Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Erzbildner aus Sikyon um 323 v. Chr., Sohn des Lysippos
Band VI,1 (1907) S. 15071508
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6) Euthykrates aus Sikyon, Erzbildner, Sohn des Lysippos und vermutlich der Erbe seines Ateliers. Da unter seinen Werken eine in Thespiai befindliche Statue von Alexander d. Gr. als Jäger genannt wird, scheint er schon bei Lebzeiten dieses Königs, also vor 323, künstlerisch tätig gewesen zu sein. Auch die von Plinius als proelium equestre aufgeführte Reitergruppe, die an die von seinem Vater Lysippos gearbeitete Schlacht am Granikos erinnert, wird wohl diesen König zum Mittelpunkt gehabt haben. Außer diesen Werken nennt Plinius XXXIV 66 noch eine Statue des Trophonios in Lebadeia, die jedoch nicht das eigentliche Kultbild gewesen sein kann, da dieses nach Paus. IX 39, 4 von Praxiteles war, und einen Herakles in Delphi, Viergespanne, ein Pferd mit Gabeln für die Jagdnetze (equum cum fuscinis, jedoch in der guten Überlieferung fiscinis, so daß O. Jahn Rh. Mus. IX 317 coquum cum fiscinis schreiben wollte, was aber durch die Reihenfolge der Aufzählung ausgeschlossen erscheint) und Jagdhunde. [1508] Ansprechend hat man vermutet, daß dies Pferd und die Hunde mit dem Alexander venator ein und dieselbe Gruppe gebildet hätten, die dann natürlich noch andere Jäger aus dem Gefolge des Königs enthalten haben müßte (Urlichs Chrestom. Plin. 323. Furtwängler Plinius u. seine Quellen 51). Dagegen verstößt der in der Archäol. Zeit. XXIII 1865, 15f. von Kekulé gemachte Vorschlag venatorem durch Interpunktion von Alexandrum Thespiis zu trennen und in diesem venator das Urbild der sog. Meleagerfiguren zu sehen, gegen den Stil des Plinius und ist auch schon von Stephani Compte rendu 1867, 90, 4 und Furtwängler Dornauszieher 86, 16 mit Recht aus andern, aber nicht minder schlagenden Gründen abgelehnt worden. Endlich erwähnt Tatian 52. 53 als Werke des E. noch vier Hetärenstatuen, darunter das Porträt der als Dichterin berühmten Anyte von Tegea (s. o. Bd. I S. 2654f.), eine Angabe, der Kalkmann Rh. Mus. XLII 1887, 490 schwerlich mit Recht den Glauben versagt. Als Fiktion betrachtet, würde die Notiz eine solche Vertrautheit mit der Kunstgeschichte voraussetzen, wie sie diesem Kirchenschriftsteller schwerlich zuzutrauen ist, s. auch Kukula ,Altersbeweis‘ und ,Künstlerkatalog‘ in Tatians Rede an die Griechen, Jahresber. des II. Wien. Stadtgymnas. 1900. Maria J. Baale Anytes vit. et carm. 15ff. und Maass Arch. Jahrb. XXI 1906, 89ff., dessen Versuch, die eine dieser Statuen als Auge zu deuten, sowohl wegen des Zusammenhangs der Stelle als aus kunsthistorischen Gründen ausgeschlossen ist. Der wohl auf Xenokrates zurückgehende Tadel des Plinius, daß E. die gefällige Anmut seines Vaters fehle und daß seine Arbeiten vielmehr einen herben und strengen Charakter trügen, bezieht sich natürlich nur auf den Stil, nicht auf das Sujet. Als Schüler des E. werden Teisikrates und der vor allem durch seine kunstschriftstellerische Tätigkeit wichtige Xenokrates genannt; die von Plinius als abweichende Tradition gegebene Notiz, daß Xenokrates vielmehr bei Teisikrates gelernt habe, ließe sich mit der ersten Angabe sehr wohl vereinigen (Plin. XXXIV 67. 83). Brunn Künstlergesch. I 409ff. Overbeck Plast. II4 169ff. Murray Sculpt. II 353. Collignon Sculpt. II 484f. Klein Gesch. d. gr. Kunst II 373.