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Artikel „Rosenmüller, Ernst Friedrich Karl“ von Carl Gustav Adolf Siegfried in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 29 (1889), S. 215–217, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Rosenm%C3%BCller,_Ernst_Friedrich_Karl&oldid=- (Version vom 15. Oktober 2019, 15:57 Uhr UTC)
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Band 29 (1889), S. 215–217 (Quelle).
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Rosenmüller: Ernst Friedrich Karl R., Sohn J. G. Rosenmüller’s (s. unten), geboren am 10. December 1768 zu Heßberg bei Hildburghausen, wo sein Vater damals Pfarrer war, besuchte durch Privatlehrer vorgebildet das Pädagogium zu Gießen, studirte seit 1785 zu Leipzig, ward daselbst 1788 Dr. phil., habilitirte sich als Orientalist 1792, ward 1796 außerordentlicher Professor der arabischen Sprache, 1813 ordentlicher Professor der orientalischen Sprachen, 1817 Dr. theol., † am 17. September 1835. (Neuer Nekrolog der Deutschen, Jahrg. 13, 2. Theil, S. 766–769, wo auch das Verzeichniß seiner zahlreichen Schriften.)

R. war mehr Sammler als Forscher, mehr gelehrt als productiv, aber da er mit Kenntniß und gutem Urtheil verfuhr, so sind manche seiner Arbeiten noch heutzutage als eine Fundgrube für die Geschichte der biblischen Litteratur und Exegese von Werth. Namentlich verdienen nach dieser Rücksicht die folgenden Sammelwerke ausgezeichnet zu werden. In seinem „Handbuche für die Litteratur der biblischen Kritik und Exegese“, 4 Bde. 1797–1800, findet man in ziemlicher Vollständigkeit die nachreformatorische Litteratur über die genannten Gebiete bis zu der angegebenen Zeitgrenze verzeichnet, und zwar sind die einzelnen Werke nicht nur meist mit großer bibliographischer Genauigkeit gebucht, sondern es ist je nach der Bedeutung der betreffenden Schriften eine längere oder kürzere Angabe des Inhaltes derselben gegeben, durch welche letztere man zwar nicht des Lesens der guten wol aber der schlechten Bücher sich überhoben findet. Den bei weitem überwiegenden Raum, fast 31/2 Bände, nehmen die Schriften zur biblischen Kritik ein. Er bespricht zuerst die Sammelwerke zur Litteratur der biblischen Kritik und Exegese, dann die sogenannten Einleitungen zum Alten und Neuen Testamente und die Einzelschriften, welche die Litterarkritik betreffen, dann die Ausgaben der Originaltexte des Alten und Neuen Testaments, daraus die Schriften über Textgeschichte und Textkritik, dann die alten Uebersetzungen nebst den Polyglottenbibeln, worauf Schriften zur Geschichte der Auslegung und zuletzt noch die neueren Bibelübersetzungen behandelt werden. – Die Auslegungsgeschichte war hier nur so kurz abgethan, weil R. bereits ein anderes großes Sammelwerk in Angriff genommen hatte, welches wesentlich als eine Beispielsammlung zur Auslegungsgeschichte der einzelnen Bücher des Alten Testaments betrachtet werden konnte. Dieses große Repertorium hatte im J. 1788 mit Genesis und Exodus begonnen (3. Ausg. 1821–22), es folgte 1790 Abth. 2 mit Lev.-Dt. 3. Ausg. 1824); dann kam 1791–93 Abth. 3. mit Jesaja 3 Thle. (3. Ausg. 1829–34); darauf Abth. 4 1798–1804, die Psalmen (2. Ausg. 1821–22 3 Bde.), dann Abth. 5 Hiob 1806 (2. Ausg. 1824). Abth. 6 Ezechiel 2 Bde. (2. Ausg. 1826); Abth. 7 Die kleinen Propheten 1815 4 Bde. [216] (2. Ausg. 1827–28); 8. Abth. Jeremia und Klagelieder 1826–27, 2 Bde. 9. Abth. Die salomonischen Schriften 1829–30, 2 Bde. 10. Abth. Daniel 1832. 