BLKÖ:Schwaldopler, Johann

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 32 (1876), ab Seite: 270. (Quelle)
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Schwaldopler, Johann (Schriftsteller, geb. zu Wien 23. Mai 1777, gest. ebenda 12. Februar 1808). Der Sohn mittelloser Bürgersleute, welche für die Erziehung desselben nur wenig thun konnten, daher er von früher Jugend an in diesem Puncte meist auf sich selbst angewiesen war. Talente und Fleiß halfen ihm auch vorwärts, und um sich und den Seinigen eine bessere Existenz zu bereiten, eröffnete er sich in noch jugendlichem Alter mit literarischen Arbeiten eine freilich spärlich fließende Erwerbsquelle. Auch waren diese in so jungen Jahren und um das tägliche Brot geschriebenen, meist dem Felde der Romantik entkeimten Arbeiten nichts weniger als mustergiltig, und doch zählten dieselben, wie z. B. seine „Erstlinge“, „Raphael“ u. s. w., zu den besseren Erzeugnissen der damaligen Unterhaltungsliteratur, und die freundliche Aufnahme, die ihnen ward, ermunterte den Verfasser, auf dem betretenen Gebiete weiter zu schreiten. Nach vollendeten Studien suchte S. sein Unterkommen im Staatsdienste zu finden und trat bei dem k. k. Hofkriegsrathe in denselben. Er rückte zur bescheidenen Stelle eines Concepts-Adjuncten vor und würde wohl auf der bekannten hierarchischen Stufenleiter der Anciennität weiter geklettert sein, aber ein früher Tod, im Alter von erst 31 Jahren, enthob ihn dieser Mühe und entriß der Literatur eine Kraft, die durch Talente, Kenntnisse und Arbeitslust berufen war, Treffliches zu leisten. Die Titel seiner Schriften sind (die mit einem * bezeichneten Schriften erschienen anonym): *„Das Waldmädchen; ein Naturgemälde“ (Wien 1799; 2. Aufl. 1802, A. Doll. 8°.); – „Erstlinge“ (drei kleine Romane) (Wien 1800 [Liebeskind in Leipzig], 8°.); – *„Raphael, Briefe aus dem jetzigen französischen Kriege. Seitenstück zum Donamare von Bouterweck“, 2 Theile (Wien 1800; 2. Aufl. 1808, A. Doll, 8°.); – „Lieder (?) der Lindenstein’schen Familie“. 2 Theile (Wien 1801, 8°.); – „Geschichte des 19. Jahrhunderts. Mit besonderer Hinsicht auf die österreichischen Staaten“, 4 Bde. (Wien 1801–1804, Doll, 8°., mit K. K.); auch unter dem Titel: „Historisches Taschenbuch. Mit besonderer Hinsicht auf die österreichischen Staaten“, I.–IV. Jahrgang, Geschichte des Jahres 1801 bis 1804 (2. Aufl., ebd. 1808); – *„Tranquilla. Gemälde aus Italiens sanftem Himmel“ (Wien 1801, A. Doll, 8°.); – *„Die Königin der schwarzen Inseln. Romantische Zauberoper in 2 Acten. Nach Wieland frei bearbeitet“ (Wien 1801, Wallishausser, 8°.); – „Bemerkungen über die Schrift des Herrn von Kotzebue über meinen Aufenthalt in Wien“ (Wien 1802, 8°.); – *„Der arme Flötenspieler“ [271] (ebd. 1802 [Leipzig, Liebeskind], 8°.); – *„Das stille Dörfchen, ein Abendgemälde“ (Leipzig 1802, Liebeskind, 8°.), die zweite Auflage erschien unter dem Titel: „Gräfin Rosa“ (Wien 1808, A. Doll, 8°.); – „Blumen des Guten, Schönen und Wahren, zur Erheiterung in Stürmen des Lebens und zu Denkschriften in Stammbüchern“ (Leipzig 1805; 2. Auflage 1810: 3. Aufl. Pesth 1815, 8°.); – „Ueber Friedrich von Schiller und seine poetischen Werke“ (Wien 1806, Doll, mit K. K., 8°.); – „Handbuch der deutschen Dicht- und Redekunst, aus Beispielen entwickelt“, 2 Theile (Wien 1806, A. Doll, gr. 8°.; 2. Aufl. 1817), dieses erschien unter dem Pseudonym, K. L. Schaller. Außerdem übersetzte er Marc. Aug. Pictet’s „Reise durch England, Schottland und Irland aus dem Französischen“ (Wien 1804, A. Doll, mit Kupf. u. Karten); And. Grasset de Saint Sauveur’s, „Reise in den Balearischen und Pithinsischen Inseln“ (ebd. 1803, Doll, mit K. K. u. Karten, 8°.); übersetzte und bearbeitete P. Blanchard’s „Neuen Plutarch“, 4 Bde. (Wien 1807, 8°., mit K. K.). Auch floß größtentheils aus seiner Feder die unter dem Namen von Schütz herausgegebene „Allgemeine Weltgeschichte für denkende und gebildete Leser nach Eichhorn, Galetti und Remer“, 8 Bände (Wien 1805 u. 1806; 2. Aufl. 1810; 3. Aufl. 1812. Anton Doll, mit K. K. u. Karten, gr. 8°.). Schwaldopler zählt zu dem Schriftstellerkreise Sartori, Schultes, Glatz und fand in dem ihm befreundeten und unternehmungslustigen Anton Doll einen wohlwollenden und bereitwilligen Verleger seiner Schriften. Die unter dem Autornamen Schütz erschienene Weltgeschichte ist wohl nichts mehr als eine geschickte Compilation, hingegen erhebt er sich in seinem „Historischen Taschenbuche“ bereits auf einen höheren Standpunct und es wäre zu wünschen, daß dieses Jahrbuch bis auf die Gegenwart fortgesetzt worden wäre, wir würden nicht über den Kaiserstaat, namentlich über seine vormärzliche Periode, so im Dunkeln tappen, wie es leider der Fall ist. Sein Buch über Schiller gehört zu den besseren Schriften über den großen Dichter und ist für die bei Katharina Gräffer in Wien 1810 erschienene Biographie Schiller’s weidlich geplündert worden.

Goedeke (Karl), Grundriß zur Geschichte der deutschen Dichtung. Aus den Quellen (Hannover 1859 u. f., L. Ehlermann, 8°.) Bd. III, S. 166, Nr. 274. – Vaterländische Blätter für den österreichischen Kaiserstaat (Wien, 4°.) Jahrg. 1808, S. 32. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1837, 8°) Bd. IV, S. 610. – Annalen der österreichischen Literatur. Herausgegeben von einer Gesellschaft inländischer Gelehrter (Wien, A. Doll, 4°.) 1802, Intellig.-Bl. Juni, S. 56. – Kehrein (Joseph), Biographisch-literarisches Lexikon der katholischen deutschen Dichter, Volks- und Jugendschriftsteller im 19. Jahrhunderte (Zürch, Stuttgart, Würzburg 1871, L. Wörl, gr. 8°.) Bd. II, S. 138. – Baur (Samuel), Allgemeines historisch-biographisch-literarisches Handwörterbuch aller merkwürdigen Personen, die in dem ersten Jahrzehend des neunzehnten Jahrhunderts gestorben sind (Ulm 1816, Stettini, 8°.) Bd. II, Sp. 458. – Oesterreichs Pantheon. Gallerie alles Guten und Nützlichen im Vaterlande (Wien 1831, M. Chr. Adolph, 8°.) Bd. III, S. 118.