BLKÖ:Reitzenbeck, Heinrich

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Reitz, Constantin
Band: 25 (1873), ab Seite: 265. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Heinrich Reitzenbeck in Wikidata
GND-Eintrag: 116432810, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Reitzenbeck, Heinrich|25|265|}}

Reitzenbeck, Heinrich (Schulmann, geb. zu Wels in Oberösterreich 7. Juli 1812). Sohn eines Kaufmanns, kam, fünf Jahre all, nach Gaspolzhofen zu seinen Großeltern , Mathias und Katharina Mittermayer, die ein großes Oekonomiegut besaßen, besuchte dort die Dorfschule unter der Leitung des verdienstvollen Schullehrers Mich. Lampl, der ihn auch im Geigen- und Flötenspiele und im Gesange unterrichtete. Auf Anregung des Pfarrers Andreas Duscher kam der Knabe nach Linz zu seinem Onkel Karl Fritsch, Oberpfleger der gräflich Starhemberg’schen Herrschaften, und besuchte da die Normalhauptschule und dann das Gymnasium, wo Professor Pater Hadinger, Chorherr des Stiftes St. Florian, auf ihn zumeist einwirkte, indem er ihn in den Geist der lateinischen und auch der deutschen Classiker einführte, und Begeisterung für das Schöne und Edle in ihm erweckte. Während dieser Zeit setzte R. die Musikstudien bei dem Meister Joh. Bapt. Schiedermayer fort. R. schrieb schon damals Gelegenheitsgedichte und auch kleine Schauspiele, die im Hause seines Onkels aufgeführt wurden. Sein Wunsch, die Rechte zu studiren, ging nicht in Erfüllung, denn der Onkel starb, und seine Mutter, die schon Witwe war, vermochte nicht, diesen Wunsch zu verwirklichen. R. wandte sich der Pharmacie zu; die Lernzeit verbrachte er in der Apotheke Pelikan’s zu Gastein, wo er nebenbei auch die Leihbibliothek für die Badegäste besorgte. Die deutschen und französischen Bücher, aus welchen dieselbe bestand, wurden durchgelesen mit aller Wißbegierde eines Jünglings, der, voll Eifer, die Schriftsteller kennen lernen will. Jean Paul’s Werke wurden völlig verschlungen; Schiller, Goethe', Lessing, Scott, Kotzebue und die dreihundert Bändchen von Meyer’s Groschen-Bibliothek immer und immer wieder gelesen. Der berühmte Reisende Rußegger, damals Bergwerks-Verwalter in Böckstein, gab manche Belehrung und hellen Einblick. Nach Jahren ging R. auf die Universität nach Wien, wo er Zoologie, Mineralogie, Botanik und Chemie studirte und das Diplom [266] eines Magisters erhielt. In Wien verlebte er in ihm befreundeten Familien glückliche Tage; durch eine derselben hatte er freien Eintritt in das Burg-Theater, in die Oper und in alle Concerte gastirender Künstler – es war eine höhere Schule für den Empfänglichen – und so entzückte er sich an den classischen Darstellungen der kaiserlichen Institute, und hörte Paganini, Ole Bull, Ernst, die beiden Milanollo und viele andere Koryphäen der Kunst. Auch besuchte er fleißig die Kunstgallerien und wissenschaftlichen Cabinete der Stadt. Nach beendeten Studien – Fischer, Jacquin, Pleischl waren seine Professoren – wurde er, nachdem er zwei Jahre in Botzen und Meran verweilt hatte, Provisor der Apotheke Vielguth in Linz. Hier wurde er mit dem Dichter und Schulrathe Adalbert Stifter bekannt, der bis zu seinem Tode ein treuer Freund und Rathgeber ihm blieb. In Stifter’s Hause kam er auch mit dem Volksdichter Franz Stelzhammer, mit dem Dichter Zedlitz, dem Novellisten Ernst Ritter (Frau v. Binzer) und mit dem Mathematiker Moth in Beziehung. Auf Einladung des Verlegers und Buchdruckeiei-Besitzers Emanuel Eurich wurde er Mitarbeiter des belletristischen Blattes „Das Bürgerblatt“, später „Die Warte an der Donau“, und schrieb für dasselbe Gedichte, Novellen und Theaterkritiken. Für Gründung einer Sparcasse und eines Vereins gegen Thierquälerei in Linz war er schriftlich thätig; Ehrendiplome und Medaillen erhielt er von dem Grafen Barth v. Barthenheim, dem Präsidenten, und von dem Herzoge Adalbert in Bayern zur Belohnung für seine Dienste. Seine „Kindergeschichten gegen Thierquälerei“ wurden, nach einer Ausschreibung des Vereins, mit dem ersten Preise ausgezeichnet und später von dem Vereine in Triest in’s Italienische übersetzt und in 10.000 Exemplaren verbreitet. Die Titel seiner Schriften folgen auf S. 267. Fünf Jahre erfreute sich R. des Umganges mit Adalbert Stifter, und auf Anregung und Zusprechen desselben widmete er sich nun dem Lehrfache. Die Realschulen