RE:Iulius 137

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band X,1 (1918), Sp. 434–435
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137) Drusus Iulius Caesar (Prosop. imp. Rom. II 177 nr. 145. Bernoulli Röm. Ikonogr, II 1, 252), der zweite Sohn des Germanicus und der älteren Agrippina, war geboren im J. 761 = 8 oder vielleicht vor der Katastrophe des Agrippa Postumus (Mommsen bei Wilmanns Exempla I p. 279 nr. 19). Er trug den Namen seines leiblichen Großvaters; auch Germanicus wird er gelegentlich genannt. Als Kind teilte er das Schicksal seines älteren Bruders Nero, auf den im allgemeinen zu verweisen ist (s. den Bogen von Pavia und den Triumph des Germanicus usw.). Auch die Männertoga erhielt er Anfang 28 n. Chr. (Tac. ann. IV 3) im gleichen Lebensalter und unter denselben Feierlichkeiten wie Nero, mit dem er dem Senate vom Tiberius vorgestellt wurde. Die Priestertümer der Brüder waren ungefähr die gleichen; später aber trennten sich ihre Wege.

Recht sprechen durfte er zum ersten Male als Stadtpräfekt während des Latinerfestes des J. 25 n. Chr. (Wilmanns Exempla 891. Jullian Inscr. de Bordeaux p. 91. Tac. ann. IV 36). Noch ganz jung verlobte er sich mit einer Schwester des späteren Kaisers Otho, die aber sehr früh starb (Suet. Otho 1), und heiratete dann später die Aemilia Lepida (Tac. ann. VI 40).

Das Verhältnis zwischen dem Drusus und seinem Bruder Nero hatte sich inzwischen bedeutend verschlechtert; der jüngere Bruder haßte und beneidete den älteren, der zugleich der Liebling der Agrippina war. Als daher die Katastrophe über das Haus des Germanicus hereinbrach, machte Drusus, um seine Person zu retten, gemeinsame Sache mit dem Todfeind seines Hauses, Seianus (Tac. ann. IV 60). Zunächst wurde er also nicht verwickelt in den Sturz der Agrippina und des Nero. Als dann aber Seian sein nächstes Ziel erreicht hatte, setzte er seine Angriffe fort gegen alles, was ihm im Wege stand. Nach dem Tode des Nero wurde Drusus als Thronfolger angesehen; dieser mußte also beseitigt werden, und nun verband sich Seian mit dessen Gemahlin Aemilia Lepida (Tac. ann. VI 40. Cass. Dio LVIII 3), die ihm jede Äußerung und Handlung des Drusus verriet. Drusus wurde wie einst Nero vor dem Senat angeklagt und verurteilt. Man hielt ihn gefangen in den unterirdischen Räumen des Palatium, und wenn er einmal an das Licht zurückkehrte, war er in Ketten geschlossen, seine Sänfte vernäht und Soldaten hielten das Volk fern (Suet. Tiber. 64). Dennoch rechnete der Kaiser noch eventuell auf seine Unterstützung; er fürchtete nämlich beim Sturz des Seian bewaffneten Widerstand und für den Fall hatte er dem Macro Auftrag gegeben, den Drusus zu befreien und als Vertreter des Kaisers dem Volke zeigen (Suet. Tiber. 65. Tac. ann. VI 23). Aber die Voraussetzung traf nicht zu; auch vom Sturz des Seian hatte er keinen Vorteil. Die Haft des Prinzen wurde immer enger, schließlich erhielt er gar keine Speisen mehr; er zerschnitt die Kissen seines Zimmers und versuchte von ihrer Füllung zu leben (Tac. ann. VI 23. Suet Tiber. 51. 61), natürlich vergebens; er starb im J. 33. Seine Asche wurde zerstreut; aber fern von Rom in einem Alpendorf [435] errichtete man ihm ein Kenotaphium (CIL V 4953) dis manibus | Drusi Caesaris Germ.

Als Caligula, der jüngste Sohn des Germanicus, Kaiser wurde, suchte er das Andenken seiner Brüder Nero und Drusus herzustellen; er prägte Münzen zu ihren Ehren s. Eckhel D. N. VI 217. Cohen 1 p. 234 und ließ ihnen Bildsäulen errichten durch den späteren Kaiser Claudius (Suet. Claud. 9).

Über einen falschen Drusus, der schon im J. 31 auftrat, s. Tac. ann. V 10. Eine Inschrift von Sardes CIG 3452 ist fälschlich auf ihn bezogen.