ADB:Schlieffen, Anton von

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Artikel „Schlieffen, Anton von“ von Gottfried von Bülow in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 31 (1890), S. 514–516, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schlieffen,_Anton_von&oldid=- (Version vom 10. April 2020, 09:01 Uhr UTC)
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Schlieffen: Anton v. S. (Schlief), aus altem Colberger Patriciergeschlecht, schwedischer Kriegsrath, Oberst und Schloßhauptmann zu Stettin, auf Dreesow in Hinterpommern und Warensdorf in Böhmen, Pfandinhaber des Amtes Torgelow in Vorpommern, geboren am 11. Juli 1576 in Cöslin, verlor 1580 seinen Vater Lorenz S. (die Mutter Katharine geb. Sander war die Tochter eines Cösliner Rathsherrn), wurde zunächst zu Hause durch Joh. Micraelius unterrichtet und bezog in seinem 15. Jahre die Universität Königsberg, wo er drei Jahre studirte. Nach kurzem Pagendienst bei Herzog Philipp II. von Pommern (A. D. B. XXVI, 34) nahm er Kriegsdienste und kämpfte 1594 und 1595 unter Rittmeister Hans v. Zedlitz und Oberst v. Kottwitz in Ungarn gegen die Türken. Als sein Regiment 1597 abgedankt wurde, machte er eine Reise nach Livland, gerieth auf dem Wege nach Moskau aber in polnische Gefangenschaft, aus der ihn jedoch die Fürsprache seiner Lehnsherren, der Herzöge Barnim XII. und Casimir IX. von Pommern wieder löste. Nunmehr warb er auf eigene Hand Söldner, mit denen er im Regiment des Obersten v. Pentz als Capitän abermals gegen die Türken nach Ungarn zog. Das Unglück verfolgte ihn auch hier wieder, beinahe das ganze Regiment gerieth in Gefangenschaft, in der S. 22 Monate lang elend schmachten mußte. Erst nach dem Frieden kam er los und wurde bis 1606 zur Vertheidigung der Grenzfestung Komorn verwendet. Um in den Zwistigkeiten zwischen Kaiser Rudolf und dessen Bruder Matthias nicht Partei ergreifen zu müssen, nahm er seinen Abschied aus kaiserlichem Dienst, ging nach Prag und erhielt von den evangelischen Ständen Böhmens den Oberbefehl über die Stadt Pilsen. Die Verbindung mit der Heimath war aber trotz der langen Abwesenheit doch nicht gelöst, so bediente sich u. A. Philipp Hainhofer Schlieffen’s, um für Herzog Philipp’s II. berühmtes Stammbuch kaiserliche Bilder von Prag nach Stettin besorgen zu lassen. Für die nächste Zeit fehlt es an Nachrichten; nur daß sich S. am 13. Mai 1618 mit Anna, der Tochter des Oberkriegscommissarius Nicolaus Schwarzenberger von Hersemersitz vermählte. Die Besorgniß um seinen inzwischen in Böhmen erworbenen Güterbesitz führte ihn bei dem Wechsel der Lage doch wieder der kaiserlichen Partei zu; er trat als Oberstlieutenant in das Regiment Liechtenstein, gab aber bei der sich steigernden Verfolgung der Evangelischen 1627 die Bestallung wieder auf und mußte schließlich auch sein Gut Warensdorf und sein Haus in Prag verkaufen. Für jenes, das er mit 42 000 Rthlr. bezahlt hatte, bekam er nur 12 000 wieder, das auf 30 000 Rthlr. geschätzte Haus brachte jetzt kaum den dritten Theil. Das folgende [515] Jahr ist insofern als ein Wendepunkt in seinem Leben anzusehen, als er ganz unerwartet Gelegenheit bekam, seinem angestammten Landesherrn wichtige Dienste zu leisten. Der von Herzog Bogislav XIV. (A. D. B. III, 56) mit Aufbietung des Landsturms gewehrte Durchzug schwedischer Regimenter von Mecklenburg nach Polen war die Veranlassung zur Besetzung Pommerns durch kaiserliche Truppen unter Arnim (A. D. B. I, 568) geworden. Dieselbe wurde durch den Vertrag von Franzburg im November 1627 auf vier Monate ausbedungen, dauerte aber drei Jahre lang und wurde die Ursache völligen Ruins für das Land. Um dem Elend zu steuern, schickte Herzog Bogislav bereits 1628 eine Gesandtschaft nach Prag, die