BLKÖ:Wutka, Antonie

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 59 (1890), ab Seite: 31. (Quelle)
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Wutka, Antonie (Erzieherin und Jugendschriftstellerin, geb. in Wien 7. September 1763, gest. daselbst 5. Jänner 1824). Die Tochter eines k. k. Beamten, die im Alter von sechs Jahren mit noch fünf anderen Geschwistern innerhalb dreier Wochen beide Eltern verlor und als Waise eine höchst mangelhafte Erziehung genoß, mit Nahrungssorgen zu kämpfen hatte und noch dazu als weibliches Wesen jener körperlichen Reize entbehrte, die so oft in der Welt als einziger Empfehlungsbrief dienen. Aber im Drange nach Kenntnissen bildete sie sich selbst weiter, worin ihr Freiherr von Retzer behilflich war. 21 Jahre alt, fand sie mit ihren geringen Mitteln als Kostgängerin Aufnahme im Ursulinerinenkloster zu Laibach. Aber schon nach einem Jahre erschien jene Verordnung Kaiser Josephs, welche allen Personen weiblichen Geschlechtes, die über 20 Jahre alt waren, den Privataufenthalt in Klöstern untersagte. Da es eben zu jener Zeit mit dem weiblichen Unterrichte im Ursulinerinenkloster, nicht am besten bestellt war, bot sie sich demselben als Gehilfin im weltlichen Stande für die Kostschule an, und von dem bekannten krainischen Geschichtsschreiber Anton Linhart unterstützt, erhielt sie die Erlaubniß, als Lehrerin der Erziehungsschule im Kloster bleiben zu dürfen. Drei Jahre hatte sie in verdienstlichster Weise daselbst gewirkt, als die in so vielen Klöstern herrschenden Ränke und Zwistigkeiten ihr den ferneren Aufenthalt im Ursulinerinenkloster verleideten, [32] sie dasselbe verließ und zunächst die Privaterziehung einiger Mädchen in Laibach übernahm. Dann folgte sie einem Antrage, eine Mädchenkostschule in Klagenfurt zu errichten, aber der Einfall der Franzosen in Kärnthen verdrängte sie auch aus diesem Lande, und sie kehrte nun wieder nach Wien zurück. In ziemlich kümmerlichen Verhältnissen lebte sie abwechselnd in Prag, Znaim und zuletzt in Wien. Schon als Lehrerin in der Klosterschule hatte sie sich überzeugt, welche spärlichen literarischen Hilfsmittel für weibliche Erziehung damals vorhanden waren, und verfaßte nun zunächst zu eigenen Zwecken eine Art weiblicher Encyklopädie, worin sie alle Gebiete der Erziehung zunächst im Hinblick auf das weibliche Geschlecht bearbeitete: Religion, Moral, die Bibel, die Weltgeschichte, die Geographie und Statistik, die Mythologie und Naturgeschichte nach den besten damals vorhandenen Werken von Schröckh, Fabri, Moritz, Ramler, Funke und Anderen. Der Zufall brachte Theile ihrer Arbeit zur Kenntniß eines Pädagogen, der sie dann beredete, das Ganze durch den Druck zu veröffentlichen. In der That fanden schon die ersten Bände an maßgebender Stelle solche Würdigung, daß Seine Majestät der Kaiser die Verfasserin zum Zeichen Seines Wohlgefallens mit 100 Ducaten belohnte. So gedieh diese „Encyklopädie für die weibliche Jugend“ zu der stattlichen Zahl von 12 Bänden, welche 1802 in Prag begonnen und 1812–1815 in Wien vollendet wurde. Antonie Wutka ist eine jener stillen Dulderinen, die in der Schule des Unglücks nur zu erstarken scheinen und nicht weniger unsere Achtung und Bewunderung in Anspruch nehmen als jene Glücklichen, denen es vergönnt ist, gleich glänzenden Meteoren auf der Höhe des Lebens ihrem Berufe zu folgen. Antonie Wutka’s Werk ist das erste in seiner Art und ein Vorläufer des nachmaligen von Herloßsohn herausgegebenen zehnbändigen „Damen-Conversationslexikons“, das auch, längst von der Zeit überholt, einer neuen Auflage bedarf, welche, von einem gewandten Encyklopädisten geleitet, von gründlich und vielseitig gebildeten Frauen bearbeitet, einem dringenden Bedürfniß abhelfen würde.

Erneuerte vaterländische Blätter (Wien 1817) Intelligenzblatt Nr. 62. – Czikann (Joh. Jac. Heinrich). Die lebenden Schriftsteller Mährens. Ein literarischer Versuch (Brünn 1812, J. G. Traßler, 8°.) S. 200 bis 211. – Realis, Curiositäten-und Memorabilien-Lexikon von Wien. Herausgegeben von Anton Köhler (Wien 1846, Lex.-8°.) Bd. II, S. 421. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. VI, S. 209. – (Schwaldopler). Historisches Taschenbuch. Mit besonderer Hinsicht auf die österreichischen Staaten (Wien, Anton Doll, 8°.) II. Jahrgang, Geschichte des Jahres 1802, S. 173; IV. Jahrgang. Geschichte des Jahres 1804, S. 163. – Schindel (C. W. O. Aug. v.). Die deutschen Schriftstellerinen des neunzehnten Jahrhunderts (Leipzig 1825, Brockhaus, 12°.) Bd. II, S. 462 u. f.