wurden zu jener Zeit gegründet. R. wurde sowohl vom Schulrathe Stifter in Linz, wie auch vom Schulrathe Ritter von Köchel in Salzburg dem Unterrichts-Ministerium empfohlen und von diesem für Salzburg als Lehrer der deutschen Sprache und Naturwissenschaften ernannt. Seit 1851, dem Jahre, an welchem die Realschule in Salzburg eröffnet wurde, wirkte er an dieser Lehranstalt, sich beglückt fühlend, seine Kräfte der Schule widmen und sein Schärflein zum Wohle der Jugend beitragen zu können. Er erkannte, daß nebst einer verständigen häuslichen Erziehung eine gute Volksschule die Jugend bildet und leitet, und so gab er eine Zeitschrift für Schule und Haus heraus: „Blätter für Erziehung und Unterricht“, in welcher dahin gestrebt wurde, daß ein Geschlecht, reich an sittlichen und geistigen Vorzügen, heranblühe, daß bei den Menschen jenes stille Glück einkehre, welches allein nur der Adel der Gesinnung, die Gediegenheit des Wissens, der tüchtige Charakter zu gewähren vermag, daß Herz und Verstand veredelt und daß die Jugend angehalten werde, der Religon, der Sitte, der Wahrheit und des Rechtes in aller Treue zu pflegen. Die Zeitschrift erwarb sich den Beifall vieler Schulmänner und hatte Verbreitung in allen deutschen Landen. Als aber der Verleger von Salzburg plötzlich nach München übersiedelte, ging nach sieben Jahrgängen [267] diese Zeitschrift für Schule und Haus ein. Die Titel seiner Schriften sind: „Glimmer“, 4 Bände (Regensburg 1846, Georg Jos. Manz). 1. Band: „Lieder und Briefe in oberösterreichischer Volksmundart“; 2. Band: „Der reiche Bettler. Volksstück in 3 Acten“; 3. u. 4. Band: „Kurze Geschichten, Novellen, Humoresken“; – „Kindergeschichten gegen Thierquälerei“, Preisschrift (Wien 1855, Auer, 8°.); – „Kirchengesangbuch für Studirende“ (Salzburg 1857, Duyle); – „Blätter für Erziehung und Unterricht“, Vierteljahrsschrift (Salzburg 1855–1861, Duyle). 7 Bände, enthaltend: Gedichte, Novellen, Lebensgeschichten bewährter Schulmänner, Naturwissenschaftliches, pädagogische Studien, Grammatikalisches, Geschichtliches; Erzählungen, Märchen; über Musik; Bücherschau, Besprechung der neueren Werke im Gebiete der Erziehung und des Unterrichtes; – „Ein Frühlingstraum. „Stilles Glück“, dramatisch-allegorische Gedichte (Salzburg, Mayr’sche Buchhandlung). In Programmen der Salzburger Realschule: „Einfluß des Studiums der Naturgeschichte auf die Bildung der Jugend“ (1854); – „Der Unterberg bei Salzburg; seine Flora, seine Quellen, seine Märchen“ (1855); – „Beiträge zu einer Geschichte der botanischen Forschungen in Salzburg“ (1856), auch in Storch’s „Skizzen zu einer naturhistorischen Topographie des Herzogthums Salzburg“ (1857) aufgenommen; – „Die Zusammensetzung nach der Lehre der Wortbildung, betrachtet in Goethe’s Dichtungen“ (1862); – „Uebersicht der Geburts- und Todestage bekannter, in Literatur, Kunst und Wissenschaft hervorragender Männer; vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Nach den Tagen des Jahres zusammengestellt“ (1867); – „Franz Stelzhammer und seine Werke“ (1872). In Zeitschriften und Almanachen abgedruckt stehen: Gedichte in der Schriftsprache und in der Volksmundart, – Erzählungen, Novellen, Humoresken, Kritiken, – Briefe über das Leben, über Musik und Theater, – „Hilde“, episches Gedicht (Beitrag zur Gudrunsage). In Handschrift druckbereit liegen: Dramatisch-allegorische Dichtungen für die Jugend; – kleinere Lustspiele; – Kinderräthselbuch, mit Zugrundelegung der Lehre der sinnverwandten Wörter aus den Gebieten der Geographie und Geschichte, der Literaturgeschichte, der Mythologie, der Naturwissenschaften; – eine populäre Darstellung der Naturwissenschaften: Zoologie, Botanik, Mineralogie. In Salzburg pflegt R. zumeist Umgang mit dem Volksdichter Franz Stelzhammer, mit dem Botaniker Dr. Anton Sauter und mit dem k. k. Landrath Johann von Klebelsberg, mit dessen älteren Tochter Karolina er sich vermälte, nachdem er seine Mutter durch den Tod verloren hatte. Nach kurzer Ehe entriß ihm der Tod auch seine Gattin.

Heindl (Joh. Bapt.), Gallerie berühmter Pädagogen, verdienter Schulmänner, Jugend- und Volksschriftsteller und Componisten aus der Gegenwart (München 1859, Finsterlin, 8°.) Bd. II, S. 183 [daselbst werden seine in vier Bänden unter dem Titel: „Glimmer“ erschienenen Schriften unter dem Titel: „Glunnar“! aufgeführt].