RE:Ariobarzanes 1

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II,1 (1895), Sp. 832
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Ariobarzanes (Ἀριοβαρζάνης, altpers. *Ariyavarzâna). 1) Perser, Sohn eines Mithradates, des Fürsten von Kios und Arrhina (Diod. XV 90, 3, vgl. XX 111, 4; s. E. Meyer Gesch. des Königreichs Pontos 1879, 33ff.), im J. 407 v. Chr. Unterstatthalter des Pharnabazos, mit dem er wahrscheinlich nahe verwandt war (vgl. Nöldeke Gött. gel. Anz. 1884, 294ff. und Artabazos), an der Propontis (Xen. hell. I 4, 7), im J. 387 sein Nachfolger in der Satrapie von Daskyleion (Xen. hell. V 1, 28). A. war von alters her mit dem Spartaner Antalkidas (s. d.) befreundet (Xen. a. O.); später (368 Frühjahr) suchte er auch mit den Regierungen von Athen und Sparta Fühlung zu gewinnen. Unter dem Vorwand, dass der Grosskönig Artaxerxes II. ihn mit der Friedensvermittlung unter den Hellenen beauftragt habe, wirkte er für seine eigenen Pläne, und es gelang seinem Vertrauten Philiskos wirklich, sich für diese des Beistandes von Athen und Sparta zu versichern. Als A. im J. 367 in Verbindung mit seinem früheren Gegner Datames (s. d., vgl. Corn. Nep. Dat. 2, 5) offen die Fahne der Empörung gegen seinen Oberherrn erhob (Trog. prol. X. Diod. XV 90, 3), unterstützte ihn mittelbar ein athenisches Geschwader unter Timotheos (Dem. XV 9. Isokr. XV 111ff. Corn. Nep. Tim. 1, 2); König Agesilaos eilte selbst zur Hülfe herbei und entsetzte ihn von dem Angriff der damals königstreuen Satrapen Autophradates und Maussollos (s. d. Xen. Ages. II 26. Corn. Nep. Timoth. 1, 3. Ages. 7, 2; vgl. Polyaen. VII 26). Zum Dank für diese Dienste trat A. die früher von ihm besetzten Städte der thrakischen Chersones Sestos und Krithote an die Athener ab und belohnte Agesilaos mit Gold (Corn. Nep. Timoth. 1, 3). Dafür wurde wieder ihm, seinen Söhnen und Hauptberatern attisches Bürgerrecht verliehen (Dem. XXIII 141. 202; vgl. CIA II 98). A.s glückliche Kämpfe gegen die königlichen Truppen trugen mit zur Ausbreitung des grossen Satrapenaufstandes bei. Als dieser aber scheiterte (362), ist A. mit in das Verderben gerissen worden, von seinem eigenen Sohne Mithradates wurde er verraten und gekreuzigt (Harpokr. Xen. Cyrop. VII 8, 4; vgl. Diod. XVII 17. Aristot. pol. VIII 1312 a. Val. Max. IV 11 ext. 2. Krumbholz De Asiae min. satr. pers. 1883, 71ff. Judeich Kleinas. Studien 1892, 197ff.). Die Vermutung v. Gutschmids Kl. Schr. III 521ff., dass der A. vom J. 407 und der vom J. 367 verschiedene Personen seien, ist unbeweisbar und sehr unwahrscheinlich.