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Topographia Circuli Burgundici: Gent (Flandern)

Topographia Germaniae
Gent
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Gerhardsberg
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1654, S. 173–177.
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[173] Gent / Gandavum, Ganda, Gand / diese mächtige / und weitberühmte Flandrische Statt / so unter die grösseste in gantz Europa gerechnet wird / solle zun Zeiten deß ersten Römischen Käysers Julii, den man zu ihrem Erbawer auch machen will / Gaida geheissen haben / und hernach von den Wenden / so sie eingenommen / Wanda seyn genannt worden / davon folgends der Deutschen Gent / und der Frantzosen Gand / entsprungen. Sie ligt gar wol / und kommen 4. schiffreiche Wasser / als die Schelde / Lise oder Liza, Mourwater / und die Live oder Livia, in dieselbe; und hat noch über das die Neue Fahrt / oder einen grossen Canal / oder Graben der Anno 1551. durch vierjährige Arbeit / und mit grossem Unkosten gemacht worden / so ins gemein die Nieuvaert van Gent op t’Zas genannt wird / und auff 4. Meil wegs in das Seeländische Meer gehet; bey dessen Außfluß / und Meer-Port / die treffliche Schantz / das Gentische Zas / oder Sas / Sassum, genant; Item herumb die Schantz S. Antonii, die Philippine-Schantz / der Fleck / Closter und Schloß Assenede; Selsaten / Oesterreichisch Polder / S. Bernhards Polder; und die Forten Raymen / Terduncq / Engelfort / und Rohenhausen / ligen: Welche besagte Spanische Haupt-Vestung aber in Flandern / nemblich den Saß von Gent / (so sie / die Spanier / Anno 1583. wie Chytraeus, lib. 26. Saxoniae, fol. 736. schreibet / angefallen / und auch / wie Fam. Strada sagt / erobert haben) die vereinigte Niederländer Anno 1644. den 28. Julii belagert / und sampt der S. Antonischantz / den 6. Septembr. durch Accord / davon in Tomo 5. Theatri Europaei fol. 569. seqq. erobert haben. Der Umbkreiß der Statt Gent ist sehr groß / und wird deßwegen mit Meyland verglichen; und zwar so ist derselbe innerhalb der Mauren ein wenig mehr als von 7. Welsch Meilen; von aussen aber mehr als zehen; darfür C. Ens, und andere 3 Teutsche Meilen setzen / so aber / sonders zweiffels / von Niederländischen werden zu verstehen seyn. Es ist gleichwol Gent nicht so volckreich / als Meyland. Dann zu Gent / ob man wol mehr als 35. tausent Häusser zehlet / gibt es viele leere Plätz / und Gärten / da weder Häuser stehen / noch Leute wohnen. An grossen und kleinen Kirchen / Clöstern / Spitälen / und dergleichen Gottshäusern / für die Arme / und andere hülffbedörfftige Personen / (deren C. Ens in delic. apod. p. 108. gar viel hat) werden ins gemein 55. gezehlet / darzu aber in den nächsten Jahren noch mehrere sollen kommen seyn; hat auch besagter Ens allbereit im Jahr 1609. deren ein viel grössere Anzahl; wan schon zu den 55. noch fünff Abbteyen / wie von etlichen geschicht / gethan werden. Es ist aber / auß den Kirchen / die zu S. Bavon berühmt / darinn Anno 1559. in gegenwart Königs Philippi II. auß Spanien / vom Orden deß güldenen Flüß / ein ansehenliches Fest gehalten worden; wie dann die Anzahl der Ritter im Chor allhie zu lesen. Es hat auch der berühmte Jurist Viglius Zuichemus, so in seinem Wittibstande / und Alter / Geistlich worden / daselbst ein ansehenlich Begräbnuß. Es ist aber der H. Beichtiger Bavo, deren von Gent Patron / deß Graffen Agilulfi in Haspengöw / Sohn gewesen / der allhie Anno 630. oder 31. in S. Peters Closter / so er gestifftet / begraben / und nach ihm solches Benedictiner Closter S. Bavonis genannt worden. Folgends im Jahr 1537. haben [174] die Mönch desselben / auff Anhalten Käyser Carls / und Zulassung Pabst