Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band IV,2 (1901), Sp. 2224–2225
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Datames (Δατάμης), persischer Satrap, Sohn des Karers Kamisares und der Paphlagonerin Skythissa, diente in seiner Jugend unter der Palastgarde des Artaxerxes II. Mnemon und zeichnete sich zuerst im Kriege gegen die Kadusier (um 384 v. Chr.) aus. Nachdem der Vater in demselben Kriege gefallen war, wurde D. mit dessen Provinz, dem südlichen Kappadokien, belehnt (Corn. Nep. Dat. 1. 2, 1; vgl. Diod. XV 91. 2. Judeich Kleinas. Studien 1892, 129. 191). Danach hat er vielleicht an den Kämpfen teilgenommen, die Autophradates von Lydien gegen den aufständischen Flottenfuhrer Tachos (um 382) führte, und ganz Kappadokien als Statthalterschaft erhalten (Corn. Nep. Dat. 2, 1. Judeich a. a. O. [2225] 191). Im Anfang der 70er Jahre finden wir D. mit der Unterwerfung Paphlagoniens beschäftigt. Den Fürsten Thuys führte er gefangen zu Hofe (Corn. Nep. Dat. 2, 2–3, 5; vgl. Theop. bei Athen. IV 144 f. X 415 d. Aelian. v. h. I 27). Zur Belohnung sandte ihn der Grosskönig als Feldherrn zu dem sich damals gegen Ägypten sammelnden Heer. Später (um 375) erhielt er sogar den Oberbefehl (Corn. Nep. Dat. 3, 5) und hat anscheinend in dieser Stellung Münzen schlagen lassen (Babelon Catal. des monn. gr. de la Bibliothèque Nationale. Les Perses Achéménides 1893, XXXVIIff. 25ff.). Aber noch ehe er gegen Ägypten aufbrach, wurde ihm der Auftrag, den Dynasten von Kataonien Aspis zum Gehorsam zu zwingen. Auch das leistete er rasch. Trotzdem veranlassten ihn Verdächtigungen und Intriguen seiner Feinde am Hofe, das Heer zu verlassen und sich in seine Provinz zu begeben. Hier bemühte er sich, seine Herrschaft zu festigen und auszudehnen, besetzte Paphlagonien, griff Sinope an, stand aber auf Artaxerxes Befehl zunächst von der Belagerung ab (Corn. Nep. Dat. 4. 5, vgl. Polyaen. VII 21, 2. 5. Judeich 192f.). Aber später hat er die Stadt doch genommen, wie zahlreiche von ihm dort geschlagene Münzen beweisen (Judeich 195; vgl. J.P. Six Numism. Chronicle XV 1895, 169ff.), auch Amisos und andere feste Plätze scheinen in seiner Gewalt gewesen zu sein (Polyaen. VII 21, 1; vgl. Ps.-Aristot. oecon. II p. 1350 b. Corn. Nep. Dat. 5, 6).

Die Abfallsgedanken, die man D. bei Hofe zuschrieb, reiften wirklich. Als erster in dem grossen Satrapenaufstande des 4. Jhdts. v. Chr. erhob er um 370 die Fahne der Empörung, vielleicht durch den Verrat seines eigenen Sohnes Sysinas zu früherem Losschlagen gedrängt. Auch als der Kampf schon entbrannt war, fand sich Verrat im eigenen Lager – sein Schwiegervater Mithrobarzanes ging im entscheidenden Augenblicke über –, dennoch behauptete sich D. geschickt gegenüber den Angriffen des Autophradates, bis dieser um 367 durch den Aufstand des mit D. verbündeten Satrapen von Daskyleion Ariobarzanes genötigt wurde, mit ihm einen Scheinfrieden abzuschliessen (Corn. Nep. Dat. 6–8. Diod. XV 91, 2. 7. Polyaen. VII 21, 6. 28, 2. Frontin. strat. II 7, 9. Judeich 194ff.). Wenig später (um 365) scheint D. selbst zum Angriff übergegangen zu sein. In Mesopotamien und Pamphylien wurde gekämpft (Polyaen. VII 21, 3. Nep. Dat. 9. Judeich 204), bis es endlich nach mehreren vergeblichen Versuchen dem Grosskönig gelang, um 362 D. durch Mord zu beseitigen (Diod. XV 91, 2. 7. Corn. Nep. Dat. 9–11. Polyaen. VII 29). Das Andenken des kühnen, schlauen und thatkräftigen Mannes hat sich lange in seiner Provinz gehalten, es spiegelt sich noch in der Art der Erwähnung, in der später willkürlich zusammengestellten Ahnenreihe der kappadokischen Fürsten (Diod. XXXI 19, 2ff.) wieder. Es scheint, dass nach ihm sein verräterischer Sohn Sysinas zunächst die Satrapie übernommen hat (J. P. Six Numism. Chronicle XIV 1894. 302ff.).