Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
korrigiert  
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Band V,1 (1903), Sp. 319–320
Diyala (Fluss) in der Wikipedia
Diyala in Wikidata
Linkvorlage für WP   
* {{RE|V,1|319|320|Dialas|[[REAutor]]|RE:Dialas}}        

Dialas (und Adialas), wie statt des Diabas, Adiabas (s. d.) bei Amm. Marc. XXIII 6, 21 zu lesen ist (s. o. S. 300f.), einer der bedeutendsten Nebenflüsse des Tigris, welcher bereits den Alten – wie die Corruptel bei Ammian bezeugt – unter dem noch heute üblichen Namen, Dijâlā, bekannt war. Isid. Charac. 2 gebraucht die Benennung Σίλλα, eine Nebenform von Dijâlā. Der Σίλλα, schreibt Isidoros, strömt mitten durch die Stadt Artemita (s. d.) in Apolloniatis; die Angaben über die Distanz zwischen Artemita und Seleukeia schliessen jeden Zweifel an der Identität des Σίλλα mit dem Dijâlā aus. Steph. Byz. berichtet s. Ἀπάμεια, dass [320] der Tigris sich bei Apameia in Mesene spalte und der rechte Wasserarm (der Tigris der arabischen Geographen, der heutige Schaṭṭ el-Ḥai) Δέλας heisse, der linke (der heutige Tigris) den Namen Tigris beibehalte. Steph. Byz. hat hier offenbar irrtümlich den Namen des Dijâlā, also eines Tigriszuflusses, auf einen Zweig des Tigris selbst übertragen.

Eine andere Bezeichnung für den D. bietet Plin. n. h. VI 132: Tornadotus; zwischen ihm und dem Tigris localisiert Plinius die Stadt Antiocheia (s. d. Nr. 11); dem Tornadotus entspricht wiederum der Θορνᾶ des Theophanes 492. Ein weiterer Name des Dijâlā liegt offenbar auch in dem Δοῦρος des Zosim. III 26, 4 vor, einem Flusse, den Iulians Heer auf dem Wege von Ktesiphon her passierte. Ganz rätselhaft bleibt, wie Ptolem. VI 1, 7 zu der Benennung Γοργός (wenn griechisch, ,der Furchtbare, Wilde, derreissende Fluss‘ ?) für den Dijâlā kommt; dass kein anderer als dieser darunter zu verstehen ist, erhellt aus der Bestimmung der geographischen Breite für die Einmündung des Gorgos (oberhalb Seleukeias). Was den Namen Dijâlā anlangt, so ist er vielleicht erst ein paar Jahrhunderte v. Chr. aufgekommen; die Keilinschriften wenigstens kennen ihn nicht, sondern bezeichnen den fraglichen Fluss als Turnat, das Prototyp zu Tornad–otos und Θορνᾶ (abgekürzt). Vgl. Nöldeke ZDMG XXXIII 325. Delitzsch Wo lag das Paradies? 186. Streck Ztschr. f. Assyriol. XV 275. Dur-os ist vielleicht durch Annahme einer Verstümmelung aus Turnat bezw. Abkürzung (Dur – erstes Element Tur in Turnat) zu erklären. Die arabischen Geographen verwenden den Namen Tâmarrâ (syrisch Tormarra), entstanden aus * Torma-rra = Θορνᾶ, Turnat, zwar häufig promiscue für Dijâlā; daneben dient er bei ihnen als Specialname einer bestimmten Strecke des unteren Dijâlā. Vgl. Streck Babylon, n. d. arab. Geogr. I 37. Streng genommen führt heut- zutage nur der Unterlauf des Dijâlā, etwa von der Einmündung des Flusses von Ḥulwân (bei Zengâbâdh) an, den Namen Dijâlā; der mittlere Lauf, ungefähr bis zur Mündung des Flusses von Derud wird Schirwân, der Oberlauf (bis zur Quelle, westlich von Asadâbâdh, nordwestlich vom El-wend) meist Gaberud genannt. Vgl. Ritter Erdk. IX 412ff. 449. X 157. Über den Gyndes des Herodot und den Physkos des Xenophon, in denen manche gleichfalls mit mehr oder weniger Recht den Dijâlā erblicken, s. die betreffenden Artikel.