Pauli, die Kutten abgelegt / und seyn Domherren / oder Canonici seculares worden. Als aber 3. Jahr hernach / an dem Ort / da dieses Closter / wo die Lis / und Schelde zusammen kommen / gestanden / und in dessen Kirchen höchstgedachter Carolus Anno 1500. getaufft worden / von ihme / dem Keyser / ein Castell / zu der Statt Versicherung / zu bauen / vor gut angesehen / so ward solche Probstey / und Collegium Canonicorum, in die Pfarrkirch zu S. Johann transferirt / die hernach Anno 1559. Pabst Paulus der Vierdte zu einer Bischofflichen Kirchen erhöhet hat / die jetzt zu S. Bavon genennet wird; und haben in besagtem Closter S. Bavonis geruhet S. Landoaldus, ein Römischer Priester / und seine Schwester die H. Vinciana; Item deß H. Landoaldi Gesellen / und unter denselben S. Amantius Diaconus, und S. Adrianus Martyr: Item die H. Jungfrau Landrada; deren Gebein / sonders zweiffels / auch in die jetzige Stiffts-Kirche S. Bavonis, vorhin / wie gemeldt / zu S. Johann genannt / gebracht seyn werden. Unter den Aebten vorgemeldten Closters / ist der 15. in der Ordnung Einhardus, oder Eginhartus, Käysers Caroli deß Grossen gewester Cantzler / Anno 826. worden. Sonsten liget in dieser Bischofflichen Kirchen auch der H. Macarius, vor Zeiten Patriarch zu Antiochia / begraben; von welchem Raderus vol. 2. de Sanctis Bavariae, schreibet / daß er auß Armenien gewesen / sein Patriarchat / auff daß er raisen und wallfahrten könte / auffgeben habe; seye in Bayern kommen / allda ein gantzes Jahr geblieben / von dannen nach Meyntz gezogen / und ins Niederland / daselbst er / und allhie zu Gent / im Jahr 1012. bey dem Closter S. Bavonis seine Wallfahrt beschlossen / und gestorben seye. In S. Nicolai Pfarr-Kirch (deren allhie sieben / und unter denselben die zu S. Michael / nach Bavon, die fürnehmste ist) auff dem Marckt ist jetzt auch ein vornehmes Canonich-Stifft / so auß der alten / und durch die Calvinisten verwüsten Kirchen der H. Jungfrauen Pharaildis, hieher ist versetzt worden. S. Livinus der Bischoff / und Märtyrer / ist auch deren von Gent Patron. Im Closter Bethlehem ruhet die H. Jungfraw Coleta, so zu Corbey in der Picardi gebohren worden / hernach ihren S. Clarae Orden erstlich im Closter zu Bysantz / hernach auch in andern Clöstern unterschiedlicher Orte / auff die alte weise reformirt hat / und allhie Anno 1447. gestorben ist. In S. Petri Abbtey ligt Käysers Caroli V. Schwester / Fraw Isabella / geweste Königin in Dennemarck / so Anno 1525. den 19. Jan. verschieden. Nicol. Helduaderus meldet / part. 2. Sylvae Chronol. Circuli Baltici, pag. 71. daß sie zu Suinart / so ein Lusthauß deß Abbts von S. Peter zu Gent / in ihrem Exilio gestorben / und allhie zu Gent begraben worden; deren denckwürdige Grabschrifft / so sie ihr selber gemacht / er setzet. Und sagt ferners / daß sie von all ihrem grossen Brautschatz / (der an Gelde 300. tausent Gulden gewesen) so sie in Dennemarck gebracht / auch von allem Einkommen ihrer drey Königreiche / mehr nicht / denn 300. Holländische Gulden / an bahrem Gelde hinterlassen habe. Es schreibet von gemeldter Abbtey Maximus Aemilianus Vrientius, in der narration, wie Ertzhertzog Albertus, und seine Gemahlin Isabella, Anno 1600. von der Statt Gent prächtig empfangen worden / daß solche vorhin ausser der Statt / jetzt aber innerhalb auff dem Blandinberg besonders gelegen sey / und daher dieser Abbt zu S. Peter / ins gemein Antistes Blandiniensis genannt werde / so seine eigne Bottmässigkeit von der Statt abgesondert habe. Und in derselben Kirche / sagt er / haben beede Ihre Hochfürstl. Durchl. den 30. Januarii Meß gehört / und sey der Ertzhertzog von dem Abbt / mit einem Schwert umbgürtet worden / darzu er gesprochen: