RE:Goldbrasse, -brachse

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Fischart mit sehr delikatem Fleisch
Band VII,2 (1912) S. 1578
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Goldbrasse oder -brachse (Chrysophrys aurata). Sie gehört zu den Sparoiden, von denen die Alten viele Arten kannten. So gemein der Fisch an allen Küsten des Mittelmeers ist, so hochgeschätzt war er um seines delikaten Fleisches willen, das bei jeder Art von Behandlung Wohlgeschmack bekommt. Wir finden daher schon bei Archestratos kulinarische Vorschriften (Athen. VII p. 328) und auch bei Apicius mehrere Rezepte (IV 2. XII 1 L.); auch Celsus spricht wiederholt von dem Fische; er rechnet ihn zu den duri pisces (II 18. 28), die aber minime intus vitiantur (II 28). Nach Plin. n. h. IX § 58 hält er sich, wie noch etliche andere Fische, 60 Tage lang während der ärgsten Hitze verborgen. Bei den Römern war er so beliebt, daß der Erfinder der mit dem Meer verbundenen Fischteiche für Seefische, Sergius Orata, seinen Beinamen von ihm erhielt. Bei den Griechen heißt er χρύσοφρυς (Plut. II 981 D) und χρυσωπός (Plut. II 977 E. I 454 F), lateinisch aurata, vulgär orata, Goldfisch, wegen der prachtvollen Färbung und zierlichen goldenen Zeichnung. Die Grundfärbung ist nämlich grünlichsilbergrau mit gegen 20 goldgelben Längsbändern, einem Goldfleck an den Kiemendeckeln und einer goldgelben Binde an der Stirne (Brehm). Ihre Lieblingsspeise sind Muscheln; zu Rom standen die G., die sich an den Austern des Lukrinersees mästeten, im größten Renommee (Martial. XIII 90). Was die Griechen betrifft, so nannte Archippos in den ,Fischen‘ die G. ἱερεὺς Ἀφροδίτης Κυθηρίας, und Hikesios preist sie als den delikatesten aller Fische (Athen. 328 b). Archestratos ἐν ταῖς ὑποθήκαις (ebendaselbst) hält die fetten von Ephesos, welche ἰωνίσκοι genannt werden, für die preiswürdigsten; in zweiter Linie erwähnt er die von Selinus und rät, den Fisch ganz zu braten, wäre er auch zehn Ellen lang (Athen. 328 c). Er wird übrigens höchstens 60 cm lang, gewöhnlich 30–40.

Drei verschiedene Brassen sind abgebildet auf einem pompeianischen Fresko unter vielen anderen Fischen und sonstigen fast durchweg als Speise beliebten Wassertieren (Daremberg-Saglio I 1165), nr. 3. 14. 15; die G. nr. 3. Vgl. außerdem Imhoof und Keller Münz. u. Gemm. XXIII 11. Jaspis der Berliner Sammlung: Amor reitet auf einer gezäumten Sparoide, die er mit der Peitsche antreibt. Es dürfte die G. sein, welche man nach der oben zitierten Stelle des Archippos mit Aphrodite in Beziehung brachte.

[Keller. ]