Topographia Sueviae: Buchaw

Topographia Germaniae
Buchaw (heute: Bad Buchau)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1643, S. 47–49.
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Buchau (Merian).jpg
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Buchaw /

Am Federsee / ein ReichsStättlein / zwo Meil von Biberach gelegen / wirdt durch zween Burgermeister / vnd einem StattAmman / neben dem Rath regiret: Vnd ist sonsten von diser Statt wenig zu schreiben / weiln deren Documenta vor alten Zeiten verbronnen: Hat aber / wie andere ReichsStätt / jhre Privilegia. Das Käyserliche Freyweltliche Gefürste Stifft allda / ist ein absonderlicher Standt deß Reichs; dessen Stiffts eintziger Protector, Schutz- vnnd Schirmherr die Römische Käyserliche Mayestat seyn: Inmassen dieselbe dero alle Superiorität in secularibus darüber lauter vorbehalten / vnd in eventum, doch allein auf Anruffen / auch allein vber die Cornellier Leut / vnd Güter / zu Käyserlichen Conservatorn / vnd Commissarien / vber disen Stifft verordnet / den H. Bischoffen zu Costantz / H. Praelaten zu Kempten / vnd einen Grafen zu Fürstenberg / Gegenwärtige / vnd Künfftige / doch mit diesem lauterm Anhang / vnd Vorbehalt / daß sich dieselbigen keiner weitern Gewaltsam / vber dieses Stifft / anmassen sollen. Vnter den letzten Frawen Aebtissin seyn gewesen: Erstlich / Fraw Barbara von Gundelfingen Anno 1497. erwöhlet / vnd Anno 1523. gestorben / so die Ringmawer vmb das Stifft erbawet. 2. Fraw Elisabeth von Hohen Geroltzegg / so 17. Jahr regiret / Anno 1540. gestorben. 3. Fraw Margretha Gräfin von Montfort / [48] Anno 1556. gestorben. 4. Fraw Maria Jacobe Freyin von Schwartzenberg / so 38. Jahr regirt / den Abtey-Baw geführet / auch die Capellen im Planckenthal von newem erbawet / ist gestorben Anno 1594. 5. Fraw Eleonora / Gräfin in Montfort / so gestorben den 25. May Anno 1610. 6. Fraw Catharina / Gräfin von Spaur / die zwey vnd zwantzigste Aebtissin von der ersten / Frawen Adelind / anzurechnen / so die Kirch zu Straßberg von newem erbawt. Juncker Frantz Streit von Immendingen / der Zeit Fürstlicher Hoffmeister zu Buchaw / etc. hat die Contrafactur; vnd Herr Samuel Hafenreffer / Philos. & Medicinae Doctor, etc. die Beschreibung communicirt.

Es ist bey Biberach / zun Zeiten Caroli M. ein grosse Schlacht mit den Vngarn geschehen / darinn Graf Otho von Kesselburg / der Adelindis, Käyserin Hildegardis Schwester / Mann / mit drey Söhnen vmbkommen / vnnd die Wahlstatt hernach das Planckthal / oder Vailis planctus genandt; das Schloß Kesselburg von den Hunen verbrandt / vnd die Graffschafft forthin Warthausen geheissen / das Kloster allhie zu Buchaw / von besagter Adelinde gestifftet / vnd sie die erste Aebtissin daselbst worden ist. Sie war Hertzog Hildebrands in Schwaben Tochter / jhr Fest wird jährlich den 28. Augusti begangen / vnd den Inheimischen vnnd Frembden schönes Brod außgetheilet / so die gemeine Leuth S. Ederlins Brodt nennen. Es werden in dieses freyes / vnnd weltlich Fürstliches Stifft nur Gräfin / vnd Freyfräwlin genommen / so sich / ausser der Aebtissin / verheurathen mögen. Bruschius de Monaster. German. Crusius in Annal. Suev. Reusnerus de Urbib. Imp. & Dresserus de Urb. Germaniae.

Der Frawen Aebtissin / Monatlicher Reichs Anschlag ist / 2. zu Roß / vnd 6. zu Fuß / oder 48. Gulden / deß Stättleins aber absonderlich 8. Gulden / oder 2. zu Fuß / zum CammerGericht zu Speyer gibt das Stifft / nach dem erhöchten Anschlag / Jährlich 75. Gulden / vnnd das ReichsStättlein / wie ich in einer geschriebenen Verzeichnuß gefunden / 10. Gulden. Das Amman Ampt dieses Stättleins hat etwan denen von Helffenstein gehört; wie Besoldus in Thes. pr. voc. ReichsStatt / pag. 679. a. berichtet. Von der Stiffterin deß erwehnten Gottshauses / oder Collegii, ist auch Raderus vol. 2. Bavariae Sanctae, in jhrem Leben / wie auch in der Histori deß H. Udalrici. Bischoffs zu Losana, zu lesen / welcher darfür hält / daß jre / der H. Adelindis, Söhne / erst An. 901. erschlagen worden / vnd sie daher der Käyserin Hildegard Schwester nicht gewesen seye. So erzehlet auch Andreas Brunner. Tomo 2. Annal. Boicorum li 7. p. 348. seqq. (gleichwol etwas zweiffelhaffts) auß Hermanno, die im Text angedeute Sach / vnd sagt / dz erst vmbs Jahr 901. deß Grafen von Attonis, vnd der Adelindae, Söhn / Beringerus, Reginolfus, vnnd Gerhardus, (weil sie jhre Schwester Adelind / auß dem / durch jhre Mutter / die gedachte Adelind / den H. Cornelio, vnd Cypriano, zu Ehren / erbawtem Closter Buchaw deß Willens / sie zuverheurathen / genommen / ) von jhren abgesagten Feinden / im Abzug vom Closter / vmbgebracht worden; die Jungfraw aber wider zuruck ins Closter kommen / vnd demselben von der Mutter vorgesetzt worden sey. Vnd schreibt im Beschluß also Reliquam Bruschii narrationem, ex anilib. consarcinatam Somniis, neque huc transcribere, neq; refellere animus est, ne cuiquam tam charas fabulas, quibus etiam sacrorum domiciliorum cunabula augustiora reddere Majores nostri conati sunt, invidiste videamur. In einer geschriebenen Verzeichnuß stehet / daß das Closter ein Dorff / vnd 3. oder 4. Weyler habe / vnd nicht sonderlich vermöglich seye. Anderswo aber wird gesagt / es habe dieser Stifft zu Mittel-Bibrach (so nahend Bibrach gelegen / vnnd Schädisch ist) einen Meyerhoff / vnd Anno 1640. seine Leibeigne Leuth mehrertheils vnder frembden Herrschafften gehabt. Sihe von der oberwehnten Stifftung / vnnd den Gefürsten Aebtissinnen allhie / auch Crusium part. I. Annal. lib. II. p. 308. seq. In dem 6. Tomo Theatri Europaei stehet / daß Anno 1647. allhie / (so eine Meil Wegs von Biberach gelegen seye / ) den zwölfften Mertzen / Abends vmb sieben Vhr / ein halbe Stundt lang / Fewer / so klein wie Regen / [49] vom Himmel gefallen seye / daß die Schiffer auff dem See vermeynt / sie würden mit den Ihrigen verbrennen.