11. Abth. Die historischen Bücher 2 Bde., Josua 1833, Richter und Ruth. 1835. Es blieben also, infolge des Todes von R., nur die Bücher Samuel, Könige, Chronik, Esra, Nehemia und Esther unerklärt. Das Ganze führte den Titel „Scholia in Vetus Testamentum“. Wie sehr dasselbe einem Zeitbedürfniß entgegen kam, zeigen die wiederholten Auflagen vieler Theile desselben. – Die günstige Aufnahme von Seiten der Fachgenossen belegen besonders die Urtheile Eichhorn’s in seiner allgem. Biblioth. der bibl. Litt. Bd. 2, S. 470 bis 475. Bd. 3, S. 171. Bd. 4, S. 449–473. Bd. 5, S. 749–752. Bd. 9, S. 369–378. Auch die abgekürzte Form, in die er das Werk brachte, als „Scholia in V. T. in compendium redacta“ in 5 Bden.: Pentateuch 1828. Jesaia 1834. Psalmen 1831. Hiob 1832. Ezechiel 1833 (v. J. F. Bötticher bearbeitet; Bd. 6, kleine Propheten 1836 von Lechner herausgegeben), beweist, daß viel Nachfrage danach war. In der That ist es auch heute noch nutzbar durch das reiche Material, welches aus alten Uebersetzungen und Rabbinen, sowie aus Kirchenvätern und späteren Auslegern oft unter wörtlicher Wiedergabe langer Stellen und bisweilen aus sonst ganz verschollenen kleineren Schriften mitgetheilt ist. Das exegetische Urtheil geht nicht sehr in die Tiefe, ist aber besonnen und stets von einer objectiven Haltung; die Exegese selbst ist noch zu glossatorisch und atomistisch und unterläßt es, am Einzelnen hängend, die größeren Zusammenhänge zu verfolgen und in den Sinn des Ganzen einzudringen. Uebrigens ist das Werk nicht gleichmäßig gearbeitet; die den Pentateuch betreffenden Theile sind vielfach flüchtig und ungenügend, dagegen sind die Bände über Psalmen und Hiob innerhalb der Schranken ihrer Zeit ganz vortrefflich und noch jetzt nutzbar. Im Allgemeinen vergleiche das trefflich zusammenfassende Urtheil von Diestel, Geschichte des Alten Testaments S. 643; über die Bände zu den Psalmen s. Hupfeld, Psalmen 1. Aufl. Bd. 4, S. 476. – Nützlich ist auch der fast bei jeder Schrift zusammengestellte elenchus interpretum, welcher in den meisten Fällen nahezu vollständig genannt werden kann. Veraltet ist die beim Pentateuch, bei Jesaia u. a. eingenommene Stellung zu den kritischen Fragen. – Lediglich compilatorisch und jetzt von geringerem Nutzen ist das aus Uebersetzung von Ward u. Burder hervorgegangene Sammelwerk: „Das alte und neue Morgenland oder Erläuterungen der heiligen Schrift aus der natürlichen Beschaffenheit, den Sagen, Sitten und Gebräuchen des Morgenlandes“ 6 Bde., 1818–20, deren 4 erste auf die Bücher des Alten Testaments sich beziehen. (S. den vollst. Titel bei Winer, Hdb. d. theol. Lit. I, 135.) Diestel’s Urtheil a. a. O. S. 587 ist auffallend günstig. – Sehr gründlich angelegt war aber das unvollendet gebliebene „Handbuch der biblischen Alterthumskunde, 4 Bde. in 7 Theilen 1823–31“, welches in Bd. 1–3 biblische Geographie und in Bd. 4 die biblische Naturgeschichte enthielt, also zu den eigentlichen Alterthümern gar nicht gelangte. – Ein sehr großes Verdienst hat sich R. erworben durch die Neubearbeitung des Hierozoicon von Sam. Bochart, welche in drei ansehnlichen Quartbänden von 1793–1796 erschien (s. d. vollst. Titel bei Winer a. a. O. I, 147). Er beseitigte in derselben manches Veraltete des Bochart’schen Werkes über die in der heiligen Schrift