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Topographia Germaniae
Bruck (heute: Brügge)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1654, S. 165–167.
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[165] Bruck / Bruga, Brugae, Diß ist die vornehmste Statt / nach Gent / in gantz Flandren / so weyland keiner andern in Europa an Herrligkeit hat weichen dörffen / und auch solche noch heutigs Tags guten theils erhält. Die meisten bringen ihren Nahmen her von den vielen steinern / und hültzernen schönen Brücken / so allenthalben durch die Statt zu sehen; darwider aber Marchantius ist / so solchen von einer hültzernen Brugg / vor Zeiten Brugstock genannt / herführet darüber man / vor Alters / von Aldenburg und Thornhout / in die Rodenburgische Meß / gezogen ist; und will er daher / daß der Lateinisch Nahme Bruga, und nicht Brugae, heissen soll. Es ligt diese Statt 3. Meilen vom Meer / in einer sehr weiten Ebne / und ist der Mauren innere Umbkreiß ungefehr von 4. und einer viertel Italianischer Meilen; der eussere aber von etwas weniger / als sechs Meilen. Sie wird in sechs Theil / so sie Sextern nennen / abgetheilet / dardurch der umlautere / und langsame Fluß Reya rinnet / darüber in vielen Gassen / viel steinerne gewölbte Brucken / er aber nach Dam / und Schluiß in das Meer / 3. Meilen / wie gesagt / von hinnen gelegen / gehet / auff dem man / wann das Meer anlauffet / fahren / oder denselben in den neuen Canal / welcher von S. Leonharts Thor / biß nach Schluiß / mit grossem Unkosten gegraben / und vor dem Meer wol verwahret worden / lassen kan. Die Statt hat einen Wall / und breite Gräben / mit Wasser herumb / insonderheit seyn die Thor mit Ravelinen wol verwahret / also / daß sie auch einer grossen Macht widerstehen kan / sonderlich wegen deß nicht weit davon gelegenen vesten Stättleins Dam / so gleichsam der Statt Bruck Vormaur ist. Auff den Wällen stehen viel Windmühlen. Die Gebäu allhie anbelangende / werden bey die 60. Kirchen / und darunter drey Collegiat-Stifft / als zu S. Donatiani, unser Frauen / und Salvator / gezehlet / wie Abrahamus Gölnitzius, in Beschreibung dieser Statt / p. 10. sagt; wiewol Miraeus, in Fastis Belgicis p. 608. will / daß S. Mariae Kirch jetzt zu S. Donatiano genant werde / welcher der siebende Ertzbischoff zu Rheims gewesen / und deren zu Bruck Patron ist / auch in solcher Kirchen begraben ligt / die Pabst Paulus IV. Anno 1559. zu einer Bischofflichen erhaben / in welcher auch die H. Bischöffe Ilherus, und Maximus, und der H. Carolus, zugenannt der Fromme / Graff zu Flandren / so Anno 1127. in solcher Kirch / als er die Psalmen sang / von etlichen Flandrischen Herren / umbgebracht worden / und der 9. Schuh in der Länge gehabt / ruhen. Der Probst dieser Kirchen / jetzt aber der Bischoff / ist stetiger deß Landes Flandren Cantzler. In S. Marien Kirchen ist deß grossen Christoffels Bildnuß in Stein / wie auch Hertog Carls zu Burgund / und seiner Tochter Mariae, von Kupffer / und sehr schön verguldt / zu sehen. In beeden besagten Kirchen / wie auch zu S. Salvator / sihet / und lieset man die Wappen der Ritter deß güldenen Vlüsses / in dem höhern Chor / nemlich deren / so allhie gemacht worden. Als Anno 1358. Die Decker / das bleyine Dach der gedachten Kirchen zu S. Salvator / oder Templi S. Servatoris, außbesserten / und das Feuer auff dem Thurn unverwahrter hinterliessen / so ist / bey grossem entstandenem