Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Theer, Albert
Nächster>>>
Theer, Thekla
Band: 44 (1882), ab Seite: 197. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Robert Theer in der Wikipedia
Robert Theer in Wikidata
GND-Eintrag: 138610320, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Theer, Robert|44|197|}}

Theer, Robert (Miniaturbildnißmaler, geb. zu Johannisberg in Oesterreichisch-Schlesien am 5. November 1808, gest. zu Wien am 15. Juli 1863). Bruder Adolphs und Alberts, deren Lebensskizzen vorangingen. Mit seinem Vater übersiedelte im Jahre 1820 der zwölfjährige Knabe nach Wien, wo sein angeborenes Zeichnentalent bald immer deutlicher sich entwickelte. Auf der Akademie der bildenden Künste gewann er die Theilnahme seiner Lehrer, unter denen Joseph Klieber [Bd. XII, S. 92] sich besonders wohlwollend gegen ihn zeigte. Nachdem er einen akademischen Preis erlangt hatte, eröffnete er als sechzehnjähriger Künstler selbständig ein Porträtatelier. Talent und Glück begünstigten ihn; er war bald ein gesuchter Maler, und mit seiner Kundschaft wuchsen auch seine Einnahmen. Dabei ernstlich darauf bedacht, in seinem Fache sich fortzubilden, ersah er sich zum Vorbilde Daffinger [Bd. III, S. 127], der um diese Zeit im Zenith seiner Künstlerschaft stand. Um aber völlig hinter dessen Malmethode zu kommen, ließ er sich eines Tages von ihm malen. Erst nachdem das Bild vollendet war und er dasselbe bezahlt hatte, gab er sich dem Künstler zu erkennen. Daffinger, dessen Liebenswürdigkeit Alle, die ihm näher standen, einstimmig rühmen, nahm Theer’s Vorgehen nicht nur nicht übel, sondern wendete ihm vielmehr seine volle Theilnahme zu, ihn auf das beste mit seinen in der Kunst gewonnenen Erfahrungen berathend. Dabei entwickelte Theer einen staunenswerthen Fleiß. Die Zahl seiner Bildnisse geht in die Tausende, die meisten sind wohl in Miniatur, Pastell und auf Email ausgeführt, doch manche auch in Lebensgröße und in Oel gemalt. Daß er sich bei solch rastlosem, für die [198] künstlerische Ausführung seiner Bilder nicht gerade günstigen Schaffen im Laufe der Jahre von einer gewissen Manier, die im ersten Augenblicke seinen Pinsel erkennen läßt, nicht frei erhalten konnte, ist selbstverständlich, aber es wirkt diese Manier, wenn sie auch die Kunst seiner Arbeit einigermaßen beeinträchtigt, nicht sehr störend, und immer versteht er es, seinen Bildnissen den Stempel der Individualität aufzudrücken und seinem Ausspruche gemäß: „für den Maler ist jedes Gesicht interessant“, auch seine Porträte zu charakterisiren. Dabei besaß er die schätzbare Gabe sicheren Treffens und eine eminente Technik. Gar richtig bemerkt ein Kenner seiner Arbeiten: „Denselben haftet ein eigentümlicher Zug an, der noch aus den Erscheinungen seiner Jugend stammt. Das Kind des Edelsteinschneiders hatte jederzeit glänzende, sozusagen vornehme Dinge vor Augen gehabt, und dieser Sinn für Glanz und Adel übertrug sich auch auf die Werke des persönlich einfachen und bescheidenen Künstlers. Seine Gemälde haben daher meist etwas Festliches, sie sind glänzend, ohne jedoch ins Gleißende zu entarten“. Diese Eigenschaft aber bahnte dem Künstler eben den Weg in die Kreise der höheren Gesellschaft, und so fanden sich bald in deren Salons, sowie in jenen der großen und reichen Häuser Wiens seine Arbeiten, die dann an den Wänden oder auf geschmackvollen Miniaturstaffeleien oder Etagèren auch die Familienzimmer