Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Etrur. Stadt = Arezzo
Band II,1 (1895) Sp. 12271228
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Arretium (Ἀρρήτιον, stets mit doppeltem r; Einwohner Arretinus, Ἀρρητῖνος), Stadt in Etrurien, im oberen Arnothal (Strab. V 222. Tibull. IV 8, 4), in fester Lage. Die Stadt war schon in etruskischer Zeit blühend und mächtig, sie gehörte ohne Zweifel zu den zwölf Bundesstädten (Müller-Deecke Etrusk. II 321; etruskische Inschriften bei Pauli CIE 371–434; über die Reste Dennis Cities and cemeteries of Etruria II 379–394. Gamurrini Ann. d. Inst. 1872, 270–293). Unter den Lucumonengeschlechtern wird besonders genannt das der Cilnii (Liv. X 3, 2. Sil. Ital. V 122); dass C. Maecenas (der aber nie selbst das Gentilicium Cilnius geführt hat, s. Bormann Var. observationes de antiq. Romana, Progr. Marburg 1883, 2f.) irgendwie seinen Stammbaum an dasselbe knüpfte, wird wahrscheinlich aus der scherzhaften Anrede des Augustus laser Arretinum, Cilniorum smaragde (Macrob. S. II 4, 12); die Identificierung des Namens Cilnius mit dem etruskischen auf Inschriften aus der Nähe von Arezzo vorkommenden Namen Cvelne oder Cvenle (Pauli CIE 214–246) ist unsicher (Deecke zu Müller I 208). Schon bei dem angeblichen etruskischen Hülfszuge für die vertriebenen Tarquinier (Dionys. ant. III 51) erscheint A. neben Clusium Volaterrae Rusellae Vetulonia als eine der führenden Städte. Die nächsten Erwähnungen zeigen die Stadt als mächtige Gegnerin Roms um die Wende des 4. und 3. Jhdts. v. Chr. (Liv. IX 32. 37. X 3. 37. Diod. XX 35, 5), bald darauf aber hülfesuchend gegen gallische Angriffe (Polyb. II 19, 7 zum J. 285 v. Chr., vgl. II 16, 2). Bei A. wurde im J. 225 die gallische Invasion vom Consul Atilius zurückgeschlagen (Oros. IV 13, 8). Im hannibalischen Kriege bildet es einen wichtigen Stützpunkt der Römer (Polyb. III 77. 80. Cic. de div. I 77. Liv. XXII 2. 3. XXVII 21. 24. XXVIII 45. 46; vgl. noch XXXI 21). Im J. 187 wurde die Via Clodia von A. bis Bononia verlängert (Liv. XXXIX 2, 6); aus der Zwischenzeit bis zum Bürgerkriege haben wir nur die Erwähnung einiger Prodigien (Obseq. 44. 49. 52. 53. 54. Oros. V 18, 4). Da die Stadt Partei für Marius ergriffen hatte (Appian. b. c. I 91), wurde sie von Sulla an Bürgerrecht und Gebiet gestraft (Cic. pro Caecina 97; ad Att. I 19, 4); damals scheinen zu der früheren Bürgerschaft, die nun als Arretini veteres bezeichnet wird, sullanische Colonisten, Arretini Fidentiores genannt, hinzugefügt worden zu sein (Plin. III 52–54; Ziegelinschrift publ. von Joh. Schmidt Bull. d. Inst. 1879, 166. CIL XI 1849). Eine dritte Abteilung, die Arretini Iulienses, scheint der Dictator Caesar deduciert zu haben, wogegen die Angabe des Liber coloniarum 215 Lachm. colonia Arretina lege Augustea censita keinen Glauben verdient. Die Arretiner sollen nach Cicero pro Murena 49 ein starkes Contingent zu den Banden des Catilina gestellt haben. Auch in den caesarischen Kriegen wird A. öfters erwähnt (Caesar b. c. I 11. Cic. [1228] ad fam. XVI 12. 2. Appian. b. c. III 42). In der Kaiserzeit war es Colonie und gehörte zur Tribus Pomptina (Kubitschek Imperium Romanum tributim discriptum 81); zahlreiche Soldaten, besonders der hauptstädtischen Garde, stammen daher (Bohn Eph. epigr. V p. 252). Das Stadtgebiet reichte östlich bis zum Tiber (Plin. III 53; über die Abgrenzung vgl. Pauli CIE p. 59). Die Fruchtbarkeit des Terrains (Wein- und Weizenbau, Plin. XIV 36. XVIII 87; vgl. CIL X 8056, 1; Steinbrüche, Bauholz für Schiffe, Strab. V 223) machten die Stadt wohlhabend; nicht minder die grossartige Thonwarenindustrie (Plin. XXXV 160. Mart. I 54, 6. XIV 98, 1. Isid. orig. XX 4; vgl. die Anrede iaspis figulorum an Maecenas bei Macrob. S. II 4, 12); die Fabriken der Annii, Perennii, Memmii, Rasinii, Umbricii, wie es scheint hauptsächlich zwischen 150–80 v. Chr. blühend. Die Stärke der aus thönernen lateres bestehenden Mauern rühmen Vitruv II 8, 9 und Plinius XXXV 173 (vgl. Gamurrini Not. d. scavi 1883, 264; aber auch zahlreiche Reste von Quadermauern der antiken Stadtbefestigung erhalten, Gamurrini a. a. O. und Notiz. 1887, 437). Zahlreich sind die Funde roten Thongeschirres, mit Reliefs zum Teil von hohem künstlerischem Werte (Fabbroni Storia dei vasi fittili Arretini, Arezzo 1841. Gamurini Iscrizioni di vasi Arretini, Rom 1859, und Notizie degli scavi 1878, 329–336. 1883, 265–269. 1884, 369–380. 1887, 438f. 1890, 63–72. 1892, 338–342. 375f. Müller-Deecke I 230. II 245). Erwähnt wird A. von den Geographen (Strab. V 222. 226. Plin. a. a. O. Ptolem. III 1, 48. Steph. Byz.) und Itinerarien (Ant. 285. Tab. Peut.); gelegentlich noch von Corn. Nepos Attic. 14, 3. Sil. Ital. V 122. Persius I 129. Lateinische Inschriften aus A. CIL XI 1820–1902 (mit Bormanns Einleitung p. 335f.).

Nachträge und Berichtigungen

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Band S I (1903) Sp. 140 (EL)
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S. 1227, 8 zum Art. Arretium:

Neue Ausgrabungen in und bei Arezzo haben wiederum zahlreiche Fragmente schöner Thonwaren zu Tage gefördert, s. Not. d. scavi 1893, 138. 1894, 93. 117. 1896, 453. Andere Funde Not. d. scavi 1895, 70. 72. 223. 1896, 220. 1898, 238. Zur Litteratur vgl. Mau Katalog d. röm. Institutsbibliothek I 99.

Über die Thonwarenindustrie im alten Arezzo vgl. Dragendorff Bonn. Jahrb. XCVI–XCVII 39ff. CIII 87ff. Ihm ebd. CII 106ff., CIL XI p. 1081f. Zu den Zeugnissen wäre nachzutragen eine Stelle im sog. Plinius Valerianus (Medicina Plinii, edit. Rom. 1509) I cap. 36 lucernam Arretinam (so von Paucker emendiert aus aritinam) novam implebis sale u. s. w. Vgl. den Artikel Arretium im Thes. ling. lat.

[Ihm.]