Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II A,2 (1923), Sp. 2031–2033
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Sextantio (nicht Sextantium, wie in Pauly R.E. VI 1, 1140 steht), nach den Itinerarien Umspann- und Rastort an der Poststraße, welche von Hispanien oder Burdigala (Bordeaux) über Narbo (Narbonne), Nemausus (Nimes), Arelate (Arles) usw. nach Italien führte, 30 römische Meilen westwärts von Nemausus. Auch eine Inschrift wohl des 2. Jhdts. n. Chr. zu Nemausus, CIL XII 3362 (s. o. S. 1107f Art. Segusion) nennt den Ort, im zu ergänzenden Nominativ Sextant(io), während die Itinerarien, wie üblich, meist den Ortskasus (Ablativ, einmal Akkusativ) gebrauchen, nämlich die vier Reisebecher von Vicarello (Itin. Gaditana) CIL XI 3281–3284: Sextantione (3281: -em, 3282: Sextantio): Itin. Anton. 389, 2: Sextatione (Hs. D: suxtatione) und 396, 7: Sextantione (var. sextatione): Tab. Peut. I 3 (II 4 ed. Miller; Rev. de étud. anc. XIV 1912 Pl. III): Sextatione; Geogr. Rav. IV 28 p. 245, 9 P.: Sestantione und V 3 p. 340, 16 P.: Sextantione. Itin. Hieros. Burdigal. (J. 333 n. Chr.) 552, 6: mutatio Sostantione (so Hs. P, Sustancione: Hs. V). Mit letzterer Lautwandlung [2032] lebt der Name in der Neuzeit fort: Soustancion (Valesius 1675), Soustantion, auch Soutancion, Substantion geschrieben. In karolingischer Zeit aber nennt sie Theodulfus carm. 28, 133 (Mon. Germ. Poet. lat. aev. Carol. I p. 497) noch Sext-: hinc Madalona (= Maguelone) habuit l(a)evam, Sextatio dextram: hic scabris podiis (= montibus) cingitur, illa mari (var. sextantio). Zum Ausfall des n vor t (auch Tab. Peut. und Itin. Ant.) vgl. z. B. Dessau III p. 827.

Aus der genannten Inschrift von Nemausus hat man mit Recht gefolgert, daß S. eine der 24 Ortschaften gewesen ist, welche der Hauptstadt der Volcae Arecomici, Nemausus, untertänig waren und zwar wieder untergeordnet dem Ort Ugernum (Beaucaire an der Rhône) (s. o. S. 1107f.). S. war also ein Vicus, und die Deutung von M. • S der Inschrift von Tresques (südlich von Bagnols, westlich von Laudun), CIL XII 2754: collegium centonarioriorum (so) m(unicipii) S(extantionis) ist unmöglich [[[Otto Hirschfeld|Hirschfeld]] zur Inschrift hatte eine andere Deutung versucht]. Unmöglich ist auch die Beziehung der Heimatangaben in CIL II 852 und V 926 auf S.; nach meiner Überzeugung ist hier eine sonst unbekannte, wohl hispanische Stadt Sestantium gemeint, wie ja mehr Ortschaften durch Inschriften beglaubigt, jedoch anderswoher nicht bekannt sind (z. B. o. S. 1085, 59f.), s. den Art. Sestatium.

Der Name S. ist keltisch, s. Holder II 1533f.: Sext- und I 158. III 632/3: -ant-. Ob auf Grund von CIL XI 3282 (s. o.) eine Nebenform Sextantium angenommen werden darf, wie Brigantium neben Brigantio, ist fraglich.

Der verlassene Ort, ,Soustancion‘, ,Substantion‘ genannt, in der Nähe der seither erwachsenen Stadt Montpellier, liegt auf einer Anhöhe am Fluß Lez (Ledus), bei Castelnau. Valesius (1675) nennt ihn einen ,nunc desertus locus‘ und ,vicus nunc semirutus‘. Reste der Siedelung sind oder waren auch in neuerer Zeit noch sichtbar, s. Mérimée Notes d’un voyage dans le midi de la France (1835) 361. Von den in der Umgebung (CIL XII Tab. III Cki) gefundenen inschriftlichen Denkmälern ist CIL XII 5663 (am Lez bei S.) ein Meilenstein von der oben angegebenen Poststraße, in 4189 (Castelnau) colonia und coloni ist die Colonia Nemausus gemeint, die in 4199 (Murviel) und 4206 (Cournonsec) genannte Tribus Voltinia ist die Tribus der Nemausus (und überhaupt vorwiegend die Narbonensis) zugeteilt war, die Grabschrift 4191 (Montbazin) beweist, daß ein Sevir Augnstalis von Nemausus (wie auch sonst häufig) auf seinem Landgut begraben war. Dagegen die beiden Aediles der frühzeitlichen Inschrift 4190 (Murviel), welche viam lacum ex d(ecreto) d(ecurionum, d. h. des Gemeinderats der Volcae Arecomici in Nemausus) refic(ienda) coer. (= curaverunt), können Dorfbeamte gewesen sein. Mithra- und Isiskult ist bezeugt durch 4188 (Murviel, Grabschrift eines pater sacrorum) und 4184 (St.-Julien bei S.). Sigillata von S., CIL XII 5686. 1008 = XIII 10 010, 1617. Vgl. noch Espérandieu Recueil gén. des bas-rel. de la Gaule rom. I nr. 519 (Murviel).

[2033] Literatur. Valesius Not. Gall. 351 Col.I. d’Anville Not. de l’anc. Gaule 602f.- Ukert Geogr. d. Griech. u. Röm. II 2, 414. Walckenaer Géogr. des Gaules II 183ff. Desjardins Géogr. de la Gaule rom. (s. Table IV 283). Hirschfeld CIL XII p. 507ff. 843. 975. Holder Altcelt. Sprachsch. II 1533. Miller Itin. Rom. 128 mit Karte 37 (S. 123/4}. Kiepert CIL XII Tab. II Ga. III Ck und FOA XXV Lk.