und Boudoirs schmückten. Im Jahre 1837 wurde ihm die Auszeichnung, Ihre Majestäten den Kaiser [[BLKÖ:Habsburg, Ferdinand I. (Kaiser von Oesterreich)|Ferdinand] und die Kaiserin Maria Anna nach der Natur zu malen, und das Bildniß des Ersteren vervielfältigte er dann auf allseitige Bestellungen in nahezu anderthalbhundert Copien auf werthvollen Tabatièren und Nippen. Neben der Miniaturmalerei betrieb er mit günstigstem Erfolge auch das Lithographiren. Wir geben unten eine kleine Uebersicht seiner vorzüglichsten Miniaturen, sowie seiner lithographirten Bildnisse und Copien berühmter Kunstwerke. Theer hielt bei der unermüdlichen Thätigkeit, die ihn auszeichnete, große Ernte, und seine Einnahmen setzten ihn in den Stand, seine Neigung, werthvolle Kunstgegenstände zu erwerben und die Kunst selbst zu unterstützen, unbehindert walten zu lassen. So spielte er manchmal den Mäcen, um seinen Collegen Erleichterung zu schaffen, und ließ z. B. auf eigene Kosten die „Madonna im Grünen“ von Raphael durch den berühmten Kupferstecher Steinmüller, um diesen in passender Weise zu beschäftigen, in Kupfer stechen. Auch hatte er eine ziemlich stattliche Sammlung werthvoller Gemälde und anderer Kunstgegenstände zu Stande gebracht. Aber diese Liebhaberei, sowie seine Freigebigkeit waren auch Ursache, daß er in einem Augenblicke, in welchem seine Kunst durch eine großartige Entdeckung sozusagen lahm gelegt wurde, plötzlich mittellos dastand. Wir meinen die Daguerreotypie, durch welche die Miniaturmalerei einen Stoß erhielt, von dem sie sich nicht wieder erholt hat. Der Miniaturmaler hatte bald nur sehr geringe, endlich keine Beschäftigung mehr. Wenn Theer seinen Mißmuth und das Verzagen gegenüber der Sachlage, die sich nun einmal nicht mehr ändern ließ, auch gut zu verbergen wußte, darum wirkte die Trostlosigkeit der Situation, in die er sich mit einem Male versetzt sah, doch nicht minder gewaltsam und nur um so nachhaltiger auf ihn ein, je mehr er bemüht war, sie zu verbergen. Ein Leiden, das er unter anderen Verhältnissen wohl leicht und bald überwunden hätte, griff [199] seine sonst kräftige Natur derart an, daß er in kurzer Zeit und im Alter von erst 55 Jahren demselben erlag. Seine letzte Arbeit, die er noch vollendete, war eine Bestellung des Stiftes Klosterneuburg: Emailgemälde der zwölf Apostel nach Van Dyk, für einen Kelch bestimmt. Wie bereits bemerkt, beläuft sich die Zahl der von Robert ausgeführten Bilder und Bildnisse in die Tausende. Von 1828 bis 1850 beschickte er die Ausstellungen der k. k. Akademie der bildenden Künste in Wien. Wir nennen von seinen daselbst ausgestellten Miniaturen: 1832: „Der heilige Johannes“, nach Domenichino; – „Madonna“, nach Füger; – 1834: „Die heilige Cäcilia“, nach Domenichino; – „Das Bildniss des Improvisators Bindocci“; – eine „Madonna“, nach Raphael; – die Bildnisse: des „Pompeo Battoni“: – des „Pariser Kupferstechers Baron Desnoyers“; – „Gustav Adolphs“, nach Van Dyk; – des „Admirals Kortenaar“, nach Bloteling; – des „Prinzen von Oranien“, nach van Helst; – des „Hofschauspielers Koch“, genannt Eckart, nach Daffinger; – des „Schah’s von Persien“; – des „Fürsten Radakowski“, die beiden letzteren auf Elfenbein; – „Der Leichnam Christi“, nach Rubens; – „Die liebende Mutter“, gleichfalls auf Elfenbein; – von seinen lithographirten Porträten: den Klosterneuburger Abt „Wilhelm Sedlaczek“; – „Die Königin-Witwe von Bayern“, nach Johann Ender; – „Sigmund Thalberg“, nach Agricola; – „Fanni Elsler als Schweizer Milchmädchen“, nach ebd.; – „Der Herzog von Reichstadt“, nach Lawrence; – „Der Improvisator Bindocci“, nach eigenem Miniaturbild; – „Kaiser Ferdinand I.