Accingere gladio super femur tuum potentissime; darauff sie alsobalden dem Lande beede geschworen / und hernach vom Abbt / mit andern grossen Herren / und Hoffleuten / stattlich tractirt worden seyen. Nach dem Mittagessen habe man sich in obgedachte Haupt-Kirche zu S. Johann / ins gemein [175] S. Bavonis genannt / begeben / darinn Ihre Durchleuchte den Ständen in Flandern / und der Statt Gent / den Eyd gethan / und hergegen ihnen von den Ständen auch schwören lassen. Folgend seyn Sie auff den Marckt kommen / und sich in einem gar hohen Thron niedergesetzt / allda die Obrigkeit / und Burgerschafft / ihnen den Eyd geleistet. Den letzten Januarii haben auch die andern Flandrische Stätte allhie / (als in der Hauptstatt deß gantzen Landes /) gehuldet. Aubertus Miraeus in Fastis Belgicis, (auß welchem das / was oben von S. Bavone, selbigem Closter / etc. vermeldet / meistentheils genommen worden / schreibet pag. 154. daß in dem gedachten Closter zu S. Peter auffm Blandinberg / S. Vulframmus der Bischoff / welcher 5. Jahr bey den Friesen / und ihrem Könige Radbodo, das Evangelium geprediget / begraben lige: Und pag. 729. daß solche Kirch von den Zeiten deß H. Amandi, Bischoffs zu Mastricht / florirt habe. Es ist in solcher Abtey ein herrlicher Schatz von Büchern / wie auch bey den Dominicanern / Cartheusern / Carmeliten / und Jesuitern; in obgedachter S. Michaelis Pfarrkirch aber seyn überauß künstliche Gemälde zu sehen. Und von dem obbesagten Amando solle diese Statt bekehret worden seyn; wie auch die Vers eines unbekanten Poeten andeuten / so also lauten:

Hanc Clarinaeam veteres dixêre Coloni
Gorduni, populique truces coluêre Sicambri,
Mercurio Caesar, Christo sacravit Amandus.

Und solle darauff obgedachte Kirch zu S. Peter auffm Blandinberg / vom König Dagoberto auß Franckreich / erbauet worden seyn. Von weltlichen Gebäuen und Sachen / seyn allhie zusehen / 1. das Schloß / la Cur de Prince genant / von 300. Kammern / aber nicht mehr so schön / als es etwan vor Zeiten gewesen. Das Gemach / in welchem höchstgedachter Käyser Carl gebohren worden / ist kaum 4. Elen breit und lang; ist gantz von Holtz getäfelt / oben an der Decke ist das Spanische Wappen in Holtz geschnitzet. Es werden darunter Löwen / und andere außländische grimmige Thier gehalten. Hat einen weiten Wassergraben herumb / so mit Steinen außgemauert. Hochernanter ErtzHertzog Albertus hat / mit dero Gemahlin / in besagtem 1600. Jahr / zwar dieses Schloß / den 1. Februarii, besichtiget / aber die Einkehr in dem kleinen Schloß / oder Pallast / genommen. 2. Das obgemeldte vom Käyser Carl erbautes Castell / am Ende der Statt gegen Antorff zu / gelegen. Ist auff neue Manier gebauet / mit 5. Bollwercken / so auß den Streichen gezogen / rings herumb Wasser hat / und der Statt commandiren kan. Inwendig ist ein schöner grosser Platz / mit vielen Bäumen. Und ligt stets ein starcke Spanische Besatzung darinn. 3. Man kan solches / wie auch die Statt / und einen guten Theil Landes von dem Thurn / Bellfort genannt / am besten sehen; auff welchen man 500. Staffeln zu steigen hat. Auff solchem Thurn hanget auch die grosse Uhr-Glocke / der Roland genant / so eilff tausend Pfund wiget / neben vielen kleinen / die ein Lied / ehe die Uhr schlägt / musiciren; wie solches auch zu Bruck / und an andern Orten dieses Landes / geschiehet. Und solche Glock brauchen sie / eine Brunst darmit anzudeuten. Vor Jahren / ehe den Gentern die Brüllen auff die Nasen gesetzt / nemblich gedachtes Castell erbauet worden / haben sie solcher auch zu ihren Auffruhren sich bedienet. Am Rande herumb stehet:

Rolant / Rolant / als ick kleppe dann ist Brand /
Als ick luye / dann ist Oorlogh in Vlaenderland.