um Schutz gegen die angeblichen Freunde bitten sollte. Ob S. aus freien Stücken oder aufgefordert daran theilnahm, läßt sich schwer feststellen, jedenfalls erwies er sich durch seine Kenntniß der Verhältnisse, sowie durch einen Vorschuß von 10 000 Rthlr. dem Herzog sehr nützlich, begab sich auch selbst nach Pommern, um noch wirksamer die Interessen des Vaterlandes fördern zu können und erhielt für seine Leistungen unter dem 22. September 1628 das herzogliche Amt Torgelow verpfändet. Als später Gustav Adolf dem Herzog die Schließung eines Bündnisses aufzwang, confiscirte der König das Amt und gab es seinem Secretär und wichtigen Agenten Philipp Sattler. Bei Wallenstein scheinen trotz vielfacher Verhandlungen Schlieffen’s Bemühungen vergeblich gewesen zu sein, obgleich derselbe ihm persönlich gewogen war und sich seiner als Unterhändler bediente, z. B. bei der Belagerung Stralsunds. Als Ursache dieser freundschaftlichen Gesinnung wird angeführt, daß S. dem beim Sturme auf S. Andrea in Ungarn an seiner Seite verwundeten Wallenstein das Leben gerettet haben soll. Bei diesen gegenseitigen Beziehungen mußte die Wallenstein’sche Katastrophe nothwendig auch für S. verhängnißvoll werden. Von 1630 an gleich anderen böhmischen Exulanten in Sachsen weilend, war er wiederholt zu geheimen Sendungen gebraucht worden; so noch in den ersten Tagen des Jahres 1634 mit Graf Kinsky von Dresden nach Pilsen und zurück in dem vergeblichen Bestreben, Arnim zu persönlichen Verhandlungen mit Wallenstein zu bewegen, wobei er zugleich dem Kurfürsten Johann Georg über des Friedländeres jüngste Schritte einen zur Aufklärung der Pläne des letzteren höchst wichtigen Bericht abstattete. Im Februar war er wieder in Pilsen, um mit einem Schreiben Terczka’s geheime Befehle Wallenstein’s an den Grafen Schafgotsch nach Schlesien zu bringen. Auf der Reise dahin aber wurde er als der Theilnahme am Verrath des unterdeß ermordeten Feldherrn verdächtig, am 22. Februar in Prag verhaftet und nach Wien zur Untersuchung gebracht. Trotz der angedrohten Folter behauptete er standhaft seine Unkenntniß aller verrätherischen Pläne Wallenstein’s. Seine wichtigste Aussage auf die ihm vorgelegten 69 Fragen legte dagegen Zeugniß ab für den Kurfürsten von Sachsen, der gern die Hand zum Frieden bieten wolle, damit nicht der Kaiser durch die Schweden zu Grunde gerichtet werde. Nach etwa Jahresfrist wurde S. der Haft entlassen und durfte nach Dresden zurückkehren, blieb aber im Verkehr mit der böhmischen Oppositionspartei, namentlich mit der Gräfin Thurn. Den ihm gegen fernere Wiener Requisitionen durch die Gunst des sächsischen Hofes gewährten Schutz verlor er durch unvorsichtige Aeußerungen über sächsisch-kaiserliche Verhältnisse, ja er mußte 1637 mit seiner Familie Sachsen verlassen und hat sich die nächsten Jahre in Breslau, Thorn und Danzig aufgehalten, bis er nach dem dort 1644 erfolgten Tode seiner Gattin nach Pommern zurückkehrte und in schwedische Dienste trat. Nachdem er wieder in den Besitz seines Pfandgutes Torgelow gelangt war, wurde er 1647 schwedischer Kriegsrath und Oberst und 1648 Schloßhauptmann von Stettin. Hier starb er am 7. September 1650 und wurde in der S. Marienkirche begraben. [516] Es überlebte ihn ein Sohn und eine Tochter, doch erlosch bereits mit den Enkeln seine männliche Nachkommenschaft.

Staatsarchiv zu Stettin. Wichtige, bisher noch unbenutzte Briefe Schlieffen’s befinden sich im Reichsarchive zu Stockholm und in Wien. – (v. Schlieffen) Nachrichten von einigen Häusern d. Geschl. v. Schlieffen. Cassel 1784. – Kirchner, Schloß Boitzenburg. Berlin 1860. – Helbig. Kaiser Ferdinand und der Herzog von Friedland. Dresden 1852. – Helbig, Wallenstein und Arnim. Dresden 1850. – Elzow, Adelsspiegel (Mscr).