscheinlich nicht eine Zeile versteht – ist, um es gelinde auszudrücken, ganz französisch. Ich wollte, Sie hätten ihn aufgefordert, [16] Ihnen nur eines von Walthers v. d. Vogelweide Liedern in einem Troubadour nachzuweisen. – Wenn Sie von der Parteylichkeit, die sich für Hadloup’s oft rohe und mittelmäßige Lieder zu zeigen scheint, einen Grund hernehmen, um die Maneß als die Urheber der jetzt in Paris befindlichen Sammlung anzusehen, so muß ich gestehen, daß dieser Grund so scharfsinnig aufgefunden ist, daß er mich wirklich in meinem Glauben etwas irre machte. Indessen scheinen mir doch immer noch Freher’s Briefe für meine Meinung zu entscheiden. – Es freut mich außerordentlich, daß Sie einen 2 Th. der Hausmärchen heraus geben. Diese Erzählungen gefallen mir in Ihrer Uebersetzung noch besser als im Deutschen; sie klingen kindlicher, naiver, gläubiger. Der Verfasser der „Irish legends“ und vollends Mr. Stewart haben viel von Ihnen zu lernen. – Der 2. Theil der Grammatik von Jacob Grimm ist fertig; das Buch bleibt für Jahrhunderte eine Meisterarbeit einzig in seiner Art. Möchte es doch einen Gelehrten in England wecken, darnach das Angelsaechsische zu studieren, und, so ausgerüstet, die noch in Ihren Bibliotheken versteckt liegenden Denkmahle dieser Sprache aufzusuchen und bekannt zu machen! – Wenn Sie meinen alten Freund Dr. Jardine sehen, so grüßen Sie ihn von mir, und sagen Sie ihm, ich rechne darauf, daß er bald nach Goettingen kommen und Sie mitbringen werde.

[Für die Mühe, die Sie Sich wegen der Handschr. von Junius gegeben haben, bin ich Ihnen unendlich verpflichtet. Daß die sogenannten frischen Hymnen in dem fol. Ms. pergamen. Nº 25 noch vorhanden sind, freut mich unaussprechlich. Ich muß sie haben, und zwar je eher je lieber. Sagen Sie also Hn. Francis Palgrave, daß ich ihn bey dem Worte nehme, und fest darauf rechne, daß er, „next Easter-manod“, wie er zu versprechen die Güte hatte, eine möglichst treue Abschrift für mich besorgen werde. Ich werde mit der größten Dankbarkeit die Kosten der Abschrift ersetzen, und wünschte sehr, wenn es nicht zu viel Umstände macht, auch ein Facsimile von einigen Zeilen zu erhalten. Damit ich alles auf dem sichersten Wege erhalte, so bitte ich Hn. Palgrave, das Packet, mit der Aufschrift „To Hofrath Benecke, for the library of the University of Goettingen“ an Sir Lewis Moeller oder an Dr. Noehden, British Museum, zu übergeben; denn meine Absicht ist, diese Hymnen auf unserer Universitaets-Bibliothek niederzulegen, und zugleich Ihre und Hn. Palgrave’s Verdienste um diese alten Denkmahle zu verewigen.]

Ich mache meinen gütigen Freunden allerdings sehr viel Mühe; aber die Sache liegt mir zu sehr am Herzen, als daß ich mich nicht über alle Bedenklichkeiten hinweg setzen sollte. Ich werde mich glücklich schätzen, wenn Sie mir Gelegenheit geben, Ihnen durch mehr als Worte die dankbare Ergebenheit zu beweisen, mit welcher ich die Ehre habe zu seyn

Ihr gehorsamster Diener 
George Benecke.     

  1. Brandl bei Erich Schmidt, Charakteristiken S. 244 u. f., auch bei Herzfeld S. 20.
  2. Von G. W. Reid erschien 1871 ein beschreibender Katalog der Werke G. Cs., die sich in der Bibliothek des British Museums finden, mit 313 Illustrationen. S. auch F. Marchmont, The Three Cruikshanks, London 1897.
  3. Die unten verzeichnete Ausgabe von Grimm, German Popular Stories 1834, befindet sich z. B. nicht dort, wie mir Herr Arthur S. Hunt freundlichst schreibt.
  4. „Einige Zeilen“ von ihm hat Edgar Taylor in seinem 1839 in London erschienenen: Gammer Grethel from Grimm and others, translated by Taylor abdrucken lassen. In den 1893 erschienenen Familiar-letters von Walter Scott befindet sich der Brief nicht. Beides nach freundlichen Mitteilungen von Herrn Arthur S. Hunt.