Zu oberst auff der Spitze stehet ein überguldeter Drach von Kupffer / mit außgebreiteten Flügeln / so groß als ein Stier / der zun Zeiten deß Balduini, Graffens zu Flandern / so Constantinopel erobert / von dannen hieher geschickt worden ist. 4. Ferners seyn allhie 13. Plätz / darauff man feil hat; unter welchen sonderlich der Freytags- oder Vrydaghs-Marckt / weil [176] man allda alle Freytag den Wochenmarckt hält / vornehm ist. Auff solchem hat die Infantin auß Hispanien / Fr. Isabella Clara Eugenia, ihrem Herrn Großvattern / Käyser Carolo V. ein Statuam auffrichten lassen; nemblich eine grosse Säul / in der Mitten dieses durchauß reinlich gepflasterten Marckts / und auff derselben sein deß Käysers Bildnüß in rechter Grösse / in einer Rüstung / sampt einem Mantel darüber von Kupffer / und übergüldet / mit der Kron auff dem Haupt; in der rechten Hand ein Schwert / und in der lincken den Reichs-Apffel haltende. Die Wort so unten am Postament stehen / setzen der Author deß Fürstlich Sächsischen Reißbuchs / pag. 256. und Abraham Gölnitzius in Itiner. Belgico-Gallico, p. 21. beede in Beschreibung dieser Statt. 5. Das Rahthauß / darinn was denckwürdiges schönes zu sehen / und zu lesen / abermals gedachter Gölnitz pag. 21. seq. beschreibet. Ist Anno 1618. erneuert worden. Zu oberst seyn zu sehen A. und I. das ist / Albertus und Isabella, mit den Cronen / und darunter Sonn / und Mond. Es hat in solchem nicht allein schöne Zimmer / sondern auch eine Capellen. 6. Der grössern Brücken werden allhie 98. ausser vielen kleinen / gezehlet / welche so hoch und groß seyn / daß auch grosse geladene Schiff gar leicht unten durchfahren können. Auff der jenigen / so die Doeg-Bruck genant wird / ist ein Statua, oder Bild von Ertz / deß jenigen Sohns / der seinen Vatter / deme man die Augen verbunden / geköpfft hat / und ihme deßwegen das Leben ist geschenckt worden. 7. Es hat ferners allhie vornemlich 6. Wassermühlen / und über die 120. Windmühlen / ohne die Hand- und Roßmühlen. 8. Der Inseln / so die Flüß und Canäl / machen / und darauff gemeine und privat Gebäu stehen / seynd sechs und zwantzig / der Statt-Thor achte. 2. Schießplätz / darin sich die Bürger üben; dabey auch der Ort / da die Fecht-Schulen gehalten werden. Es ist allhie das Land- oder Hoffgericht / so auß einem Präsidenten / und 12. Rahtsherren / oder Beysitzern / einem Procuratore generali, Advocato fiscali, und andern Bedienten / bestehet; und dahin alle Spanische Ort in Flandern appelliren; von dannen man gleichwol weiters an den höchsten Raht / oder Parlament / zu Mecheln / provociren kan. Die Statt Gent aber wird durch ihren eignen Raht / so auß den Adelichsten / und vornehmsten Burgern bestehet / und den Hohen Statt-Schultheiß / den sie den Hoogh-Bailin nennen / regieret. Es gibt allhie einen zimlichen Kauffhandel / sonderlich mit allerley Zeug / Teppich / Tuch / Leinwat / und Getreyd / dessen Stapel allda ist. Und gibt es da viel Handwercksleut / so in 50. Zünfften eingetheilet seyn; ausser der Weber / so absonderlich ihre 27. Rotten haben / und daher das dritte Glied der Statt machen. Es seyn von hier auch gelehrte Leut kommen / als Judocus Badius, Joannes Cornarius, Laevinus Brechtus, Laevinus Torrentius, Balduinus