Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Epiklesis des Apollon von seinem Kult in Gryneia
Band VII,2 (1912) S. 19011902
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Gryneios (Γρύνειος), Epiklesis des Apollon von seinem Kult in Gryneia (s. d.) bei Myrina; Parthen. Delos frg. 6 bei Steph. Byz. s. Γρῦνοί (nach Schneider Callimachea frg. anon. 317 Γρυνήιος), Orph. hymn. 34, 4. Verg. Aen. IV 345. Bei Strab. XIII 622 heißt der Ort Grynion, die Epiklesis daher Γρυνεύς: Strab. XIII 618. Steph. Byz. s. Ἑκατόννησοι. Das Heiligtum war eine alte Orakelstätte, der Tempel ein prächtiger Marmorbau: μαντεῖον ἀρχαῖον καὶ νεὼς πολυτελὴς λίθου λευκοῦ, Strab. XIII 622. Steph. Byz. s. Γρῦνοι. Berühmt war der heilige Hain: Ἀπόλλωνος κάλλιστον ἄλσος δένδρων καὶ ἡμέρων καὶ ὄσα τῶν ἀκάρπων ὀσμῆς παρέχεταί τινα ἢ θέας ἡδονήν, Paus. I 21, 7, vgl. Verg. Buc. VI 72f. nebst Servius, von dem auch der Reichtum an Quellen betont wird. Ort und Heiligtum hatte seinen Namen vielleicht von den heilkräftigen Pflanzen (γρύνη, γρῦνον), Jahn S.-Ber. d. sächs. Ges. d. Wiss. III (1851) 139ff. Hermeias von Methymna hatte ein eigenes Werk περὶ τοῦ Γρυνείου Ἀπόλλωνος geschrieben, Athen. IV 149 d. Erwähnt wird das Heiligtum: Dittenberger Syll.² IV 229, 85 (CIG 3137). 266, 18. Aristid. I 536 Dindorf; das Orakel, dessen Bestehen Buresch Klaros 70ff. für die spätere Zeit bestritt, wird erwähnt: Philostrat. Apollon. Tyan. IV 14. Verg. Aen. IV 345; von Linnenpanzern als Weihgeschenken spricht Pausanias a. a. O.; mit dem Asylrecht hängt der von Varro bei Serv. Verg. Buc. VI 72 berichtete Brauch zusammen, daß Fesseln und Ketten den Verfolgten abgenommen und an den Bäumen aufgehängt wurden.

Nach der Lokalsage sollte Heiligtum und Stadt den Namen erhalten haben von Grynos, einem Sohn des Eurypylos und Enkel des Telephos (Serv. Verg. Buc. VI 72), oder von einer Amazone Gryne, mit der Apollon ein Liebesverhältnis hatte (Serv. Aen. IV 345), vielleicht auch von einem [1902] Sohn des Apollon, Grynos, oder von einer Tochter des Gottes, Gryno (Serv. Verg. Buc. a. a. O.: Apollini a Gryno filio – var. filia – consecratum, wofür aber auch a Gryno ⟨Eurypyli⟩ filio vermutet ist). Im übrigen knüpfte man auch an die Sagenmotive anderer Apollonheiligtümer an. So sollte Apollon in Gryneia den Drachen getötet haben, Serv. Verg. Buc. a. a. O. add. Daniel: oraculum Apollinis qui serpentem ibi occidit, vgl. Th. Schreiber Apoll. Pythoktonos 39ff. Kalchas sollte hier gestorben sein: als Kalchas Reben pflanzte, prophezeite ein benachbarter Seher, er werde den neuen Wein nicht mehr trinken, und als der Wein fertig war und Kalchas den Becher schon in der Hand hielt, wiederholte jener die Prophezeiung; Kalchas geriet darüber in solches Lachen, daß er daran erstickte, Serv. Verg. Buc. a. a. O., wo dann weiter auch eine vom Myth. Vat. I 194. II 224 wiederholte Version folgt, nach welcher der bekannte Streit des Kalchas und Mopsos, der zum Tode des Kalchas führte, in Gryneia spielte und Euphorion zitiert wird; verschiedene Vermutungen über Euphorions Version bei Knaack Jahrb. f. Philol. 1888, 150. Immisch Klaros, Jahrb. f. Philol. Suppl. XVII (1890) 148ff. Gruppe Gr. Myth. 294, 6. Münzen von Gryneia mit dem Kopf des Apollon, Cat. Brit. Mus. Troas, Aeolis 133 Taf. XXVI 8. 9.

[Jessen. ]