Wind die Kirch darüber in den Brand gerahten / wie Jacob. Mayer lib. 13. Annal. rer. Flandr. fol. 183. schreibet. Gleichwie auch vor wenig Jahren zu Regenspurg mit dem Closter S. Emmerams geschehen ist. In dem schönen Tempel deß H. Basilii wird mit grosser Ehrerbietung das Blut deß [166] HErrn Christi gewiesen / so Theodoricus Alsatius, Graff in Flandren / auß dem H. Lande mit sich gebracht haben solle. Das Jesuiter Collegium, so auff gemeiner Statt Unkosten erbauet worden / und in demselben das Theatrum zu den Comoedien, die reiche Bibliothec / der schöne Garten / und anders mehr / lassen sich auch wol sehen. In S. Bartholomaei Abbtey hat man sich über deß Luberti Hautschilti, Mathematici, und Abts dieses Orts / Pergamenin Täfelin zu verwundern / das Marchantius, und auß ihme obgedachter Gölnizius pag. 11. seqq. beschreibet. Von weltlichen Gebäuen / seynd zu besichtigen: 1. Das Gerichthauß / mit seinen unterschiedlichen Gerichts-Cammern / die ihre absonderliche Bottmässigkeit exerciren / also / daß man bißweilen auff dem Marckt oder Platz / davor / zu einer Zeit / von jeder derselben verurtheilte Ubelthäter hinrichten sihet. 2. Der Platz / darauff man allerley hat / hat ein schönes Ansehen / dieweil 6. vornehme Gassen der Statt / zu so viel vornehmen Thoren (deren sonsten 9. allhie seyn) geführt werden. Es stehet an solchem ein Thurn von 343. Staffeln / und auff demselben ein Uhr / zu welcher wann man kompt / so kan man die Statt / und Orte herumb wol besichtigen. 3. Das Rahthauß / und der Pallast / la Franche genannt / in welchen beeden schöne Bilder / und Statuen der Käyser / Könige / und Ertz-Hertzogen / zu sehen / und wol zu betrachten. Und ist auch im Rahthauß / in einem kleinen Gemach / ein Messinger Kopff an der Wand / der die Zung / ausser dem Mund / mit einem Pfriemen durchstochen hat / so einen meineydigen Menschen bedeuten soll. 4. Der Kauffleut Platz / da sie umb den Mittag / und Abend / zusammen kommen / und Bursa genant wird / von deß nunmehr abgestorbenen Geschlechts der Beursen / ansehenlichen Häusern daselbst / so 3. Seckel / Beutel oder bursas, in dem Wappen geführet / solche auch über den Haußthüren zu sehen seyn; welcher Nahm hernach auch anderswo der Kauffleute Zusammenkünfften und Häusern / ist gegeben worden. Ob aber wol noch ein zimbliche Kauffmanschafft / sonderlich mit Tüchern / und der Woll / allhie getrieben wird; so ist doch solches nichts / gegen den vorigen Zeiten / da diese Statt das vierte Conthor / oder vierdte Niederlags-Statt der Hansehe-Stätt / vom Jahr ungefehr 1262. biß 1387. gewesen ist. Und obwoln damaln Strittigkeiten vorgefallen / so hat doch der Kauffhandel allhie noch zimblich biß auffs Jahr 1488. florirt / in welchem die von Bruck ihres Herrn / deß Jungen Ertzhertzogen Philippi Vattern / und Vormunden / Herrn Maximilian / Römischen König / gefangen genommen; da dann die Kauffmannschafft erstlich nach Dortrecht / und von dannen gen Antorff transferirt worden. Ist gleichwol noch das Hansehe-Stättische Hauß allda übrig. Die von Bruck haben an das Hauß / darinn der Römische König Maximilianus I. gefangen gesessen / geschrieben: reX non est hIC: eCCe LoCVs, VbI posVerVnt eVM: welche Zahl das Jahr 1487. in welchem dieses geschehen / begreifft / wann man den Anfang der Rechnung von dem vergangenen Osterfest / nach welchem die Frantzosen vor diesem ihr Jahr angefangen / nehmen thuet / dann sonsten es das 1488. Jahr gewesen ist. Sihe Gerhard. de Roo lib. 10. Annal. fol. 371. seq. Joh. Angel. à Werdenhagen part. 4. de Rebusp. Hanseat. c. 16. fol. 98. 