Ronsaeus, Utenhovius, etc. wie P. Bertius in explicat. tabul. Geograph. contract. in Beschreibung Flandren p. 158. sagt; und daselbst auch die vornehmste Geschlecht allhie / als der Bertiorum, Borlutorum, Dammanorum, Gruterorum, Utenhoviorum, Embisiorum, Coudenhoviorum, Cauwenburgiorum, und Steelandorum, setzet: und daß diese Statt / so die Italianer Guanto heissen / von Antorff / Brüssel / Mecheln / und Middelburg / von jeder zehen Meilen / gelegen seye / saget: Item / daß vier Meilen von der Statt / gegen Mittag / zwischen den Dörffern Sottegem / und Velseche / sehr alte verfallene Mauren / mit tieffen Gewölbern / zu finden / auß welchen Römische Müntzen deß Neronis, Gordiani, und anderer Käyser / biß auff den Grossen Constantinum, außgegraben werden. Es verschweigen aber die Autores, neben dem Lob / so sie dieser Statt geben / auch der vielfaltigen Auffruhren nicht / so allhie / sonderlich in den Jahren 1345. den 2. Maii / (da auff dem grossen obgedachten Marckt / der seines gleichen an form und grösse / in Europa wenig haben solle / schier bey die 500. Weber / und Walcker / so wider einander gewesen / und zwar dieser mehr / als jener geblieben /) 1382. (in welchem in [177] der Schlacht mit ihrem Graffen / und dem König in Franckreich / gehalten / auff die 20. tausent Burger / umbkommen.) 1479. 1485. 1540. (da Käyser Carl deßwegen durch Franckreich zog / und darauff obgedachtes Castell bauen ließ /) und zu andern Zeiten mehr vorgangen seyn, davon Jacobus Meyeres de rebus Flandricis, Gerardus de Roo in Annalibus, Thuanus, Meteranus, und andere / in ihren Historien / können gelesen werden. Welcher Ursach willen dann Gent / sampt Paris / Lüttich / und Poictiers, unter die vornehmste Rebellische Stätt in Europa ist gezehlet worden. Anno 1576. versambleten sich allhie abermals die Länder / mit den Holländischen einen Frieden auffzurichten / so auch dem 8. Novembris beschlossen / und hernach vom König in Spanien selbsten bekräfftiget worden / so man Pacificationem Gandensem, oder Foedus Gandavense, nennet; der aber nur biß auffs 79. Jahr wehrete. Und haben die Genter / bey selben innerlichen Kriegen / es ein weil mit dem Printzen von Oranien / ein weil mit dem von Alenzon / und andern gehalten; seyn aber bald wieder anders Sinnes worden; haben die Geistlichen verjagt / die Kirchen geplündert / und auß den Glocken Stuck giessen; bald wieder etliche Geistliche einkommen lassen / bald ihnen die Kirchen und Klöster wieder genommen; biß endlich Anno 1584. als sie umb und umb mit Spanischen Besatzungen umbgeben wurden / und sich beförchteten / daß sie kein Proviant mehr bekommen können / sie gutwillig / ohne Noth / zu dem Hertzog von Parma / Spanischen Generaln / ihre Gesandten schickten / und sich ihme ergaben. Und von solcher Zeit an / lebet sie / die Statt / unter ihres natürlichen Herren / deß Königs in Spanien / Gewalt. Es ligt nahend die Abtey der Regulirten Chorherren / Praemonstratenser Ordens / Drongen / oder Truncinium, so Juanus, Graf zu Aelst / oder Alost / Anno 1137. gestifftet / und in welcher die H. Jungfrau Adelgundis, eine Tochter deß H. Basini, eines vornehmen Landherrens / so umbs Jahr 640. gelebt / mit diesem ihrem Vatter / begraben ligt; wie Miraeus, in Fastis Belgicis, pag. 330. bezeuget.