Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band V,2 (1905), Sp. 18681869
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Duvius. L. Duvius Avitus, Legat in Germania inferior in den J. 57 und 58 n. Chr. Er stammt wahrscheinlich aus Vasio (Vaison) in der Civitas Vocontiorum, wenn sich, was nicht zu bezweifeln sein wird, CIL XII 1354 und wohl auch XII 1408 auf ihn und XII 1378 (samt add.) auf seine Gattin bezieht. Aus seiner Laufbahn kennen wir seine Praetur (nur aus XII 1408), seine darauffolgende Legation in Aquitanien, die uns Plinius n. h. XXXIV 47 bezeugt und die um 54 fallen muss, sein Consulat (CIL X 826. XII 1378 add. Tab. cerat. Pomp. nr. 13–17; vgl. Mommsen Herm. XII 128. 133), das er als Suffectus gegen Ende des J. 56 (wahrscheinlich nur Nov. Dec.) zusammen mit P. Clodius Thrasea Paetus bekleidet hat, CIL XII 1408 nennt auch das Augurat. Seine darauffolgende Wirksamkeit in Germania inferior giebt uns Tac. ann. XIII 54–56 (vgl. auch XII 1408). Er ist damals im Verlaufe des J. 57 (vgl. Ritterling Westd. Ztschr. XIII 29) Nachfolger des Pompeius Paulinus geworden. Regere militärische Thätigkeit als seine Vorgänger entwickelte er, als ein Teil der freien Friesen den unbewohnten, nur Militärzwecken dienenden Streifen Landes rechts des Rheines zu besiedeln suchten, den in früherer Zeit Chamaver, Tubanten und Usiper innegehabt; D. zwang sie mit seiner Reiterei das Gebiet zu verlassen, nachdem ihre Führer Verritus und Malorix vergebens bei Nero in Rom um die Erlaubnis zum Bleiben gebeten hatten. Kurz darauf besetzten dasselbe Gebiet die Ampsivarier, von den Chauken gedrängt. Auch diesmal musste der römische Legat eine Intervention, und zwar die des Boiocalus, ablehnen. Darauf warben die Ampsivarier zu einem grossen Bunde gegen die Römer, so dass auch der obergermanische Legat zu gemeinsamem Vorgehen herangezogen werden musste. Während dieser, Curtilius Mancia, den Rhein weiter aufwärts überschritt, um sie im Rücken zu fassen, rückte D. rasch bei den Tencterern und Bructerern ein und zwang sie durch die Drohung vollständiger Ausrottung, die Ampsivarier ihrem Schicksale zu überlassen. Aus [1869] dem besetzten Gebiete von D. vertrieben, werden diese in der Folge fast gänzlich aufgerieben. In die Zeit von D.s Commando fällt wohl auch der Heide- oder Waldbrand, der Kölns Umgebung einäscherte (Tac. ann. XIII 57). Über die Möglichkeit persönlicher Beziehungen zwischen D. und Plinius vgl. Münzer Bonn. Jahrb. 1899, 82f.