5. Ausser den Kauffleuten / hat es auch 68. Zünfften; und werden baumwolline / halbseidene / seidene / wullene / leinine Tücher / auch sehr schöne Teppich / auf unterschiedliche Manier / da gemachet. Es hat auch allhie Joannes von Eick / ein sehr berühmter Mahler / am ersten das Leinöl unter die Farben zu mischen angefangen. 6. Der Schützen Gart / darinn ein sehr grosser Tisch von Wallfischbein gemacht / zu sehen. 7. Die Wasserkunst zwischen der Smee- und Boeverye Poort / dadurch das Wasser in der Statt herumb in die Brünne geleitet wird. Zur zeit der Belagerung Ostende / hat man täglich so viel da Wassers geschöpfft / als viel man zu einem Sudt für das gantze Kriegsheer vonnöhten hatte. Es seyn daselbst auch andere Sachen zu sehen / und [167] kan einer im Gesicht / und in Kleidern / wol naß gemacht werden. 8. Das Müntzhauß / so prächtig erbawet. Die Inwohner seyn von Natur freygebig; die Weiber schön und prächtig in Kleidern. In Summa / es ist dieses an allerhand Sachen / offentlichen und privat Gebäwden / ein vortreffliche Statt / da man gnug zu sehen und sich zu erlustigen hat / und die unter die vornehmste Stätt in der Welt billich zu zehlen; wie sie dann auch vom Hadriano Barlando, in Catalogo Germaniae Inferioris Urbium, den Stätten Gent / Antorff / Brüssel / Löven und Mecheln vorgezogen wird; allda König Philippus I. in Spanien / Kayser Maximiliani I. Sohn / erstlich auff diese Welt Anno 1478. kommen ist. So waren von hinnen Jacobus und Petrus, die Curtii, Judocus Damhouderus, Jacobus Raevardus, Dominicus Lampsonius, Joannes Casmbrotius, Fr. Gomarus, und viel andere vornehme Leut mehr; hat auch Ludovicus Vives, ein Hispanier / sein letzte Lebens-Zeit allhie zugebracht / und ist da Anno 1540. gestorben. Es haben die von Brugg die Insulas Cassiterides am ersten erfunden / die daher Flandricae genannt werden. Bey den innerlichen Niederländischen Kriegen / hat Bruck es eine zimbliche Zeit mit den General Staaten gehalten: wie dann Anno 1582. den 14. Julii / der Hertzog von Alençon, deß Königs in Franckreich Bruder zu Bruck eingetitten / als Er vor einen Graffen in Flandern zu Gent angenommen / und erkant worden ist. Als aber hernach Herren Carls von Croy, Hertzogens zu Arschot / Sohn / der Printz von Chimay, Gubernator in Flandern / Spanisch ward / so kam auch Anno 1584. Bruck wieder an ihren natürlichen Herrn / den König in Hispanien / dessen sie noch der Zeit ist. Dann obwoln Anno 1631. der Printz von Uranien mit einer gewaltigen Armada vor Bruck zoge / in Meynung / dieselbe zu belagern / so must Er doch / wegen aller Orten gefundenen grossen Widerstands / unverrichter ding wieder abziehen. Anno 1640. im Majen / stelleten sich die Holländer abermals / als wolten sie eine Belagerung vor die Hand nehmen; wie sie dann die da herumb gelegene Schantzen / als S. Job / die Steinbrücken nahend bey der Statt / und nachmals auch die Schantz S. Donaes / oder S. Donati nahend Schleuß / mit grossem Gewalt anfielen / aber nicht ohne Verlust wieder davon abgetrieben wurden. Von hinnen raiset man in einem neuen Canal / den der Marggraff Spinola angeben / 8. Meilen nach Gent / und zwar gar füglich / und sicher. Und hat solcher seine Wasser-Schleusen / und Castell / und zur Verwahrung gnugsame Soldaten zu Roß / und Fuß.