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Topographia Germaniae
Lille
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1654, S. 181–182.
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[181] Lille / oder Ryssel / Insulae, Rysselia, Rysela, L’Isle de Flandres. Diese in Welsch Flandern gelegne Statt / deren Beschreibung beym Guicciardino, pag. 251. seq. Braun. part. 3. Theatri Urbium, C. Ens in delic. apodem. pag. 94. Werdenhagen part. 4. de Rebuspubl. Hanseat. cap. 17. fol. 94. und bey andern zu finden. Wird in den Alten Schrifften Isla, von den Frantzosen Lille, den Lateinern Insulae, und den Flemmingern Ryssele genant. Balduinus Graff in Flandern / zugenannt der Sanfftmüthige / hat sie mit Mauren / und Gräben / umb das Jahr 1066. umbgeben / und mit einem Schloß / und seinem Hoff geziehret; der auch deßwegen [182] Lilanus zugenannt worden. Ligt von Ipern und Tornick 5. von Gent und Bruck 13. Meilen / auß welcher Dominicus Baudius, Galtherus Episcopus Magelonensis, so über die Psalmen Davids geschrieben: Alanus, und Galterus Castillonus, die Theologi; Franciscus Hemus, und andere vornehme Leuth mehr / herkommen seyn. Sie ligt eben / ist schön / reich / gewaltig / vest / groß / volckreich / und die Hauptstatt in WelschFlandern / da sich die Flandrisch Fürsten sonders gern auffgehalten haben. Die Sprach ist grob Frantzösisch. Gibt einen grossen Handel allhie / und wird der Zeit diese Statt / so viel die Kauffmannschafft anbelangt / für die vornehmste in Niederland / nach Ambsterdam / und Antorff / gehalten. Es wird viel Leinwat da gemacht / so man ferne verschicken thut: Gibt auch einen grossen Adel allda. Dann über die 137. Dörffer in die Lillanische oder Ryßlische Castellaney / oder Gebieth gehören / welches sehr frucht- und volckreich ist / da auch die Röthe / oder Garancia, damit man die Wolle und Leder färbet / wachsen thut. Der Nahm und Vorgans Gerechtigkeit zu dieser Castellaney / ist schon langsten an das Hauß Luxemburg / und von solchem durch Heurath an das Königliche Borbonische von Vendosme in Franckreich kommen. Dann deß Ludovici Luxemburgii, gewesten Connestabels in Franckreich / Enicklin / und Francisci Jacobi von Savoja / Grafens zu Romont / und Mariae von Luxenburg Tochter / und Erbin der Mütterlichen Güter / und deß besagten Connestabels / hat sich an den Grafen von Vendosme verheurahtet / und ihme die Würde der gedachten Ryßlischen Castellaney / zusampt Dunkerken / Burburg / Grävelingen / und andern Herrschafften in Flandern zugebracht. Wie es aber mit solchen nach Franckreich gehörigen Gütern in Niederland gehalten werde; davon ist anderswo in diesem Buch Bericht geschehen. Der Fluß Deule laufft an der Mauer / und dem Schloß vorbey / und kompt zu Deulemond in die Lis / oder Liza, und ist daher zur Kauffmannschafft / und andern Sachen / bequem. Vom Hertzog Philippo dem Kühnen zu Burgund / und Graffen in Flandern / hat die Statt Anno 1385. die RechenCammer bekommen; und ist von dessen Enickel / Hertzog Philippo dem Frommen / das erste Capitel / und Fest / deß zu Bruck angefangenen Ordens von dem güldenen Vlüß / in S. Peters Kirche / Anno 1431. auff S. Andreas Tag zu halten allhie angefangen worden. Und diese S. Peters Kirche hat obgedachter Balduinus Lilanus, oder wie ihn andere nennen / Insulanus, in besagtem 1066. Jahr gestifftet / darinn er auch begraben ligt. Ist ein Stifft / und hat auß den Canonicis solcher Kirchen / Florentinus Haraeus, oder van der Haer / derselben Schatzmeister / ein Buch von den Castellanis Insulensibus geschrieben. Es ruhet in solcher S. Eubertus, oder Eugenius, der Bischoff / wie Miraeus in Fastis Belgicis, p. 69. schreibet; da er auch seiner Mitgesellen / der Märtyrer Piati, (so zu Seclinio, oder Siclinio, einem Marcktflecken in Flandern / wie er sagt / in der Collegiat Canonich Kirchen seines Nahmens begraben ligt /) und Chrysolii, gedencket. Und in dieser Kirchen haben Anno 1600. Albertus und Isabella, die ErtzHertzogen / den Eyd der Kirchen Freyheit zu erhalten / abgelegt / hernach auch auf dem Marckt der Statt geschworen; welcher Marckt schön und groß / die Gassen breit und lang / und gar reinlich gehalten werden; die Häuser aber meistentheils von Holtz gebauet seyn. Es hat ein Franciscaner / Dominicaner / und andere Klöster / allhie. Anno 1645. im September / versuchten die Frantzosen vergebens diese Statt zu erobern / und litten darvor nicht geringen Schaden. Sie sollen gleichwol die Vorstätt angezündet und verbrandt haben.