vorkommende Thierwelt, verbesserte manche sprachliche und sachliche Versehen desselben und fügte in den Anmerkungen reichliches erklärendes Material aus morgenländischen und classischen Schriftstellern, sowie aus gelehrten lexikalischen oder archäologischen Arbeiten hinzu. Auch sind am Schluß des 3. Bandes sehr reichhaltige indices angefügt, welche dies Werk, wenn auch theilweise veralteter, doch noch immer staunenswerther und nutzbarer Gelehrsamkeit zugänglich machen. Andere Arbeiten [217] zur Geographie des heiligen Landes und zu den biblischen Alterthümern, welche zu beschreiben jetzt überflüssig ist, findet man bei Winer a. a. O. I, 136, 151, 155; II, 310 verzeichnet. – Von einzelnen Schriften zu der biblischen Litteratur wären noch hervorzuheben: seine mit Zusätzen eigner Hand versehene Ausgabe von R. Lowth, de sacra poesi (s. d. vollst. Titel bei Winer a. a. O. I, 80) 1815, seine Abhandlung über das hohe Lied, welches er auf die Liebe Jahve’s zum Volke Israel deutete (Keil und Tzschirner, Analekten I, 138 ff.), während er in den Scholien darin Salomo’s Verkehr mit der Weisheit fand. – Zur neutestamentlichen Exegese gehört die Neubearbeitung der paraphrastischen Erklärung des Hebräerbriefes von G. T. Zachariae 1793 (s. den Titel bei Winer a. a. O. I, 267), welche in etwas die Spuren von Rosenmüller’s Vielschreiberei getragen zu haben scheint (s. Eichh. allg. Bibl. IX, 795). Auch übersetzte er die Anmerkungen von H. Marsh zu J. D. Michaelis’ Einl. in die Schriften des neuen Bundes aus dem Englischen in das Deutsche 1795, 1803. 2 Thle. (s. den Titel bei Winer a. a. O. I, 75), günstig beurtheilt bei Meyer, Gesch. der Schrifterklärung V, 455. Mit G. H. K. R. zusammen gab er ein exegetisches Repertorium in zwei Theilen 1822–24 heraus, welches die Fortschritte dieser Disciplin in der damaligen Zeit verfolgen sollte (s. den Titel bei Winer a. a. O. I, 277); ebenso trat er bei Bd. 4 als Mitherausgeber der obengenannten Analekten von Keil und Tzschirner ein (s. Winer a. a. O. I, 15). Auch veranstaltete er eine Sammlung der biblischen Beweisstellen für die Dogmatik (s. den Titel bei Winer a. a. O. I, 295). – Noch wäre über seine Arbeiten auf dem orientalistischen Gebiete zu berichten. Seine arabische Professur trat R. 1796 mit einem Programm an, in welchem er siebzehn noch ungedruckte Sentenzen aus der Sammlung des Meidani edirte und mit einem ausführlichen Commentar erläuterte (vgl. hierzu Eichhorn, Allg. Bibl. Bd 8. S. 165–167, wo auch der vollst. Titel). – 1799 erschien von ihm ein arabisches Elementar- und Lesebuch. Es enthielt eine kurze Grammatik (122 S.), eine Chrestomathie von prosaischen und poetischen Stücken nebst Glossar (vgl. Eichhorn a. a. O. Bd. 10, S. 892 f.) Ferner gab er des berühmten arabischen Geographen Abulfeda „Beschreibung von Mesopotamien“ heraus in Paulus’ Repertorium, Bd. 3. Anderes findet man in de Wette’s Lehrbuch der hebr.-jüd. Archäol. § 11 angegeben. – Der Bibelforschung, welcher auch sonst die meisten seiner orientalischen Studien zugewendet waren, diente besonders die Schrift „De versione Pentateuchi persica“ 1813, zur Sache vgl. Bleek-Kamphausen, Einl. in das A. T. 1870, § 354. – Andere Schriften dieses fruchtbarsten Schriftstellers findet man im neuen Nekrolog a. a. O., bei Meusel, Bd. 19, S. 425–427 und bei Winer (außer den oben bereits angegebenen) a. a. O. Bd. 1, S. 14, 40, 280, 900.