“ und „Kaiserin Maria Anna“ (1837); – „Kaiser Nicolaus von Russland“; – „Erzherzogin Henriette, Gemalin des Erzherzogs Karl“; – „J. Ch. Zedlitz“ (1836, Roy.-Fol.), der Dichter ist im Lehnstuhle sitzend dargestellt; – von seinen lithographirten Gemälden berühmter Meister: „Peter Paul Rubens“, nach Rubens und Pontius (1840, Fol.); – „Madonna“, nach Füger (1832); – „Der Prophet Elias ein todtes Kind zum Leben erweckend“, nach Guercino (1834); – „Der Triumph des christlichen Glaubens“, nach A. Andreani’s Holzschnitt, Bartsch, Bd. XII, p. 91, Nr. 9, Folge von acht Blättern (Wien 1836, Fol.); – „Randzeichnung des innerösterreichischen Gewerbevereins-Diploms“, nach Steinle (1839); – „Das Herz Jesu“, nach Pater Rinn von der Gesellschaft Jesu; – „Christus von seinen Jüngern in Emaus erkannt“, nach L. Schulz, für das Werk: „Christliches Kunststreben in den österreichischen Staaten“, 12. Lief. (Prag 1841, Roy.-Fol.); – „Die h. Magdalena“, nach Correggio (1840); – „Der Gang Mariens über das Gebirge und die Stadt in Juda“, Lucas, I, 39, nach Führich’s Gemälde in der ehemaligen Galerie Arthaber in Döbling, für die 13. Lieferung desselben Werkes; – „Mater Dolorosa“, nach C. Dolce (Fol.); – „Die badende Italienerin“, nach Riedel (Fol.). In einer Kunstauction der Fünfziger-Jahre wurden zwei Bleistiftzeichnungen: „Jupiter“, ein Studienkopf (1821) und ein „Vornehmer Venetianer“, ganze Figur, um gute Preise verkauft. Das Bildniß des Kronprinzen Ferdinand, 1832 gemalt, Brustbild in Fol., und dessen Bildniß als Kaiser, 1833 gemalt, in Fol., hat der Kupferstecher J. Steinmüller gestochen. Robert Theer war unter den drei Brüdern Adolph, Albert und Robert als Künstler weitaus der bedeutendste. Seine in Aquarell ausgeführten Copien berühmter Gemälde alter Meister sind kleine [200] Meisterstücke; daß seine Porträte sehr ähnlich ausfielen und durch eine gewisse Vornehmheit sich auszeichneten, wurde bereits gesagt; seine Lithographien endlich zählen zu Musterleistungen ihrer Art. Hätte er es verstanden der neuen Erfindung das abzulauschen, was sie zur Dienerin der Kunst macht, da sie ja doch nie selbst Kunst sein kann, so würde er es nicht nöthig gehabt haben, den Pinsel aus der Hand zu legen und zu verzagen, wie es leider geschehen ist.

Nagler (G. K. Dr.). Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1839, E. A. Fleischmann, 8°.) Bd. XVIII, S. 298. – Die Künstler aller Zeiten und Völker…. Begonnen von Prof. Fr. Müller, fortgesetzt und beendigt von Dr. Karl Klunzinger und A. Seubert (Stuttgart 1869, Ebner und Seubert, gr. 8°.) Bd. III, S. 664. – A. Heinrich’s Monatshefte, I. Jahrg. (1863), S. 107. – Oesterreichische Blätter für Literatur und Kunst. Herausgegeben von Dr. Ad. Schmidl (Wien, 4°.) I. Jahrg., 2. Quartal, Nr. 23, S. 183, im Artikel: „Die Wiener Kunstausstellung“. Von Dr. L. von H. – Frankl (Lud. Aug.). Sonntagsblätter (Wien, gr. 8°.) I. Jahrg. (1842), S. 23 und 366; III. Jahrg. (1844), S. 119. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.). Zweite Abtheilung, Bd. XI, S. 621. – Wiener Zeitung, 1863, Nr. 161, S. 161. – Die Kataloge der Jahresausstellungen der k. k. Akademie der bildenden Künste bei St. Anna in Wien vom Jahre 1828 bis 1848.